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Der Israelit · 1860-07-25 · Heft 9 (25.7.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 9 (25.7.1860)
Date
1860-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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108 wo wir sie nur erschauen , es frißt der Kummer an unsrem Herzen ob' eures Jrrthums, aberwir h aft sen euch n ich t, und sollte irgendwo ein Einzelner aus unsrer Mitte sich zum Hasse berechtigt glauben, so rufen wir ihm zu: Du sollst Deinen Bruver nicht hassen in Deinem Herzen! Aber ihr-, warum hasset ihr uns? warum treten eure Vorstände, eure Rabbinen, eure Prediger, eure Parteiführer der Orthodoxie stets: mit der Energie des Hasses entgegen? warum wollt ihr uns, d en Anh ängern des altberechtigten Judenthums, die freie Religionsübung nicht gestattet wissen, die ihr doch für euch selber in so ausgedehntem Maaße in Anspruch nehmt? Sehen wir uns nach Beispielen um. Welche Verfolgung hat seiner Zeit der Rabbiner non Stadt-Lengsfeld über die Israeliten seiner Gemeinden gebracht, da er sie mit Gemalt zu seinen Reformen bekehren wollte! wie wurden doch in Frankfurt a. M. auf Anlaß der Neuerer vor einigen Jahrzehnten alle Regungen und Bestrebungen der Orthodoxie mit Gewalt unterdrückt, das Talmudstudium unterdrückt, die fremden Talmudlehrer und Jünger gewaltsam aus der Stadt entfernt! wie wurde doch die Presse, die so lange Zeit den Modernen allein zu Gebote gestanden, benutzt, um die -Orthodoxie zu verhöhnen, zu verdächtigen, zu verleumden! mit welcher haßerfüllten Feder schleudert noch in neuester Zeit der Nedacteur der a. Z. d. I. die entsetzlichsten Anklagen gegen die orthodoxen Rabbinen, anstatt ruhig und würdig zu widerlegen, wie wir es ihm gegenüber beobachtet haben und beobachten werden! Im neuesten Hefte der arebivek Israslitss bespricht Herr Dr. Jost von Frankfurt a. M. ein neu erschienenes Buch; er rühmt den ruhigen und würdigen Ton des Verfassers, der nur die Sache im Auge sich frei: von Persönlichkeiten halte; nur die persönlichen Angriffe desselben gegen Rabbiner Hirsch in Frankfurt a. M. findet er erklärlich, natürlich. Und warum? Wir kennen jenes lehrreiche und würdevolle Organ des Herrn Rabbiner Hirsch, den I eschur un; wie keine andere. Zeitschrift weiß, diese, sich frei zu halten von allen pers ö n lichen Angriffen - und doch findet - es Herr vr. Jost natürlich, daß man gegen:diesen würdigen Vertreter der Orthodoxie persönliche Angriffe schleudert! Wir könnten diese - Beispiele bis ins. Unendliche vermehren, wir würden nicht fertig werden all den Jammer und<äll^ das Elend zu schildern, das die VerleumdungssüchtH der Neologen sogar in die Familien gebrächt -haW wie sie es versucht haben, selbst den guten Ruf der^ Einzelnen zu untergraben; wir begnügen uns einfach" " die Frage zu wiederholen: warum hasset ihr uns? Wessen könnt ihr uns beschuldigen? .Ist doch unser Streben einzig und allein dahin gerichtet, das von den Vätern ererbte echte, w ah re, unverfä ls chte und-unverkür z t e Judenthum uns und unfern Kindern zu erhalten!- schadet euch dieses Bestreben? seid doch tolerant gegen uns , wie wir es leider , nur zu sehr gegen euch sind! Wollt ihr uns eines Bessern belehren, nun so lehret und predigt doch, so viel es euch gelüstet, es hindert euch ja Niemand daran! Warum aber wollt ihr Waffen der Gewalt gebrauchen in geistigen Kämpfen? W ir schließen euch mit Liebe in unser Herz, wir haben euch noch nicht aufgegeben, wir hoffen und beten zu Gott, daß ihr zurückkehren werdet zu Ihm. Wollet ihr nicht, so lasset doch wenigstens uns ungehindert und unbeirrt den Weg unserer gottverheißenen Bestimmung wandern, ID 'N'N ^211,1 Op .IS H bleibet ihr zurück bei irdischem Bestreben und endlichen Zwecken, -wir aber und unsere Kinder wollen wallen bis zum Punkte der Verheißung. Wir haben noch zum Schluß der Ursachen zu erwähnen, warum Bethar, nach Jerusalems Fall die Hauptstadt der Juden, dem Untergang geweiht wurde. „Bethar ward nur deßhalb zerstört, weil es um Jerusalems Fall nicht getrauert hatte." Bethar hatte in seinem Wohlstände der alten Hauptstadt und ihres Heiligthums vergessen. Die Galuthbestimmung Israels aber ist, sich stets seiner verlorenen Herrlichkeit zu erinnern und dieser sich wiederum würdig zu machen. Der Schmerz um Jerusalems Fall soll uns durchdringen immerdar, soll unsern Geist adeln, unser Gefühl erheben, soll uns belehren, daß nicht die Gegenwart unser Leben auszufüllen vermag, sondern daß wir in der Vergangenheit wurzeln und sehnsuchtsvoll entgegenschauen sollen der Zukunft. Es heißt ein Verkennen unserer erhabenen Bestimmung,. wenn wir jemals Jerusalems, vergessen könnten, - »wemv ich Dein vergesse, -Jerusalem - so:

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