Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 19 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 19 J€BSS€BE ZEITÜNQ Seite 5 Die ..Association Cretoise“. die von dem General Zymbrakakis präsidiert wird, hat anläßlich der Entscheidung; von San Retno ein warmes Glückwunschschreiben an den Vorstand der jüdischen Gemeinde von Saloniki gerichtet. Die Juden In den Vereinigten Staaten. Der soeben erschienene XXI. Band des „Amerikan Jewish Year Book“ für das Jahr 5680 enthält eine gute statistische Darstellung jüdischer Verhältnisse. Die Gesamtzahl der über alle fünf Weltteile zerstreuten Juden beträgt über 15,3 Millionen, wobei jedoch die Zahlen nur annähernd richtig sein dürften. In Europa leben über 10 Millionen, in Nordamerika über 3,3 Millionen, in Südamerika 116.557, in Asien 433.332, in Afrika 359.722, in Australien 19.415 Juden. In den Vereinigten Staaten wohnen über 3 Millionen Juden, das macht 3,2 Prozent der Gesamtbevölkerung, Kanada 5681, also 1,05 Prozent, die Insel Kuba 2000, das heißt 0,07 Prozent, Jamaika 1487, das macht 0,17 Prozent, Mexiko 500, also 0.003 Prozent. In Südamerika hat die Argentinische Republik die meisten Juden: 110.000, das macht 1,22 Prozent, was auf Rechnung d>er landwirtschaftlichen Kolonien der I. C. A zu setzen ist. Dann kommt Brasilien mit 4000 Juden, von denen ebenfalls ein großer Teil jn Ackerbaukolöm’en wohnt. Im Jahre 1907 wurde die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten auf 1,777.183, in 1918 dagegen auf 3,390.301 angegeben. Der Staat New- York, der 1,603.923 Juden zählt, beherbergt allein 48,60 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Union. Zehn Städte zählen 50.000 Juden und darüber: Detroit 50.000, Newark 55.000, Pittsburg St. Louis, Baltimore je 60.000. Boston 77 000 Cleveland 100.000. Philadelphia 200.000, Chicago 225.500, New-York City 1,500.000. Unter den 5,670.167 Einwohnern dieser Stadt bilden die Juden somit 26,46 Prozent, zugleich aber 45.45 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten Palästina Aus Galiläa. ... . SlouchT. veröffentlicht in unserem italienischen Bruderblait ..Israel * die folgenden von Pessach an« M-rchaivja datierte Korrespondenz, die wir mit einigen KUrzune n wiedergeben.; B Ich befinde mich in Merchawja. In dieser Kolonie wurde der,erste Versuch Oppenheimers gemacht: eine Kooperativgesellschaft. Der Versuch, sagen wir es offen, ist nicht geglückt. Er-war zuviel theoretisch, zu wenig den sozialen Tendenzen der jungen Leute, die herkommen. angepaßt, auch rechnete er nicht mit den Bedingungen Palästinas. Auch . entsprach das ursprüngliche Element der allzu jungen Arbeiter, die nicht vom sozialen Prinzip erfüllt und in den Händen der Administration wie eine Maschine waren, einem solchen Experiment nicht. Es war gerade das entgegengesetzte von dem Gesichtspunkte, von dem Oppenheimer ausgeht. Und so zeitigte die große Kooperative kein befriedigendes Ergebnis. Hingegen scheint die ,.K w u z a ^‘-Kooperative, diese großartige Schöpfung der lokalen Arbeiterklasse. welche spontan gefühlt hat. daß es keine Rettung gibt als durch das kooperative System, ohne Theorie, ohne wissenschaftlichen Apparat, geboren aus der örtlichen Notwendigkeit und sicher auch aus dem Gefühl für soziale Gleichheit bei unseren jungen Pionieren, tiefe Wurzel im jüdischen Palästina gefaßt zu haben. Es gibt gegenwärtig über 25 solcher im- Lande, die speziell in Galiläa konzentriert sind. Wenn man ähnliche Experimente anderwärts unternommen hätte, hätte man darüber ganze Bücher geschrieben, wie es über die verschiedenen religiösen Sekten und kommunistischen Versuche wie z. B. die von Tolstoi geförderten „Duchobori“ geschieht, und alle diese Gesellschaften hatten keinen Erfolg, während sie hier in Palästina zahlreich sind und die Grundlage unseres nationalen Gebäudes abgeben: gegenwärtig ist es unmöglich, sich ein jüdisches Palästina ohne die ,.K w n z a h“ vorzustellen, und alle unsere Führer, von Weitzmann bis Ussischkin. sind voll von Anerkennung für die so originelle nationale und soziale Schöpfung. Ich habe Galiläa bereist und die Bedeutung dieser Kooperative vom Gesichtspunkt der nationalen Erziehung gesehen. Ihre Mitglieder sind alle sehr jung und das Gemeinschaftsleben erfüllt die Gruppe einer Gesinnung, daß sie. während sie arbeitet. stets bereit ist. sich zu opfern und sich töten zu lassen, ehe sie eine Beleidigung der jüdischen Ehre zugäbe. Ueber die wundervolle Verteidigung von Tel-Chai und Kfar-Giladi, wo vierzig junge Menschen gegen Hunderte gut bewaffneter Beduinen zu kämpfen hatten, ist bereits berichtet worden, ein Vorfall, welcher die Bewunderung der Araber selbst erregt hat. Und dieses Menschenmaterial von Helden hat das A rbeitere lerne nt geschaffen. All dies konnte nur in Galiläa gelingen, wo es einen jungfräulichen Boden gibt. Die beständigen Kämpfe mit Arabern und Beduinen haben ein tiefes Gefühl des Mutes und der Notwendigkeit des Waffengebrauches erzeugt und entwickelt. Es ist noch n i 'e vorgekommen, daß die Juden gewichen wären, obgleich es ihnen zurzeit der Türken verwehrt war. Kampfgerät zu haben. Hier wurde auch die Organisation des ..Hase h o m e r“ geschaffen, dessen Ziel es war. jüdische Ehre und jüdischen Boden zu schützen. Seine Tätigkeit und seine Kämpfe mit den Beduinen. die Kühnheit jener ersten, die sich in einem unbekannten Lande sahen, ihr Widerstand gegen die Forderungen der Araber nach unserem Land und gegen die Räuber, all das ist eine wahre Epopöe, deren Geschichte sicherlich einmal geschrieben werden wird. Es ist eine merkwürdige Sache: Die Idee der Verteidigung geht Hand in Hand mit jener der sozialen Gerechtigkeit und des nationalen Aufbaues. Vielleicht ist dies der Grund, daß die Kooperative hier notwendiger Weise gelingen muß. Unsere schönen Kolonien Judäa und auch iene Galiläas befriedigen uns nicht, weder vom sozialen noch vom nationalen Gesichtspunkt. Ihre Aufgabe ist vollendet. Es gab eine Zeit, da man Land ohne Menschen besaß und damals konnte man sich arabischer Arbeit bedienen. jetzt haben die Dinge sich geändert. Es sind Menschen vorhanden, aber kein Boden. Und der Kolonist, welcher Araber beschäftigt, die ihn sehr wenig kosten, unterstützt eher das nichtjüdische Element. Deshalb ist das Problem der Kooperative, in der es keine Ausbeutung gibt und gleichzeitig jüdische Arbeit gesichert ist. von solcher Wichtigkeit. Man erhält ein zwiefaches Resultat: Jüdische Arbeit, nationale Sicherung und soziale Gleichheit. Alles ist neu in diesen. Genossenschaften, z. B. die Teilnahme der Frau am ganzen Leben, selbst an der bewaffneten Verteidigung. Wenn man eine dieser-..Kwuzoth" betritt, ist man sogleich überrascht von der Atmosphäre der Hingabe und des Idealismus, der dort herrscht, der prachtvollen Empörung der Jugend, welche in einem Milieu von Reinheit und innere Befriedigung leben wollen. Es ist. wie Nehemia sagt, in einer Hand halten sie die Werkzeuge, in der anderen das Schwert. „Hapoel Hazair“ und „Achdut-Haawoda“. Die jüngsten Wahlen in Palästina haben das allgemeine Interesse auf die dortigen Arbeitsparteien gerichtet, welche auf sich 40 Prozent aller abgegebenen Stimmen vereinigen konnten. Davon entfielen 50 Stimmen auf den „Hapoel Haz a i r“. 