Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 25 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 25 Nationalforeds seihe Mitte! durch Spenden aufb,ringt. Aber dem ist nicht so. Durch die Gründung: des Keren hajassod ist dein Jüdischen Nationalfonds eine zeitweilige Konkurrenz erstanden Jener Beschluß besagt, daß dem Jüdischen Nationalionds aus-i den allgemeinen zionistischen Mitteln, also vor allem aus dem Keren hajassod dotiert werde. Es ist in Aussicht genommen worden, dem Jüdischen Nationalfonds 20 Prozent der Einkünfte des Keren hajassod zu überlassen. Doch" genügt es nicht, derartige starre Verhäitniszahlen aufzustellen. Sollte der Jüdische Nationalfonds in einem gegebenen Moment für Bodenkauf größere Mittel brauchen, als er inklusive jener 20 Prozent Beteiligung am Keren hajassod gerade besitzt, so wird dieser ihm auch das Plus bewilligen müssen. Der Beschluß spricht daher von „ausreichenden“ Mittein, die dem Jüdischen Nationalfonds zur Vcr- fügung gestellt werden müssen. Unausrottbar spukt in den Köpfen der Zionisten die Vorstellung, der Jüdische Nationalfonds könnte gegen Verpfändung seiner Liegenschaften Anleihen auinehmen. Wir hatten in der Kommission sehr stark gegen diese Meinung zu kämpfen. Es ist natürlich gänzlich ausgeschlossen, daß irgend ein Pächter oder eine Pachtgenossenschaft •sich finden kann, welche auf Jüdisches Nationalfonds-Land sich anzusiedein bereit ist, darauf Investitionen macht wenn das Damoklesschwert der Veräußerung des Bodens durch den Pfandgläubiger des Jüdischen Nationaüonds über ihm schwebt. Eine Unterlage für Verzinsung und Amortisieruiig von Anleihen ist nur in der Rente zu suchen, die der Jüdische Nationalfonds von den Ansiedlern erhält, und auch von dieser nur so weit es städtischen Besitz betrifft, denn die Rente voi) ländlichem Besitz wird in der ersten Zeit {wenn sie nicht ganz gestundet werden wird) sehr klein und ihr Eingang sehr unsicher sein. Es ist auf Verlangen der Antragsteller in Beschluß 4 von der Möglichkeit einer -Nationalfondsanleihe auf Grund seiner Pacliteinnahmen gesprochen worden. Im selben Beschluß ist es als wünschenswert erklärt worden, daß die. Reserveverpflichtung des Jüdischen Nationalfonds (25 Prozent seiner Mittel - müssen liquid angelegt sein) fallen gelassen werde, da sie bisher nur eine Behinderung seiner Tätigkeit darstellte. Die Bodenpolitik des Jüdischen Nationalfpnds hat natürlich nicht nur die eine Seite, die des Bodenkaufes, sondern auch die der Bodenverwertung. Diese ist eine Fragender Kolonisation und ihre Erörterung fällt außerhalb des Rahmens dieses Artikels. Nur auf zwei der Beschlüsse, die hieher gehören, sei hier hingewieseh. Der eine spricht aus. daß die Bodenpolitik des Jüdischen Nationalfonds durch Kreditinstitute für landwirtschaftlichen und städtischen Besitz ' gefördert werden soll. Dies ist natürlich eine so selbstverständliche Forderung, daß sie keiner Erläuterung bedarf. Wenn der Jüdische Nationalfonds noch so viele Boden besäße und eine genügende Zahl von geeigneten Ansiedlern bereitstände, so könnte ohne Mithilfe ^solcher Institute ihre Kolonisation nicht erfolgen- Der ander© Beschluß ist ein prinzipieller und von weitgehendster Bedeutung: Der Jüdische Nationalfonds soll die Kosten der Okkupation des Bodens bis zur Ansiedlungsreife trägem Die Erfahrung in Palästina har gezeigt, daß es für keinen Ansiedler möglich ist, zur Rentabilität zu gelangen, wenn er die Kosten einer ersten Atneliorierung des Bodens — und eine solche ist bei der Mehrzahl der Böden in Palästina notwendig — tragen müßte. Es entstand die Frage, wer diese