Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 24 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNQ Nr. 24 wig Singer. Präsident des Jüdischen Nationalrates für die Tschecho-Slowakei begrüßte sodaim die Konferenz zuerst in tschechischer und dann in deutscher Sprache und wies auf die Bedeutung der Tschecho-Slowakei für die Emigration hin, wobei er auch die Anerkennung des nationalen Bekenntnisses der Juden durch die Tschecho-Slowakische Regierung hervorhob. In der Person des Präsidenten Masaryk liege die Gewähr, daß die sittlichen Bestrebungen des jüdischen Volkes stets verstanden würden. Prof. Simonsen (Kopenhagen) erklärte in seiner Begrüßungsrede, keineswegs zu befürchten, daß durch eine derartige interterritorielle Versammlung der Antisemitismus erweckt werden würde, da er schon erwacht sei. Er vermisse mit Schmerz jene großen Organisationen, die die Zeit für eine derartige Versammlung noch nicht reif gehalten haben und danke dem Komitee für die Einberufung der Konferenz. S1 i o s b e r g überbrachte den Gruß der ge- ■ samten russischen Judenheit. Er spreche im Namen aller Brüder, die gelitten haben und verbluteten, aber auch im Namen derjenigen, die noch zu leiden haben und die leider noch als Opfer fallen werden. Die Leichtgläubigen, die da denken, daß die Judenheit mitgeheimen politischen Mitteln die Welt beherrschen will, mögen hier hören, was für ein ungeheures Verbrechen an der Menschheit verübt worden ist Das jüdische Blut schreit nicht um Rache, aber um Gerechtigkeit Wir wollen die Welt belehren, daß'wir noch immer an die Gerechtigkeit glauben. Alexander Kahan, Vorsitzender des „People Relief Committee1* in Amerika, sprach dei Hoffnung aus, auf baldige Beteiligung von Delegierten sämtlicher amerikanischer Juden. Die Amerikaner seien gekommen, um die Wünsche der europäischen Judenheit zu vernehmen. Sie wollen ihren Brüdern helfen, ohne dabei jedoch an Almosen zu denken. Die amerikanischen Juden werden dafür Sorge tragen, daß das jüdische Volk nicht untergeht. Namens der Judenheit Erez Israels erklärte Ussischkin. daß die Brüder in Erez Israel und die in der Diaspora eine Seele und e i n Körper sind. Nur in Palästina kennen die Juden seelische Ruhe und von dort wird Licht und Sonnenschein ausgehen. Nur wenn der Osten siegen wird, wird der Tag anbrechen. Allen Reden folgte langer Beifall, der sich nach der Rede Ussischkins geradezu zu einer Ovation steigerte. Motzkin schloß um 1 Uhr die Versammlung, indem er noch darauf hinwies, daß S o k o 1 o w. der Vorsitzende des Komitees der jüdischen Delegationen, leider am rechtzeitigen Eintreffen verhindert worden sei. Auf der Nachmittags-Sitzung wurde die Ta- ' gesordhung sanktioniert und vom lögliedrigen vorbereitenden Komitee folgendes Präsidium vorgeschlagen: Prof. Simonsen (Kopenhagen), Doktor Motzkin (Paris), Dr. Salkind und Sliosberg (Petrograd), Dr. Soloweitschik (Kowno). Dr. Birnbaum (Berlin). Epstein und Rottenberg (New- York) und Dr. Singer (Prag). Das Sekretariat bilden Dr. Cohen (Haag), Hans Cohn (Prag), Dr. Krämer (Czernowitz) und Leon Chasanowitsch. In die Mandatsprüfungskommission wurden gewählt: Dr. Gelber, Rosenblüth, Shelwin, Prof. Sobernheim und Markus Ungar. Nach Uebernahme des Vorsitzes durch Professor Simonsen referiert Sliosbergüberdie Verhältnisse in Großrußland. Rußland sei