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Jüdische Zeitung · 1920-07-23 · 22 (23.7.1920) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
22 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 ißPtSCHE ZETTÖNO Seite 3 sprochen. 100.000 Pfund wurden freiwillig wähjend-.der Geulab-Woche gespendet Die vier-Millionen, die wir brauchen, müssen gegeben werden in .erster Reihe für die Erlösung, für die öffentlichen Arbeiten, für die Landwirtschaft, für Erzielrungs- und Kulturzwecke und andere Bedürfnisse unseres Landes. Wenn ihr uns das Geld gebt, können wir Vorbereitungen für 30.000 Emigranten treffen. Ich zweifle nicht, daß die finanzielle und moralische Hilfe, die notwendig ist, von Seiten des Gesamtjudentums kommen wird. Ich bin bereit, der von Ihnen einzusetzenden Kommission eine genaue Aufstellung unserer Bedürfnisse in Palästina zu geben. Die Zeit ist gekommen, wo wir uns wieder im Land unserer Väter versammeln. Dr.. B o d en'he im er gibt namens des Sehiorenkonvents bekannt, daß dieser beschlossen hat, Justice Brandeis als Präsidenten der Konferenz, Dr. Max Nordau als Ehrenpräsidenten. und Herrn Ussischkin als einen der Vizepräsidenten vorzuschlagen. . Hierauf wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Die Nachmittagssitzung. er öffnete Justice Louis B. Brandeis, Oberrichter der Vereinigten Staaten und Ehrenpräsident der zionistischen Organisation Amerikas, als Präsident der Jahreskonferenz mit einer kurzen, markanten Ansprache. Hierauf hielt Dr. Nordau als Ehrenpräsident der Konferenz folgende Ansprache: Während der letzten grauenvollen Jahr-e seit 1913:hat die Stimme Israels nur geklagt, doch in den letzten wenigen Wochen ist der Ruf enthusiastisch und freudig geworden, um der großmütigen" Entschließung willen, die Großbritannien und seine Alliierten Und Assoziierten im Vertrag von San Remo festgelegt hat. Dieser Beschluß gibt, wenn er-auch noch nicht tatsächlich das Land den Juden wiedergibt, die Juden dem Land ihrer Väter zurück und siihnt so zum Teil (Jie Untaten, die zuerst die wilden Römer und nachher das' Christentum, die Lehre seines Gründers vergessend, Unseren Vätern angetan. Jetzt aber ist diese Erniedrigung und Gewalt ersetzt durch deutliche’ und artikulierte, menschliche Rede, die der Welt unsere Wünsche und Hoffnungen vorträgt und dem jüdischen Volk die Ideen vermittelt, die ,in jedem bewußten Juden leben und iii der. bewußten Form bestimmter Ideen in den Gedanken seiner Vertreter Gestalt bekommen haben. Diese Konferenz ist nicht der jüdische Kongreß, der verlangt worden ist, aber infolge der europäischen Verhältnisse nicht stattfinden kann. Nichtsdestoweniger vertreten Sie das jiidischp Volk, die organisierte zionistische Gemeinschaft. Sie sind die Vertretung, die dem wirklichen Kongreß am-nächsten kommt, den einzuberiifen und sobald .als möglich einzuberuten Ihre oberste Pflicht-,ist. Während wir aber auf den Kongreß warten, den die zionistischen Massen ersehnen, stehen wir hier in unmittelbarem Kontakt mit den gewählten Vertretungen der Zionisten in den verschiedenen Ländern. Der Gedanke, der meiner Ueb.erzeugung nach in Ihre Seelen und Herzen strahlen soll, ist der Gedanke an Herzl (die Versammlung erhebt sich), die große prophetische Natur, die als erste in unseren Tagen die Wendung gebrauchte, die, wie wir hoffen, Tatsache werden wird — der Judenstaat. Pas ist nicht mehr der mystische Zionismus, welcher unsere Gebete durch alle Jahrhunderte des Galuth durchzieht. Er .ist etwas Realeres und Moderneres. Eine Verkündung, die ein Teil des Völkerrechtes geworden.