Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 28 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 JÜDISCHE ZEITUNG Saite 5 mit jener verhängnisvollen Ghettoosycholozie anfräumea •die alles immer von anderen erwartet. Früher warteten die Juden Jahrhunderte lang auf den Messias. Er wird uns schon nach Palästina bringen! Heute warten sie ebenso untätig auf den neuesten Messiasersatz, die Geldhilfe der amerikanischen Juden! Diese, schmähliche Unentschlossenheit hat schon jetzt' -die entsetzlichen Folzen für Palästina gehabt. Die Amerikaner sind nach fünf Jahren größter Geldopfer für die Juden Ost- und Mitteleuropas. des Balkans und Palästinas selbstverständlich gebemüde geworden und erwarten letzt von den europäischen Juden, daß auch diese einmal nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Geld für Palästina einstehen. Unsere Leitung hat den unverzeihlichen Fehler begangen, zu wenig Vertrauen in die Opferwilligkeit des europäischen Judentums zu setzen. Sie hat zu wenig verlangt und daher auch das nicht bekommen, was sie verlangte. Ussischkin erklärte in einer Versammlung des Waad Hasmanim: ..Wir haben untätig auf die Amerikaner gewartet Hätten wir uns statt dessen an die europäischen Juden gewendet. so hätten wir in diesem Jahr in Deutschland 200 Millionen Mark und in Polen eine Milliarde bekommen müssen“. Die palästinensischen Juden haben allerdings aus dieser Erfahrung sofort die Lehre gezogen und sich sozusagen selbständig gemacht: Sie haben sich nicht darum gekümmert, was die — Anderen tun werden, haben in beispiellosem Opfermut hunderttausend Pfund aufgebracht und sind entschlossen, unter gar keinen Umständen zu dulden, daß das Tempo der Judaisierung Palästinas eingeschränkt werde. Oesterreich, das bankerotte Oesterreich, muß dem Beispiel Palästinasfolgen. Ist unsere Währung entwertet, so müssen wir eben umso mehr aufbringen, damit wir tatkräftig zum Aufbau des dritten jüdischen Reiches beitragen. Wir wollen und werden nicht darauf warten, was die Leitung des Jüdischen 'Nationalfonds für das nächste Jahr von Oesterreich verlangt Dre ..Reichskonferenz“ wird den Mut haben müssen, zu erklären: . Wir wollen Euch. Ihr Herren in der Leitung, zwingen, das Letzte von den Juden der anderen Länder zu verlangen. Damit Ihr aber uns hört, damit Ihr uns hören müßt, wollen auch wir das Letzte aufbringen! Die Arbeit in Palästina darf nicht aus Geldmangel eingeschränkt werden! Kein Fußbreit heiliger Erde darf aus Geldmangel ungekauft bleiben! Die JReichskonfereitz“ wird den Mut haben müssen, von den österreichischen Zionisten für das nächste Jahr die Aufbringung eines Fonds von hunderttausend Pfund Sterling. das sind hundert Millionen Kronen. xu verlangen. Nur eine solche Summe ist imstande. wesentlich zur Erfüllung unserer Aufgaben in Palästina beizutragen. Nur dann, wenn wir der übrigen Jüdischen Welt mit gutem Beispiel vorangeben. können wir hoffen, daß unsere Stimme gehört wird, können wir verlangen, daß dann auch die anderen mitarbeiten am Aufbau des dritten Jüdischen Reiches. Vom jüdischen Nationalfonds Bausteine für das dritte jüdische Räch. Bekanntlich hat in Anbetracht der ernste* Lage in Palästina und vor allem infolge der dem JNF gegebenen Möglichkeit sofort und in allergrößtem Umfang Landkäufe in Palästina durchzuführenj. die außerordentliche NF-Konferenz vom 31. August LJ. beschlossen, einen Fonds von 10.000 Pf und Sterling