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Jüdische Zeitung · 1920-11-26 · 31 (26.11.1920) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
31 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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V Seite 2 In dem früher genannten Artikel im ..J iddischcn Fo 1 k“ heißt es unter andere®: „Die Resolution unserer Landesexefcuiive, ihre Stellung zu unseren Tagesfragen, wird den Berichten über separatistische Tendenzen der amerikanischen zionistischen Leitung ein Endv machen. In der fast'einstimmig angenommenen Resolution äußert sich der ernste Wunsch, die Ganzheit der Zionistischen Weltorganisation zu gewähren. Zugleich hat die nationale Exekutive diese Resolution am kräftigsten dadurch bestätigt, daß sie der Leitung für die nächsten drei M (>• rate weitere 75.000 Dollar bewilligte (außer den Ausgaben für die Medical Unit, die 25.0ÜU Dollar monatlich betragen) und beschloß, den Wunsch der Zentralleitung zu erfüllen., ein Mitglied in die dreigliedrige Kommission zur Reorganisierung der zionistischen Administration in Palästina zu entsendeii. Eine separatistische Tendenz hat in Wirklichkeit nie existiert, es war nur eine große Unzufriedenheit der bekannten Führer mit dem Schlendrian in London und Palästina. Dje Fehler der zentralen Leitung werden von allen Seiten zugegeben, und sogar von der Leitung selbst. Gewiß kann man. für ieden Fehler eine Rechtfertigung finden; die große RechtrcrtVumr vn diesem Falle ist der Umstand, daß von San Remo und der Ernennung von Herbert Samuel die Möglichkeiten in Palästina und auch außerhalb Palästinas fortwäfirend unbestimmt waren una immer die Erwartungen enttäuschten. Derselbe Umstand rechtfertigt gewissermaßen auch ähnliche Fehler der amerikanischen zionistischen Leitung,- aber nicht alle Fehler sind ein Resultat .äußeret, Umstände. Die Hauptsache in .unserem Falle ist nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Die große Arbeit und mit ihr die große Verantwortung kommt erst. Die herrschende Unzufriedenheit verwandelt sich in die Ueberzeugung, daß für die neue Arbeit neue Menschen undneue Methoden zu finden sind. Der amerikanische Plan, an die Spitze der konstruktiven Arbeit in Palästina Menschen von.-Weltruf-als praktische Aufbauer zu stellen, ist vorläufig nicht durchgeführt worden. Die amerikanischen Führet bestehen jetzt wenigstens darauf, daß neue Methoden angewandt werden, daß. Reformen vor genominell werden in London und Jerusalem, und übrigens auch in Amerika. Diese Methoden sollen den zweckdienlichen Gebrauch und die wirtschaitüche Verwaltung der Gelder sichern und die Beteiligung der Juden aller Klassen an der Aufbauarbeit ermöglichen. Diese Forderung der amerikanischen Führer, welche wirklich nur den Zweck hat, eine vollkommene Zusammenarbeit und größte Beteiligung der amerikanischen Organisation im Zionismus zuwege zu bringen, ist fälschlich als separatistische Tendenz äusgelegt worden. Der freie. MieniungsaiiStausch1 'über diesen ’Punkt in -der nationalen -Exekutive hat bewiesen,. ■ daß diese Förderung faktisch von der ganzen Exekutive gjitgeheißen w'ird. wenn es auch Meinungsverschiedenheiten iii taktischen Fragen gab.. Die Landesexekütive hat sich der Leitung der Weltorganisation nicht in blindem Vertrauen und unbedingtem Gehorsam unterworfen. Das geht aus 'dem Wortlaut der Resolution klar hervor. Sie hat ihr aber eine helfende Bruderhand gereicht, mit dem ernsten Wunsch, möglichst schnell eine vollständige Verständigung in allen Punkten zu erreichen. Es ist zu hoffen, daß unsere Führer und Genossen in der alten Welt die amerikanische Stellung richtig einschätzen,werden. J>_as Geschrei vom amerikanischen Separatismus. von _ der. amerikanischen ..Monroe-Doktrin*’ muß aufhören. Kehl amerikanischer Zionist hat jemals diesen Ausdruck gebraucht. Die schädliche Politik, die JÜDISCHE ZEITUNG Amerkaner „herunterzureißen“, Mißtrauei zu säen und Vorurteile zu verbreiten gegen den amerikanischen Zionismus, muß aufgegeben werden. Dei zionistischen Sache wird durch Verschärfung von