Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 23 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6eite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 23 Mitteln unterstützen. Bis heute kommen alle Chaliizim, oder nahezu alle, wie Schnorrer. Außer dem. was sie am Leibe tragen. ist nichts ihr eigen und das Reisegeld, sowie das. was sie unterwegs brauchen, bringen sie durch Schnorren auf. Zwei bis drei Monate zwecklosen Herumtreibens in Wien ist das Minimum, dort -hungern und frieren sie und sind doch der Schrecken des Palästina-Amtes. des Joint-Komitees und anderer Institutionen. Das ist sicherlich nicht nötig. Die guten Chaiuzim soll man unterstützen und darauf schauen, daß sie mit Wäsche. Kleidern und Schuhwerk gut für mindestens ein Jahr, ausgerüstet sind. Für gelernte Handwerker aller Kategorien sind die Aussichten viel günstiger als für L anda rb ei teV. Solche sollen außer ihrer persönlichen Ausrüstung auch noch ihr Handwerkzeug mitbringen. Ein gewöhnlicher Drillbohrer kostet hier zum Beispiel 40 Piaster, also über 400 Kronen, bei euch sicher kaum ein Zehntel. Einigungs\ erhandlungen zwischen den beiden Arbeiterparteien in Palästina. Das Jüdische Korrespondenzbureau berichtet aus Jaffa: Anfangs Juli fand in Jaffa die Sitzung der Vertreter der beiden Arbeiterparteien Paläs’.iinas statt, um über ein® Arbeitsgemeinschaft zu beraten. Die Anregung dam wurde von dem neuen Weltyerband der Hapoei Hazair und Z e i r e Zion gegeben. Die Delegierten waren von der Seite der Achduth haawoda. Remes, Rubaschoff, Man ja Schoochit. Wilbuschowitz: von Seite des Hapoei Hazair Bergmann, Bic.ch, Elieser Schochat Es wurde eine grundsätzliche Einigung erzielt, die noch von den beiderseitigen Parteizentren gebilligt werden muß. Danach soll nach Heimkehr der Delegierten von der Londoner Konferenz eine Beratung von Delegierten sämtlicher Arbeiter Palästinas (auch der keiner Partei angcihörenden) stattfinden und die Schaffung gemeinschaftlicher Institutionen und Organisationen aller Arbeiter beschließen. Als gemeinsame unparteiische Institutionen sind in Aussicht genommen: Krankenkasse. Konsumgen oss-enschaft, „Ham aschb ar“. Einwanderungsamt, Arbeitsamt. Kulturarbeit. Fachbildung, Rechtsschutz. Arbeite r b a n k. Dieser erste Schritt zur Einigung ist in aälen Arbeiterkreisen und vom ganzen Jischub mit Befriedigung aufgenommen worden. EfektrlSerkurs in Jerusalem. Jerusalem. 20. Juli. (J. K.-B.) In Jerusalem finden derzeit auf Veranlassung des Waad Haawoda (Zionist Commission) ein Kurs für Heranbildung von El ek t r iker n. und Monteuren statt. Es beteiligen sich etwa 50 Schüler. Unterrichtet wird Stark- und Schwachstromtechnik. Eine neue medizinische Zeitschrift in Palästina. Im Verlage der Jüdischen medizinischen Gesellschaft in Palästina ist vor kurzem die erste Nummer der Vierteljahrsschrirt Jareiua h“ erschienen. Es ist ein starrtich-.r Band, dessen Aufsätze sich auf das gesamte medizinische, hygienische und sanitäre Gebiet unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen sanitären Verhältnisse in Palästina erstrecken. Dr. Hiliel J o s a behandelt die „Einwanderung und die mit ihr verbundenen sanitären Gefahren“ lind macht in populärwissenschaftlicher Vortragsform Vorschläge für die Vorkehrungen, welche in jeder Stadt getroffen werden müßten. Dr. A. Böhm und Dr. A. Goldberg berichten über das Ergebnis ihrer Studienreise durch Palästina und verweisen insbesondere aut die trauriger, Gesundheus Verhältnisse, unter denen die Jemanden dn Palästina leben. Es folgen rein wissenschaftliche Aufsätze von D.r. Böhm und Dr. Feigenbaum, Bibliographie und Rezensionen und schließlich Aufsätze über Organisations- und Standesfragei. Diese neue Zeitschrift ist auch vom Gesichtspunkt der Entwicklung der hebräischen Sprache von großer Bedeutung, da sie außerordentich viel zui Belebung dar Sprache und ihrer Verwendung auf allen