stets das klassische Land der hilfebedürftigen Juden gewesen. Da es auf Selbsthilfe angewiesen war, bestanden dort von jeher verschiedene Hilfsorganisationen. Bei Kriegsausbruch wurden Komitees gebildet, um die Not der Kriegsopfer zu lindem, aber bald zeigte es sich, daß es mehr Opfer des Unfugs im Kriege waren, als eigentliche Kriegsopfer. Er bespricht die Tätigkeit, der „Jekopo“, „Ort“. „Ose“ und „Ope”. Die Gesetze für diese Institutionen seien nicht etwa von Petrograd diktiert worden, sondern das Komitee habe sich allmählich demokratisch ausgebilder und in den letzten Jahren gab es ein Zentralkomitee, worin alle Parteien vertreten waren. Die Freude über die Erreichung der Gleichberechtigung nach der Revolution währte nicht lange, da die Juden in ihrer wirtschaftlichen Existenz vollkommen vernichtet wurden. Gerade die städtische Bevölkerung habe ihre ökonomische Selbständigkeit gänzlch eingebüßt. Die Judenmassakers, von denen die Ukraine heimgesucht wurden, schlugen auch ihre Wellen bis nach Großrußland, wo viele Städte von den vagierenden Banden überfallen wurden. Wieder gab es Flüchtlinge in Mengen Ueber die Zahl der Hilfebedürftigen in Sowjet- Rußland kann man kaum feste Angaben machen, da der Begriff Sowjet-Rußland kein fester ist und sich das betreffende Gebiet immer mehr nach Westen ausdelmt. Ohne soziale Hilfe muß das russische Judentum zugrunde gehen und nur die Hoffnung auf Wiedergeburt erhält es am Leben. Vor allem müssen die K i nder gerettet werden. Wemi die Zahl der in den Städten Sowjet-Rußlands lebenden Juden mit dreieinhalb Millionen angegeben wird, so ist auch damit die Zahl der Hungernden festgestellt, da es keinen einzigen gibt, der nicht hungert. Viele Elemente haben sich der Landwirtschaft zugewendet. Wenn auch der Boden nationalisiert ist, so ist doch die freie Arbeit nicht verboten. Es besteht also die Möglichkeit der Hilfe, man muß nur den Juden die nötigen Geräte beschaffen, damit sie sich mit der Landwirtschaft beschäftigen können. Eine weitere große Aufgabe ist es, den Handwerkern die Möglichkeit zur Ausübung ihres Handwerkes zu geben, welche Möglichkeiten sich mehren. Eine weitere Notwendigkeit ist die Kreditbeschaffung, wozu kooperati v.e Kreditorganisationen notwendig sind. Die jüdische Bevölkerung Rußlands hat in den letzten Jahren ungeheure Fortschritte gemacht, ist von nationalem Bewußtsein durchdrungen und auch so weit individualisiert, daß keine allgemeinen Vorschriften gemacht werden können. Auch in der Kindererziehung ist volle Autonomieder örtlichen Organisationen notwendig und die Bevölkerung selbst mag entscheiden, was für Schulen sie haben will. Mit der richtigen Methode kann die Arbeit, wie ungeheuer groß sie auch sei, zum Segen des Judentums geleistet werden. Ueber die Verhältnisse in' der Ukraine referierte Ing. Temkin in russischer Sprache: das Referat wurde von Motzkin in einem deutschen Auszuge wiedergegeben. Das größte Unglück sei der häufige Wechsel der Macht gewesen, der stets von fürchterlichen Massakern begleitet war. Jüdisches Blut wurde überall in Strömen vergossen, nicht bloß durch Banden, sondern auch durch organisierte Armeen einzelner Heerführer. Temkin schildert des einzelnen die verschiedenen P o g r omi e. deren Grausamkeiten jeder Beschreibung spotten. Bereits die ersten Pogrome Ende 1918 und