Differenzen nicht gedient sein, und noch weniger durch den Versuch, den amerikanischen Zionismus in zliei feindliche Lager zu spalten. Es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, um die Differenzen auszugleichen. Das kann nur geschehen, wenn der gute Wille dazu auf beiden Seiten yothanden sein wird . ■ . Unter dem Titel der „Durchfall des amerikanischen Zionismus" übt B. S. SbeJvin in der Wochenschrift „Dei Amerikaner“ scharfe Kritik an den zionistischen Führern in Amerika. Er gibt der Ansicht Ausdruck, daß sic auf der. Jalireskonferenz. ihre völlige Ohnmacht und die völlige Falschheit ihrer Auffassung vom Zionismus im allgemeinen und von den Aufgaben des amerikanischen Zionismps im besonderen erwiesen hätten. Schon in ihren ersten Schritten in London, knapp vor der Jalireskonferenz, habe die 'zionistische Leitung Amerikaeine unrichtige Steiiung eingenommen, da die amerikanische Delegation sich darauf eingelassen habe, Untersuchungen über das Verhalten der gesamtzionistischen Leitung und über die Finanzen der üesamtorganisation anzustelieii. Dieses Auispielen als eine Art. Gerichtshof bezeichnet Shelvin «als eine Verletzung der Parteidisziplin, die durchaus nicht begründet war und nichts anderes bedeutet, als ein Pochen auf -den Dollar, 'da die. amerikanische Zionistenschaft am meisten zur Deckung der Kosten der Gesamtorganisation beigetragen hatie. Diese Betonung der Macht des Dollars hat den schlechtesten Eindruck auf dei. Jalireskonferenz gemacht Als den zweiten falschen Schritt bezeichnet Shclvin die von der amerikanischen Delegation geführte Kampagne gegen Ussischkin. Ferner habe der Plan Brandeis bezüglich der Leitung gegen den Geist des Zionismus gesündigt. Der zweite Plan, welchen Brandeis nach der' einmütigen Ablehnung des ersten vorbrachte, daß die Exekutive aus fünf Personen,bestehen solle, von denen zwei gewählt und sich dann sich die übrigen drei Mitglieder selbst ernennen, habe auch gegen die gute zionistische Tradition, an die Spitze nur solche Männer zu stellen, die in der Bewegung durch ihr tiefes Verständnis ■ des zionistischen Geistes und der zionistischen Tradition bekannt sind,, verstoßen.,. da Brandeis die. Bedingung stellte, daß unter den drei, ernannten Mitgliedern1 die Exekutive Julius Simon und Nehemia de Liemc sein müssen;-welche beide für Braudeis -nur. die Empfehlung hatten, daß .er sie für gute Geschäftsleute hält. ' . Die Führer des ^amerikanischenr Zionismus blieben in London nid,sie, richtiger Mr. Brandeis, erklärten, daß die amerikanischen Zionisten dem Aktionskomitee keine Geldmittel mehr geben wollen, daß sie selbst zusammenzustcllen geholfen harten. Die nationale Exekutive der amerikanischen Zionisten hat diese Stellungnahme 'Brandeis zur ückge wiesen und beschlossen, die Uebeiweisung der monatlichen Beiträge aii das Aktionskomitee fortzusetzen. Wenn man von der Leitung der amerikanischen Zionisten spricht, so sind darunter drei Personen zu verstehen; Richter Brandeis, Professor Felix Frankfurter und Bernard F lex er. Alle drei sind homines novi jmd kennen nicht den Zionismus und seinen Geist. Sie alle betrachten den Zionismus wie einen Geschäftsplan und vergessen die idealen und nationalen Nr. 31 Elemente der Bewegung. Wenn die Juden den Zionismus vom praktischen Standpunkte befrachten würden, so hätte er viel weniger Erfolg als er bis jetzt hafte; denn vom praktischen Standpunkte wäre wahrscheinlich Argentinien ein günstigerer Ort als Palästina. Die Unzandiste* waren die ersten, welche den praktischen Standpunkt in den Zionismus hineintragen wollten und sie haben nichts erreicht. Die Hoisten wären die zweiten, und von .ihnen ist nichts übrig geblieben. Die Leitung des amerikanischen Zionisten hat nicht nur in London einen Durchfall erlebt, sonder« auch in Amerika, wo die Bewegung pataiysiert ist. Nach sechsjährigen Mißverständnissen zwischen der Leitung und den zionistsichen Massen in Amerika ist es jetzt soweit, daß die zionistischen Massen sich um die Forderungen von oben nicht meiir kümmern. Der Leitung fehlt die richtige Einschätzung des Sentiments, welches die Masse der amerikanischen Zionisten beherrscht und des Geistes, von welchem sie durchdrungen sind. Die zionistischen Massen Amerikas haben keine Lust mehr, den Weisungen der Führer zu folgen. Die gegenwärtige Leitung der amerikanischen Zionisten ist überhaupt eine unmögliche Er-, scheinung. Ueberall stehen an der Spitze des Zionismus Menschen aus dem Volke. 