Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 23 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 / Sprechsaal Studenten und Studentinnen! In der Zeit, in welcher unsere tausendjährigen Träume zur Wirklichkeit werden, unsere Wünsche in Erfüllung gehen und wir daran schreiten, unserem Volke seine langersehnte Selbständigkeit zu erkämpfen, in dieser Zeit müssen wir auch daran gehen, unser Volk in allen seinen Schichten und Zweigen von Grun d aus nmzugestal ten. Unserer altneue Heimat, Erez Israel, müssen wir ein Volk zurückgeben, wie sie es einst besaß — ein Volk von Bauern, Arbeitern und geistigen Führern, ein körperlich und geistig gesundes, arbeitsames, emsiges und von eigener Hände Arbeit lebendes .Volk. Unsere jetzige Berufsschichtung, bewirkt durch äußere Einflüsse der leidensvollen Galuth. ist eine höchst ungesunde. Wir leiden an einer Ueberproduktion von geistigen Arbeitern, die einzig unter allen Völkern dasteht und unserem Volke und den einzelnen Mitgliedern desselben zum Schaden gereicht. Weder im Osten, noch im Westen sieht heute der jüdische Student eine rosige Zukunft vor sich, seine angestrengten Studien vermögen ihm nicht eine genügende L e b e tu s möglich keit zu bieten, meist wird er — nach Beendung seiner Studien — zum graduierten und diplomierter1 geistigen Proletarier. Im Interesse unseres Volkes und der eigenen Person wendet sich daher, wer es noch vermag und guten Willens ist, einem manue 1 l'en Beruf e z u Der Jüdische N a ti ona Lr a t für Deutschösterreich hat durch Aktivierung seines Ci e we r b e f ö rd er ungsam t es und Errichtung von Werkstätten und Kursen den ersten Schritt getan, um auch den jüdischen Studenten wieder produktiv zu machen. In den bestehenden und den demnächst neu zur Eröffnung gelangenden Werkstätten und K u r sen wird i edem S t udenten und jeder Studentin die Möglichkeit geboten, sich theoretisch und p - a k 11 s c h für einen manuellen und produktiven Beruf h e r a n z u b i 1 d e n. Der Jüdische Hochschulausschuß wird diese Berufs Umschichtung der Studentenschaft mit allen ihm zu Gebote sichenden Mitteln fördern und hofft, daß dieser Appell bei der jüdischen Studentenschaft den lebhaftesten Widerhall finden und ebensolches Interesse erwecken wird. Anmeldungen wenden täglich zwischen 11 und 1 Uhr mittags in der Gewerbesektion des Jüdischen Hochschulausschusses. IX.. Türkenstraße 9, entgegengenommen, wo auch alle diesbezüglichen Auskünfte erteilt werden. Die Gewerbesektion des Jüdischen Hochschulausschusses. Die Organisation der Wiener Zionisten Die Besprechung dieses Themas kommt reichlich spät. Wir hatten Muße genug, die Wiener Organisation auszubauen. Zwei Jahre des unfreiwilligen Wartens auf die zionistische Palästina-Arbeit boten uns reichlich Gelegenheit dazu. Man ließ sie verstreichen. Mehr als einmal erhoben sich während dieser Zeit mahnende Stimmen in dieser Zeitung, aber sie verklangen ungehört. Und jetzt, da nunmehr die so lange erhoffte eigentliche Arbeit an uns herautritt. die Arbeit, die unser ganzes zionistisches Wesen persönlich ergriffen hat. stehen wir — wenn wir ehrlich sein wollen — unorganisiert da. Die Wiener zionistische Bewegung, wie die zionistische Bewegung im allgemeinen, hatten in den letzten Jahren riesige Erfolge aufzuweisen. Wir gewannen vor allem die