Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 8 (18.7.1860)
- Date
- 1860-07-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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W er beweist, daß diese Moral! lichsten Gemeinden der Judenheit, und wenn innerhalb ihres Kreises, Gott Lob! kein Anlaß zu Tadel erheben bemüht ist; allen Menschen gegenüber verbindend sei und keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden kenne, daß es Lüge und Verleumdung sei, zu behaupten, der Talmud nehme die Nichtjuden von der allgemeinen Menschenliebe aus. Nur gegen solche Heiden des Alterthums, die in Verdacht des Mordes, der Blutschande standen und offen dem Götzendienste ergeben waren, haben Ausnahmsgesetze, oder vielmehr Vorsichtsmaßregeln bestanden. „Die Völker aber, in deren Mitte wir leben, glauben an die Schöpfung, die Wunder, den Auszug aus Aegypten und an viele Hauptgrundsätze unsrer Religion; sie verehren den! Schöpfer des Himmels und der Erde; sie sind daher unsre Brüder und können nicht als Fremde angesehen werden, und es bezieht sich daher auf sie das Gebot: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Nachdem der Verfasser die Schristauslegung der Juden gegen alle Angriffe gerechtfertigt, schließt er mit einer Ermahnung an die, welche da bemüht sind, die Menschen, Kinder eines Vaters gegen einander zw Hetzen, anstatt sie durch den Geist der Liebe und Brüderlichkeit zu nähern. — Wir empfehlen allen Denen, welche den Talmud nicht durch eigenes Studium kennen, die Lectüre dieses ebenso interessanten, wie belehrenden Merkchens. Sie werden dadurch in den Stand gesetzt werden, die gehässigen Auslassungen über den Talmud sowohl jüdischer als nichtjüdischer Judenfeinde zu würdigen und zurückzuweisen. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a. M., im Juli. Wenn es eine.Wahrheit ist, daß die besten Weiber und Gemeinden diejenigen sind, von denen man am wenigsten spricht, so hat die israelitische Religionsgesellschaft hier das vollständigste Anrecht darauf, jenes Prädicat für sich in Anspruch zu nehmen, denn unseres Wissens ist dieser Corporation noch in keinem öffentlichen Organe Erwähnung geschehen, und es gibt gewiß nicht wenige Gemeinden, die von ihrem Dasein kaum gehört haben. — In der That ist die israelitische Religionsgesellschaft vielleichteine der glück- und Klage vorliegt, warum sollte man die Stimme nur immer zu Tadel und Klage erheben, und von dem Erfreulichen schweigen, das sich unserm Blicke darbietet? Verdient es die seit so vielen Jahren unterdrückte und mißhandelte Partei der Orthodoxen, die mit bewundernsmerther Ausdauer „muthig duldend" ausgehalten, und in trüben, trüben Tagen, unter den beklagenswerthesten Verhältnissen gekämpft, um ein theures Erbe zu erhalten und fortzupflanzen — verdient sie es nicht, endlich einmal auch etwas Angenehmes zu hören, und die freudigen Erscheinungen der Gegenwart zu genießen? Oder ist: es auch nur gerecht, ihr die freie Aussicht zu entziehen auf die Fortschritte, welche — wir möchten sagen, wunderbarer Weise — in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts das orthodoxe Judenthum macht? Darum gestatten Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, daß wir in Ihrem vielgelesenen Blatte zuweilen oon der israelitischen Neligionsgesellschaft erzählen, von ihrer Synagoge, von ihrer Unterrichts-Anstalt, von ihrer Verwaltung, von ihren Bestrebungen, zur Stärkung aller Gleichgesinnten, die bisher ja nur in den Unternehmungen der Gegenpartei Glück und Fortschritt zu erblicken gewohnt waren. Freilich war dieser scheinbar glückliche Fortschritt nur ein vermeintlicher; denn die Reformen und die Reformer haben sich denn doch überlebt. Wir erfahren es täglich, wie alle Verständigen mehr und mehr, entweder dem Conservatismus oder dem Nihilismus — dem ebenfalls eine gewisse Consequenz nicht abzusprechen ist — sich zuwenden, und daß man nachgerade anfängt, das von den reformsüchtigen Rabbinen, oft genug in: Widerspruch mit einander, tausendfältig zugestutzte Judenthum albern und lächerlich zu finden. Welchen schlagenden Beweis für die Wahrheit dieser Behauptung liefert uns nicht die israelitische Gemeinde in Frankfurt a. M! Keine Partei hatte hier mehr Grund und Boden, als die des Herrn Rabbinen Stein; und jetzt? Wie sehr sind seine Verehrer und Anhänger zusammengeschmolzen! Wer noch die Synagoge Steins besucht, der thut es, einzelne Ausnahmen nicht gerechnet, mehr aus Klugheit und Pietät, als aus Ueberzeugung. Die steife, wenn auch nicht vorge-