unter allen Umständen bis Jahresende in Oesterreich aufzubringen. Da es unmöglich ist. in drei Monaten diese Summe von 12 Millionen Kronen mit den bisherigen Sammelmethoden zu erhalten, wurde beschlossen. diesen Betrag in Einzelspenden von mindestens ie 20.000 Kronen zu teilen und diesen Einzelspenden den Namen „Bausteine für das dritte jüdische Reich“ zu geben. Die Veröffentlichung dieses Beschlusses erfolgte am 5. September und in den 35 Tagen seither sind bereits die ersten 29 Bausteine gespendet worden. Bei der Agitation hiefür taten sich besonders unsere Mödlinger Gg. hervor, die sich — obwohl ihre Gemeinde kaum 500 Seelen zählt — trotzdem zur Aufbringung von 10 Baustein en verpflichteten und davon in kürzester Zeit tatsächlich schon 6 Bausteine ablieferten. In Wien hat das größte Verdienst um das Zustandekommen dieser Zeichnungen Herr Israel Perlst'ein. der durch seine persönlichen Beziehungen zum Teil allein, zum Teil gemeinsam init Eielegierten der Zentrale, in etwa 14 Tagen 9 Bausteinspenden vermittelte. Ferner arbeitet erfolgreich Herr Dr. Robinsohn in Klosterneuburg. welch letzteres sich zur Aufbringung von 7 Bausteinen verpflichtete, von denen bisher 2 Spenden emgegangen sind. Bisher wurden folgende Bausteinzeichnungen angemeldet: 1. Melech Alster. Wien II. 2. Max Klein. Fabrikant Mödling. 3. Jakob Kaufmann. Mödling 4. Heinrich B a r d. Großindustrieller. Wien I.. Klosterneuburg. 5. Leo Weiss. Kaufmann. Klosterneuburg. 6. Familie Dr. Rosenheck. Mödling. 7. Karl Kl ein. Fabrikant Mödling. 8. Baruch L ö w. Industrieller. Wien II. 9. Direktor Nowak, Int. Rohöl-A.-G.. Wien IX. 10. Direktor Nowak. Int. Rohöl-A.-G.. Wien IX. 11. Schale M a r i 11 e s. Wien II. 12. Alexander S. (anonym). Gumooldshirchen. 13. Ortsgruppe Mödling. 14. Dr. Kindler. Advokat Wien I. 15. Mar Sternb'erg. Industrieller. Wien VII. 16. Israel L. (anonym). Wien I. 17. „L W.“ (anonym). Wien I. 18. .P.“ (anonym). Wien L 19. „S.r“ (anonym). Wien L 20. Tempelbau verein für den 3. Bezirk. Wien. 21. Durch NF-Kommission Wien III.. anonym. 22. Durch NF-Kommission Wien III.. anonym. 23. Samuel T i 11 i n g e r. Wien VIL 24. Nachum J i z c h a k i (anonym). Wien II. 25. Noe Sokolowsky und Frau Klara. Großgrundbesitzer. Wien IX. 26. Wolf Engelberg. Kaufmann. Wien II. 27. M. R o h a t y n. Bankier. Wien I. 28. David Rappaport Baligrod. dzt Wien II. 29. Löw Rappaport, Holyn b. Kalusz. dzt. Wien IX. Philatelienabteilunz des Jüdischen Nationalfonds in Wien. Die Zentrale des Jüdischen Nationalfonds in Wien hat ihre früher bestandene Philatelieabteilung vollständig neu organisiert und unter die Leitung eines bewährten Fachmannes gestellt Sie bittet auf diesem Wege alle Gg.. sämtliche bei ihnen einlaufenden Markern vor allem jedoch die aus den neuentstandenen Staaten und aus Palästina. ihr zur Verfügung zu stellen, da sie selbe ausgezeichnet verwerten kann. Die Zentrale nimmt ferner schon jetzt Bestellungen auf Marken aller Art entgegen und wird diese im Laufe des nächsten Monats effektuferen Rechenschaftsbericht des Jüdischen Nationalfonds für Oesterräch. Anläßlich des zionistischen Parteitages erscheint am 1. November eine Sondernummer der „Mitteilungen des JNF“. in welcher ein vollständiger Rechenschaftsbericht übe,- die Tätigkeit der Zentrale im abgelaufenen Jahre, über ihre Ausgaben und Einahmen etc. erstattet werden wird. Besonderes Interesse wird die Beilage dieser Sondernummer