Anfangs 1919, die noch nicht so furchtbar waren, versetzten die Juden in größte Besorgnis und Angst Furchtbarer waren die April-Pogrome. Die darauf. einsetzenden Mai- Pogrome unter Hetman Gregorieff waren schon nicht mehr einzelne Pogrome, sondern Pogromorkane; die den ganzen Sommer hindurch währten und denen 400 Orte zum Opfer fielen. Bis jetzt wurden 568 Orte von Pogromen heimgesucht und 138.000 Juden ermordet. Die Zahl der Kranken, Verwundeten, Mißhandelten ist gar nicht zu übersehen. Von den 3 Millionen Juden sind 1.200.000 völlig ruiniert.. Die Zahl der Waisen beträgt 120—150.000. 400 Millionen Dollars dürften für Hilfe nötig sein. (Das ganze von Ing. Temkin vorgebrachte Material von Dokumenten. Befehlsabschrifien und dergleichen wird in französischer, englischer und deutscher Sprache als .Schwarzbuch erscheinen.) Minister Soloweitschik berichtet über die Verhältnisse in Litauen. Litauen, das vor kurzem nur aus dem Gouvernement Kowno und dem nördlichen Teil Suwalki bestand, steht auf Grund des Friedensvertrages mit den Bolschewisten in nächster Zeit größerer Gebietszuwachs bevor, wodurch auch die Zahl der Juden bedeutend zunehmen wird. Die Repatriierung der nach Rußland entführten 100.000 Juden hat bereits begonnen und stellt Litauen vor eine große Aufgabe. Der Jüdische Nationalrat. der politische Führer der litauischen Judenheit. hat aus seiner Mitte ein Organ für Hilfsarbeit gebildet, in dessen Hand" die ganze Arbeit zentralisiert ist. Diese Zentralisierung dürfte überall von allergrößter Wichtigkeit sein. Am Schlüsse des ersten Verhandlungstages gab Dr. Nathan Birnbaum. Delegierter der Agudas Jisroel eine Erklärung ab. in der er Protest erhob, daß das Organisationskomitee, trotz mehrfacher brieflicher Aufforderungen und Einsprüche seitens der Agudas Jisroel aber weder den verlangten zweiten Delegierten zugestanden, noch eine ganze Reihe der von der. Agudas Jisroel bezeichneten orthodoxen Hilfsorganisationen eingeladen habe. Den Massen des strenggläubigen jüdischen Volkes sei dadurch die Möglichkeit genommen. in einer der Zahl und der religiösen und sittlichen Bedeutung der Orthodoxie, entsprechenden Anzahl auf diese Tagung vertreten zu sein. Seine Delegierung seitens der Aguda sei zu dem Zwecke erfolgt, um 'die Orthodoxie über die Verhandlungen und Entschließungen der Konferenz_zu informieren, ferner aus der Erwägung, daß die Konferenz in die Lage kommen könnte, das vor ihrem Zusammentritt geschehene Unrecht gutzumachen, indem sie die Grnudlage schafft, auf der es der Orthodoxie möglich werden soll, für den Fall einer im Anschluß an die Konferenz einsetzenden Hilfstätigkeit au dieser mit allen Kräften und unter gesicherter Wahrung ihrer Interessen teilzunehmen. Von dem Willen geleitet.. diese Möglichkit herbeizuführen und unter dem Vorbehalt, der durch diese Protesterklärung gegeben ist. wolle er sein Mandat ausüben und die Wahl ins Präsidium annehmen. (Am 2. Verhandlungstage benutzt Dr. Birnbaum die Gelegenheit der Berichterstattung der Mandatsprüfungskommission, um in der Diskussion nochmals das Vorgehen des Organisationskomitees in der Delegiertenfrage der Agudas Jisroel schärfstens zu kritisieren.) Auf der 3. Sitzung (Donnerstag Abend) referiert Rabb. Dr. Niemirower. Präsident der Grosslogc Bne Brith in Ruaäni.en, über die Lage und die Hilf Stätigkeit