Kosten zahlen solle. Es ist natürlich, daß zu ihrer Dekkung keinerlei separate Mittel aufbringbar. sind. Andererseits ist es sicherlich Aufgabe der nationalen Gemeinschaft, den - jüdischen Siedlern jene Voraussetzungen zu bieten-, welche ihnen ein Gedeihen möglich machen. Die Uebernahme der Kosten auf den Jüdischen Nationalfonds stellt naturgemäß eine schwere Belastung dieses Fonds und eine Verringerung seiner Kapazität, Boden zu kaufen, dar. Dagegen ist aber zu bemerken, daß der Jüdische Nationalfonds aus dem Aufbaufonds Zuwendungen erbalten wird, welcher Fonds ja vornehmlich dazu dienen soll, die ersten Voraus- / Setzungen für die Besiedlung des Landes zu schaffen. Der Jüdische Nationalfonds, wenn er sich darauf beschränken würde, einen Boden 'beizustellen, der'-noch nicht für d;ie Ansiedlung reif ist, würde sehr bald sein' Prestige als Hauptfaktor für die nationale Kolonisation verlieren und dies würde einen Rückgang-»seiner eigenen .Einnahmen zur Folge hajien. Ich hoffe, daß aus vorstehenden Ausführungen hervorgehen wird, daß die Beschlüsse der Londoner Konferenz über die Bodenpolitik ein zusammenhängendes Ganzes von einer gewissen Systematik darstellen. Es war, in der betreffenden Kommission.' Ü'e'r sehr wenig Diskussionsgrundlagen zur Verfügung standen, nicht leicht, aus dem Chaos der zahlreichen Einzelanträge, die von den Delegierten gestellt-worden waren, herauszufinden und zu einem halbwegs befriedigenden Vorschlag für die Konferenz zu ablangen. Die Arbeit, welche die Kommission geleistet hat, sollte deshalb auch von denen anerkannt werden, welche von dem erzielten Resultat nicht -voll befriedigt .sind. Zum erstenmale. wurden auf einer zionistischen Tagung'die Fragen der Bodenpolitik und des Jüdischen Nationalfonds eingehend erörtert. Gilt es doch nuruiiehr, «rasch zu praktischen Taten -zu gelangen. Die Aufnahme der Arbeitgrößeren Stiles in Palästina wird zur Folge haben, daß beiden weiteren Tagungen die sachlichen 'Fragen immer mehr den Hauptinhalt der Beratungen bilden werden und die Rhetorik in den Hintergrund treten wird. Dazu ist ein Anfang auf der Londoner Konferenz gemacht worden, die schon deshalb für die Bewegung von Bedeutung war, so vieles sie auch noch zu wünschen übrig ließ. OM Werbet Abonnenten für die „JüÖisdie Zeitung“! Der Jüdische Nationalfond bei der Londoner jahreskonferenz Bei keiner früheren Tagung haben die Aufgaben und die Stellung des Jüdischen Nationalfemds einen derart breiten Raum eingenommen wie bei den Verhandlungen in London. Der Jahresr konferenz gingen zunächst mehrere Direktor i u in s s i t z u n g e n voraus, die sich mit einer Reihe aktueller Fragen befaßten und sie einer glücklichen Lösung zuführten. Diesen Sitzungen wohnte als 'Vertreter der- Zionistischen \Kom-. mission in Palästina. Herr Ing. Ussischkin, bei. Hervorzuheben ist der Abschluß von Boden Käufen zwecks Arrondierung jüdischer Siedlungen, "wodurch sich der Grundbesitz des Jüdischen Nationalfonds um 5200 Dunam vermehrt 1 hat. Ferner ist aus dem Arbeiterheimstättenionds für die Errichtung von Arbeiterfamilie nh.