Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 9 (25.7.1860)
- Date
- 1860-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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vergesse mein, meine , rechte Hand; es klebe meine Zunge an. meinem Gaumen, wenn ich Dein) nicht, gedenke, wenn selbst der Freude Gipfel nicht umrauscht die wehmuthsvolle Erinnerung an Jerusalem! Dieser - tiefe, fast Jahrtausende hindurch immer mit erneuter. Kraft brennende Schmerz ist-zugleich die .Quelle der höchsten Freude. Wer um den Fall der Gottesstadt trauert, erfreut sich schon jetzt der Gewißheit ihres Aufbaues. Das Gestorbene wird vergessen; also hat es der Allmächtige in seiner Weisheit eingerichtet;, das stete Gedenken ist der sicherste Beweis, daß die Gottesstadt noch lebt und uns in ihrer Glorie wieder erscheinen wird zum Heile der gesammten Menschheit. Die Verheißung, daß Füchse ihren Bau aufschlagen werden in den Ruinen des Allerheiligsten, hat sich erfüllt; ebenso , wird sich erfüllen die Verheißung,: daß dieses Allerheiligste wieder erstehen wird in seiner Pracht, daß uns dem Altäre Gottes wieder lodern wird die dem Himmel entstammte Flamme, das Licht der Wahrheitdie Gluth der Begeisterung, das erwärmende Feuer der Bruderliebe sür alle Nationen der Erde! Fassen wir noch einmal kurz die Ursachen der Zerstörung zusammen, sie sind: Mangel an Vertrauen- Mangel an Gemeinsinn, Verblendung des Geistes, die sich darstellt als Haß unter Brüdern und als Verkennen unserer erhabenen Bestimmung. Dieselben Ursachen hindern noch heut die Erlösung. Gewinnen wir Vertrauen zu' Gott, lassen wir das geistige und sittliche Wohl unserer Mitmenschen uns angelegentlichste Sorge sein, lieben wir einander und schreiten wir, ernstlich wollend, dem hohen Ziele entgegen, das Gott uns gestellt, und unsre Augen werden schauen, wie Gott erbarmungsvoll zurückkehret nach Zion. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, im Juli. Die Orgelfrage ist nur vertagt, nicht beseitigt. Ueber kurz oder lang wird der Wunsch, unfern Tempel mit'einer Orgel geschmückt zu sehen,'doch Noch Befriedigung finden, wenn die gegenwärtigen Verhältnisse sich 'nicht nach der einen oder' ändern- Seite -hin ändern sollten. So viel sich auch gegen die Orgel sagen läßt > so. viel auch gegen die Orgel schon gesagt worden ist, wir missen es: ci-r -nruirni rinn: Allerdings kommtdie letzte Entscheidung doch wieder unserm Rabbinen zu, der sich - über die Zulässigkeit der Orgel aüszusprechen und ihre Einführung erst zu sanctioniren hat: Und wie.verhält sich Herr vr. Adler zu dieser Frage? Sv viel man weiß passiv. Herr Landrabbiner vr. Adler ist ein Mann von vieler Klugheit, der den feinen Tact besitzt, diese wichtige Angelegenheit von der Gemeinde austragen zu lassen. Da wir aber die Neigung des Herrn Adler kennen, je-- dem, ihm billig scheinenden Wunsche seiner: Gemeindebereitwillig entgegenzukommen, um sie zusammenzuhalten, und durch Nachgiebigkeit zu erzielen, was die starre Strenge nicht fertig bringt, — so glauben wir auch, daß er dem ganzen Streben günstig war und ist. Es ist zwar nicht bekannt, daß Herr Adler etwas dafür gethan, es ist aber gewiß, daß er auch nichts dagegen gethan hat. Mit etwas größerer Entschiedenheit von seiner Seite, wäre nicht nur den wenigen Ort'odoxen in Kassel, wäre auch vielen Glaubenstreuen auf den: Lande eine Sorge und ein Aegerniß erspart worden; denn was in der Kasseler Gemeinde geschieht, das ist für Kurhessen und das nächste Ausland maßgebend, und die Befürchtung wäre nur zu gerechtfertigt, daß Spaltung und Zwietracht durch einen voreiligen Ausspruch unseres Rabbinen in viele Gemeinden gesäet worden wären. Wir wiederholen es, Herr Rabbiner Adler täuscht sich, wenn er durch Concessionen der guten Sacher einen wahrhaften Dienst zu erweisen vermeint, abgesehen davon, daß er sich gewiß nicht zu dem Grundsatz bekennt, daß der gute Zweck ihm die Befugniß dazu gestatte. Und dieser erscheint ihm ohne Zweifel ein sehr guter! — Zwar wird Herr Adler nach seiner mehrfach angedeuteten Ansicht sich verpflichtet , Halten, der Gemeinde zu lieb, sichüber einen ^'ki rr'On->22. N2V *) wie Orgelspiel am Sabbat hinauszusetzen; was will das auch heißen, wenn der Gottesdienst nur an ästhetisch-formellem Werth gewinnt und bildend auf den Geschmack der Besucher wirkt, beziehungsweise ihm entspricht. Zwar wird der Grundsatz : von Herrn A. wenig beachtet werden, indem junge. Mädchen und verheirathete Damm ihren. köstlichen Gesang. mit dm '*) Anm. der Red. SseheBethHillelzu I. D. Cap.2. z. 4: