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Jüdische Zeitung · 1920-10-15 · 28 (15.10.1920) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
28 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 28 welche stets im Namen der Demokratie sprachen, haben in Leitung von Experten gefordert, die nicht gewählt ist und niemandem verantwortlich wäre. Der große Führer von Amerika hatte keine bestimmte Politik, änderte jeden Tag seine Taktik, zerstritt sich mit dem besten russischen Zionisten, brachte selbst nichts zustande und führte es soweit, daß die ganze Konferenz ein Durchfall wurde. Ehe Reise Brandeis nach London ist ein verkleinertes Spiegelbild der Reise Wilsons nach Paris. Auf Wilson wurden die größten Hoffnungen gesetzt und er wurde vom gequälten Europa als Erlöser begrüßt, er kehrte heim, nachdem er selbst schwer enttäuscht worden war und alle schwer enttäuscht hatte, die auf ihn ihre Hoffnungen gesetzt hatten. Der Friede in Paris war nicht Wilsons, sondern Clemenceaus Friede. Genau so war es mit Brandeis. Er kam als Führer und kehrte still heim, nachdem alle über ihn enttäuscht waren. Die Konferenz litt darunter, daß sie keinen Führer und Organisator hatte. Ihr lag kein Arbeitsplan vor. Sie mußte ihre Sitzungen unterbrechen, damit einigen von den Führern Zeit gegeben werde, etwas vorzubereiten. Die fähigsten zionistischen Arbeiter wurden in den Schatten gestellt. Die neuen Protagonisten für Erez-Israel haben sich' durch Kritik ausgezeichnet, mag sie nun gerecht oder ungerecht sein, sonst jedoch durch nichts. Die Konferenz hat nichts geschaffen. Es fehlt an Führern und Organisatoren und es fehlt auch an den Mitteln zur Arbeit. Dies fühlt man auch in unserer amerikanischen Organisation. Man findet, daß es schwer sei, nicht bloß für die Palästinaarbeit. sondern auch für die lokalen Organisationsposten Geld aufzubringen. Daher wird gespart. Die Distriktsverbände sind schwächer geworden. Dazu kommt noch die Demission des Dr. Wise, des fähigsten Mannes in unserer Organisation. Sie beweist, daß in unserer Organisation selbst Streitigkeiten Vorkommen. Der Fehler liegt nicht an der Masse der Zionisten, sondern an ihren Führern und es ist Zeit, eine ganz neue Stellung einzunehmen. Die Bewegung ist nicht das Spielzeug eines Mannes, sie steht höher als die höchste Persönlichkeit Wenn die gegenwärtigen Führer durcbgefallen sind, müssen andere an ihre Stelle treten. Nach europäischem System könnte kein Premierminister nach einem solchen Durchfall im Amte bleiben. In der amerikanischen Verfassung gibt es keine Demission des Präsidenten, wenn er nicht zufriedenteilend arbeitet. Dafür aber hat unsere Verfassung vorgesorgt, daß alle vier Jahre eine neue Präsidentenwahl stattfinde. Die Führerschaft eines Mannes, der niemanden verantwortlich ist, eines Mannes, der sich von jedem abschließt und keine Kritik und Klage hören will, sie war nicht erfolgreich. Seine Methoden haben der Bewegung nicht genützt Sein erster Plan, die Einzelvereinigungen abzuschaffen und die Distriktsverbände einzuführen, haben zur gegenwärtigen Schwächung der Bewegung geführt. Noch viel ärger war die Politik, welche die Poale-Zion, Misrachi und Bnej-Zion dazu gebracht hat, sieb von der Hauptorganisation zu trennen. Nach dem letzten Durchfall in London muß die Oesamtorganisation gänzlich, vom Haupt bis zu den Gliedern geändert werden. Eine Volksbewegung darf nicht von einem Manne abhängen. Daß wir erst nach Führern suchen müssen, daß ist die Schuld der durch unsere bisherige Führung geschaffenen Verhältnisse. Daß nämlich die Bewegung zu einer Art Klub gemacht wurde, in welchen Nichtzugehörige keinen Einlaß fanden. Wir haben eine neue Leitung nötig, mit weniger Phrasen und mehr Takt. Wir brauchen auch neue Programme, der Zionismus in Amerika muß auch auf eine festere und breitere Grundlage gestellt werden und muß uns höher stehen als einzelne Persönlichkeiten. Der Eriolg des ganzen Zionismus hängt von den Juden Amerikas ab. Daher müssen diese alle in unserer Belegung Platz und den richtigen Platz finden. Die Aufgabe ist sehr groß. Und wenn die bisherigen Führer dabei versagt haben, müssen andere an ihre Stelle treten. * Konferenz der zionistischen Exekutive ln Amerika. New-York, 6. Oktober. (Jewish Corr.-Bur.) Auf einer Spezialsitzung der Exekutive der zionistischen Organisation Amerikas stand zur Diskussion die Haltung der amerikanischen Delegierten auf der zionistischen Jahreskonferenz in London. Mit Ausnahme der Herren Jakob de Haas, Professor Frankfurter und Kalen, die die Taktik Louis Brandeis* auf der zionistischen Jahreskonferenz verteidigten, kritisierten alle Mitglieder der Exekutive die amerikanische Delegation in London. Besonders scharf waren die Erklärungen Captain T ul ins, G. Schweitzers und Rabbi Si 1 v ers. Brandeis seihst war nicht zugegen. Dagegen war Rabbi Dr. Wise trotz seiner ursprünglichen Entscheidung, sich von der Exekutive zurückzuziehen, anwesend. Er wurde auch zum Vorsitzenden der Resolutionskommission gewählt. In die Resolution wurde die Feststellung eiuyerleibt, daß der Zionismus von der Erziehungsperiode in die Aera einer definitiven Aufbauarbeit für Palästina übergegangen sei. Eine weitere Resolution drückt den aufrichtigen Wunsch der amerikanischen Zionisten aus, die Integrität der zionistischen Weltorganisation zu wahren. kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk Zahlet die jüdische üolhssteuep! 'f'MVWYfTfTfTfWWWWTffWTVrrffWr Ra Organisation des Jüdischen Nationalfonds in Oesterreich Von Wolfgang Weisl. Sekretär des JNF. in Oesterreich. _ Die im Frühjahr dieses Jahres abgehaltene ..Reichskonferenz der Nationalfondskommissäre Oesterreichs" hatte beschlossen, für den Fall, daß bis Oktober nicht wenigstens zwei Drittel des Jahreskontingentes aufgebracht sein sollten, zu einer neuen Reichskonferenz zusammenzutreten und über Mittel, und Wege zur schleunigsten Reorganisation der Nationalfondsarbeit Oesterreich schlüssig werden. Nun dürften aller Wahrscheinlichkeit Aach bis Ende dieses Monats nicht nur zwei Drittel des seinerzeit festgesetzten Kontingentes von zweieinhalb Millionen Kronen erreicht sein — schon heute hat ja Oesterreich inkl. der gezeichneten, aber noch nicht eingezahlten Bausteinspenden über 1.600.000 K aufgebracht —•. da aber inzwischen das Jahreskontingent auf zwölf einhalb Millionen Kronen erhöht wurde und von d'eser Summe erst ein ganz geringer Bruchteil eingelaufen ist. wird die Reorganisation der Nationalfondsarbeit hierzulande — eine Neuordnung, die längst schon dringlich gewesen wäre und immer wieder hinausgeschoben wurde — aktuell. Die Zentrale des JNF. hat sich daher entschlossen, dm Anschluß an den zionistischen Parteitag eine neue Reichskonferenz des JNF. für Oesterreich für die ersten Tage des kommenden Monats einzuberufen. Diese ..Reichsktmferenz wird zum ersten Male bereits den in der letzten Nummer von „Erez Israel“ niedergelegten Forderungen des Hauptbüros des JNF. im Haag entsprechend den Mitarbeitern des JNF.. NF.-Kommissären und Vertrauensleuten. Gelegenheit geben, nicht nur auf die Leitung der Sammeltätigkeit in Oesterreich Einfluß zu nehmen, sondern auch Kritik an der Verwendung der gesammelten Gelder durch das Hauptbüro, sowie Kritik an der Arbeit-des JNF. in Palästina zu üben.' Die ..Reichskonferenz“ soll damit zum Ausdruck bringen, daß die Leute, die dafür arbeiten, daß dem jüdischen Volke die nifcgen Gelder für sein neues Land und sein neues Leben zur Verfügung gestellt werden, auch einzig berufen sind, die Verwendung dieser Gelder zu kontrollieren. Die „Reichskonferenz“ wird zum - Schlüsse ihrer Tagung auch diejenigen Persönlichkeiten zu wählen haben, die beauftragt sein werden, im Namen der österreichischen Juden auf einer allgemeinen, allweltlichen Nationalfondskonferenz die Forderungen und Anregungen Oesterreichs zu vertreten und die Beschlüsse der .JReichskonferenz“. soweit sie für andere Länder von Belang sind, zur Durchführung zu bringen. Selbstverständlich wird diese Reichskonferenz durch ein derart großes Programm auch schon rein äußerlich einen ganz anderen Rahmen erhalten müssen, wie die bisherigen Konferenzen. Es wir-d unmöglich sein, diese umfangreiche Tagesordnung in ein oder zwei Sitzungen zu erledigen und die Zentrale beabsichtigt daher, an zwei aufeinander folgenden Tagen mindestens fünf Sitzungen abzuhalten, um nur einigermaßen den Anforderungen des zu bewältigenden Arbeitsmateriales gerecht zu werden. Da durch die Erweiterung der Befugnisse der Nationalfondkommissäre und Vertrauensleute, denen nunmehr ein bedeutender Einfluß auf die Palästinaarbeit und ein ausschlaggebender Einfluß auf die Leitung des Hauptbüros eingeräumt wurde, es von erhöhter Wichtigkeit wurde, nur unbedingt zuverlässige und arbeitsfähige Zionisten mit diesen nun besonders wichtigen und verantwortungsvollen Stellen zu betrauen, wird es eine der ernstesten Pflichten der Konferenz sein, darüber zu beraten, wie erhöhte Ordnung in das bisher ziemlich willkürliche System der Ernennung. bzw. Wahl von Vertrauensmännern und Nationalfondskommissären zu bringen wäre. Es wird der Konferenz 'diesbezüglich folgender Vorschlag unterbreitet werden: 1. Die Leitung der Sammelarbeit für den JNF.. deren Kontrolle, sowie die Kontrolle der Ausgaben des Büros der Zentrale liegt in den Händen der „Reichskonferenz“, die im März und im Oktober eines jeden Jahres einberufen werden muß. 2. Stimmberechtigt sind bei der ..Reichskonferenz“ : Alle ordnunggemäß gewählten und von der Zentrale bestätigten Nationalfondskommissäre. Ortskommissäre. Bezirks- und Kreiskommissäre. Alle Vertrauensleute des JNF. Je ein Delegierter des zionistischen Landeskomitees. des Palästinaamtes und des Hauptbüros des JNF. im Haag. Die Beamten der Zentrale des JNF. für Oesterreich. Nicht stimmberechtigt jedoch berechtigt als Gäste an allen Sitzungen und Beratungen der ..Reichskonferenzen“' teilzunehmen, sind: Alle ordnungsgemäß gewählten Vereins-, bzw. Ortskommissäre des JNF.. die mit auf Namen lautenden Legitimationen ihrer Vereine versehen sind, jedoch noch nicht von der Zentrale bestätigt wurden. Alle provisorische, mit den Funktionen eines NF.-Kommissärs betrauten Sammler, die eine diesbezügliche Legitimation erhalten haben. 4. Sämtliche bisher erfolgten Wahlen zu NF.- Kommissären usw. werden mit 1. Dezember annulliert. Ebenso erfolgt eine Annullierung aller bisher üblich gewesenen Bezeichnungen als ..Vertrauensleute“ usw. und es tritt folgende Neuordnung ein: A) Die Ernennung zum Vertrauensmann des JNF. ist die höchste Ehrung, die die Leitung des JNF. einem Mitarbeiter zu teil werden lassen kann. Sie erfolgt in der Regel nur über Vorschlag der Zentrale mit Beschluß der Reichskonferenz der mit wenigstens Zweidrittelmehrheit gefaßt werden muß. Nur in außerordentlichen Fällen hat die Zentrale das Recht eigenmächtig für besondere Verdienste — jedoch nur unter Vorbehalt der nachträglichen Genehmigung der nächsten ..Reichskonferenz“ einen hervorragenden Zionisten zum Vertrauensmann zu ernennen. Die Vertrauensleute des JNF. haben lebenslänglich das Stimmrecht bei jeder NF.-Reichskonferenz. Sie haben ferner das Recht jederzeit die Tätigkeit der Zentrale und des Büros zu kontrollieren. Je zwei Vertrauensleute haben das Recht -die Einberufung einer außerordentlichen Reichskonferenz binnen 3 Wochen zu verlangen und die Tagesordnung derselben iestzusetzen. Sie haben ferner das Recht, mit beratender Stimme an allen Sitzungen der von der ..Reichskonferenz“ gewählten Reichsleitung teilzunehmen und sind zu allen Beratungen derselben einzuladen. B) Vereins - NF. - Kommissäre: Diese werden, wie bisher, von jedem jüdischen Verein gewählt und heben in erter Linie die Aufgabe, die sorgfältigste Durchführung aller Beschlüsse der .Reichskonferenzen“, sowie aller Weisungen der Zentrale an ihre Vereine und deren einzelne Mitglieder zu überwachen. Sie sind zu gelegentlichen Sammlungen befugt haben im besonderen die Selbstbesteuerung zu propagieren, unterstehen aber in größeren Aktionen den Orts- bzw. Bezirkskommissären, zu deren Unterstützung sie verpflichtet sind und deren Oberaufsicht sie unterstehen. Die Vereinskommissäre werden mit dem Moment ihrer Wahl Mitglieder der Orts-, bzw. Bezirkskommission, an deren Sitzungen sie regelmäßig teilzunehmen haben. Die Orts-, bzw. Vereinskommissäre melden nach zirka 8 Wochen der Zentrale über die Befähigung. resD. die Arbeitserfolge der einzelnen Vereinskommissäre. Erst nach erwiesener Befähigung erfolgt die Bestätigung durch die Zentrale, und erst damit erlangt der NF.-Kommissär das Stimmrecht auf ■der Reichskonferenz. In kleineren Orten, bzw. Bezirken, wo es nur einen Verein mit NF.-Kommissär gibt untersteht der Vereinskommissär. .der gleichzeitig mit dem Titel eines Ortskommissärs bekleidet ist dem Kreis, bzw. Landikommissär unter den gleichen Bedingungen einer nachträglichen Bestätigung. C) Zionistische Bezirkssektionen, bzw. Ortsgruppen haben das Recht Bezirks- bzw. Ortskommissäre, jedoch nur unter solchen Personen zu wählen, welche schon früher als Vereinskommissäre erfolgreich gearbeitet haben. Diese Wahl unterliegt ebenfalls der Bestätigung der Zentrale. Außerdem hat die Zentrale das Recht, besonders verdiente NF.-Veremskommissäre zur Belohnung ihrer Dienste zu ..Zweiten Bezirkskommissären“ zu ernennen, die hiedurch zu Stellvertretern der Ersteren werden und bei größeren Aktionen kollegial mit ihnen zu entscheiden haben. Von der Zentrale ernannte Bezirkskommissäre unterliegen der Bestätigung der Reichskonferenz und erhalten ihr Mandat auf zwei Jahre. D) Besonders verdiente Zionisten, in erster Linie Vertrauensleute des JNF. können von der Zentrale zu Kreisbzwi. Land'eskommiss ä r e n ernannt werden. Ihnen obliegt die Kontrolle über die Tätigkeit der ihnen unterstellten Bezirks- und Ortskommissäre, sowie das Recht, selbständig und ohne vorherige Genehmigung der NF.-L'eitung alle ihnen passend erscheinende Aktionen zu gunsten des JNF. durchzuführen und in besonders wichtigen Fällen selbständig unfähige NF—Kommissäre ihres Amtes zu entheben. E) In kleineren Orten, wo kein zionistischer Verein besteht, ernennt der Kreiskommissär. eventuell über dessen Vorschlag der Landeskommissär gegen nachträgliche Genehmigung der Zentrale vertrauenswerte Personen zu Sammler. die mit dem Titel eines NF.-Kommissärs bekleidet werden. Diese haben direkt ihrer Vorgesetzten Stelle mindestens einmal monatlich über ihre Tätigkeit zu berichten. Nach längerer erfolgreicher Tätigkeit erfolgt durch die Zentrale die Ernennung zum Ortskonunissär mit zweijähriger Mandafsdauer gegen nachträgliche Bestätigung durch die nächste Reichskonferenz. Durch diese weitgehende Erhöhung der Machtvollkommenheit der NF.-Kommissäre macht die Zentrale einen weiteren Schritt zur Dezentralisation der NF.-Arbeit. der hoffentlich in kurzer Zeit zur Einführung des Zehnerschaftprinz i p e s in unserer Arbeiteiner Anregung des verdienstvollen Gg. Dr. R ob ins oh n führen wird. Ein zweiter, äußerst wichtiger Punkt der Tagesordnung wird die Festsetzung des Budgets für das Jahr 1921 sein. ' Die Lage in Palästina ist so ernst daß nur ganz großartige Anstrengungen von Wert sein können. Wir müssen endlich in unseren Reihen 9

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