Massen. Organisiert haben wir sie indessen nicht. Vielmehr haben wir die früher bestandenen Organisationen aufgelöst, ohne eine neue Organisationsform zu bauen. Wäre es daher übertrieben, wenn man angesichts dessen den Gewinn der Massen verkehrt bewerten wollte: nämlich, daß diiie Massen uns gewonnen haben? .... In Wien sind vor Jahresfrist in fast allen Bezirken lokale. Sektionen entstanden, manche natürlich bloß auf dem Papier. Nach kurzer Frist trat klar zutage, daß die Sektionen als eigene, voneinander unabhängige Gruppen lebensunfähig sind. Weder sind die Kräfte in den Bezirken vorhanden. die den Aufgaben in dem derzeit erforderlichen Maße gewachsen sind, noch sind die Aufgaben derart, daß sie nach Bezirken abzugrenzen und abzurunden s i vi d. Zionistische Bezirksinteressen gibt es fast keine und wenn in einem Wiener Bezirke zionistische Arbeit geleistet werden soll, so geht diese Arbeit in nicht geringerem Maße auch die anderen Bezirke an. Die Auseinanderlegung in Bezirkssektionen kommt wohl als organisatorische Maßnahme für die Schaffung eines Katasters in Betracht, allein die Arbeiten in diesem oder jenem Bezirke können andere Bezirke auch tangieren. Dies zeigten die Verhältnisse, die für uns in Wien gegeben sind. Dann kam man zur allgemeinen Erkenntnis, daß man bei der Gliederung in Sektionen eigentlich den Gesamtkörper vergessen hatte. Man erinert snich. daß der Zweck die Auflösung der Eimzeivereine gewesen war, um ain ihrer Stelle eine einzige und einheitliche Organisation zu schaffen. Nach mehreren Beratungen der Vertreter alier Bezirkssektionen wurde eine Art Verfassung beschlossen, nach welcher ein Ausschuß aus Delegierten aller Bezirke zusammenzusetzen ist. der die Leitung der Wiener Organisation zu bilden hat. Dieser Ausschuß wurde auch dann konstituiert und beschloß. sofort ein Sekretariat zu errichten. Seitdem ist ein halbes Jahr verflossen, ohne daß etwas geschehen wäre. Es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Gleichgültigkeit auch unsere organisierten. Zionisten den Fragen der Minimalnotwendigkeiten formeller Organisation noch gegenüberstehen. Sie sind ia opferwillig und viele sind stets voll Intersesse für die verschiedentlichsten Aufgaben: für den einen Punkt: Organisation, ohne welchen alle Aufgaben, die man .sich vorgenommen hat. fehlgehen müssen, hat niemand etwas übrig. Die Errichtung des Sekretariats der Wiener Zionistischen Organisation wurde allgemein als der erste Schritt gedacht, um all die Mißstände abzustellen, die in allen Abzweigungen unserer Tätigkeit sonst unvermeidlich vorherrschen müssen. wie sie in den vorangegangenen Artikeln in dieser Serie geschildert wurden. Nun stehen wir unmittelbar vor schier unüberwindlichen Aufgaben, welche geradezu stündlich an Ausdehnung in ungeahntem Maße wachsen. Wer aber angesichts dieser Situation auf den verabsäumten Ausbau der Parteiorganisation verzichten zu können glaubt, der verkennt in Vorhinein die Sachlage und wird letzten Endes aufdie Arbeit überhaupt verzichten müssen. Als erster Hauptpunkt der zionistischen Arbeit in Wien ist jetzt, unsere richtige Organisierung in Angriff m nehmen. S. Picker. Organisationsfragen. Man schreibt uns: In dem ausgezeichneten Artikel von Herrn S. P i c k e r über Organisationsiragen in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes, fand sich auch folgende Stelle: ..Eine der letzten Neugründungen dieser Art war sogar von der Offenherzigkeit der Gründer ausgegangen, die das Gebiet ihrer Tätigkeit ausschließlich in Veranstaltungen. allerdings zugunsten wichtiger Institutionen. suchten.