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Der Israelit · 1860-07-25 · Heft 9 (25.7.1860) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 9 (25.7.1860)
Date
1860-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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^Zerstörung preisgegeben worden, weil Einer den An- Adern nicht'-ermahnte, sondern ein jeder den Blick Hftttchtsamzu Boden niederschlug. H. ' Als dereinst die Israeliten Besitz ergriffen vom heiligen Lande, da haben die Aeltesten des Volkes es sich nicht angelegen-sein lassen , ihre Brüder zu mahnen wieder-und wieder und sie zur Erfüllung der Gottesgebote'zu veranlassen, sondern sie haben sich ruhig erfreut ihrer herrlichem Landgüter, ihrer schönen Feigenwälder, ihrer köstlichen Weinberge, -nur für sich und ihre Familie Sorge tragend — sie haben damit den Keim gelegt zur künftigen Zerstörung. Nur der Prophet Samuel hat es vorgezogen, zu ziehen von Provinz zu Provinz, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorfvon Haus zu Haus, und ihm ist es in der That gelungen, die Herzen ganz Israels ihrem Gotte zuzuwenden. O, wie schwer wiegt das mahnende, belehrende, ergreifende Wort, wenn es wieder und wieder tönt, wenn es wieder und wieder an die Herzen schlägt;, wenn es entströmt reinem, heiligem Munde, wenn es entströmt edlem, glutheiß füllten: Herzen! Diese Mahnung ist nicht allein gewichtig und gut, sie ist ernste, unabweisbare Pflicht, sie ist verordnet durch Gottes Gebot nrr nwm rwiTr Sie darf nicht unterlassen werden in der Voraussetzung, daß sie doch nutzlos sei, sie muß unter vier Augen geschehen, sanft, milde, freundlich, liebevoll, aber doch eindringlich und unablässig, bis der Ermahnte in: Ueberdruß die Hand aufhebt wider den mahnenden Bruder. Unsere Weisen erzählen, daß niemals Gott das beschlossene Gute zurückgenommen habe, außer, da er die Frommen zu schonen beschlossen hatte und dennoch die Strafe über sie brachte, weil sie ihre vom Gesetz abgefallenen Brüder nicht ermahnt hatten. (Tractat Sabbat f. 55a.) Erfüllen wir wohl diese heilige Pflicht? Ist es bei uns nicht eine stehende Redensart: „es nützt doch Nichts, es ist Alles vergebens"? Können, dürfen wir uns dann später rühmen, daß wir unsere Hände in Unschuld waschen, daß wir nicht Schuld tragen an den: Abfalle unsrer Brüder? Wir erschauen es täglich in der Geschichte der Menschen und Völker, daß der einzelne, stärke, unerschütterliche Mann, dem es Ernst ist um das Gute und Wahre, den größten Einfluß übt auf die Strömungen der Zeit, und wie der in-das Wässer geworfene Stein denWasserspiegeb in Bewegung setzt, und um den engeren Kreis sich der« weitere schlingt in ununterbrochener Folge bis ans Ende der Welt, also beweget das ernste Wort und nochmehr die gotterfüllte That die Gemüther der Menschen, erst in engeren, dann in werteren Kreisen, und nicht umsonst lehren unsre Weisen, daß die Rettung einer einzigen Seele gleichbedeutend sei mit der Rettung der Welt. Freilich ist's nicht angenehm, nicht bequem, immerwährend den Mahner, den Verbesserer, den Sittenrichter spielen zu sollen,, freilich wird manchmal das .iwp vw nimm deu Balken aus den eigenen Augen, berechtigt oder unberechtigt, gar empfindlich treffen, freilich wird der Mahner genöthigt sein vor Allem selbst ein reines, heiliges Leben zu führen, freilich wird er den scharfen Stachel der bösen Zungen und das Gift der Verleumdung herausfordern, freilich wird er sich Feinde schaffen, die sein Leben verbittern und sein Streben verdächtige::, allein was kümmert das den ernstwollenden, charaktervollen Mann? Gilt es doch eine Welt zu reiten, gibt es doch Eroberungen, die kostbarer sind als die schönsten und fruchtbarsten Provinzen, die ein Alexander, ein Cäsar hat erwerben können. Darum auf, ihr Brüder, lastet die Mahnung nicht ersterben, lastet sie nicht ertödtet werden durch das träge, „das Hilst doch Nichts." nvr -pisi) ox 'v? Seid ihr denn an der Stelle Gottes, daß ihr die Fruchtlosigkeit im Voraus zu ermessen vermöchtet? III. Die Ursache der Zerstörung des zweiten Heiligthums war der in Juda herrschende, grundlose Haß der Parteien unter einander rrrM. Welches Staatswesen könnte gedeihen, in welchem die Parteien sich blindlings hassen, aus keinem anderen Grunde als den, daß sie eben verschiedene Parteien bilden? In solch einem Staatswesen ist die Versöhnung von vornherein unmöglich! die Parteien reiben sich untereinander so lange auf/ bis sie alle zusammen von einer fremden Macht verschlungen werden. Wir wüsten hier eine schwere Anklage gegen unsere Brüder erheben, die der sogenannten modernen Richtung angehören. Warum hastet ihr uns? wir, w i r h afs ein-euch n i ch t; - wir beklagen euch, wir bemitleiden euch, eure Verblendung thut uns wehe,

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