Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 24 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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JliDlSCriß ZßiTUNG Nr. 24 JÜDISCHER NATBONALFOND Wien Bi-, Zirkussasse Für. 33 Telephon 45>3>25. PosSsparkasuen-Korsto fC0E20S. Rosch Haschanah 5681 Das erste Jahr des neubegründeten ..Erez Israel" ruft unser Volk urgewaltig zur Pflicht! Die Jahreskonferenz in London hat eben erst ausgesprochen, daß der JNF. der Träger unserer nationalen Kolonisation ist. Der bisher gesperrte Landkauf wird jetzt, nach der Einsetzung Herbert Samuels als High- Commissioner. freigegeben und muß unser Volksschatz diese erste Gelegenheit sofort wahmehmen. damit möglichst viel Land seinen hohen Zielen gesichert wird. Darum gilt es. sofort alle Kräfte darauf zu konzentrierein. daß der JNF. ehestens über die nötigen Mittel zum Landkauf verfügt. Auch wir in Oesterreich dürfen nicht Zurückbleiben. Zumindest ist es unsere Ehrenpflicht, das Halbiahrergebnis der hierländischen Sammlungen von K 700.000 auf das Jahreskontingent von K 2.500 000 zuverlässig zu ergänzen! Hiezu bieten schon die herannahenden Jomim Noraim^JGelegenheit! Kein NFK. darf versäumen. sie. wie folgt, zu nützen: Als ..Glückwunschablösung“ sind sofort bei jedem Juden Spenden einzuheben und an uns ab- Zur Halbjahrsstatistik 1920 der JNF.-Zentrale Österreich Beim ersten Blick auf die Tabelle könnte es scheinen, als ob wir Grund hätten, mit diesen Ergebnissen zufrieden zu sein. Während nämlich die NF.-Einnahmen aus dem heutigen Gebiete Oesterreichs im Ganzjahr 1919 zirka K 278.000 betragen haben, sind sie im L Halbjahr 1920 allein aui fast K 700 000. also auf das Fünffache, gestiegen. An dieser Steigerung hat Wien den größten Anteil. Seine Leistungen stiegen nämlich von K 245.000 im Ganziahre 1919 auf K 625.000 im I. Halbjahr 1920. hingegen die Einnahmen aus der Provinz nur von K 32.000 auf K 69.000. Trotzdem zuliefern, damit wir noch vor Neujahr die entsprechend hervorgehobenen Ausweise hierüber in eigener Rubrik ausweisen können. An allen Feiertagen ist die durch unser Einschreiten bei den Tempel-^ind Bethausvorständen Oesterreichs eröffnete Gelegenheit zu Thora- Spenden zugunsten des JNF. planmäßig auszunützen und auch hier auf die sofortige Ablieferung der Spenden an uns. zwecks raschesten Ausweises. hinzuwirken. Das Gleiche gilt von den Ereiw Jom Kippur vorzunehmenden, bisher stets bewährten Kaaroth-Sammlungen. Das günstige Ergebnis dieser Feiertagsaktion für unseren Volksschatz, auf das wir mit Bestimmtheit rechnen, wird den rechten Auftakt geben zif jenem großen Maasser den die Jahreskonierenz zugunsten des neukreierten Keren Hajessod beschlossen hat und dessen Parole erst für 1921 bevorsteht. Daher gilt es. die Werbe- und Sammeltätigkeit für den JNF. gerade jetzt mit aller Kraft zu steigern! haben auch die Sammler in Wien keine Ursache, auf ihre Leistungen besonders stolz zu sein, denn ein Großteil dieser Steigerung entfällt auf eine anonyme Stiftung von rund K 190.000. die sich durch sonstige, bei der Zentrale direkt eingelaufene Spenden auf fast 54 Million erhöht. Der Auisclnvung der NF.-Sammlung in Oestererich wäre gewüß noch um vieles kräftiger gewesen, wenn die Beschlüsse der letzten Reichskonferenz der NF.-Kommissäre Oesterreichs vom 2S. März 1920 überall gewissenhaft befolgt worden w'ären. Wie v’eit aber die Ausführung hinter diesen wohlerwogenen Beschlüssen zurückblieb, mögen einige Beispiele beweisen. So hat die Rcichskcmferenz beschlossen, daß sich grundsätzlich jeder Zionist mindestens K 200 jährlich zugunsten des JNF. selbstbesteuern muß. 