“ Da diese Umstände wohl auf uns zutreffen dürften, bitten wir Nachfolgendes zur Richtigstellung zu gefäligem Abdruck zu bringen: Wir bilden durchaus keinen Verein. Als langjährige freiwillige Helfer von Heimstätten des Vereines „Jüdischer Kinderfreunde" hatten wir Gelegenheit zu beobachten, wie sehr die schlechte finanzielle Lage dieses Vereines hindernd auf die Heimstätten-Erziehung einwirkt. Auch wir sind Gegner solcher Feste, und haben uns nur für eine Veranstaltung als Komitee konstituiert. Es ist traurig, daß das mangelnde Interesse der jüdischen Bevölkerung die Freunde wichtiger Erziehungsinstitutionen zwingt, solche Wege zu gehen. Für das Komitee zur Erhaltung der Tagesheimstätten der „Jüdischen Kinderfreunde“ Menachem T e n i z e r. Die Heimkehr der Kriegsgen fagenen in Sibirien Das Joint Distribution Committee of Amerika hat mit dem amerikanischen Roten Kreuz und anderen Organisationen wegen der Heimbeförderung der Kriegsgefangenen aus Sibirien verhandelt. Die Verhandlungen haben zu einem günstigen Resultate geführt. Die amerikanische Hilfsadministration (American Relief Administration) veröffentlichte folgende Mitteilung: „Die Regierung der Vereinigten Staaten erklärt sich berit, iüni der größten Transportschiffe für die Rettung der über 15.GOO Kriegsgefangenen beizustellen, die in den Steppen Sibiriens unsäglichen Leiden ausgesetzt sind. Acht Hilfsorganisationen werden das Rettungswerk in Angriff nehmen und haben die Zu- A Dr. meö. 71. Czaczkes Butt) Czaczkes, ged. 'Beins Dermäfjft Tjamöurg, Juni 1920, Tüüßfendamm 70 Kloses Rath’s MiMcto ilfi feHMa Sinekt a) „Sefath Amenu“ Lehrbuch der hebr. Sprache tUr Schul- und SELBST¬ UNTERRICHT mU Schlüssel u. Wörterverzeichnis. Es ist das einzige praktische Lehrbuch reit DEUTSCHER Unterrichtssprache zur völligen Erlernung der hebräischen Sprache inWort und Schrift. Einführung in dieLlteratur. Soaben •rsohlenan vlarts verbessert« Auflage. Die ,Histudruth lbrith“ in Berlin und Lemberg, wie auch die gesamte Fach- und Tagespresse hat das Buch als bestes und für den Selbstunterricht als geeignetstes anerkannt. Preis eines schön ausgestalteten, -100 Seiten starken, gebundenen Bzempiares K 45.—, Porto K 2.—, Nachnahme K 2.80. b) SABOUCZEK POLSKO-HEBRAJSKI Es ist dasselbe Buch mit poleisohsr Unterrichtssprache Preis und Porto wie oben. PUr das gesamteAusiand Preis IS deutsche Reichsmark. Ftlr die Sukzessionsstaaten 45 Kronen des betreffenden Staates. l,:.u Zu bestellen bei ■ ■■= Moses Rath, lenium ui und in allen Bnchhandlungen. ——; sage von der amerikanischen Regierung erhalten, daß sie es unterstützen wird. Die Gefangenen sollen in ihre Heimat zurückbefördert w'erden, zu welchem Zwecke 3,000.000 Dollar für den Heimkehrfonds für sibirische Kriegsgefangene aufgebracht werden. Folgende Organisationen arbeiten gemeinsam für die Sache: „Das Amerikanische Kriegsgefangenen- Hiifskomitee, die Gesellschaft der Freunde (Quäker). das amerikanische Rote Kreuz, Federal Council of Churches of Christ in Amerika. Joint Distribution Committee. National Lutheran Council und J. M. C. A.