- ist. Herz! hat dies, als f»-«+er vorausgesehen. Es ist eine große Genugtuung fiir mich, zu sagen, daß, während alle möglichen Einflüsse am Werke sind, den Mann zu verkleinern und sein Werk, den politischen, Zionismus, niederzuziehen, . unsere Gegner jetzt verstehen müssen, daß wir eine politische Bewegung sind. Wir sind nichts, wenn Wr nicht eine politische Einheit darstellen..:Ich glaube, Ihre erste Pflicht ist es jetzt, in. die heue Lage hineinzuwachsen und in den Begriffen einer Nation zu denken. Bis jetzt waren die Zionisten nur ein Teil des Judentums. In , den Äugen unserer jüdischen Gegner war der Zionismus eine Luftspiegelung,' aber diese Phase ist vorüber. Wir und nicht unsere Gegner werden die Geschichte schreiben. Wir müssen uns eingedenk sein, daß wir jetzt ein Volk unter Völkern sind mit all seinen Pflichten und Rechten. Unsere Vertretung ist ein gesetzgebendes Parlament. Wenn Sie sich zu dieser Anschauung erheben, daß Sie die Mandatare, die Wortführer, die beauftragten Vertreter einer lebenden Nation sind, so werden Sie Ihre Verantwortungen und die Hoffnung derjenigen, die ein Wunder erwarten, erkennen, um unsere' Wiedergeburt sich erfüllen zu sehen. Nun wollen wir fortfahren. Das Schicksal hat es bestimmt, daß Sie da's neue Israel zu schaffen haben. (Lauter Beifall.) Dr. Bodenheimer erklärt: daß der Seniorenkonvent die nachfolgenden Vizepräsidenten nominiert: Lord Rothschild, Herrn Farbstein, Warschau. Dr. Thon, Krakau. Herrn A1 e j n i kof f. Herrn Temkin, Herrn David Y e 11 i n, Dr. Klee und Dr. R obinson. Die Nominierung wird mit Beifall aufgenommen, Dr. Klee erstattete hierauf den Bericht des Legitimationsausschusses, sodann brachte Herr Tulins Simon den Bericht über die P a 1 ä s t inaa r b e i t, deren Thesen wir an anderer Stelle veröffentlichen und Herr Naiditch denjenigen über den Keren G e u 1 a h'- F o n d s, worauf die Mittwochsitzung geschlossen wurde. Den Inhalt der beiden Referate und die in den Donnerstag- und Freitags.itzungen abgeführte Generaldebatte, welche, Dr. Weizmänn mit einer Skizze der Situation i n P a i ä -s t i n a einleitete, bringen wir in der nächsten Nummer. Die Konferenz setzte über Vorschlag des Seniorenkonvents 8 Kommissionen ein. jveiche au! Grund der Vorschläge der einzelnen Landsmannschaften und. Föderationen zusammengesetzt wurden, und zwar: 1. Politische Kommission, 2. Kommission für Palästinaarbett (Kolonisation, Immigration), 3. Kommission für Palästinafinanzen, 4 Kommission für Kultur und Erziehung, 5. Kommission für Organisation, 6. Kommission für Finanzen der Organisation. 7. Kommission für nationale Arbeit in der Diaspora, S. Kommission für die Einberufung eines jüdischen Kongresses. Zur Ermöglichung der Arbeiten der Kommissionen wurden die Plenarsitzungen der Jahreskonferenz Freitag, den 9. Juli unterbrochen. Grandioses zionistisches Massenmeeting in London London, 13. Juni. (J. C. B.) Gestern fand in der Albert Hall ein riesiges Massenmeeting der Londoner Judenschatt statt, welches bisher in England weder an Zahl noch an Begeisterung deir Teilnehmer gesehen wurde. Der Saal welcher über 12.000 Menschen faßt, konnte die zuströmenden Massen nicht aufnehmen. Auf der Rednertribüne fanden sich Minister. Deputierte und Staatsmänner ein, die gekommen waren, um das jüdische Volk zu seinem Erfolge in San Remo zu beglückwünschen. Den Vorsitz führte Lord Rothschild1, der die eingelaufenen schriftlichen Begrüßungen von Lloyd George, Mr. Churchill, Lord Curzon, Lord Brice. Lord Morsey. ferner von vielen Kirchen Vorstehern verlas. Der Bischof von Nor wich hatte der Versammlung ein hebräisches Begrüßungsschreiben zugeschickt. Lord Rothschild' erklärte inseiner Eröffnungsrede, daß die Balfour-Deklarationbereits in das Stadium der Verwirklichung getreten sei. Der erste Schritt hiefür war die Ernennung Sir Herbert Samuels zum Verwalter Palästinas, der ein großer englischer Staatsmann ist und währempfindendes jüdisches Herz hat. Als Lord Balfour das Wort erhielt, er hob sich das Publikum vonseinen Plätzen und bereitete ihm eine langanhaitende stürmische Ovation. Mr. B a I f o ur sagte, er sei schon lange überzeugter Zionist, aber er selbst habe nicht erwartet. daß der Wiederaufbau eines jüdischen Palästina so rasch werde in Angriff genommen werden können. Dies ist eines der großen unerwarteten