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Jüdische Zeitung · 1920-11-26 · 31 (26.11.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
31 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelexemplare K 2.— XIV. Jahrgang Nr. 31 Bedaktion ud Admiautration- Wl» II., Tabarairale I Ferneprseher Nr. 44038 u. 43319 ■ NaÜonal'jüdifches Oigan Mit üer Beilage: „Derjüdische Nationalionds“ Wien, Freitag, dta 26. November 1820 8aaM*r«ls: ViertMjahrie 13 K ganxj. 50 K, linielanmmer 2 K. PoataparkiMOTkonto 133.404 Ein Jubilar Za Dr. Josef Blochs 70. Geburtstag. ln diesen Tagen feierte Dr. Josef Bloch seinen 70. Geburtstag. Obgleich Bloch seit Monaten in Amerika weilt, und von dieser Zeit ab seine Wochenschrift ihr Erscheinen eingestellt hat, haben seine Freunde die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, in einer Festausgabe der Wochenschrift den Jubilar zu feiern und das Wiener Jüdische Museum hat aus diesem Anlaß eine Büste Blochs zur Aufstellung gebracht, ln der Tat ist Dr. Bloch eine genügend markante Persönlichkeit im österreichischen Judentum, um diese Ehrung zu rechtfertigen. Lange Zeit hindurch, durfte er geradezu als Wortführer und Repräsentant der jüdischen Sache in Oesterreich gelten. Es war dies namentlich damals der FalL als er als Abgeordneter hn österreichischen Reichsrat mit großer Energie den Kampf gegen den andringeuden Antisemitismus führte und seine Wochenschrift deu Charakter eines Kampfblattes gegen äußere Gegner hatte- Seine Beredtsamkeit, die sich auf einen scharfen Geist und ein ansgebreitetes jüdisches Wissen stützen konnte, ebenso wie die scharfe Feder, die er zu führen wußte, verhalten ihm und der von ihm vertretenen jüdischen Sache zweifellos zu manchem Erfolge. N Bl ochist seiner . Abkunft nach ein ■ Ostjude.Er hat in früher Jugend ein seltenes talmudisches Wissen erworben, den typischen Bildungsgang der östlichen „Bachur“ durchgemacht und sich in entbehrungsreichen Jahren das Rüstzeug europäischer Wissenschaft zu eigen gemacht ^'-‘NächtleWr er^ih-verwhiecteBeptdJIemeijidaiUrÄnlSt^fer in Floridsdorf,, als. Rabbiner gewirkt Ratte, wobei es infolge seiner temperamentvollen Art •zwischen’ ijun und seinen Vorstehern zu mancherlei Reibungen kam, begann, als bereits eine Reihe von Werken jüdisch-literarischen und historischen Inhalts von ihm vorlag, seine eigentliche Wirksamkeit. Es ist dies seine bekanntgewordenc Fehde mit dem Theologieprofcssor; Rohling, welcher aus Anlaß des Prozesses von Tisza-Eszlar die Ritualmordbeschuldigung gegen das Judentum aufgenommen hatte. Der Prozeß mit Rohling, welchen Bloch durch die Beschuldigung des Meineides vor dos Gericht zwang und der für' jenen mit einer kläglichen Abfuhr endete, und der Kampf gegen den Antisemitismus im Wiener Parlament, in welches Bloch in den Jahren 1884, 1S85 und 1891 . fn einem galizischen Wahlkreise gewählt wurde, bedeuten den Höhepunkt von Blochs öffentlicher Tätigkeit. Nachdem er gegenüber den Praktiken des Polenklubs und der galizischen Assimilationsjiiden unterlegen’ war, widmete er sich nebst literarischen Arbeiten gänzlich der Redaktion ■seiner „Oesterreichi sehen Wochens c h r i f t“. Diese, welche anfangs als Kampforgan für das angegriffene Judentum von gToßer Bedeutung war und dessen Verteidigern die geistigen Waffen lieferte, verlor mit dem Aufkommen neuer Strömungen allmählich ihren Wert. Während der inzwischen mächtig angewachscne politische Antisemitismus sich längst seine eigenen Organe geschaffen hatte, fuhr Bloch fort, vor einem rein jüdischen Lesepublikum _die angegriffene Wahrheit des Judentums zu verteidigen und kämpfte unentwegt zum Ergötzen eines behäbigen jüdischen Spießbürgertums gegen d!e Hetze Schönerers und Wolffs, gegen Lueger und Yergani. Hier wurde die Methode des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“ in rein jüdischem Milieu fortgesetzt, eine Methode, deren Wertlosigkeit von den Niationaijuden längst nachgewiesen und deren Erfolglosigkeit ihrer Würdelosigkeit das Gleichgewicht hält. Dieser hoffnungslosen Abwehrpolitik wußte Bloch in seinem Blatte nichts Positives an die Seite zu stellen und so gaben sich hier bloß die selbstgefälligen Berichte über die Kahaipolitik der' Notabein und über Privatereignisse aus deren Familienleben ein Stelldichein- Im besten Falle ging .der Gesichtskreis dieser. Betätigung über eine öde Philantropie nicht hinaus. Den Anschluß an die große jüdische Regenerationsbewegung, welche