äus c,rn in einer Jemenitenkolonie ein Betrag von achttausend, Pfund bewilligt worden. Gleichwie bei den. früheren größeren Tagungen wurde, auf Einladung der National Commission for England, vor der Jahreskonferenz eine Versammlung der Vertrauensmänner und Freunde des Jüdischen Nationaiforiids. die .als Delegierte gekommen waren, in der Memorial Hall abgehalten. Sie war außerordentlich gut besucht und nach einem Referat des,Direktors des Jüdischen Nationalfonds, Nehemia de Lieme, über die Lage und Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds entwickelte sich eine sehr lebhafte Debatte, die mit dem Beschluß endigte, die Vertrauensmänner-VersamTti-!ung permanent zwischen den allgemeinen Sitzun-' gen der Jahreskonferenz tagen zu lassen. Dieser Beschluß konnte allerdings infolge der vielen Korhmissionssitzungen nicht zur Durchführung gelangen. Der allen Delegierten vor der Konferenz überreichte Bericht des Hauptbüros über die gesamte Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds war jedoch eine willkommene Grundlage für die Diskussionen in den meisten Sitzungen. 4 In den von der Jahreskonferenz eingesetzten Paiästinakommissiionen (Kolonisation und Finanzen) waren die Verhandlungen über die Rolle des Jüdischen Nationalfonds besonders interessant. In der Palästmakommissiob standen sich zwei Richtungen schroff gegenüber. Eine vornehmlich von, den Arbeiterparteien vertretene Richtung, forderte die Nationalisierung de's gesamten von Juden erworbenen und' zu erwerbenden Bodens unter absoluter Ausschaltung jeden privaten jüdischen Grunderwerbes. Die zweite Richtung erklärte sich im Prinzip gleichfalls für die- Ueberführung des gesamten von Juden zu erwerbenden Bodens in das Gemeineigentum «des jüdischen Volkes. Sie vertreten aber den, Standpunkt, daß mit Rücksicht darauf, als der Jüdische Nationalfonds niieht Imstande sein würde, schon in den nächsten J ähren die erforderlichen großen- Kapitalien für den Erwerb des gesamten von Juden zu besiedelnden Tandes aufzubringen, so müsse im Interesse der raschen Sicherung einer jüdischen Majorität in Palästina dem Privatkapital die Möglichkeit zu Bodenkäufen gewährt werden. Demgegenüber argumentierte die radikale Richtung wie folgt: Alle Erfahrungen der ' bisherigen Kolonisation haben gezeigt, daß Kolonisten, die sowohl den Boden wie die übrigen zur Ansiedlung nötigen Vermögensteile zu Eigentum haben, nicht selbst arbeiten wollen oder können. Sie beschäftigen Lohnarbeiter, und’ da jüdischelandwirtschaftliche Lohnarbeiter nicht vorhanden sind — landwirtschaftliche Lohnarbeiter sind auch bei anderen vorgeschrittenen Völkern immer weniger zu haben — so kommt die auf Lohnarbeit aufgebaute Kolonisation letzten Endes auf eine Kolonisierung von Arabern undnicht von J uden hinaus. Also d. h.. einer kleinen Anzahl jüdischer Kolonisten steht eine erdrückende Anzahl Ein neues hebräisches Lehrbuch Von A. Rand. Beim Mangel von geeigneten Lehrbüchern zur Erlernung der hebräischen Sprache und besonders solcner mit korrektem -Hebräisch wiird das jüngst erschienene Lehrbuch von S. Wol- 'Icowski. der durch seine hebräischen Unterrichtsbriefe dem Publikum bereits bekannt ist. besondere Beachtung finden müssen. Bisher ist die erste Forderung an ein Lehrbuch, die Korrektheit und Richtigkeit des Stoffes, die anderwärts conditio sine qua non äst. bei hebräischen Lehrbüchern leider noch nicht ganz durchgedrungen, . ln einigen Fällen hat sich sogar das Gegenteil gezeigt. Bei diesem LShrbuch aber kann mit Genugtuung festgestelit werden', daß es im allgemeinen der genannten Forderung gerecht zu werden bestrebt ist Die Sprache ist -durchwegs kq^rekt und fließend. Neigung zum Biblischen ist bemerkbar auch dort wo neuhebräische (mischnaitische) Formen sich allgemein durchgesetzt haben. So kommen besonders Formen mit „waw hahippuc.fi“ in den Liesestücken sehr häufig vor. während im ganzen Lehrbuch vom Zeitwort nicht mehr als „qal“ und „nif-al“ (letzteres nur: „schHemim“) durchgenommeu wind. Diese Einführung der schwereren waw-hahippuCh-Formen vor den viel leichteren Formen der verschiedenen Zeitwortklassen und „binjanim“ wäre vom pädagogischen Standpunkt entschieden zu beanständen. <• Wenn sie nicht durch die (nicht unbestreitbare) Bevorzugung des biblischen Stiles vor dem (nebenbei bemerkt: leichteren und einfacheren) *) Hassafa, Lehrbuch der hebräischen Sprache für Erwachsene. I. Teil, Krakau, Selbstverlag. J919. Preis 35 K. neuhebräischen, der das waw hahippuch überhaupt nicht kennt, wenigstens vom Standpunkt des Verfassers gerechtfertigt werden könnte. Ferner finden sich oft ganz seltene biblische Formen an Stelle vielgebrauchter mischnaitischer. Es muß aber zugegeben werden, daß dies dem Verfasser rächt zum Vorwurf gereichen kann, denn/-im allgemeinen ist im Hebräischen der, Standpunkt noch nicht -dürchgedirungen, daß, falls ältere biblische Spnachformen vonneueren mischnaitischen verdrängt worden sind, es nicht notwendig ist. diese Entwicklung rückgängig zu machen und die älteren wieder zu beleben, was sonst in lebenden Sprachen nicht vorkommt. Demgegenüber muß es uns aber sehr befremden, eine Menge in jüngster Zeit „fabrizierter“ Neubildungen zu finden, deren Berechtigung noch sehr zweifelhaft ist. , Mag man sie auch vollständig anerkennen, so ist doch ihr Platz nicht in einem Lehrbuch, solange sie nicht von einer für die hebräische Sprache kompetenten Körperschaft für richtig befunden .sind, oder aber im Volksmund ihre Weibe erhalten haben. In manchen Lesestücken findet man ferner eine unschöne Mischung zwischen dem biblischen und neu-, hebräischen Stil einerseits und den eben erwähnten Neubildungen anderseits. Was das Pädagogische betrifft, so ist das Buch für Erwach s e n e mit Nachhilfe eines Lehrers bestimmt und entspricht wie kein anderes •diesem Zwecke. Der Lesestoff ist schön und angenehm. die Konversation leicht und aus dem täglichen Leben genommen, der gesamte Stoff nicht streng nach grammatischen Formen geordnet, was eine größere Freiheit in der Wahl der Lesestücke zum Vorteil des Schülers gewährt Bei der Anordnung des Stoffes war es ein guter Gedanke, die grammatischen Formen zuerst xais Vokabeln und dann erst' hi einer Zusammenfassung zu geben, ln praktischer Hinsicht wäre ferner die Angabe der Vokabeln in drei Sprachen (Jiddisch, Deutsch, Polnisch) und die Vermeidung überflüssiger Erklärungen zu loben, weiche ganz dem Lehrer überlassen sind! Fahrlässigkeit liegt in der, Angabe der hebräischen Vokale (nekuddoth, tennoth) in ungenügender Transkription vor. wo Kürzen und Längen nicht -durch entsprechende Zeichen unterschieden werden (pattach- und qamez gadol, beide durch ein und dasselbe „a“ usw.), während die flüchtigen (kurzen) Vokale (chataf) mit einem Zeichen (A) versehen sind, das sonst ganz im Gegenteil ‘ gebräuchlicherweise für eine Länge zu stehen kommt. Im allgemeinen kann aber von diesem Buche gesagt werden, daß man , daraus trotz einiger .Mängel ..viel gutes und richtiges ■ Hebräisch erlernen kann. / " Wer besitzt Briefe und Porträts berühmter Juden? » Zur Vergrößerung einer Sammlung von Originalbriefen und Porträts berühmter Persönlichkeiten jüdischer Abkunft, die bereits aus 600 Nummern besteht unid die später in den Besitz dies Jüdischen Nationalmuseums - in Jerusalem übergehen soll, wird um Angebote (eventuell Tausch von Duplikaten oder gegen Münzen) ersucht Besonders gesucht wanden Bniielfe (eventuell auch nur Zettel, Karten. Dokumente mit Unterschrift u. dgL) von Moses Mendelssohn und. dessen Sohn Abraham, von SaJomon Maimon. Samson Rafael Hirsch, Pinsker. Moses - Heß,. Hermann Cohen, Heymann Steinthal. Julius Fürst. James Dannstättar, Josef Darenbourg. Rabbi -Samuel MohQewer. den Botanikern; Ferdinand Cohn. ,*■