Gebieten der Wissenchaft beizutragen vermag. —sz. Die Palästinafederation Eine Erwiderung von Fritz Rodeck. Unter diesem Titel war in der Nummer der ..Jüdischen Zeitung“ (vom 9. Juli) ein Aufruf veröffentlicht, in dem ein vorbereitender Ausschuß in Berlin zur Gründung einer solchen Vereinigung auffordert. Soweit eine solche Vereinigung innerhalb der zionistischen Organisation wirklich sachlich irgend welche besondere Paiästinaziele verfolgt, wäre die Bildung dieser Paiästinaföderation durchaus begrüßens- und fördernswert. Aber wenn man sich mit diesem Aufruf genauer beschäftigt, wird man zwischen den Zeilen auch andere Zwecke und Pläne heraüslesen können, weshalb auf diesen Aufruf hier etwas näher eingegängen werden soll. In diesem Aufrui wird z. B. gesagt: ..Die Gründung einer besonderen Palästinaföderation innerhalb der zionistischen Bewegung wäre sinnlos, wenn die Palästinainteressen innerhalb der zionistischen Organisation Pflege und Schutz fänden. In Wirklichkeit aber hat sich — von dem ganz allgemein gehaltenen programmatischen Palästinainteresse abgesehen — die konkrete Arbeit Interessengebieten innerhalb des zionistischen Gesamtfeides zugewendet, wie z. B. in Organisatidnsfragen. der- Politik, der Kultur, der Finanzen, der Pflege des Hebräischen, den sozialen Problemen, dem Nationalfonds usw.“ / Diese Behauptung ist bereits unrichtig und da die Herren, von denen dieser Aufruf ausgeht. doch immerhin über einiges Wissen und einige Erfahrungen in zionistischen Dingen verfügen oder wenigstens verfügen müssen, muß leider gesagt werden, daß diese Unrichtigkeit eine bewußte ist. Wissen die Herren nicht, daß die oben angeführten Arbeitsgebiete immer nur im Hinblick auf Palästina kultiviert werden, daß der Endzweck Palästina ist und immer bleiben wird, daß diese angebliche Zersplitterung nur eine organisatorische Arbeitsteilung bedeutet? Hören wir weiter: ..Einem aktiven Palästinainteresse. besonders in kolonisatorischen Dingen, stand die Leitung von Anfang an geradezu feindselig und später interessen- und verständnislos gegenüber. Eine Behauptung, auf die zu reagieren der Leitung überlassen werden muß — vorausgesetzt. daß sie es der Mühe wert findet, aui derartige Angriffe überhaupt einzugehen. ..Der unwiderlegliche Beweis für diese. Haltung der zionistischen Leitung ist leider darin gegeben, daß heute der Leitung jeder Plan und sogar jede klare Grundauffassung fehlt.“ Woher wissen die Herren das? Wir haben in der zionistischen Bewegung immer an einer Ueberfülle von Plänen und Projekten gelitten, daß manche davon wertlos waren, wäre nur begreiflich. Glauben die Herren wirklich, daß eine Leitung, wie sie sie darstellen, sich auch nur einen Tag an der Spitze der Bewegung würde halten können? Denn, was hier als „unwiderleglicher Beweis“ erklärt wird, ist in Wirklichkeit kein Beweis, sondern nur eine nähere Ausführung der früheren Behauptung: der Aufruf fährt fort: ..Damit nicht genug, stützt sich die Leitung auf Fachleute und Unterlagen von unglaublicher Mangelhaftigkeit, auf Grundanschauungen von phantastischer Mutlosigkeit und Unkenntnis.“ Was mit anderen Worten nichts anderes besagt, als daß die Herren Ruppin, Oettinger, Soskin, Ussischkin und andere Stümper sind, die von Palästina- und Kolonisationsfragen nichts verstehen und nichts wissen. Diese Behauptung ist denn doch zu lächerlich, als daß man darüber noch Worte verlieren dürfte. Weiter: „Zu den ersten Aufgaben der Palästinaföderation gehört der in aller Schärfe geführte Nachweis der Unzulänglichkeit und Absurdität der bisher von der Leitung ausgegebenen und gebilligten Unterlagen.