HerzI inaugurierte, hat Bloch völlig versäumt. Er gerriet mit seinem Blatt vielmehr ganz in die Abhängigkeit von der rückständigsten Wiener Assimilation und nicht bloß, daß Bloch den Zionismus und seine Führer heftig bekämpfte, in seiner Wochenschrift fanden die gehässigsten Angriffe auf unsere Bewegung ihren Platz, denen kein Mittel der Schmähung und Entstellung stark genug war. Das gleiche war bei den noch unter Herzl geführten Kämpien um die Kultusgemeinde der Fall, in welchen Bloch sein Blatt völlig dem Geldsack und der Reaktion verschrieb. Erst in den letzten Jahren, als der Siegeszug des Zionismus immer unaufhaltsamer wurde, der Assimilation jeder Nachwuchs zu fehlen begann und mit den zionistischen Erfolgen die Angriffe gegen die Bewegung abflauten, suchte Bloch maßvollere Töne anzuschlagen und -trug in seinem Blatte eine gewisse Objektivität zur Schau. Die letzten Ausartungen des häßlichen Kampfes, in welchem es die Wiener Assimilation versuchte, die jüdische Einheit welche Bloch, wie zugegeben werden muß, nie verleugnet hatte, zu zerstören, und zwischen einem „bodenständigen“ und einem ortsfremden und daher zu entrechtenden Judentum zu scheiden,, hat Bloch nicht mehr mit gemacht. Aber daß es soweit gekommen ist und daß Abfall und , Verrat die Reihen lichtet, als deren Vorkämpfer er sich betätigt hatte, daran ist seiii Wirken, nicht ohne Schuld und der Mann, der selbst ein Ostjude ist für diese seine Brüder während-des Krieges und nachher still mid verdieifötvolL gewirkt hat ~^nd:hih>*Südfscbet^"TOh!r*:«ridW\^^;enl^fe:--eBduK: die er solange gestutzt' hatte, tü-rmhaejv überragt muß es am Ende seiner . langen, : publizistischen Tätigkeit erleben, daß das assimilatorisch« Wiener ' Großjuderrtum, das sich von den Ostiuden lossagt, damit auch über ihn selbst den Stab bricht So wird man Blochs .Wirksamkeit nur mit manchen Einschränkungen gelten lassen. Er hat seinerzeit, bevor es.in unseren Ländern eine lebendige, jüdische Bewegung gab, verdienstvoll gewirkt und sein Name ist daher aus der Geschichte des österreichischen Judentums und des Kampfes um dessen Recht nicht zu streichen. Aber er hat den Anschluß an die Entwicklung verloren. durch seinen Widerstand gegen diese, ganz gegen seine Absicht an der Entjudung .mancher Kreise mitgewirkt und sieht erst heute ein, daß dem nationalen Judentum und dem Zionismus die Zukunft gehört. A. F. Die amerikanisch-zionistische Frage Die durch die Haltung der amerikanischen Landsmannschaft auf der Londoner Jahreskortferenz und in der Folge geschaffene Lage steht naturgemäß im Mittelpunkte der auf die gegenwärtige innerzionistisclie Situation abzielenden Betrachtungen. Die Exekutive der amerikanischzionistischen Organisation hat inzwischen eine Sitzung abgehalten, welche mit der Legende von etwa bestehenden Trennungstendenzen auizuräumen bestrebt war und es ist inzwischen auch B r a n d e i s’ Memoraudiun bekannt geworden, welches zur Grundlage für die zionistische Arbeit der Amerikaner dienen soll. Aus diesem Memorandum, welches sich ausdrücklich nur an die amerikanischen Zionisten wendet, wird jedenfalls -die Absicht deutlich, selbständig in. Palästina zu arbeiten und der Kompromißstandpunkt der offiziellen amerikanischen Zionisten, mit der Weltorganisation zusammen.zu arbeiten, soweit sie dies für richtig halten, enthält eine Gefahr für die Aufrechrhaltung der zionistischen Einheitlichkeit, welche nicht mit Stillschweigen übergangen werden darf. Es ist zweifellos, daß Brandeis* Memorandum viel Vernünftiges und Richtiges enthält. Aber es kann unmöglich der Förderung der zionistischen Arbeit dienen, wenn diese von verschiedenen Zentralstellen ans geleitet werden soll und das Beispiel der amerikanischen „Hadassah“ beweist schlagend, daß ein solches Unterfangen statt die von den Amerikanern vermißte Ordnung in der Arbeit zu schaffen, nur geeignet sein könnte, die Verwirrung zu steigern und eine wahre Anarchie zu zeitigen. Dies muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, obgleich Brandeis* Vorschläge sich in materieller Beziehung mit dem künftigen, allerdings nicht im Detail feststellenden Programm des Keren Hajessod decken- Allerdings zeigt sich in dem Memorandum eine gewisse Absicht jeden Hinweis auf den Keren Hajessod zu vermeiden. Es wird dort namentlich der Grundsatz unterstrichen, daß der palästinensische Jischuw möglichst bald in der Lage versetzt werden soll, sich selbst zu erhalten, ohne daß