Ergebnisse des Weltkrieges. Dieser fürchterlichste aller Kriege hat der Welt unsägliches Leid zugefügt, aber die Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden eine der schönsten Folgen, die er mit sich gebracht hat. Der Zionismus hat viele Schwierigkeiten zu überwinden. Die arabische Frage erfor de r t viel Takt, Ueberlegung und Wohlwollen. Er hoffe aber, daß die Araber es nicht vergessen werden, daß England1 zusammen mit seinen Verbündeten die Araber vom türkischen Joche befreit und ein unabhängiges arabisches Königreich geschaffen habe. Gleichzeitig bemüht sich Großbritannien fiir den Aufchwun-g Mesopotamiens. um es ebenfalls zu einem-autonomen Staatswesen zu entwickeln. Die Araber dürfen daher nicht verhindern, daß das kleine Stück 1 Boden, das Palästina benannt wird, jenem Volke wieder übergeben wird, das seit vielen hunderten Jahren von seiner heimatlichen Scholle losgerissen wurde. Eine große Schwierigkeit sei die, daß viele darauf hinweisen. daß das Land der Mehrheit der Bevölkerung’ zu gehören hat und diese Mehrheit sei gegenwärtig keine jüdische. Nun müssen wir aber hinsichtlich Palästinas Methoden an wenden, die eine Ausnahme von dieser Regel bilden. Palästina benötigt fähige Menschen. Wissen und Kapital und niemand wird bezweifeln können, daß die Juden im Besitze aller dieser Dinge sind. Für die Wiederbelebung eines Landes ist überdies der Idealismus unerläßlich und Zionismus ist Idealismus. Nun haben wir gemeinsam diese Aufgabe übernommen. Wir Engländer einerseits und das jüdische Volk anderseits. Sollte es uns mißlingen, so bleibt es Ihr Uebel, sollte es Ihnen mißlingen, ist es ebenso Ihr Uebel. aber ich bin dessen sicher, daß es uns beiden gelingen wird. (Großer Applaus.) Marquis of Crewe erklärte in seiner Rede: Die große Begeisterung unter den Versammelten beweist unzweideutig, daß dieses Meeting ein ganz ungewöhnlich ist. Wir befinden uns gegenwärtig am Anbruch einer neuen Epoche, die an die Zeiten von Cyrus erinnert. Ich hoffe, daß Juden und Araber in Frieden und Eintracht leben und erfolgreich sein werden. Die Augen der ganzen Welt sind nach Palästina gerichtet und sie wird nicht enttäuscht werden. Nahum S o k o 1 o w sagte in seinen Ausführungen. daß nicht allein die hier Versammelten Lord Balfour dankbar sind; das Fühlen und Empfinden von vielen Millionen Juden hat hier seinen Ausdruck gefunden. Mr. Balfour hat von Schwierigkeiten gesprochen. Nun ist aber unser Leben in der Diaspora die reinste Unmöglichkeit und wenn wir zwischen schwer und unmöglich zu wählen haben, so können wir uns nur für das erste entscheidea Dr. Weizman erinnerte in seiner Rede an ein Gesoräch. das er im Jahre 1906 mit dem Lord Balfour gehabt hatte: Balfour fragte damals, ob es viele solche Zionisten gibt wie ich, worauf ich ihm antwortete, die Straßen Londons könnten sie auf keinen Fall fassen. Dies ist auch heute meine Antwort, ruft Weizmänn in den Saal, auf die vielen Tausenden der Versammelten hinweisend: Lcrd' Robert Ce eil führte aus: Bevor ich noch das erste Gespräch mit Dr. Weizinanaber Zionismus hatte, war ich bereits Zionist, aber nach diesem Gepräche ist mi.r der Zionismus tiefste Ueberzeugung geworden. Wenn einmal die Geschichte des Weltkrieges geschrieben werden wird, wird man auf zwei große- Momente hinweisen können: Erstens die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palest ina, zweitens die Schaffung-' des Völkerbundes. Beide sind große Ideen und stehen in enger Ver bin düng mit einander. An den Judenliegt es nun und von ihnen hängt es ab. ob daraus Erfolg oder Niederlage werden soll. Redner hofft, daß die Juden Verständnis und Selbstüberwachung an den Tag legen werden. Die Fäden in der jüdischen Geschichte werden jetzt wieder aneinandergekniipft. Mar. darf den Erfolg nicht sofort am Anfang erwarten: ich habe iedoch die sichere Ueberzeugung. daß das Werk von Erfolg gekrönt sein wird. Chief Rabbi Dr. Herz legte in seiner Rede dar. er hoffe, daß