in Rumänien. Es handle sich um eine Welthilfskonferenz und man solle nicht jedes einzelne Land ins Auge fassen, wenn auch die Not in einem jeden spezifischer Hilfe bedarf, sondern die ganze Judenheit im Auge behalten. Redner zählt sodann eine Reihe rumänischr Hilfsinstitutionen auf. die mit Unterstützung ausländischer jüdischer Organisationen geschaffen wurden. Ueber die Verhältnisse in der Bukowina berichtet Dr. Krämer: Es erhebe sich vor allem der Ruf nach einem geordneten Kreditwesen, langfristig und mit mäßigen Zinsen. dann werde es möglich sein, die Judenheit neu zu organisieren. Für die Tschecho-Slowakei spricht Professor Engel. Große Geldsummen wurden für die 25.000 Kriegsflüchtlinge aufgebracht. Was die kulturellen Hilfsaktionen betrifft, so 'haben hier die Sudetenländer ihren besten Erfolg. Es bestehen Schulen und Kinderheimstätten. die vom S"taate gefördert werden und In denen 12.000 Kinder wirklich jüdisch erzogen werden. Wenn nicht nach dem Umsturz ein Jüdischer Nationalrat gebildet worden wäre, wäre die Lage der jüdischen Flüchtlinge furchtbar gewesen. Für die aus Ungarn nach Prag und Preßburg in großer Zahl flüchtenden jüdischen Studenten' sei Hilfe auch von auswärts nötig. Auch für die die Tschecho-Slovakei passierenden Emigranten benötige man dringende Hilfe. Ueber die Lage in der Slowakei referiert Dr. Eisler. Fritz Theodor Herzls Lehrjahre So oft ich mich Theodor Herzls erinnere und mir seine ragende Gestalt vor das geistige Auge tritt, wird mir eine bestimmte Episode lebendig. Es war in einer Epoche des Zionismus, da die Gegensätze der Anschauung sich zu solcher Schärfe entwickelt hatten, daß eine Spaltung ln der Organisation unvermeidlich schien. Bei einer Konferenz in Wien, wo der Konflikt zum Austrag kommen sollte, rühmte Adolf Stand, gütig und versöhnlich wie immer, Herzls Werk und erging sich in Worten höchster Bewunderung über das literarische Schaffen seines bewunderten Meisters, dessen Feuilletons, wie er sagte, jedesmal das Entzücken vieler Tausende bildeten. Eine abwehrend bagatellisierende Handbewegung, der jedoch alles Verletzende fehlte, war alles, was Herzl auf jenes begeisterte Lob übrig hatte, eine Bewegung, so unmittelbar und echt, daß sie noch heute in meiner Erinnerung lebendig ist. In der Tat, hier ist der Schlüssel zum Verständnis für Herzls Schriftstellertum, zu der Bedeutung, die es in seinem Lebenswerk entnimmt und die er ihm beimaß. Er beginnt frühzeitig als Schriftsteller und erscheint gleich von Anbeginn als Literat mit praktischem Sinn und keineswegs als schwärmender Poet. der wirklichkeitsfremd und die Realität verachtend, holden Dichterträumen nachjagt. Er sucht mit voller Bewußtheit den Erfolg, die reale Wirkung, will sich zunächst eine „Position“ schaffen, um selbständig zu sein. So verfaßt er eine ganze Reihe von Theaterstücken und läßt kein Mittel unversucht, um sie auf die Bühne zu bringen. Wiederholt pocht er an verschiedene Redaktionstüren und es dauert lange, bis er eine sichere Stellung in einer Zeitung erlangt, nachdem er es abgelehnt hat. als Außenseiter mitzuwirken. Es mutet ganz merkwürdig an, wie sich der junge an bewährte Theaterroutiniers wendet, daß sie mit ihm dramatische Kompagniearbeit, verrichten, wie. er, der stets nobel und von vornehmer Haltung ist, die Beziehungen zu einflußreichen