dieses tatsächlich ungeheuer wichtige Problem genauer ausgeführt wurde. Soweit sich diese Anschauung auf das Problem der Erziehung bezieht, so deckt sie sich mit der von den Amerikanern in London eingenommenen Haltung, welche in ihrei Stellungnahme gegen die Bewilligung des Kulturbudgets gipfelte. Wie richtig auch diese Auffassung im Prinzip sein mag, so bedeutet doch die sofortige Praktizierung dieses von den Zionisten aller übrigen Länder einmütig abgelehnten amerikanischen Standpunktes eine eminente Gefahr für das begonnene hebräische Kulturwerk. Die amerikanischen Zionisten, soweit sie mit Brandeis iibereitistimmen, begehen den grundlegenden Fehler, daß sie sich hier auf einen durchaus äußerlich mechanischen Standpunkt stellen und die besonderen jüdischen Verhältnisse und Bedürfnisse unberücksichtigt lassen. Wie richtig es auch ist, daß alles darangesetzt werden muß. den Jischuw nach jeder Seite hin zu produktivieren. so ist es doch völlig undenkbar, dem heute noch schwachen palästinensischen Judentum die Erhaltung der notwendigen kulturellen Institutionen autzubürden. Die nächste Folge davor» wäre, daß das gesamte Kulturwerfc zu einem vorläufigen Absterben verurteilt wäre. Andererseits darf nicht vergessen werden, daß die kulturellen Institutionen Palästinas eine zentrale. Bedeuhing für die Gesamtjudenheit haben und daß ebenso in der Diaspora ein kulturelles Vorbereitungswerk iür Palästina geschaffen-werden muß, dessen Erhaltung nur aus Zionistischen Mitteln erfolgenkann. Stöc1’« Abjetapag;- muß-Br ander sbAnßaäsunsvon ~ der fflnV a n'derer für sorge erfahren. In seinem Memorandum wiß er die gesamte Fürsorge für die Einwanderer für die Dauer der Reise und für die Zeit von ihrer Seßhaitmnchung 'm Lande den bestehenden jüdischen Hilfsorganisationen überweisen, womit er die von ihm an anderer Stelle gekennzeichnete Gefahr eines Ueberwttchems philantropischer Gesichtspunkte selbst lieraufbeschwört. Es bedarf keiner ausführlichen Beweise, daß die Auswahl und die Heranbildung eines geeigneten Menschenmaterials durchaus Sache der zionistischen Organisation ist und daß sie in dieser Frage sich ihren ganzen und ungeteilten Einfluß Vorbehalten muß. Das Memorandum von Brandeis enthält also viele, namentlich sozial richtige Gedanken, aber was ihm fehlt, ist die innerlich-jüdische Einstellung und die Bedachtnahmc auf das spezifischzionistische Problem. Ebensowenig wie Palästina eine jüdische Kolonie werden soll, ebensowenig geht es an. Gesichtspunkte aus der kolonialen Entwicklungsgeschichte mechanisch auf das jüdische Problem zu übertragen. Dieses Memorandum von Brandeis soll der demnächst stattfindenden Konvention der amerikanischen Zionisten zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Aber während das offizielle Organ der amerikanisch-zionistischen Organisation „D os jiddische Folk“ in einem Artikel über die Sitzung der Exekutive jede Unterstellung eines amerikanisch-zionistischen Separatismus entschieden ablehnt, hat auch in Amerika eine zum Teil sehr scharfe Kritik der Haltung der offiziellen Zionisten eingesetzt. Zur Klärung der unleidlich, gewordenen Verhältnisse;st VV e i t z in a n n mit einigen anderen führenden Zionisten nach Amerika hinübergefahren. Auf der am 17. Oktober stattgefundenen Sitzung (Vir amerikanischen Zionistischen Exekutive wurde, wie J. P. Z. meldet, ein Telegramm \V e i i. ni a n n s vorgclesen. wonach er seine Reise nach Palästina bis zur Rückkehr der jetzt dorthin abgegangenen zionistischen Kommission verschiebe und bal 1 nach Amerika zu kommen gedenke, wo er an der in Buifalo vom 25. bis 28- November stattfindemien Jahreskonferenz teilzunehmen beabsichtige. Nach längerer Diskussion wurde eine von Mack vorgelegte Resolution angenommen, wonach Weizmann in Amerika stets willkommen sei, jedoch folgende Wünsche ausgesprochen werden: Wegen der ökonomischen Fragen sei es wichtig, daß er j e t z t nach Amerika komme. Im Einklang mit der Verständigung, die zwischen ihm und der amerikanischen Delegation getroffen wurde, wird nochmals wiederholt, daß es höchst wünschenswert wäre, wenn er nach Amerika bestimmte Pläne mitbringen würde, besonders bezüglich der Konzessionen aui die Kronländereien. Er sollte auch in Begleitung von Sir Alfred Mond oder einer anderen einem ähnlichen Stande angehörenden Persönlichkeit kommen, um auch in Amerika bei denselben Kreisen Interesse zu erwecken.

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