'Männer,1 welche die Massen verstellen und mit ihr Gemeinsamkeit haben. Die Hauptsache des Durchfalls, der Führer des amerikanischen Zionismus ist, daß' die Massen, welche von ihnen geführt werden,! russische, rumänische und galizi.sche' Juden sind und' die Führer in Gleist und Senti-1 ment soweit von ihnen entfernt sind wieder Nordpol vom Südpol. Der amerikanische Zionismus bann das, was: er sein soll, nur dann'werden, wenn an seiner. Spitze Männer stehen, welche die zionistischen Massen verstehen und daszu schätzen wissen, was der Masse teuer ist. Die heutigen -Fiihrer können niemals diese Stufe erreichen.“. Jedenfalls ist eine Klärung der Verhältnisse dringend notwendig. Hoffentlich gelingt es Weidmann, der in London die nötige Konsequenz ver-,' missen ließ, deren Fortdauer das zionistische Werk empfindlich zu schädigen geignet wäre. Oeffentliche Arbeiten in Palästina Die Ausführung der öffentlichen Arbeiten 1* Palästina verfolgt zunächst .das Ziel, die jüdische Einwanderung in einem bestimmten Maße zu ermöglichen. Die meisten Anstrengungen .nach dieser Richtung werden von diesem einseitigen Gesichtspunkte diktiert. Es soll alles darangesetzt werden, lim möglichst rasch mit der Durchführung' dieser Arbeiten zu beginnen, •- 1 .. . Es dünkt uns notwendig, gegen diese Auffassung eine warnende Stimme zu - erheben. Man muß streng unterscheiden, lernen zwischen, öffentlichen Arbeiten, die ohneweiters ohne besondere langwierige Vorstudien begonnen werden können, und solchen, an deren Ausführung man erst dann schreiten darf, wenn zuvor langjährige, eingehende Vorarbeiten geleistet worden sind. Die Trassierung einer Straße, eines Eisenbalmweges und die hiebei sonst nötigen technischen Vorerhebungen werden in einer verhältnismäßig kurzen Zeit zu bewältigen sein, die Bauarbeiten können da ziemlich rasch cinsetzen. Bei öffentlichen Gebäuden geht dies noch rascher. Es wird vielleicht unter Umständen auch möglich sein, die eine oder andere städtische Wasseryersorgungsanlage ■ oder Städiekanalisation mit Die zionistische Bewegung, " 1 Ttii. Von Auuii Böhm- 1920, Welt-Verlag, Berlin. Mitten im Fluß der Geschehnisse eine historische Betrachtung über die Entwicklung der zionistischen Bewegung zu schreiben, ist um so schwerer, da einerseits die nötige Distanz zur Erfassung alles -dessen, was zionistische Bewegung bedeutet, noch nicht gegeben ist. anderseits eine Reihe von Phänomen, welche die Bewegung und ihren Weg mitbestinmiend sind, sich noch heute sozusagen im Fluß befinden, endlich, da heute die Materialien, welche für dip Abfassung einer derartigen Darstellung notwendig sind, noch ungeordnet. unübersichtlich und zum Teile unzugänglich sind. Dies sind die Gründe, weshalb die bisherigen historischen Darstellungen über die zionistische Bewegung wenig befriedigen konnten Adolf Böhm hat nun in Erkenntnis aller dieser Schwierigkeiten eine Arbeit über die_ Entwicklung der zionistischen Bewegung geschrieben, weiche sicii darauf beschränkt, sozusagen ein subjektives Bild des Entwicklungsganges des Zionismus zu' geben. Dadurch hat er erreicht, daß seine, lebendige Darstellung geschaffen wurde, welcher in jedei Zeile anzumerken ist daß liier Erlebtes, Gesehenes, aus eigener Betrachtung Kombiniertes gegeben ist. Böhm hat sozusagen ein Abbild der Bewegung gebracht, welches sie aus dem Temperament eines Mitarbeiters am Werk, eines, ihren Phasen und Phänomen mit gründlicher Kritik gagenüberstellenden Denkers zu spiegeln versucht- Dadurch ist ein Werk wertvoller Denkarbeit entstanden- Darum ist das Buch Böhms zu begrüßen, wenn es auch (was nicht verschwiegen werden kann) den Anforderungen, welche an eine historische Darstellung geknüpft