Presseleuten auszunützen sucht. Sein journalistischer Erfolg macht ihm keine nachhaltige Freude, die Eintagsanerkennung ist ein schwacher Ersatz für den erträumten schriftstellerischen Ruhm und immer wieder kommen Zeiten der Mutlosigkeit, in denen er an seiner Begabung zu zweifeln beginnt. Leon Kellner hat in seinem vor kurzen erschienenen Herzlbuch*), aus der Fülle des handschriftlichen Nachlasses, der Aufzeichnungen, des umfangreichen Tagebuches und der reichen Korrespondenz schöpfend, die Entwicklungsgeschichte des Schriftstellers Herzl mit entsprechender Gründlichkeit dargestellt. Aber wie viel helles Licht aus dieser Darstellung auf die menschliche Erscheinung Herzls fällt, sie wird in ihrer dem rückwärtsschauenden Betrachter offenkundigen Singularität umso rätselhafter, rätselhaft, wie alles echte Genie. Welche Kluft liegt zwischen dem ungestüm vorwärtsdrängenden. Literaten, der mit im Grunde subalternen Problemen ringt, dessen dichterisches Mannesideal — aus seinen Schöpfungen leicht herauszuschälen — ein seicht genießerischer Schwerenöter bildet, dem ein dimensirnalen Gesellschaftssatiriker voll unechter Skepsis, dem „Kohelet im Frack“, dessen bürgerliche Theaterprobleme gleich bei ihrem Entstehen veraltet sind und jenem anderen Herzl, der acht Jahre später im Zustande einer völligen Verzückung seinen „Judenstaat“ schreibt! In jenen Tagen heißt es in seinem Tagebuch: „Ein ganzes *) Leon Kellner: Theodor Herzls Lehrjahre (1860—1895), R. Löwit, Wien 1920. Leben wird nicht ausreichen, alles auszuführen. Aber ich hinterlasse ein geistiges Vermächtnis. Wem? Allen Menschen.“ Und dann das ergreifende Wort: „Ich. glaube für mich hat das Leben aufgehört und die Weltgeschichte begonnen.“ Wenn man die‘nach Glanz und Lebenskurve meteorhafte Erscheinung Herzls retrospektiv betrachtet, so erscheint sie wie das Leben aller einzigartigen Erscheinungen schicksalhaft bestimmt und sein ganzes Literatentum als eine einzige Vorbereitung zu seiner wahren Berufung. Es wäre falsch, es für einen großen und langdauernden Umweg zu halten, denn die zwei großen Parallelen seines inneren Wesens, der Literat und der große- Tribun, treffen sich im Unendlichen seines menschlichen Zentrums. Herzls Streben nach literarischer Vollendung, mit dem stets ein solches nach äußeren Erfolgen verbunden ist. ist der. durch die geheime Logik des Schicksals begründete Anstieg zur vollen Entfaltung und Ausbildung seiner Kräfte, deren Vollbesitz ihn zum Meister einer durch ihn entfachten Volksbewegung befähigt: dort lernt er die psychologische Kunst der Menschenbeherrschung, die Kunst konzentrierter Zusammenfassung, die Selbstbeherrschung und die faszinierende Form, dort eignet er sich den Blick von der Höhe an und indem er ein Meister in der ziselierenden Kleinkunst des Feuilletons wird, wird er, sich selbst völlig unbewußt, reif zu ganz anderer Meisterschaft. Denn sein ganzes literarisches Schaffen strömt aus der einen Ouelle eines starken Willens. Herzl wird, Schriftsteller, nicht aus dem ungestümen Drang nach Formung innerer Geschichte, sein Literatentum erscheint als die Folge des Aktivitätsdranges eines von Natur aus mit ausgesprochen ästhetischem Empfinden ausgestatteten Menschen, der zur Befriedigung dieses Triebes zuvörderst keinen anderen Weg sieht Kellner teilt einen Brief Arthur Schnitzlers an