Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 8 (18.7.1860)
- Date
- 1860-07-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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97 munde oder auch nur einem Individuum das Judenthum eingeorgelt worden wäre. Seht euch doch einmal um in unfern orgelbeglückten BrüdergemeindenI Welche Wunder hat denn die Orgel schon hervorgebracht? Unter welchen günstigen Auspicien wurde vor mehr als 40 Jahren der neue Tempel in Hamburg hergerichtet? Die Orgel fehlte nicht darin, der neue Cultus war durch die Predigten der größten Kanzelredner ihrer Zeit gehoben, und die Mitglieder der Tempelgemeinde gehörten zur Elite Hamburgs, und doch hat schon vor 25 Jahren vr. Salomon sich in seinen — später im Druck erschienen — Predigten beklagt, daß kaum die erforderliche Anzahl der 10 beim Gebete vor der Predigt versammelt sei und nach derselben Alles wieder davoneile. Wer aber jetzt, Anno 1860, den Tempel besucht, oder auch nur den spärlichen Nest des dahingeschwundenen Einstusses betrachtet, den die Tempelgemeinde früher besaß, der wird gewiß von dem Zustande des krankhaften Glaubens an die Allmacht der Orgel genesen sein! So in Hamburg. Daß es in Frankfurt a. M., wo die ganze Vescheerung noch ziemlich neu ist, nicht bester steht, haben wir ja bereits aus einem Berichte ' Ihres dortigen Correspondenten erfahren. Und nun gar in unserm Kassel? Sollten wir so verblendet sein, uns einzubilden, daß die Orgel hier größeres Glück machen würde als in jenen andern Gemeinden, wo doch noch ganz andere Fonds von Judenthum übrig geblieben sind als hier? Könnten wir uns dem Wahne hingeben, daß sie permanent volle Gotteshäuser schaffen, daß sie die alte Liebe zum Judenthume wieder erwecken , daß sie unsre Schulen verbessern und unser religiöses Leben regeln werde? Unmöglich! Wir können uns nicht selbst täuschen! und wenn wir auch aus ganz andern Gründen, die wir in unserm nächsten Artikel zu beleuchten beabsichtigen, der Besorgniß nicht ganz überhoben sind, daß wir in späterer Zeit eine Orgel erhalten werden, so ist doch diese Sorge für den Augenblick gehoben durch die Besonnenheit und einsichtsvolle Mäßigung einiger intelligenten und einstußreichen Mitglieder der Gemeinde^ welche sich den gutgemeinten, doch wenig Einsicht und Erfahrung zeugenden Bemühungen einiger orgelbegeisterten jungen Männer mit Erfolg widersetzten. > , L. Ll. (Beilage zu Nro. Oest erreicht sch er Kaiserstaat. -? Prag, 1. Juli. Der Anschluß der Juden-' gemeinde an die SLadtgemeinde dürfte endlich in den nächsten Wochen vollzogen werden. Der Statthalter hat ein Comite ernannt, welches diesen Gegenstand zu Abschluß zu bringen hat. Aus Öbcrungarn. Hochgeschätzter Herr Nedacteur! In Nro. 2 Ihres geschätzten Blattes haben Sie jedes für wahres Jsraelitenthum glühende Herz mit freudiger Hoffnung und beseligendem Selbstbewußtsein erfüllt,, indem Sie die düstern Wolken, die sich am Horizonte der Orthodoxie gewitterschwer zusammenziehen durch lichtvolle Funken, wenn auch nicht gänzlich verscheuchten, doch so sehr zu zerstreuen gewußt, daß wir nun nicht mehr die Hände verzweifelt in den Schooß legen, gleichgiltig die Achseln zuckert, uns aufgeben und dem Feinde das Terrain überlassen; sondern vielmehr voll Begeisterung und frommen Eifers für unsre angestammte rnm und religiöse Praxis-wie Ein Mann einstehen wollen. vp '2. Mögen Sie auch folgender Mittheilung zur Aufmunterung und Erweckung, als Beleg, daß die Wahrheit bei unfern Glaubensgenossen doch immer würdige Anerkennung findet, die Spalten Ihres geschätzten Blattes öffnen. Der 1. Siwan war für die Gemeinde zu Eperies ein Tag von hoher Bedeutung und erfolgreicher Wichtigkeit. Nachdem diese jugendliche, durch materiellen. Wohlstand und zeitgemäße Ausbildung ziemlich hervorragende Gemeinde mit der Besetzung des Rabbinates eine bedeutende Schlappe erlitten (der damalige „moderne" Rabbiner hat sich später taufen lassen, und ist. jetzt Ädvokat — aä notam für die Vergötterer der Modernen!), suchte. sie in einem 2jährigen Interregnum Zeit zu gewinnen, diesen Fehler wieder gut zu machen. Und das hat sie denn auch gethän. Sie/ legte das heilige Amt der Seelsorge, ohne erst, wie dies in neuerer Zeit bei uns Sitte geworden, einer Schaar eroberungssüchtiger Candidaten Kampf und Kosten zu verursachen, in die Hände eines von wah-. ' rer Frömmigkeit beseelten, den gerechten Ansprüchen der Zeit Rechnung tragenden, durch Offenheit und Charakterfestigkeit sich besonders auszeichnenden - Mannes, des ersten und vielleicht auch eines der ge- - 8 -es Israelit.)