'und nun zeigt die Statistik, daß sich seit Frühjahr 1919. als dem Beginn der Selbstbesteuerungsaktion. in ganz Oesterreich nur 1000 Personen fanden. dis sich mit zusammen K 100.000 besteuerten und hierauf ersi K 56.000. also K 56 pro Kopf, einzahlten. Nun wird gewiß niemand im Ernst behaupten wollen, daß es in Oesterreich nur 1000 Zionisten gibt und. wenn schon, daß nicht jeder von ihnen' zumindest die obligaten 200 Kronen zahlen könnte. Daß es trotzdem bisher nicht gelang, zumindest alle aktiven Zionisten dazu zu bewegen, für ihre Person die Beschlüsse der Reichskonferenz zu befolgen, ist bezeichnend und wirft ein grelles Licht aui die schlechte Disziplin in unseren Reihen Ein zweites, vielleicht noch drastischeres Beispiel: Die Reichskonierenz hat. wie bekannt, einstimmig alle zionistischen Vereine verpflichtet, bei ihren Veranstaltungen einen lOprozentigen Zuschlag zum Eintrittspreise zugunsten des JNF. einzulieben und dies auf' der Eintrittskarte zu vermerken. Dieser Zuschlag wäre für die Vereine ganz schmerzlos, da sich ihm gewiß kein Besucher ihrer Veranstaltungen entzogen hätte. Durch diese Art der Einhebung hätten die Vereine aber auch gar keine Schwierigkeit bei der Verrechnung mit der NF.-Zentrale. weil ia der abzuführende Betrag. unabhängig vom eventuellen Reingewinn oder Defizit der Veranstaltung, sich mühelos aus der Zahl der verkauften Karten ergibt. Trotz alldem blieb auch dieser Beschluß, der doch dem JNF. bedeutende regelmäßige Einnahmen sichern könnte, mit ganz wenigen erfreulichen Ausnahmen, bisher unbeachtet. Hiefür ist in erster Reihe die Energielosigkeit der Vereinskommissäre verantwortlich zu machen. Die nahende Herbstsaison gibt reichlich Gelegenheit, das Versäumte nachzuholeiL Diese-Mahnung gilt vor allem unseren aka^. demischen und Sport-Vereinen, die sonst Gefahr laufen, an die Existenz unseres Volksschatzes überhaupt zu vergessen. Indem wir die einzelnen Sammelmittel näher würdigen, müssen wir vor allem mit tiefem BeJauern ieststellen. daß unser — nächst der Selbstbesteuerung — wichtigstes Sammelmittel, die NF.-Sammelbüchse unzureichend ausgenützt wurde. Dabei entfällt die bisherige Entschuldigung, daß bei uns kein genügender Büchsen verrat vorhanden sei. um jedem Besteller Genüge zu tun. In Wien sind nur 2001 Büchsen als verteilt in unserer Evidenz (was bei 290.000 Wiener Juden eine gar beschämende Ziffer ist), und von diesen Büchsen wurden im laufenden Halbjahre wieder nur 812. d. i. bioß 40 Prozent geleert. Da diese Leerungen trotzdem K 41.601. also inr Durchschnitt K 50 pro Büchse, brachten, so ergibt sich, daß in Wien allein dem JNF. jährlich mindestens R 100.000 dadurch entgehen, daß nicht regelmäßig alle 2000 Büchsen restlos geleert werden. In den Provinzgemeinden ist zwar das Verhältnis der Zahl der verteilten .Büchsen (675) sowohl zur Kopfzahl der jüdischen Bevölkerung, als auch zur Zahl der geleerten Büchsen (333. also fast 50 Prozent) etwas günstiger als in Wien, desto bedauerlicher aber ist es. daß diese 333 Büchsen nur K 5254 einbrachten, also nur K 16 im Durchschnitt. gegenüber K 50 in Wien. In der Erkenntnis, daß es beim Umfange unserer Aktionen in Wien nicht mehr angeht, weiterhin die NFK. der Vereine und Bezirkssektionen auch mit der Büchsenleerung zu belasten, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, gemeinsam mit dem Zionistischen Landeskomitee, ein Inkasobüro für Wien zu errichten, welches die regelmäßige Einhebung der Selbsfcbesteuerungsraten sowie die Büchscnleerung. zugleich mit dem Inkasso aller anderen zionistischen Beiträge, besorgt. Wir hoffen, daß die immerhin bedeutenden Koster, dieser Neueinführ.ung sich reichlich durch die Steigerung der Eingänge bezahlt machen. Für die Provinz ist dieser Modus nicht angebracht. Wi bitten daher alle unsere dortigen NFK. und Vertrauensleute dringlichst, alle Büchsen so rasch und so oft als möglich zu leeren. Erfahrungsgemäß trägt jeder solcher Besuch dazu bei. Aufklärung in die jüdischen Häuser zu tragen und Werbematerial dort zurückzulassen, kurzum die nachdrücklichste, ständige