Erez Israel aut Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden basieren wird Die Erlösung iiege nunmehr in unserer eigenen Hand. Major Ormsby-Gore schilderte in seinen Ausführungen, welch starken Einduck die jüdischen Kolonien in Palästina aut ihn gemacht hatten. Die jüdischen Kinder singen hebräische Lieder und junge Männer heben Lm Schweiße inres Angesichtes die Reichtiimer des Landes. Redner drückt sein vollstes Vertrauen den zionistischen Führernaus. sowie seine Ueberzeugung, daß Palästina ein Kulturzentrum für die gesamte Menschheit werden wird, die gegenwärtig im Finstern hernmirrt und von einem krankhaften Chauvinismus erfaßt ist. Das Schicksal des Völkerbundes ist mit dem Palästinas verbunden. Wenn das eine mißlingt, wird auch das andere vom selben Mißgeschick ereilt werden. Air. James Rothschild verweist auf die im Saale versammelten Kinder palästinensischer Kolonisten und' sagte: „Ihr könnt stolz sein auf das Ergebnis, welches die Arbeit Eurer Eltern gezeitigt hat. Dr. Max Nordau führte aus: Lediglich die Anhänglichkeit Englands an die Bibel konnte den Beistand der Engländer für die Errichtung einer nationalen .Heimstätte für das Volk der Bibel bewirken. England hat nunmehr im jüdischen Volke einen großen Freund und' der Name Balfour wird in der jüdischen Geschichte ewig leben. Line überaus warme Begrüßungsrede hielt auch Colonel Wedgwood im Namen der englische-n.ArbeiterparteL Er sagte: ich kehre soeben aus Osteuropa zurück, wo die Juden erniedrigt und geradezu bespuckt werden. Besser dier Tod. als Sklave zu bleiben. Die Juden sollen sich daher meinen heldenhaften Freund Wladimir Jabotinsky zum Vorbild nehmen, dar gezeigt hat, wie ein freier Mensch aufzutreten hat. Man zweifle keinen Augenblick, daß Palästina in die Welt Gerechtigkeit bingen wird. . Es. sprachen noch der Deputierte von Whithapei. David S LI ver aus Amerika und Ing. Ussischkin (hebräisch). Die Versammlung nahm eine Dankresolution fiir England und seine Verbündeten anläßlich des Beschlusses in San Remo an. worauf das Meeting nach Absingen der Tikwah und der englischen Nationalhymne geschlossen wurde. Als Balfour den Saal verließ, brachte ihm das Publikum auf der Straße eine stürmische Ovation dar. Thesen ztim Referat juüus Simon auf der zionistischen Jahreskonferenz in London i. 1. Zur Entwicklung einer großen landwirtschaftlichen Siedlungstätigkeit ist unverzüglich an die Okkupation zusammenhängender Ländereien heranzutreten, die bisher nicht bebaut und nicht oder nur zum Teil in festem Privatbesitz sind und uns im Wege der Vereinbarung mit der Administration zugänglich gemacht werden sollen. 2. Die Kosten für die Uebernahme und die Okkupation des Bodens und die Okkupatiansarbeiten sind aus nationalen Mitteln (Jüdischer Nationalfonds) zu decken. 3. Zur Umgestaltung der Farmen des Jüdischen Nationalfonds in selbständige, auf Eigenarbeit beruhende Siedlungen ist ein Agrarkredit zu verwenden, der vorläufig aus dem Spendenfonds zu decken ist. 4. Zur definitiven Ansiedlung des landwirtwirtschaftlichen Arbeiters ist unerläßlich, daß derselbe über ein Minimum an Eigenkapital verfügt. H. 1. Oeffentliche Arbeiten dürfen von uns nur nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgeführt werden. Notstandsarbeiten sind nach M ö g! i e h k e_i_t zu vermeiden. 2. Unter den öffentlichen Arbeiten, deren unverzügliche Inangriffnahme und Ausführung wir erstreben, stehen Irrigationsarbeiten an erster Stelle. Ferner empfiehlt sich die Inangriffnahme großzügiger Anfforstungsarbeiten im Bergland und an der Düne aus Mitteln des Spendenfonds, unter der Voraussetzung, daß der Boden hiefür von der Administration zur Verfügung gestellt wird. 3. Zur Unterbringung der ersten Einwanderer und zur Schaffung von Wohngelegenheit sind neben provisorischen Unterkunftsstätten zweitausend Häuser aus nationalen Mitteln zu errichten, die zunächst in Miete ver-

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