erwecken, in welcher ein vollkommenes Verzeichnis aller Zionisten erscheinen wird, die ihrer Pflicht, sich mit mindestens 200 Kronen zugunsten des JNF zu besteuern. nachgekommen sind. Am 20. Oktober wird die Liste abgeschlossen. so daß alle später einlaufenden Selbstbesteuerungen nicht mehr ausgewiesen werden können. Die Zentrale bittet daher alle Ggihre ausständigen Selbstbesteuerungen unverzüglich einsenden zu wollen. Die zweite ordentliche Relchskoninrenz des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich. Im Anschluß an den zionistischen Parteitag, der am 31. Oktober und 1. November 1. J. stattfinden wird, wird in besonders feierlicher Form die zweite ordentliche Reichskonierenz des JNF für Oesterreich stattfinden. Dieser Konferenz wird die Beschlußfassung über das Budget des nächsten Jahres und eingehende Kritik der Arbeiten sowohl der österreichischen Zentrale als auch des Hauptbüros des JNF in Haag und dessen Kolonisationsarbeiten in Palästina zustehen. Die Konferenz wird in breiter Oeffentlichkeit abgehalten werden und es werden diesmal auch eine große Anzahl von Gastkarten zur Ausgabe gelangen, so daß jeder Jude in der Lage sein wird, selbst Kontrolle über alle Angelegenheiten des JNF zu üben. Tag und Ort der Tagung wird in allernächster Zeit bekanntgegeben werden. Die Konferenz wird zwei Tage dauern und in voraussichtlich vier Sitzungen folgende Tagesordnung zu erledigen haben: 1. Sitzung: Rechenschaftsbericht der Zentrale des JNF. über ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahre. Vorlage des Budgets. Detaillierung der Ausgaben des Büros etc. Generaldebatte. Absolutorium. 2. Sitzung: Vorschläge der Zentrale über Reorganisation des Aufbaues des JNF in Oesterreich. Abänderung der bisher üblichen Einteilung_ in NF-Kommissäre und Vertrauensleute. Schaffung einer neuen Rangordnung der Mitarbeiter des JNF. Erweiterung des Amtsbereiches der Kommissäre. Festlegung eines Statutes für die Reichskonferenzen. 3. Sitzung: Debatte über die Arbeit des JNF in Palästina und Verwertung der für den JNF gesammelten Gelder durch das Hauptbüro. Wahl von Delegierten der Reichskonferenz zu der vom Hauptbüro einzuberufenden alhveltlichen NF- Konferenz. 4. Sitzung: Vorlage des Budgets der Zentrale für das Jahr 1921. Aufbringung eines Fonds von hundert Millionen Kronen für den JNF im Jahre 1921 durch die österreichischen Juden. Debatte über Mittel und Wege hiezu. Palästina Die Beschlüsse der Lehrerversammluns. Die Versammlung der palästinensischen Lehrer, welche Anfang September in Jaffa tagte und über die wir noch berichten werden, hat folgende Resolutionen beschlossen, die von der FermanenzkommissiOTi vorgeschlagen wurden: „Die Generalversammlung beauftragt den Merkas. im Laufe dieses Jahres die Ausarbeitung der Programme für die verschiedenen Schulen im Lande zu Ende zu bringen. I. Volksschulen. Der Merkas wird beauftragt, sofort den einzelnen Gruppen das bearbeitete Material der Kommission für das Programm der städtisch«! Volksschule und der Kindergärten vorzulegen; noch ira Laufe der Ferien die Kommission für das Programm der dörfischen Volksschule einzuberufen und das Material den Gruppen vorzulegen: zur Beratung der Entwürfe im Nissan eine Versammlung eiuzuberufen. II. Mittelschulen. Sofort die Kommission zur Ausarbeitung der Programme für Mittelschulen einzuberufen und sie zu verpflichten, ihre Arbeit im Laufe eines Jahres zu