Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 10 (1.8.1860)
- Date
- 1860-08-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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149 vierstimmigen Chorgesang*); wenn er dem Wiener > Vorstande in dieser Richtung dienen könne, sei er dazu bereit. — Ebenso kam Herr vr. I. M. Jost aus Frankfurt a. M. vor einigen Jahren nach Berj lin und wohnte dem Gottesdienste des dortigen Nesormvcreins bei. Nachdem derselbe drei Stunden lang die Chorgesänge und den Orgelsvectakel ausgehalten hatte, war die Andacht zu Ende; und als ihm ein Vorsteher die Frage vorlegte: „Nun, wie hat Ihnen denn unser Gottesdienst gefallen?" antwortete der ehrliche Alaun eben so derb-naiv als aufrichtig: „Ganz miserabel!" Aber weder Herr Dr. Jost, noch Generalmusikdirektor Meyerbeer stehen im Geruch der Hyperorthodoxie, und ihre Meinung sollte darum gerade bei unfern modernen Brüdern alle Beachtung finden! Was spricht nun für die Orgel? Nichts als unsere Eitelkeit. — Wenn wir dem Schöpfer der Welten eine Orgel verehren, so meinen wir nicht ihn, sondern uns damit! Nicht ihm, uns selbst streuen wir Weihrauch, denn wir wissen es Alle sehr gut, daß ->>'2 827 852N-,, daß Gott nur unser Herz will, -,2m; 2v ein reuiges, demnthiges Herz; aber durch Oftentation en im Gottee-Hause wird nur der Hochmuth erzeugt. Die Orgel in der Svnagoge ist unjüdisch, unsere Großväter haben sie nicht gekannt, sie hat keinen historischen Boden in Israel; wir sind bisher ohne Orgel fertig geworden, und werden weiter ohne sie fertig werden. Keine Separat-Rücksicht soll uns bestimmen, unter dem Vorwände Gott zu verehren, sein heilig Gebot zu verletzen. Und außerdem, ist denn der Zerklüftung in Israel noch nicht genug? Sollen die Spaltungen immer noch zunchmen, und wenn in den Häusern Jeder seinen eignen hat, oder auch gar keinen, sollen wir die Einheit im Gottesdienste auch noch preisgeben, bis zuletzt gar kein gemeinsames, ^*) Dir^Ntdarlion erlaubt sich hiebei;u bemerken, daß aucb den jüdischen Gottesdienst ist; es bar im Gegcntbeile^ie Erfahrung gelebrt, das; der l<horgesang sehr bäung die Ucbcrgangsbrücke zur Orgel bildet, wie es der geehrte Herr Corrrspondrnt auck an Kassel na-l'gcwicscn hat. l?s wird noch die Zeit kommen. religiöses Band mehr uns zusammenhält? Und welcher Abstand wird, wenn die Orgel als integrirender Theil des Gottesdienstes endlich doch decretirt werden sollte, welcher Abstand wird zwischen den größeren und kleinern Gemeinden henwrgerufen, die oft kaum ihre Lehrer anständig besolden können und das Geld zu solchen Ausgaben nicht zu erschwingen vermögen, und wenn sie es erschwingen, einem edleren und nothwendigeren Zweck entziehen müssen? Nein, laßt uns den Gedanken an Einführung einer Orgel aufgeben; wollen wir etwas thun, so laßt uns das Bestehende stützen, laßt uns für eine bessere religiöse Erziehung der Jugend sorgen, laßt uns wieder andächtig beten lernen, wie es unsere Großeltern vöm uns ohne Orgel gekonnt, und indem wir an der jüdischen Sitte sefthalten, wird auch unser Interesse! für die Religion wieder zunehmen, und werden Friede und Versöhnung in nnsern Lagern wieder heimisch i werden. k. Ll. Kassel, 17. Juli. Unter den 10 Wahlmännern der Stadt Kassel finden sich gegen zwölf Israeliten, und wenn auch die Abgeordneten für Kassel keine Israeliten sein werden, so bleibt es immerhin bemerkenswertst, daß den Israeliten nach den Verhandlungen aus dem astgelaufenen Landtage dennoch die passive Wahlsähigkeit ohne Weiteres zugcstanden ist. Von der Elbe. Indem ich mich, Herr vr., mit Ihrer Bemerkung in Nro. 7. d. Bl. S. 79 einverstanden erkläre, und vollkommen Ihnen beipflichte, daß wir kein als Jude geborenes Individuum, trotz seiner irreligiösen, unjüdischen Lebens- und Denkweise, vom Judenthume ausschließen können, so werden Sie mir doch erlauben, daß ich henke ans den so allgemein gebrauchten Ausdruck „orthodoxes Indentstund zurückkomme, und Ihnen meine Ansicht hierüber darlege. Ich bin gern bereit, dieselbe zu verwerfen, wenn ich anderseits eines Besseren belehrt werde. Bekanntlich beschränkt jedes Epitheton den Begriff des zu bestimmenden Hauptwortes, es macht aus einem generellen einen speciellen Begriff. Es kann also nur da angewandt werden, wo wirklich von einem theilbaren Begriff die Nede ist, um einen Theil vom Ganzen, wie von den übrigen gleichartigen Theilen zu unterscheiden, oder mit andern Worten eine Art