Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 5 (27.6.1860)
- Date
- 1860-06-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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(56 derholten Wünschen der Krakauer Gemeinde endlich Gehör gegeben und die dortige Oberrabbinerstelle angenommen , wurde von demselben am zweiten Schawüoth-Tage in der Synagoge in einer feierlichen, höchstergreifenden Ansprache öffentlich gegeben. Bis jetzt hat man sich hier noch immer mit der schwachen Hoffnung getragen, diesen hochverdienten Mann, der während seiner siebzehnjährigen Amtstätigkeit hier eine ungelheilte Hochachtung und die wahrhafteste Verehrung genoß, für seine gegenwärtige Stelle zu erhalten. Es hatte derselbe bereits mehrere ehrenvolle Einladungen von größern Gemeinden während seines Hierseins erhalten; unter diesen verdient die nach Papa besonders hervorgehoben zu werden. Allein seine Liebe zu dem hiesigen Orte, die durch den Umstand gesteigert wird, daß hier sein weltberühmter Vater, der 22112 onn, vor besten Abgang nach Preßburg eure Reihe von Jahren segensreich wirkte, hatte bis jetzt die Oberhand behauptet und ihn auf jede noch so vortheilhafte Veränderung gern verzichten lassen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß - sich in Krakau für seine religiöse und talmudische Thätigkeit ein sehr weites, ergiebiges Feld eröffnet, was für diesen Ort- und die ganze jüdische Bevölkerung Galiziens sowohl, als auch für das gesammte Judenthum von unberechenbarer Tragweite sein kann. Dessenungeachtet hat er sich erst nach einem Zeiträume von drei Jahren, der Zeit, seit der diese Frage zum erstenmale austauchte, und nach anhaltenden Versuchen der Krakauer Gemeinde, zur Annahme dieses ehrenvollen Postens entschließen können. Wie schwer ihm aber das Scheiden wird, hat sich uun besonders in der am zweiten Schawuoth-Tage gehaltenen Ansprache gezeigt. Bei vollgedrängtem Gottes- Hause setzte der verehrte Redner die Gemeinde von seinem endlichen Entschlüße in Kenntniß. Die aufrichtigste Rührung , welche sich der versammelten Menge bemächtigte, ließ deutlich erkennen, daß der der Gemeinde bevorstehende Verlust von jedem Einzelnen tief empfunden und innigst bedauert werde. Ohne diese gehaltreiche, nach der Weise des rühmlichst bekannten Redners geistvoll durchgeführte Rede nur skizziren zu wollen, wollen wir hiermit blos der Einleitung und des Schlusses derselben mit einigen Worten erwähnen. Anknüpfend an die treffende, für den Tag der Gesetzgebung sehr passende Stelle 2.2.2 222;wi, - wies der Redner darauf, hin, wie Einigkeit und Einmüthigkeit der Gesinnungen die. jüdische. Nation zum -Sinai führten und zur Gesetzempfängniß würdig machten, daß die hohe TugEHer Eintracht und des Friedens diese Nation zu'allen Zeiten kennzeichnete und sie in gemeinschaftlicher Bruderliebe viele Verfolgungen erdulden, aber auchgeläutert und siegreich aus denselben hervorgehen ließ, daß auch die Gegenwart im Allgemeinen zur Eintracht und zu engem Aneinanderhalten auffordere, daß aber insbesondere die jüdischen Untertanen der österreichischen Monarchie durch die ihnen von ihrem glorreichen und erhabenen Herrscher huldreichst verliehenen Gnadenakte edler Menschenliebe, ihre hohe Aufgabe im Äuge behaltend, vereint durch die Bande religiöser Begeisterung, ihre heilige Sendung unter dem gnadenreichen Schutz, eines so edlen Kaisers öffentlich und ungescheuet erfüllen mögen. In diesem Sinne schloß der verehrte Redner mit der erhabensten aller Segensformeln 12222 .22 ^121 1222' 22^ 21!28 '22 28. Den Gegensatz von und 1222', wovon ersteres eine Mehrheit, letzteres eine Einheit ausdrückt, glich er damit aus, wenn man die Gesammtheit der V82L" '22 in Folge ihrer Einmüthigkeit und Eintracht wie einen Einzelnen anreden könne H21 1222'. Charakteristisch für den religiösen Standpunkt der hiesigen Gemeinde und für den guten Erfolg der religiösen Bestrebungen ihres werthgeschätzten Oberhauptes ist der von diesem im Laufe des Vortrages an die Gemeinde gerichtete dreifache Wunsch: erstens, daß der Unterricht in der hiesigen öffentlichen Gemeindeschule in dem bisherigen Geiste stets fortgeführt werde; zweitens, daß in der Synagoge, falls späterhin ein Umbau derselben notwendig werde, dieser nach streng jüdisch-orthodoxer Weise geschehe; und drittens, daß bei der Wühl eines nächstfolgenden Rabbiners sein Rath berücksichtigt werde. Wenn einem wahrhaft religiösen jüdischen Seelsorger vor seinem Abgänge keine andere Wünsche religiöser Verbesserungen in seiner zu verlassenden Gemeinde notwendig scheinen, als die eben genannten) so. kennzeichnet dieses am besten den religiösen Geist dieser Gemeinde. Was diese drei Wünsche an und für sich betrifft, so ist jeder, der die hiesige Gemeinde kennt, überzeugt, daß nicht der (Hierbei eine Beilage.)