“ Wir sind gespannt, wie dieser Nachweis erbracht werden —‘-•i, dann wird man ja über die Sache weiter sprechen können. Wenn man diese Auslassungen liest, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß hier von Leuten Opposition getrieben wird, bloß zu dem Zweck, um sich persönlich zur Geltung zu bringen, nicht aber aus sachlichen Motiven. Bestärkt wird man in dieser durch folgendes: „Als ersten praktischen Schritt begründet die Palästinaföderation, ein eigenes Palästinaamt, das im Gegensatz zu der noch'heute im offiziellen Zionismus herrschenden Mutlosigkeit (???) auf die Bejahung des zionistischen Gedankens basiert, das über ein reiches Material und ernste, arbeitsfreudige, in vielen Berufen erfahrene Mitarbeiter verbürgt.“ Ein neues Palästinaamt? Nun ja, jede Fraktion im Zionismus' gründet heute ihr eigenes Palästinaamt oder plant das wenigstens. Wenn die Herren diese Mode mitmachen wollen, so bedeutet das nichts anderes, als daß der vollständig unökonomische Zersplitterungsprozeß im Aemterwesen der zionistischen Organisation fortgesetzt und ausgedehnt werden soll. Dieses geplante Palästinaamt soll „über ernste, arbeitsfreudige, in vielen Berufen erfahrene Mitarbeiter“ verfügen. In diesem Satz liegt implicite die Behauptung, daß die bisherigen Palästinaämter nur arbeitsunlustige Mitarbeiter haben, die ihre Sache nicht ernst nehmen, die keine Erfahrungen haben. Erwarten die Herren wirklich, daß man diese Unterstellung ernst nimmt und darauf reagiert? Als einzige ernst zu nehmende Vorwürfe gegen die Leitung bleiben demgemäß im ganzen nur zwei aufrecht: Einmal, daß die Leitung die Kolonisation und Einwanderung nicht genügend energisch, möglicherweise auf ungeeigneten Grundlagen, durchführte, weiters, daß die Leitung sich zu viel mit den Politischen und zu wenig mit den wirtschaftlichen Palästinafragen befasse. Die erstere Behauptung mag richtig sein, aber hatte denn die Leitung in diesen Dingen bisher freie Hand? Konnte sie nach ihrem Ermessen Einwanderung und Kolonisation regeln? Nein! Palästina war bisher von den Engländern besetztes „feindliches Ausland“, es bestand dort eine Militärverwaltung, welche die Einreise nur dann zuließ, wenn es sich um Repatriierungen handelte. Außerdem gab es Unruhen, Hindernisse und Schwierigkeiten im ganzen Lande, so daß eine ruhige Arbeit einfach unmöglich wurde. Was trotz dieser Umstände geschehen ist, stellt eine Leistung der zionistischen Leitung und der Palästinaämter dar, die über jedes Lob erhaben ist. Es ist zweifellos eine schwere Ungerechtigkeit, die Leitung, die unter den durch den Krieg verursachten schwierigen Verhältnissen das Möglichste geleistet hat, noch für diese Verhältnisse verantwortlich machen zu wollen. Der zweite Vorwurf enthält den richtigen Kern, daß politische Erfolge wertlos und vorübergehend sind; wenn sie nicht vom wirtschaftlichen, kolonisatorischen und sozialen Leistungen und Erfolgen begleitet und getragen sind, wenn sie nicht in diesem Sinne ausgewertet werden. Aber die Leitung mußte sieb eben notgedrungen zuerst mit politischen Angelegenheiten befassen und wird erst jetzt eben auf Grund der erzielten politischen Erfolge mit der wirtschaftlichen und kolonisatorischen Tätigkeit beginnen können. Auch dieser Vorwurf erscheint demgemäß zumindest verfrüht. Es ist ein schlechtes Vorzeichen für die Bildung dieser Palästinaföderation, daß sie ihre Tätigkeit mit gänzlich unmotivierten Angriffen, mit Schein grün den und Entstellungen beginnt, wenn sie ein Programm veröffentlicht, das zwar viel von Aktivität spricht, aber in Wirklichkeit nur eine überwiegend negative Kritik übt, daß sie die Zersplitterung und Kraftverschwendung in der Partei nur noch mehr entwickeln will. Indessen — über allem steht unsere Sache, steht Palästina — die Herren mögen, statt die Leitung anzugreifen, lieber zeigen, was sie können, und wir werden uns freuen, die ersten sein zu können, die eine wirkliche Leistung anerkennen dürfen. Auch die Leitung würde irgend welchen Leistungen und Erfolgen ihre Anerkennung nicht versagen. Die Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds im ersten Halbjahr 1920 Das Resultat der ersten sechs Monate des laufenden