und darum erfolgreichste zionistische Agitationzu treiben. Umgekehrt wirkt es sehr schlecht auf den Geist der Büchseninhaber und auf ihr Vertrauen zum JNF.. wenn sie. eventuell jahrelang, keinen Besuch eines Vertrauensmannes empfangen und den Eindruck gewinnen, daß sie und ihre Büchse von der Sammelstelle vergessen wurden und daß daher die Verwaltung unseres Volksschatzes und die zionistische Organisation im allgemeinen kein Vertrauen verdienen. Wenn wir nun im Einzelnen auf die Leistungen der Wiener Bezirke und der Provinzorte eingehen. so sei zunächst A11 a n d her.vorgehoben. das als einziger Ort Oesterreichs nicht nur das ihm auferlegte Jahreskontingent schon voll abgeliefert, sondern sogar überschritten hat An nächster Stelle steht Mödling, das von den ihm auferiegten K 10.000 immerhin schon 41 Prozent abgeliefert hat. Dann folgen die Wiener B ezirkssektion X./XI. mit zirka K 23.000 Halbjahrsstatistik 1920. o S£ G> O JSm *« «3 e c II JB O Halbjahrseingang aus Büchsen Seibstbesteuerung Ortsname bsj: SS. bCA .5 <5 US 60 Ä c a feOG s o iu c cf 60 Kontingent 1920 — £ 2 3 £N m Äc as* sc-c SK hi Ss -1 0 6 | Büchsen Selbstbesteuerung verteilt 1920 geleert Zeichner Gezeichneter Betrag K K K % °/o K K Stück Stück Zahl K Wien 1. Bezirk 50.105 17.541 200 000 25 15 12.229 6.195 179 131 46 9.317 „ II. 115.910 65.640 600.000 19 8 12.037 13.814 586 290 273 26.935 * III. 14.673 3.772 60.000 24 10 1.112 1.955 106 52 33 3.815 „ 1V/V. 10.005 2.516 60.000 17 5 574 3.144 67 21 33 4.284 . VI.,VII„VIII.U.XII.Bz. 53.121 12.650 180.000 30 6 6.802 8.482 213 23 91 15.242 * IX. Bezirk 55.301 13.148 320.000 17 8 4.876 7.304 241 117 102 11.876 . XIX1. 22.934 1.604 60.000 38 26 199 1.670 44 6 9 1.614 . XIII. 1.979 1.292 30.000 7 3 136 70 57 4 3 270 , XIV/XV. , 2.565 906 48.000 5 3 292 750 49 17 16 814 , XVI/XVII. , 7.236 1.585 46.000 16 11 588 952 70 31 34 1.534 . XVIII. 6.183 613 30.000 21 5 1.173 175 - 62 16 9 956 . XIX. * 3.762 931 30.000 13 5 446 406; 47 23 17 1.324 . xx. 36.472 5.898 380.000 10 4 725 5.305 178 40 72 7.625 . XXL 1.186 10 16.000 7 3 412 — 102 41 1 10 Sonstige 244.297 117.612 — — — — 6 — — 85 3.979 Wien zusammen: |625.729 245.718 2,06 JüOG 30 10 tl.601 50.228 2.0011 812 824 89.595 Provinz: Amstetten 160 722 6.000 3 , 10 Alland 3.507 418 3.000 117 34 58 180 1 1 3 680 Angern 1.148 1.162 4.000 29 11 85 185 5 5 5 185 Baden 322 1.944 30.000 1 — 55 — 15 1 1 12 Blindenmarkt 140 — 1.000 14 — 140 — i 1 . - — Breitenstein — 762 6.000 — — — — — — — — Gänserndorf 182 234 6.000 3 — 182 — i 1 — — Gmünd 100 180 2.000 5 _ — — i — 1 100 Gmunden 103 151 3.000 3 _ 103 — 12 3 — — Groß-EnzerEdorf 519 255 3.000 17 17 309 210 20 14 10 210 Graz 32.165 5901 100.000 32 4 489 — 102 - 39 43 577 Innsbruck 8.860 4378 40.000 22 4 70 — 39 2 — — Klosterneuburg 635 1.217 20.000 3 3 115 — 21 5 1 10 Krems 487 1.588 10.000 5 4 145 — 15 ii — — Leoben 1.060 178 3.000 35 15 189 325 12 10 5 460 Liesing Linz 260 — 1.000 25 — — — 3 — — — 5.933 5.234 60.000 10 6 1.349 882 174 144 24 882 M&dling 4.120 849 10.000 41 3 — 1.530 12 — 26 2.680 Neuhof 220 — 1.000 22 — — — 1 — — — Ober-Hollabrunn 572 377 5.000 11 6 73 172 6 4 11 526 Salzburg 1.441 722 6.000 26 16 352 268 26 16 15 268 St Pölten 2.179 166 15.000 15 1 62 1.250 4 1 8 1450 Stockerau 1.299 1.093 10.000 13 8 286 7 22 20 3 75 Unter-Siebenbrunn 500 13 2.000 25 25 — — 2 — — — Vöslau 132 _ 5.000 3 3 7 — 2 1 — — Wels 145 — 1.000 15 — 95 — 5 5 — — Wr. Neustadt 1.922 416 , 15.000 13 — 275 975 5 5 11 975 Wieselburg Sonstige a. d. Provinz 157 4.247 1.000 16 — 135 — 8 5 — — 1 1.166 — lr.3.000 1 — 700 30 152 39 8 998 Provinz zusammen 69.434 32.598 474.0lC 15 3 1 5.254 6.014 675 333 175 10.088 Hiezu Wien 625.729 245 718 2,060000 30 10 kl.601 50.228 2.001 812 824 89.595 Sukzessionsstaaten 1.590 51.561 1 - Summa 695 753 329.877 2534.000 28 9 |46.856156.322 | 2.67611.145 | 999 |99.683