Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 9 (25.7.1860)
- Date
- 1860-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2446952-2446962--00125-2455282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gemeinde überhaupt; einige Tage darauf erhielt -der Herr Rabbiner . Fromm folgendes, hohes Schreiben non Seiten des Herrn Hofmarschalls, das wir wörtlich andurch wieder geben: .. , - - Hochgeehrtester Herr Rabbiner! Von des Herrn Landgrafen Hochfürftlicher Durchlaucht beauftragt, Ew. Ehrwürden den verbindlichsten Dank auszüdrücken für den von Ew. Ehrwürden und der hiesigen israelitischen -Gemeinde aus Anlaß des diesjährigen hohen Geburtsfestes Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht in hiesiger Synagoge veranstalteten, feierlichen Gottesdienst nebst von Ew. Ehrwürden gehaltenen, ausgezeichneten- Festrede, gereicht es mir zugleich zu einem wahrhaften Vergnügen, dieses höchsten Auftrages mich andurch zu entledigen und die Versicherung der aufrichtigsten Hochachtung beizufügen, womit ich stets beharre Ew. Ehrwürden ergebenster (unterz.:) von Ditzerihofer, Landgräfl. Hess. Hofmarschall und Kammerherr. Es brachte dieses sowohl für unsere Gemeinde, als für unfern Herrn Rabbiner höchst ehrenvolle Schreiben eine allgemeine Freude bei uns hervor, insbesondere freute man sich auch darüber, daß das segensreiche, thätige und uneigennützige Streben und Wirken unsres Herrn Rabbiners auch von Seiten des Fürsten die gebührende Anerkennung findet, wie solches von Seiten der ganzen Gemeinde und aller behördlichen Kreise längst rühmlichst bekannt ist. Binge, Negierungs-Advokat. München, 18. Juni. Seit einiger Zeit bereist ein junger Marokkaner Deutschland, angeblich in der Absicht, seine jüngst bei Gelegenheit des spanisch-marokkanischen Krieges in Gefangenschaft gerathenen Verwandten durch Aufbringung eines bedeutenden Lösegeldes zu befreien. Da derselbe im Besitze der besten Empfehlungen ist, so gelingt es ihm, bedeutende Summen zusammenzubringen. Uns scheint der Mann ein Betrüger zu sein, da er trotz seiner erheuchelten Frömmigkeit in der Nacht von Freitag auf Samstag von hier abgereist ist.*) R. *) Anm.. des Red. Der Erwähnte befindet sich auch im Besitze ein«: Empfehlung von^nnine^Hand, die^namentlich durch Preußen. Minden, im Juli. Obgleich in unserin WestpH alen Judenthum und jüdisches Wissen nicht so heimisch sind, wie in dem südlichen Deutschland es der Fall ist, so war das Erscheinen Ihrer Zeitung doch nicht ohne Interesse für uns; denn, wenn wir auch nicht zu den Orthodoxen zählen, so fühlen wir uns doch Juden; die Wahrheit zu hören ist uns nicht gleichgültig. Wir haben für Wahrheit immer nehmen müssen, was eine als unparteiisch sich gerirende Zeitung uns als solche bot; wir werden dem gegenüber auch einmal eine andere Meinung hören, und das wird uns mindestens vor Einseitigkeit bewahren. Was uns fehlt, ist überhaupt Bele hr ung. Seit langen Jahren entbehren wir in unserem Regierungsbezirk eines Nabbinen, ohne solchen gerade zu vermissen. Wir gleichen Kranken, die des langjährigen Siechthums gewohnt, nach dem Arzte kein Verlangen mehr haben; wir thun, was uns behagt, und hängen unfern Gewohnheiten an, seien es Tugenden oder Unarten. Im Privatleben erlauben wir uns Manches, was nicht gutgeheißen werden dürste*); die Haushaltungen sind fast durchgehends streng religiösdie Läden am Sabbat, mit wenigen Ausnahmen, geschloffen. Die Synagoge wird an Festtagen fleißig, an den Sabbaten spärlicher besucht, und hält unser Lehrer und Prediger, Herr Edler, monatlich einmal Predigt. Herr Edler ist als Prediger sehr beliebt; sein Vortrag ist klar und deutlich, der Inhalt seiner Predigten durchdacht, und er sucht darin auf den religiösen Sinn seiner Gemeinde zu wirken, und die Liebe zum Judenthum wach zu rufen. Die Reformen, die in unsrer Synagoge eingeführt sind, zeugen indessen von nicht allzutieferKenntniß des Rituals von Seiten dessen, dem sie ihre Entstehung verdanken. So sind die O'vi'S von allen Festtagen und von den zwsr beibehalten, während man doch den dreijährigen Cyclus eingeführt hat**)! Herr *) Anm. der , Red. Der geehrte Herr Correspondent ist wenigstens offen; wir glaubten jedoch, den Bericht unfern Lesern nicht vielen Orten mit unfern heiligen Institutionen gewirtchscha,ftet wird. Herr Edler, ein Reformator des Judenthums! **) Aus den Worten des Herrn Correspondenten könnte die