Jahres ist unbefriedigend. Die Gesamteinnahmen des JNF. für diese Zeit belaufen sich auf: Pfund 48.681.16.10. Die Nationalfonds-Verwaltung hatte das Erfordernis für 1920 auf 500.000 Englische Pfund veranschlagt, während das Aktionskomitee in der Annahme, daß in diesem Jahre bereits an einen großzügigen Bodenkauf herangetreten werden muß. die doppelte Summe, nämlich eine Million Englische Pfund, als erforderlich erklärt hatte. Dieses ungünstige Ergebnis von kaum ein Zehntel der veranschlagten Summe ist darauf zurückzuführen. daß die anderen Fonds, wie Geulah-Fonds. Restoration-Fonds. in den Vordergrund der Agitation getreten sind. Dadurch konnten auch die organisatorischen Maßnahmen des Jüdischen Nationalfonds noch nicht zur Durchführung jrelangen. Der Betrag von Pfund 48.681.16.10 verteilt sich auf folgende Länder: Shanghai Pfund 10.102.6.8: Nordamerika Dollar 33.450,99: England Pfund 6177.16.5: Polen P. Mk. 1.137.911,60; Canada Dollar 7.109.61: Holland Hfl. 16.173. 62: Deutschland Mark 604.034.09; Argentinien Argen t. Dollar 19.777.15 und 3027 60 Francs; Palästina Englische Pfund 1317.081; Südafrika Pfund 1323.1.—; Tschecho-Siowakei Tsch. -K 328 999.02 und Poln. Mk. 746.05: Oesterreich K 662.066.98: Ostgalizien K 520.251.42: Westgalizien K 431.314.64: Südslavische Länder 369.678.64 Kronen: Schweiz Frcs. 11.903,04 und K 40.— und Hfl. 2.—; Belgien Frcs. 20.000.— und Hfl. 310.045; Rumänien Lei 58.540.75 und Pfund 0.3.—: Frankreich Frcs. 17.255.20 und Pfund 2.—.—; Griechenland (Janina) Dr. 8S12.50: Griechenland (Saloniki) Dr. 11.500.—: Transvlvanien K 250.830.16: Ukraine Frcs. 15.000.— und Mk. 20.000.—: Weißrußland Poln. Mk. 149.265.60; Ungarn K 181.448.37; Elsaß- Lothringen Frcs. 11.411.65; Bukowina K 110.000.—; Australien Pfund 208.13.7; Litauen (besetztes Gebiet) Mk. 32.750.—: Aegypten Aegypt. Pfund 34.78.5 und Pfund 167.10.—; Dänemark Dän K 3107.53; Niederl.-Indien Hfl. 1284.50; Neuseeland Pfund 138,3.—; Bagdad engl. Pfund 112.—: Republik Litauen Mk. 48,036.99: Brasilien Pfund 87.0.1.—; Norwegen K 1000.—; Italien Lire 3118.86: Livland Rbl. 7943,21: Tunis Frcs. 842.—; Schweden K 252.07; Türkei Pfund 10.—.—; Marokko Frcs. 300; Finnland Mk. 60.—. Laut einem aus New-York eingegangenen Kabel haben die in den letzten Tagen des Monats Juni in allen großen Städten Nordamerikas stattgefundenen Blumentage ein Ergebnis von zirka 50.000.— Dollar gebracht. Große Aktion des Jüdischen Nationalfonds im fernen Osten Ehrung der Gefallenen in Obergaliläa. Die Shanghai Zionist Association hat auf Initiative ihres Vorsitzenden. Edward J. Ezra, eine große Aktion für den Jüdischen Nationajfonds 'in allen jüdischen Gemeinden in China, Japan und States Settlements eingeleitet. Insgesamt rechnet man auf eine Einnahme von 500.000. Francs, wovon. 100 000 Francs in den ersten Wochen bereits gesammelt wurden. . Die Idee des „Josef Trumpeldor- Fonds“, der dazu bestimmt sein soll, den in Galiläa im Kampfe um die jüdischen Siedlungen gefallenen Arbeitern ein dauerndes Denkmal auf Nationalfonds-Boden in Palästina zu errichten, hat in Polen, Litauen, Weißrußland. Wolhynien und Ostgalizien großen Anklang gefunden. In Polen sind im Laufe dar. ensten zwei Monate für diesen Fonds 400.000 Mark, in dem von Polen besetzten Litauen ca. 150.000 Mark und in Weißrußland ca. 50.000 Mlark gesammel: worden. Trotz der schweren Lage der Juden in Pole n sind dort die E i n nahmen für den Jüdischen Nationalfonds in stetem Steigen begriffen. Sie betrugen allein für die Monate Dar und Siwan über eine Million polnischer Mark. In Finnland wurden in wenigen Wochen in den kleinen jüdischen Gemeinden des Landes 135.000 Mark für den Nationalfonds gesammelt. Neue Sammelstellen für den Jüdischen Nationalfonds sind in den letzten Monaten in Bagdad für ganz Mesopotamien und in Rio de Janeiro iür Brasilien gegründet worden. 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