Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 10 (1.8.1860)
- Date
- 1860-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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118 Kinder, das Heranwachsende Geschlecht, zu sorgen. Wir wollen keineswegs der Vergangenheit Israels eine übertriebene Bewunderung zukommen lassen; auch die früheren Geschlechter hatten ihre Fehler, auch sie waren Menschen; vielleicht wäre es ohne diese Fehler nicht so weit gekommen, und es stände jetzt noch ganz anders mit uns. Wir wollen auch keineswegs das Gute verkennen, was die Jetztzeit hat; wie gern heben wir die Vorzüge hervor, die unsre Zeitgenossen auszeichnen, wie gern wollen wir Allen Gerechtigkeit widerfahren lassen! Allein das müssen Alle bekennen, daß hervorragend große Männer immer seltener unter uns werden, und wenn die vergangenen, finsteren Zeiten, und der Mangel an guten Schulen auch in geistiger und sittlicher Be- ' ziehung manche Zustände nach sich zog, die für Ver-! gangenheit und Gegenwart beklagenswerth find, so ist es um so beklagenSwerther, daß unsre Zeit, die vermöge der heutigen Lebensverhültniffe und ihres Bildungszustandes wohl befähigt wäre, in allgemeinster Ausdehnung, die Hoheit und den Geist des Judenthums erst so recht zu begreifen und zur Richtschnur für ihr Leben sich dienen zu laßen, gerade jetzt so wenig von ihm erfahre, ja, was sie davon erfährt, oft die verkehrtesten Ansichten, die absurdesten Vorurtheile gegen dasselbe hervorbringt. Darum laßt uns für Schulen sorgen. Es ist viel, schon viel, aber auch noch gar nichts verloren; es kommt nur darauf an, wie man es auffaßt. Aber Schulen, gute Schulen! und für diese Schulen gute Lehrer! In unserm Kurhessen ist schon viel dafür geschehen, und wenn auch noch mehr dafür hätte geschehen können, so hält cs doch den Vergleich mit andern Staaten ruhig aus. Sollen indessen unsre Schulen vollkommener und bester werden, so genügt es nicht, nur die guten und mangelhaften Seiten derselben hervorzuheben; so müssen praktische Nathschläge ihren Ausdruck finden, und der strebsame Lehrer, dem es selten vergönnt ist, in seiner Gemeinde einen bildenden Umgang zu genießen, muß zu dem Fortschritt und zur Selbstvervollkommnung irgendwo eine Anregung finden. Der Einsender dieser Zeilen, der in dem Schulfache nicht ganz obne Erfahrung ist, hält es daher nicht unzweckmäßig, das Resultat derselben durch diese Blätter seinen jüngern College» zur Prüfung vorzulegen, und wünscht, daß viele und tüchtige Schulmänner sich veranlaßt sehen möchten, ein'Gleiches zu thun. 2221-. .-^r» 2^2:2 Wenn auch nur etwas Gutes zu Tage gefördert wird, wenn auch nur in Etwas dein Lehrer sein schwieriger Beruf erleichtert wird, so ist die Mühe nicht vergeblich gewesen und, hinlänglich belohnt. (FortsJ folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, im Juli. Je leichter es ist, einen wichtigen Beschluß zu fasten, desto mehr sollte man die Tragweite der Folgen bedenken, die eine Uebereilung haben könnte. Dir haben eine Synagoge für 45,000 Thaler; eine solche für die Hälfte hätte uns dieselben Dienste geleistet. Die geräumigen Säulengänge unterhalb der Galerien sind unbenutzt; dagegen ist das Gebäude eine architectonische Zierde der Stadt! Die Anschaffung einer Orgel wird die Gemeindekaste wieder um einige Tausend Thaler belasten; das Geld wäre gerades Weges vergeudet! Wir hören von so vielen christlichen Geistlichen gegen die Orgel eisern, und den stimmigen Cboralgesaug empfehlen; die protestantische Kirche hat ihre Liturgie so vereinfacht, und verwirft den musikalischen Pomp der katholischen Kirchencompositioneu; und wir Juden sollten jetzt anfangen, eine neue Synagogenmusik zu schaffen, sollten, was vernünftige Männer als fremdartiges Element erkannt und bezeichnet haben, was der wahren Andacht Eintrag thut, sie verscheucht, aus bloßer Rachäfferei eiuführen und so den letzten Rest echt jüdischer Gebctweise verdrängen! Bedürfte es noch des Unheils eompetenter Männer aus unserer eignen Dritte, so brauchen wir nur zwei Coryphäeu auf verschiedenen Gebieten zu nennen, deren Meinung in der vielbesprochenen Frage schon in öffentlichen (Berliner) Blättern erwähnt worden, aber gleichviel nicht so allgemein bekannt sein dürfte. Als vor einigen Jahren in Wien eine neue Synagoge gebaut wurde, und der betreffende Synagogcnvorsteher sich an G. Meyerbeer mit der Bitte um eine i Composition für die Orgel wandte, die bei Gelegenheit der Einweihung aufgeführt werden sollte, ant-! woriete derselbe: Eine Orgel im jüdischen Gottesdienste kenne er nicht; er keime nur einen guten