werden, nicht völlig entspricht, vor allem dadurch, daß die subjektive Spiegelung des Entwicklungsganges der Bewegung, wie sie Böhm vorgenoinmen hat,, es mit sich bringt daß gewisse zu diesem-subjektiven Bild nicht völlig passende Erscheinungen ein wenig verschoben oder zu wenig herausgearbeitet sind. Bisher liegt der erste Band des Buches vor, welcher die Entwicklung der Bewegung bis zum Tode Theodor .Herzls führt'. Böhm geht davon aus. daß die nationale Eigenart der juden bis zur Emanzipation aus äußeren und inneren Ursachen ungebrochen war und daß die Assimilation in allen Ländern dann geradezu polar diesem durch Jahrhunderte einheitlichen Nationalempfindcn das Prinzip der völligen Aufgabe der nationalen Eigenart entgegensetzte, und den Versuch dachte, das Judentum in eine. Konfession zu verwandeln- Die Tatsache jedoch, daß die Assimilation nicht möglich sei und daß ferner im Judentum das Bewußtsein seines Eigenwertes, wenn, auch u«r latent, so doch stets lebendig blieb, hat dem modernen Zionismus trotz des einer gewissen Grandosität nicht entbehrenden Versuches der Assimilation die Wege geebnet Dazu kommt noch, wie Böhm in einem kurzen Ueberblick darstellt daß während der ganzen jüdischen Diaspora Palästina im jüdischen Bewußtsein eine zentrale Stellung besaß und daß gerade die „rechtliche Gleichstellung, die physische Bewegungsfreiheit, die organisatorische Schulung“, welche den Juden durch den Eintritt in die europäische Gemeinschaft gegeben war, sic befähigten, die Gestaltung ihres Schicksals sozusagen realpolitisch in die Hand zu nehmen. Dies erklärt auch, daß gerade in den Zeiten der größten Fortschritte der Assimilation an den verschiedensten Steilen und in den verschiedensten Kreisen der Judenheit dieser Gedanke immer wieder auftauchte und daß immer wieder „Vorläufer des Zionismus“ sich fanden, welche die Tendenz nach realpolitischer Gewinnung Palästinas -zu aktivieren versuchten, Ihr größter und wertvollster Propagator war Moses Heß, der jedoch keinen Widerhall fand. Richtig sieht Böhm, daß der zionistische Gedanke zuerst im Ostiudentum sich zur Bewegung entwickelte. Daß dies jedoch der Fall sein muß te. daß die ganze gewissermaßen zwiespältige Entwicklung des östlichen Judentums, der sonderbare Kampf um Verbreiterung der jüdischen Kulturbasis durch Aufnahme weltlich-europäischer Kulturelemente, der nicht auf bewußtes Untertauchen in den Rahmen einer Konfession gerichtet war, in einem Teil des östlichen Judentums die rationale Verwirklichung der Zionsidee zur Aktivierung drängen mußte, daß gerade die letzten psychischen Verzweigungen der Haskalah .in der östlichen Judenheit gewissermaßen die Haltung vprausbestimmten. durch welche -der realste Kern traditioneller Entwicklung, der Zionsgedanke wirklich zur Realisierung umgedeutet werden mußte, das scheint allerdings'in Böhms Darstellung nicht völlig herausgearbeitet zu sein. Er fügt dem bereits bekannten .Material über L i 1 i-e n.b lum. Smolensk y, P i n s k e r, Birnbaum, und anderen nichts hinzu, was über die rein pragmatische Darstellung der Geschehnisse hjpausreichen würde und es würde denn doch für die Erfassung der treibenden Kräfte der Bewegung von Wichtigkeit, gerade die oben erwähnten Phänomen bloßzulegen, welche es dazu brachten, daß Pinsker seine „Autoemanzipation“ an .die deutschen Juden richtete, weil er bewußt gegen die traditionellen Strömungen im östlichen Judentum die realpolische "Entwicklung des Zionsgedankeris im weltlichen, religionsabgewandten Sinrie verfocht. Hier wäre auch der Ansatz zu finden, aus dem das Problem Achad Haam in seinem Stellung zum politischen Zionismus restloser zu erklären ist, als es in Böhms Darstellung geschieht. Der wertvollste Teil des Böhmischen Buches ist. die Darstellung der Bewegung unter Herzl. Gerade dieser Abschnitt, des Buches, welcher viel neues. Material bringt, bietet in um so dankenswerterer Weise außerdem eine wirklich wertvolle Betrachtung des realpolitischen Problems des Zionismus. Böhm hat es hier auch versucht, der i

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