beenden und die Entwürfe einer Lehrerversammlung im nächsten Sommer vorzulegen. III. Terminologie. Der Merkas hat eine Kommission zu wählen, welche das ganze in den Schulen gebräuchliche terminologische Material sammeln und ordnen soll. Die Kommission hat bezüglich der Festsetzung der Terminologie in allen Schulen mit dem Midrasch halaschon in Verbindung zu treten. IV. Reformen. Der Merkas hat sofort den Gruppen die Reformvorschläge für die Schulen zwecks Verhandlung vorzulegen und sie im Nissan vor die Lehrerversammiung zu bringen. V. Die Teuerung. 1. Die Versammlung stellt fest, daß die ungewöhnliche, von Tag zu Tag zunehmende Teuerung unsere ganze nationale Arbeit gefährdet und den Preis jeder Arbeit über die Leistungsfähigkeit des Landes hinauftreibt. Es ist Pflicht der Oeffentlichkeit, mit allen Mitteln dagegen zu kämpfen. 2. Die Versammlung bevollmächtigt den Merkas, sich an die nationalen Institutionen, an die Assefath hamwcharim. an die Regierung und an alle Arbeiter zu wenden undsie zu energischem Kampf für eine Verbilligung der Lebensmittel aufzufordern. 3. Die Versammlung beauftragt den Merkas, eine Spezialkommission zu wählen, die gemeinsam mit allen arbeitenden Schichten des Landes die zur Erleichterung der Lebenshaltung des arbeitenden Menschen notwendigen gemeinschaftlichen Institutionen schaffen soll. VI. Das Prinzip der Arbeitsschule. Auf Grund der Referate und Diskussionen über den großen Wert, welcher in Erziehung und Unterricht der Arbeit zukommt, fordert die Versammlung vom Waad hachinuch:!. Handarbeiten, insbesondere Gartenarbeit in allen Erziehungsinstituten des Landes einzuführen. 2. Die Programme der Seminarien für Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrerinnen dem Prinzip der Arbeteschule anzupassen. 3. Eine Anstalt zu> gründen, welche die jetzt schon an den Schulen tätigen Lehrer für den Arbeitsunterricht ausbildet 4. Einer Lehrergruppe, welche eine Arbeitsschule gründen will, die Möglichkeit zu einem Versuch zu geben. 5. Die Versammlung nimmt mit Genugtuung den Beschluß der Londoner Konferenz bezüglich der Arbeit in den Schulen zur Kenntnis, welcher ganz mit den Wünschen der palästinensischen Lehrer übereinstimmt VII. Land wir tscha f 1 i che Arbeit. Die Versammlung protestiert mit allem Nachdruck gegen den Versuch, die landwirtschaftliche Arbeit im Lande, welche die wichtigste Grundlage des Aufbaues unserer nationalen Heimstätte ist, zu unterbrechen oder einzuschränken. Der Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Arbeit würde mit Notwendigkeit auch den Zusammenbruch der Kulturarbeit nach sich z;ehen. Der hebräische Lehrer erklärt sich solidarisch mit dem Arbeiter im Lande. VIII. Kulturarbeit. Die Versammlung verpflichtet die Organisation und den Merkas, sich aktiv an der Kulturarbeit unter den neuen Einwanderern imd den übrigen Volkssichten zu beteiligen und zu diesem Zwecke hat der Merkas mit den Vertretern der interessierten Parteien in Verbindung zu treten. IX. Kindergärtnerinnen. Der Waad hachinuch wird ersucht, eine Kindergärtnerin als ständiges Mitglied zu kooptieren. Bis zur Annahme dieses Antrages soll der Waad hachinuch zu jeder Sitzung, die über Kindergartenangelegenheiten berät, eine Kindergärtnerin zuzuziehen. X. Wahlen. In den Merkas wurden sieben Mitglieder aus Jaffa und zwei aus Jerusalem gewählt Wählet die jüdischnationale Liste Robert Stricker, Anitta Müller und Genossen!