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Der Israelit · 1860-07-18 · Heft 8 (18.7.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 8 (18.7.1860)
Date
1860-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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92 „Unsere Aelterrr^sagte dieser,^Hutten wohl weniger Theorie in der Erziehungskunde und kamen den-, noch hem Ziele näher als wir, da wir auf der einen Seite verderben, was wir.auf der andern gut machen. Sie brachten der Jugend nicht so viele Wissenschaften bei; aber sie waren umso aufmerksamer.ans, die Entwickelung ihrer sinnlichen Neigungen; sie sprachen:' „Kunst- und. Missenschäften sch mücken und zieren das Haupt unserer.Kinder; nur wahren und schirmen sie das Herz nicht, von dem geschrieben steht, es sei böse von Jugend auf. (1. Mos. 8, 21.) Sie suchten daher alle wollüstige und selbstsüchtige Triebe ihrer Kinder schon im Keime zu ersticken; undihnen fromme, tugendhafte Gesinnungen einzuflößen,. war ihr. stetes Bemühen; sie lehrten sie, Gott lieben, Ihn immer vor Augen haben und in wahrer kindlicher Ehrfurcht Ihn anbeten; sie verabsäumten keinen Morgen auch mit ihrem zartesten Kindlein das Morgengebet (wjn 'N NMO re.) so wie Mittags und. Abends die üblichen Tisch- und Nachtgebete zu verrichten; ohne den zuvor verrichteten Segensspruch nach Lehre und Verordnung, wurde dem Kinde auch keine Speise verabreicht; ein Knäblein ohne Abzeichen der angelegten Schaufäden (4. Mos. 15, 38) wurde Ln keinem isr. Hauke gerne gesehen. - — Sie lehrten sie, Gott über Alles.und den Mebenmenschen, wie sich selbst, lieben, den Gesetzen gehorchen und das Alter ehren; sie lehrten sie, wohlthätig, treu, verschwiegen und arbeitsam sein. Und wenn sie auch wenigerwußten von den vielen Schriften und Ansichten, über Erziehung, welche heute schon in Hütten wie in. Palästen sich Eingang verschaffen, so handelten sie. um so mehr. Sie ließen ihre Kleinen nicht in der. Gesindestube aufwachsen, weil ihnen das von der Natur zur Entwickelung der Organe bedingte Schreien und Weinen nicht zuwider j war, es war ihnen vielmehr Freude, im Kreise derselben: .ihren häuslichen Geschäften obzuliegen;, sie > beteten.lernten, .spielten, waren froh mit ihnen - und - pflegten. dabeiin - ihnen, das Gefühl des Gehorsams, des Dankes?, - der Liebe i und der Ehre. . .Sie prüften öfters ihre Tugend und^ bewahrten sie sorgfältigst gegen jede Verführung.- Sie-! waren nicht so zärtlich und nachsichtig gegen, ihre Feh-. ler, die wir Schwachheiten nennen; sie waren selbst streng tugendhaft.und wußten,, daß der Baum, der gerade werden soll, in der Jugend gebogen werden müsse und daß Gewohnheit-bald zur andern. Natur werden -kann., -SieHingen von - dem Gesichtspunkte aus, daß Alles sich noch, in -späten: Jahrenerlernen ließe , nur die Tugend -nicht; das - junge Herz muß schon für sie eingenommen werden, oder es erlangt später keine Neigung, . keine wahre Lust mehr zur Ausübung derselben;?'die ersten Eindrücke, sind die dauerhaftesten; in den Jahren der Kindheit ist auch das- Gemüth des Menschen noch weich, unverdorben und empfänglicher, für gute Eindrücke: nicht so, wenn es einmal verhärtet, von bösen Neigungen erfüllt ist. Der herangewachsene Jüngling erlernt-bald , die Kunst, sich anders zu zeigen, als er wirklich ist- und ist auch der Verführung ausgesetzt; denn wie leicht gesellt sich der junge Mensch zu Uebelthätern, wie bald spricht er Hohn jeder guten Sitte - wenn ihn nicht stets ein frommer Sinn und eine heilige Furcht vor dem Bösen--wieein Schutzgeist--begleiten-, ihn warnen und schon bei der Annäherung zur. Sünde beunruhigen und abhalten. Um ihren Kindern Folgsamkeit und unbedingten Gehorsam einzuprägen, sprachen sie zum Kinde: Dieses ist deine Pflicht, so will es der all miss ende Gott, unser Schöpfer, und so h at es der Herr der Welt auf dem Berge Sinai unter Donner und Blitz befohlen; wehe dem, der hier klügeln will und anders zu handeln. m ein L. Das Kind wurde vom Gefühle der Ehrfurcht ganz durchdrungen und gehorchte ohne Zaudern, und Zögern. Ost ließen, sie absichtlich ihr Kind ihr, ganzes österliches Ansehen suhlen- und bestanden daraus, daß ihre Befehle sogleich und unbedingt vollzogen werden mußten; , dadurch lehrten sie ihre Kinder ohne weiteres Nachfragen, und Nachsinnen sich den Geboten der Tugend und den Verordnungen der Obrigkeit unterwerfen.,: Heutigen Tages'sprechen wir: , Dieß ist Pflicht; denn es verschafft dir die Liebe und die Gunst der West, darum gehorche, frage nur Andere u. dgl., um ja dem Kinde keine unangenehme Empfindung zuzuführen. Und was können die Folgen, eines derartigen Verfahrens sein?" — Kein Wunder also, .wenn es mit der Sittenverderbtheit der Jugend in unfern Tagen so weit gekommen ist! Mit Erstaunen hört man jetzt oft Knaben und Mädchen von Dingen sprechen, die schon eine völlige Reife

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