Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 10 (1.8.1860)
- Date
- 1860-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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L22 ihm dankbar zu sein. Herr vr. M. sagt nämlich: „Viele Opfer, welche dem öffentlichen Kultus darge- : bracht werden, hat nicht sowohl der religiöse Sinn j auf den Altar gelegt, als vielmehr die Nothwendig-! keit, sich vor dem Zeitgeiste und dem veredelten Ge-! schmücke der sormliebenden Gegenwart zu rehabilitireu." Das ist wahr, und wir wußten es lä'gst und . bedauerten tiefinniglich, daß man ein sc* ..e> Stück von „dem heiligen Erbe der Väter" ebenfalls ^ls ' Opfer „der Nothwendigkeit sich zu rehabili/'. .l und dem Gesch macke der sormliebenden Gegenwart" ' auf den Altar gelegt, und für das heilige Opfer ist'S jammerschade. Doch für die israelitischen Gemeinden llngarn's ist cs von unschätzbarem Wertbe von dem Rabbiner in Pesth zu vernehmen, daß die Pracht des Tempels und die pomphaft glänzende Ausstattung des Kultus dort, weder der religiösen Gesinnung entsprungen, noch zu deren Erhebung und Belebung beiträgt. Dieses ist auch das Einzige, was! uns aus dem Ganzen verständlich war, und wie ich glaube, der einzige Begriffskern in diesen vielfachen, mitunter recht unerquicklichen Dortschalen. Das Blatt erscheint am ersten Oktober; es trifft dies nach! unserm religiösen Kalender cm?»? dn und! nach zu ^8-. Möge dieß kein! schlechtes Omen für das mit wahrscheinlich guter Absicht unternommene Vorhaben sein. ' —a, Rabbiner. Paks, Itl. Juli. Erlauben Sie mir, verehrter Herr Redakteur, Ihnen heute einige Worte über eine Angelegenheit von der höchsten Wichtigkeit mitzuthei- ' len. Es ist ist die Gestaltung der Schulen, von denen die Zukunst Israels abhä gt, der nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt werden kann. Hier in Ungarn gibt es noch viele fromme Gemeinden, die, unter der Leitung hochachtbarer Nabbinen stehend, allem j Dem Rechnung tragen, was die Pflege der Uebung der heiligen Neligionsgcsetze und die Liebe zu dem angestammten väterlichem Glauben als nothwendig . erfordert; aber in einem Punkte ist selbst der Zustand! der meisten dieser Gemeinden lückenhaft zu nennen,! da nämlich in den Unterrichtsanstalten, der neuen! Organisation zufolge, aus das Mische Element nur spärlich Rücksicht genommen wird. Wohl muffen in der Volksschule all diejenigen Fächer des Unterrichts vertreten sein, deren Kennlniß zum später» Lebensberufe erforderlich ist; nicht aber ist es zu rechtfertigen, daß das hebräische Element auf den bloßen Bibelunterricht beschränkt ist, so daß die der Schule entwachsenen Knaben nicht einmal den Naschi-Commentar zu Gesicht bekommen haben, so daß ihnen die Brücke fehlt znm Verständuiß derjenigen Werke, die da der Jude kennen muß, um sich mit den Lehren unserer Religion zu durchdringen. Ist ein socher Unterricht hinreichend,- um für das Leben gegen Verführung und Laster zuschützen, kann Kanzelberedtsamkeit dem herangereifteu Manne das in der Jugend Versäumte ersetzen? Die Schuld liegt nicht an der Organisation; der gesetzlichen Lehrstunden sind so wenige, das; dem jüdischen Studium Raum und Zeit genug geboten werden könnte; aber das geschieht nickt, und dieß ist unsrer Meinung nach die Aufgabe eines jeden ernstwollenden Seelsorgers mit allem Kraftaufwande dabin zu wirken, daß der jüdische Unterricht an der isr. Volksschule ein umfassenderer werde. — Die Sache erscheint mir von so außerordentlicher Wichtigkeit, daß ich unsere hervorragendsten frommen Rabbinen ersuchen möchte, in Gemeinschaft einen dem besprochenen Bedürfnisse abhelfenden Lehrplan auszuarbeiten, um denselben unserer hohen Negierung, die so huldvoll für das Wohl der Bekenner aller Consessionen sorgt, zu unterbreiten. Es wäre überhaupt für unser engeres Heimath-. land von unendlichen; Nutzen, wenn ausgezeichnete Rabbinen zu Vertretern des ganzen Eomitats ernennt werden würden, die das Recht hätten das Talmudstudium zu erhalten und zu erheben, die einzelnen Rabbinate und die Schechita zu überwache»; und dafür Autorisationen zu ertheilen *). Möchten diese meine Worte bei einflußreichen und für Israels hohe Bestimmung begeisterten Männern Anklang finden und den Impuls zu edlen Bestrebungen geben. Salomon Klein, Rabbinats-Affeffor. Preßvurg, im Juli. Von vielen Seiten ist man bemüht, das Vorherrschen der Reform auf jüdisch-religiösen; Gebiete in Ungarn mit großem Jubel zu verkünden; allein unsere Reformatoren sind weit davon entfernt, hier zu. Lande pn 21-» auszumachen. Die praktische Irreligiosität der „Verbesserer" bringt dieselben um allen und jeden Credit. *) Die Redaction kann sich mit dem zweiten Vorschläge des geehrten borrcspondemen nicht unbedingt einver^anden^ erklären: