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Der Israelit · 1860-06-27 · Heft 5 (27.6.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 5 (27.6.1860)
Date
1860-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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aus jener'schönen Zeit, da unser Tempel noch'stand; da wir noch eine selbstftändige' Nation' wären.im eignen Lande) — die Thora, in welcher noch jene alten heimathlichen Laute vom Jordan und Euphrat tönen, — die Thora, das alte, ehrwürdige Geschenk unsres heften Freundes, des liebenden Allvatersdas Andenken, das uns trotz der Sturme unsrer Wandere schüft geblieben, — die Thora, die uns des EwigenA Schechinah noch im Galuth erhält, die unsre Wohnung zum Gottestempel, unser»' Tisch zum Altar, die Vater und Mütter zu Priester und Priesterinnen^ Gottes, die Kinder zu Prophetenschülern schafft — sie, sie sollten wir hinwegdrängen wollen aus unserm Geists aus unserm Herzen? Sie, welche die Fackel des Glaubens auf der ganzen Erde angezündet, sie sollte sich uns entfremden? Ein heiliges Gut, das wir zu schätzen und zu pflegen haben, ist sie uns durch die Leiden, die unsre Väter um sie erduldet. Unsre Väter, sie scheuten sich nicht ihr Blut um sie zu vergießen, sie achteten es für ein Geringes auf dem Schaffst um sie zu sterben, und unter den Qualen und Martern leuchtete ihr Blick freudig, denn ihre innere Stimme sagte ihnen, daß sie für Gott und sein Gesetz duldeten, und daß sie das göttliche Kleinod unangetastet ihren Kindern hinterlaffen hätten. Ja, sie ist es werth, die Thora, daß wir sie studiren! Studiren bringt Beachten, Handeln, Ausfuhren, und auf den Wegen und Pfaden zu wandeln, die Gott vorgezeichnet hat, kann dem Menschen nur die höchste Glückseligkeit hier und dort bringen. Die Thora ist auch das gemeinsame Band, das das zerstreute Israel noch im Galuth umschließt, durch das Israel, trotz seiner Zersplitterung, noch e L n großes Ganzes ist. Zn welchem Lande Du auch wohnen mögest, und welchen Brauch Du auch dort zu beobachten hast: durch die Thora hast Du einen und denselben Brauch mit Deinem israelitischen Brüder; welche Sprache Du auch redest: in der Thora redest Du mit Deinem israelitischen Brüder eine und dieselbe Spräche. Komme aus noch so großer Ferne, — Du trittst in ein Haus und bemerkst des Israeliten Wahrzeichen, die Mesusah an dem Eingangspfosten, oder Einer ruft Dir das Schalom alechem entgegen, bist Du da noch fremd? Nein, einen Freund) einen Bruder hast Du gefunden! Möchtest Du dieses nicht für etwas Geringes achten, es ist nicht etwas Unbedeutendes) auf' der''ganzen Erde schnell eine zweite Heimath -finden' zu können. ' " Vergessen wir daher über'unsere wissenschaftlichen') Forschungen das Studium der Thora nicht, Lm'Gegentheil seien wir eifrig im Studium des Ge- ,Mes^ tretest wir aber ändrerseits' der Wissenschaft nicht entgegen, lieben wir sie und ächten wir sie- -denn'I stitt 'üp n"r> ris' ' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt a M. im Juni. Wenn Sie, geehrter Herr Redacteur, mit Recht-auf die Fortschritte Hinweisen, welche das orthodoxe Judenthüm seit einem Jahrzehent in so vielen größern und kleinern Gemeinden gemacht; wenn Sie u. A. auch auf unser Frankfurt, sw -^ Hinblicken, wo die Kräfte in so großem Maaßstabe, sich wieder vereinigen,' um dem /schon halb verlören geglaubten Judenthum, rein und unverfälschtfeine Berechtigung wieder zu erkämpfen; wo es in verjüngter Kraft sich entfaltet) ällen glaubenstreuen . Brüdern in, der Nähe und Ferne' mr^rrnuthigung und zum Tröste: so ist' es nicht minder erhebend und belehrend, auch einmal einen Blick zu werfen auf die entgegengesetzten Bestrebungen, für die hier nicht minder Opfer gebracht werden an Geld und Zeit. — Die hiesige israelische Gemeinde, an deren Spitze Herr Rabbiner Stein als Geistlicher steht, hat einen neuen Tempel erbaut, und eine Orgel Hergeschafft, die an Tonfülle und Werth keiner andern in den hiesigen Kirchen nachsteht. Viele tausend Gulden hat diese Orgel, das glänzend ausgestattete Gebäude aber Hunderttausende gekostet) Dazu Hat Rabbiner Stein ein neues Gebetbuch verfaßt, welches ebenfalls im Druck erschienen ist. Da der vierstimmige Chor aus musikalischen Damen und H er r n besteht und mithin nichts zu wünschen übrig läßt; da ferner auch der Canto r ein beliebter Sänger und Herr St e in, als volksthümlicher Prediger in hiesiger Gemeinde anerkannt, mit einer sonoren Stimme begabt ist; da mit einem Worte hier gar nichts fehlt, was eine Gemeinde oder ein Rabbiner der reformistischen Richtung nur erstreben' kann: so hat man hinreichenden GruNd' zu der Voraussetzung, daß das Ergebniß des glücklichen Zusammenwirkens aller Factoren ein in jeder Bezieh-

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