“ Diese Sachlage berechtigt zur sicheren Hoffnung, daß die Kriegsgefangenenaktion der jüdischen Nationalräte in Wien und Prag, deren Fortschritte von so vielen Beteiligten mit größter Spannung verfolgt werden, in kurzer Zeit zum glücklichen Erfolg führen wird. Wir bringen im Folgenden einen ausführlichen Brief der Zionistischen Organisation von Amerika an den Jüdischen Nationalrat in Prag: „Es freut uns. Ihnen mitteilen zu können, daß eine Vereinbarung bezüglich der Rückbeförderung aller Kriegsgefangenen. die von Wladiwostok aus erreichbar sind, zwischen dem Joint Distribution Committee und dem amerikanischen Roten Kreuze getroffen wurde. Die Anzahl der erreichbaren jüdischen Kriegsgefangenen ist laut den neuesten Berichten 1200. Es wird einstimmig anerkannt, daß keine finanzielle Hilfe von den Regierungen erwartet werden kann, ferner daß die Heimbeförderungsaktion alle Kriegsgefangenen ohne Unterschied umfassen muß. Das Joint Distribution und das amerikanische Rote Kreuz haben bereits je 250.000 Dollar bewilligt und das Ungarische Hilfskomitee in Amerika hat den gleichen Betrag zugesagt. Alle anderen amerikanischen Hilfsorganisationen werden sich den genannten drei anschließen. um die für die Heimbeförderung nöti&e Gesamtsumme von 3,000.000 Dollar aufzubringen. Die amerikanischen Schiffe sollen im Juli mit dem Transporte beginnen. Eine Kommission, bestehend aus Vertretern' aller Organisationen, wird die Einschiffung der Leute überwachen. Gez. Alexander Sachs. Sekretär der zionistischen Organisation Amerika. Literatur „Der Jude“ „ .Eine Monatsschrift, herausgegeben von Dr. Martin Bub er. Heft 2 ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Arnold Zweig: Der heutige deutsche Antisemitismus. — Josef Merisl: Ein mißglückter Versuch (Dokumente aus der Geschichte der Chowewe-Zion’-Bewegung.) _ Moritz Bileski: Die Wirkung des Kompromisses. — Paul Zucker: Probleme der Kunsterziehung in Palästina. — Arieh ben Menachem: Einschaltung des W‘adar. Bemerkungen: Abraham Schwadron: „ . . . ob sie ihre Rechte 9tark genug Ln der Partei fordern werden“. — Heinrich Loewe: Ein Vergessener. (Erimreirungen an Morris de Yonge.) Umschau: Stegmund Kaznelson: Politik, fKrisis der Demokratie.) — Ber! Locker: Arbeiterbewegung. — A. Qranowsky: Emigration. — Moses Col vary: Erziehung. Vierteljährig Mk. 15.—. Einzelheit Mk. 5.50 Empfehlenswerte Eirmen: (Jedes Wort 40 Heller, fett gedruckt 60 Heller) Isidor Trebitsch, Schnelderzugehör. 9. Beairk, Servrtengatsse 12, Löw & Weltmann. Seiden- und Wollstoffe. 1. Bezirk, TuchJauben 12. Adolf Gans. Bettfedern, 1. Bazlric. Tuchlaiaben Tat F. Istinger & Co„ Brennholz. 17. Bezirk, Hasüngergasse 41. Richter & Donnebaum, Waschblairiabrik, Braß*, slarva. SchönxDorrergasse 40. Nr. 54. Teleion 82.078. Liefert in verschlteB- ..Ada“ Dampfwaschanstalt. XII.. Murllngensasse baren Kisten. Wllh. Kohn. Herrenkleiderkonfektion. I., Salvatorgasse 10. Chewra Kadischa Baden Die Stelle eines Dieners (Liberers) ist zu besetzen. Nur orthodoxe Bewerber mögen ihre schriftlichenOfferte an die israelitische Kultusgemeinde Baden übersenden. Cafe Marienbrüche 11. Obere Donaustraße 99. Inhaber: Wolf Spritzer Stammcafe sämtlicher Zionisten. Atexaader Gellet. Redakteur David KsbeusaM — Druck voe Spitz & SOhne. Wie*. IL. Rohwfg—a *.