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Der Israelit · 1860-07-25 · Heft 9 (25.7.1860) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 9 (25.7.1860)
Date
1860-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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113 Stuhlweistenbnrg, 8. Juli. Die Korrespondenz von hier in No. 6 Ihres geschätzten Blattes hat hier um so größere Freude erregt, als sie den Sachverhalt der Wahrheit gemäß darstellt und die gute Sache gegenüber ungerechtfertigten Angriffen in Schutz nimmt. Dem Himmel sei es gedankt, daß nunmehr das öffentlich gesprochene Wort für Wahrheit und Recht ertönt; wir hoffen, daß es zur Klärung der Verhältnisse und zum endlichen Siege echter Glaubenstreue nicht wenig beitragen wird. Um jedoch der Wahrheit vollkommen zu entsprechen, erlaube ich mir eine kleine Unrichtigkeit genannter Korrespondenz dahin zu berichtigen, daß es derselbe Vorstand war, der unfern verehrten Herrn Oberrabbiner vr. Gugenheim hieher berufen, welcher demselben jetzt unmotivirte Schwierigkeiten in den Weg legt; es spricht dieser Umstand nur noch mehr gegen diesen Vorstand, der die streng orthodoxe Richtung unsres Herrn Oberrabbiuers kennen mußte, ehe er ihn (zum Heile der Gemeinde) hieher berufen und jetzt der ausgesprochenen Gesinnung eines charakterfesten Mannes Gewalt anthun will. Da strenge, wahrheitsgetreue Genauigkeit nur im Interesse der nuten Sache liegen kann, so erlaube ich mir, Sie z itten, dieser kleinen Berichtigung in Ihrem wellverbreiteten Blatte Raum zu gewähren. — 8. Italien. Genua, im Juli. Ueber die Verhältnisse der Juden ül Italien werde ich mir erlauben, geehrter Herr Nedacteur, später einmal ausführlich zu berichten. Soviel will ich heute schon kurz mittheilen, daß die echte Neligiösität, namentlich in den größern Städten, leider vielfach gewichen ist, woran die Nabbinen viel Schuld tragen, da dieselben ihr Amt zu gleichgiltig verwalten und namentlich nicht dafür sorgen, daß die Jugend eine echt jüdische Erziehung erhält. Es gibt hier Knaben, die schon das 14te Lebensjahr erreicht und die noch nicht den Pentateuch, ja nicht einmal das tägliche Gebet zu übersetzen gelernt ha bell. Freilich hat es sich in neuster Zeit auch hier etwas gebessert, denn das ernste Auftreten der wahren Frommen im Auslände und namentlich in Deutschland hat auch hier seinen Wiederhall gefunden. — Es haben sich schon Parteien gebildet, deren Princip ist, mit aller Energie eine jede gesetzwidrige (Beilage zu Vro. Neuerung zu bekämpfen, und diese haben auch schon manches Ersprießliche durchgesetzt. — Kleinere Gemeinden gibt es, Gott sei Dank, noch manche, an denen der zerstörende Zahn der Neuzeit noch nicht genagt und die in frommer, altherkömmlicher Weise ein streng religiöses Leben führen. So kann ich Ihnen die kleine Villaggio ..Cento" (bei Bologna) nennen, in der eine isr. Gemeinde von zwar, nur 100 Seelen eristirt. unter denen sich jedoch, ungefähr 20 Familienväter (wohlhabende Kaufleute) be-- finden, die sich mit größtem Fleiße täglich mit dem Studium des Talmuds beschäftigen. ES sind einige in weiten Kreisen berühmte Lamdanim daselbst, von denen ich Ihnen besonders den hohen und scharfsinnigen Gelehrten l"-o 2pp' '2-» erwähne, der die gesammte Mischna auswendig weiß und Tag und > Nacht fast unaufhörlich Talmud studirl. — Die fromme Gemeinde in Monticelli (bei Parma) Mit circa 300 bis 400 Seelen; die Israeliten daselbst sind fast ohne Ausnahme streng religiös, und es ist nicht Einer unter ihnen, der den Sabbat auch nur im Geriugsten entweiht. — Im Allgemeinen stehen die Juden in Italien bei ihren christlichen Mitbürgern in sehr gutem Ansehen; viele bekleiden hohe Aemter und in allen großen Städten, wo Juden wohnen, sitzeil einige derselben im Senats (Stadtdirektion). In Mailand ist Herr Rath Giuseppe Levi Mitglied vom Senats. Derselbe ist bei der ganzen Bevölkerung Mailands wegen/ seiner großmüthigen Mildthätigkeit und Menschenliebesehr beliebt. Er ist auch Mitglied des Vorstands der:, isr. Gemeinde und wiewohl er selbst, da er leider in moderner Richtung erzogen, nichts weniger als ' ein altjüdisches Leben führt, so duldet er dennoch durchaus keine 'Neurungen im jüdischen Kultus, und Nichts ist ihm verhaßter, als die sogenannten philosophischen Neujuden. — In der Armee befinden sich viele Israeliten mit hohen Chargen, namentlich aber viele Lieutenants, von denen einige recht fromm sind. So kann ich Ihnen den, wegen seiner tiefen Gelehrsamkeit in der hebräischen Literatur bekannten Lieutenant Weill-Schotl aus Mailand nennen, der trotz der schwersten Dienst- -» zeit nicht vergißt, täglich seine Gedenkriemen anzulegen und die Morgen- und Abendgebete zu verrichten. V. - N des Israelit.)

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