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Der Israelit · 1860-07-18 · Heft 8 (18.7.1860) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 8 (18.7.1860)
Date
1860-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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91 trägt und die herrlichsten Strählen nach allen Farben des Daseins reflettirt. Ist dem aber also, so dürste meines Bedünkens ein „Centralorgan sür das orthodoxe Judenthum" gewiß es sich zur Aufgabe machen, der Kritik, so weit es sich nur thun läßt, seine Spalten zu öffnen und die Fragen des Tages je nach den Umständen vom orthodoxen Standpunkte aus, in aller Ruhe zu beleuchten. Zu solchen Tagesfragen, die in den Bereich der Orthodoxie einschlagen, zähle ich zunächst die theologische, erst jüngst ventilirte „Bibelfrage." Jene Glaubenswärme und kategorische Ueberzeugung, welche Sie, geehrter Herr Redacteur, über diese Frage in Nro. 5 vom 27. Juni, Seite 50, entwickeln, genügt allerdings sür solche ausgezeichnete Individuen. die des Forschens kundig und sich selber Rath zu schaffen geeignet sind. Allein die Masse des lesenden Publikums besitzt diese Fähigkeit nicht, dieses beruhigt sich keineswegs mit der Aufzählung gelehrter Autoren ohne das Werk nur theilweise gelesen zu haben*): Allerdings heißt es im Midrasch: der Mensch erwähnt zuerst seinen Namen und alsdann seine Leistungen; Gott hingegen denkt zu allererst seiner Thaten, alsdann seines Namens: l'VPO ,-^NN -VM.2 1212 2" NN NVPO ->'2I2 -2U, doch kommen die Leistungen des Menschen jedenfalls ans Tageslicht. Es wäre daher zu wünschen, daß Sie/ geehrter Herr, diesem allgemeinen Bedürfnisse, wenn auch nur theilweise, Rechnung zu tragen genehmigen wollten und wissenschaftliche Erörterungen religiöser Färbung der Besprechung würdig halten möchten. Da diese, wenn auch nicht zu den wichtigsten, doch sicherlich zu den Interessen der Orthodoxie zählen, in wie fern der Baum der Erkenntniß ein größeres Quantum an Wurzeln als an Zweigen, d. h. eine größere Energie?in Thaten, als im Wissen entfalten soll i'L7p2 n-DIw nm^2; doch verlangen auch die Zweige Hm ernßrs Wort über die sittliche und religiöse Erziehung der Jugend im Aelternhause, von SKlomon Äohn, antorisirtem Rabbiner, Retigionslrhrer an der k. k. israelitischen Muster-Hauptschule'zu Posth. Durch die weise Uni sicht und väterliche Fürsorge der h. erleuchteten Regierung unseres Vaterlandes ist auch das israelitische Schul- und Nnterrichtswesen in -ein neues günstiges Stadium getreten; die israelitische Jugend genießt nun vollends die Rechte aller andern Konfessionen; weise, in Gott begeisterte Männer sorgen für die Heranbildung guter und tüchtiger isr. Lehrer und Lehrerinnen, für das Gedeihen der Jugendbildung und für das Herbeischaffen aller nöthigen Mittel zur Hebung und Verbesserung der Schulen und Lehranstalten in Nah und Fern. Kein Wunder also, wenn dort, wo ehedem der Jüngling noch kaum des Deutschlesens kundig war, nicht selten das zarte Knäblein geschickt und bewandert in den Elementen der nöthigen Lehrfächer, vertraut mit mannigfachen Merkwürdigkeiten aus der Natur und Geschichte, und geübt in den üblichen Landessprachen gefunden wird. Auch dem ganz unbemittelten Mädchen sind zahlreiche Pforten der Bildung geöffnet, die Wege zum Sprachschatz heimatlicher und fremder Völker angebahnt und ist für die Ausbildung in der Musik, wie in allen Fächern der Kunst, Rechnung getragen worden. . „Aber wie kömmt es doch", wird Mancher mit Verwunderung fragen, „daß trotzdem unsere heutige Jugend an frommer kindlicher Gesinnung, an wahrer Herzensbildung der frühern Jugend weit nachsteht?" „Wie kömmt es", dürften manche Aeltern mit Recht fragen, „daß wir bei unserem spärlich genossenen Unterricht, weit treuere, folgsamere und ftömihre verhältnißmäßige Pflege, und wir dürfen hoffen, daß auch diese ihre guten Früchte für das orthodoxe Judenthum tragen werden. 3. L. Rabbiner. *) Anmerkung der Redaction. Dem Wunsche des geehrten Correspondenten find wir bereits m den Extrabeilagen nachgekommen. mere Kinder waren, als es die unsrigen bei all ihrem Lernen sind?" „Und warum waren wir unseren Aeltern und Geschwistern mit weit mehr Liebe und Herzlichkeit. zugethaU, als es jetzt unsere Kinder find?" Die Antwort hierauf dürste wohl, verehrteste Leser und Leserinnen, nicht mehr fern liegen, so wir das heutige häusliche Erziehüngswesen genau in Betracht ziehen Und hierbei die Worte eines erfahrenen, alten und weifen Mannes vernehmen werdest.

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