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Der Israelit · 1860-08-01 · Heft 10 (1.8.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 10 (1.8.1860)
Date
1860-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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121 macht ein jüngst zur Judenfrage erschienenes Werk von vr. Ka lisch, dem amtliche ActenstüSe zu Gebote standen. Sie sind ihm früher von dem verstorbenen Unterrichtsminister v. Ladenberg übergeben worden. Der Verfasser kommt zu dem Schlüsse, daß mit dem Jahre 1819 die alten Universitätsstatuten aufgehoben und Bezugnahmen darauf heute gegen die Juden nicht anzuwenden seien. Aus dem Werke ersieht man, daß vor oem Erlaß des Gesetzes vom 23. Juli 1847 alle Facultäts-Prosessoren wegen Zulassung der Juden zu akademischen Lehrämtern befragt wurden, und man seltsamer Weise auch nicht einmal die katholischen und evangelischen theologischen Faeultäten, die doch gar keine Interesse dabei haben, davon ausnahm. Der Verfasser gibt dann die einzelnen Gutachten der Professoren, worunter sich das von Dahlmann besonders auszeichnet. (K. Z.) Berlin, 21. Juli. Der „Staatsanzeiger" theilt einen Bescheid der Minister der Justiz und des Innern auf die Anfrage eines Synagogenvorstandes über die Eintragung der im Auslande geschlossenen jüdischen Ehen in die gerichtlichen Eheregister mit, nach welchem es dieser Eintragung gar nicht bedarf, wenn bei jenem Eheschlusse die im betreffenden Auslande geltenden Förmlichkeiten befolgt wurden. Geschah dieß bei dem Aufgebote, ohne daß dasselbe nach preußischer Weise weiter veröffentlicht wurde, so genügt dessen nachträgliche Bescheinigung innerhalb tt Wochen, wenn nur das Eine der Brautleute dem Auslande angehört. — Zur Zeit befindet sich in Königsberg eine seltene Art von Convertit, nämlich ein zum Judenthum übcraetretener Mennonit aus Tiegenhof in Westpreußen. Derselbe heißt Elaassen, war ein vermögender Gutsbesitzer uud wanderte von zehn Jahren, nachdem er zum Judenthum übergctreten, nach Palästina aus. Er ist ein höchst glaubenseifriger Jude und will in Palästina eine Ackerbau-Colonie gründen. 4 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 9. Juni. Herr Quirin, der bekannte „Judenfresser" und ins Weltliche übersetzt Sebastian Brunn er, hat seinen Protest gegen das Landcsgerichts - Urtheil im Kuranda-Vrunner'schen Prozesse, nachdem er in erster Instanz zurückgewiesen worden, auch von der zweiten Instanz in gleicher Weife zurückerhalten und wird nun seine Ansichten in dieser Angelegenheit in einer Broschüre niederlegen. Dann behaupte noch Jemand, daß es mit den Wiener humoristischen Schriften vorbei sei. (DLsch. Z.) Ans Ungarn. Die jüngste Neuigkeit von Bedeutung in unserm Lande in religiöser Beziehung ist die Pränumeiationseinladung auf die Wochenschrift: „Der Karmel", angekündigt von dem Redakteur, Hrn. I)r. W. A. Meisel, Oberrabbiner in Pesth. Herr vr. M. versichert etwas ostensibel, daß er cs mit dem heiligen Erbe der Väter ehrlich meinen werde. Wir wollen es ihm, bis wir eines Andern überzeugt werden sollten, gerne auf das Wort glauben. Herr vr. M. hat sich eine Aufgabe gestellt, deren Lösung ihm selbst noch gar nicht klar zu sein scheint; er hüllt sich in eine fast undurchdringliche Wolke von Phrasen und dunklen Bildern, daß es uns ordentlich unheimlich wird. Herr vr. M., der die Kluft der religiösen (?) Parteien Überdrücken will, muß ein eigenes Material hiezu erfunden haben, worauf er wahrscheinlich erst ein Patent nehmen und es uns einstweilen nicht nennen will. Was er hierüber sagt, scheint mehr, — nach dem Grundsätze jenes französischen diplomatischen Baukünstlers, der auch viele Kluften zu überbrücken unternahm, — seine Gedanken zu verbergen geeignet zu sein. Doch, wie gesagt, halten wir ihn für ehrlich und glauben eher unter dieser unverständlichen Phraseologie, Gedankenleere, als deren Fülle verborgen, vr. M. verspracht, daß er das Sezirmesser und die Aetze der schonungslosen Kritik zu verwenden nicht gesonnen ist. Diese negative Eigenschaft des Karmel kann ihm und der Sache, der er damit dienen oder die er nur schonen will, nicht viel Ruhm einbringen. Es muß schlecht um eine Sache stehen, die der Großmuth uud Nachsicht oder auch nur der Enthaltsamkeit einer strengen Kritik ihren Fortbestand dankt. Er will weder Sturmleiter noch Taucherglocke gebrauchen. Daß er letztere auch im bildlichen Sinne nicht gebrauchen will, ist ein Beweis, daß er das Lfür ein gewagtes Experiment hält und lieber vorsorglich der Gefahr aus dem Wege geht. Aber für eine Bemerkung haben wir alle Ursache

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