72 auf die „Acitdut-Haawod a“. Diese Parteien weisen lediglich theoretische Unterschiede auf. indem erstere mehr den nationalen Standpunkt. letztere ihre sozialistische Grundeinstellung betont. Praktisch kämpfen beide Parteien. — wenn auch getrennt — für dieselben Ideale: das Land, die hebräische Sprache und die jüdische Arbeit. Charakteristisch sind mm die nachfolgenden Stellen, welche wir einer ..Entgegnung“ des bekannten Schriftstellers G. Rabinowitsch im „Kuntres“ (dem offiziellen Organ der „Achdut- Haawoda“) entnehmen: Seit längerer Zeit beschäftigt mich eine Frage: Wodurch unterscheidet sich eigentlich der „Hapoel Hazair“ von der ..Achdut-Haawoda“? Ich habe die gesamte Literatur beider Parteien studiert bin in ihre Versammlungen gegangen und — konnte den Unterschied nicht ergründen. Was soll im Ernste aus unserer Hoffnung werden, wenn gute Menschen wegen eines Fiktiven „kozo schel jud“ nicht zu einander . finden können? Sehen denn die guten Menschen" nicht ein. welch großes Uebel durch ihre Uneinigkeit heraufbeschworen wird?-Wir hoffen zwar, daß wir uns alle in der Delegiertenversammlung vereinigen werden — das Gegenteil ist überhaupt ausgeschlossen — aber warum sollten wir nicht auch außerhalb des Hauses vereint marschieren? Warum sich gegeseitig verdächtigen, anrempeln? Ist es möglich, auf diese Weise zu bauen, so zu leben? Der Zusammenschluß ist noch aus einem anderen Grunde notwendig. Seine moralische Wirkung auf die übrigen Parteien, welche den Wert der Arbeit zu schätzen lernen würden, könnte nicht ausbleiben. Es wäre ihnen unmöglich sich der Wahrheit und Gerechtigkeit, denen wir zustreben, zu verschließen und sie müßten mit uns mitgehen. Wir haben schließlich alle im „Cheder“ das Verbot des Rauhens und' Unterdrückens gelernt und so könnten sich auch unsere „Besitzenden“ zur richtigen Einschätzung der Arbeit durchringen. Genossen! Mit vereinten Kräften — an‘s Werk! Die verbotene jüdische Nationalversammlung tn Palästina. Das Jüdische Korrespondenz-Büro meldet aus Jaffa: „HapoekHazair“ bespricht an leitender Stelle das Verbot der Militärbehörden in Jerusalem gegen die Tagung der neugeiwählten jüdischen Nationalversammlung und führt aus: Die Behörden haben keine Begründung für dieses Verbot gegeben. Wir müssen daher mit größtem Bedauern feststellen, daß trotz aller heilverkündenden Botschaften aus London und San Remo; die Lage im Lande sich nicht geändert habe. Die Repressalien wiederholen sich noch immer, täglich werden neue Urteile gegen die Mitglieder dter jüdischen Selbstwehr gefällt Jabotinsky und1 seine Freunde sind noch 'immer in der Zitadelle von A c c o eingekerkert. Unsere Presse wird von der Zensur arg geknebelt, die uns jede freie Meinungsäußerung verwehrt Und nun wurde auch die jüdische Nationalversammlung verboten. San Remo und London üben keinen Einfluß auf den Gang der Ereignisse Ln Jerusalem. Die Beschlüsse der britischen Zentralregiennig verpflichten nicht ihre Vollzugsorgane in Palästina, so daß niemand vorauszusehen vermag, wie dieses Spiel enden wird. Vom jüdischen Hochschulwesen. In Jerusalem sind jetzt neben den luristischen auch philosophische und philologische Vorlesungen eröiinet worden. Es lesen unter anderem Dr. Klausner und Prof. S1 o u c z über allgemeine Literatur. Schiller und moderne Philosophie. Dr. L u r i e über die Geschichte der Orientvölker ud Lipschütz über die religiöse mündliche Tradition. Jabotinsky. Jabotinskys Befinden ist ein sehr gutes. Es wurde ihm in der Zitadelle von Äcco ein möbliertes Zimmer zur Verfügung gestellt, wo er den ganzen T g liest und schreibt. Ein in Jerusalem verbreitetes Gerücht als wäre Jakobinsky befreit. verursachte eine große Versammlung, in der 10.000 Juden teilgenommen haben. Rossof erklärte. daß die Palästinenser Judenschaft nicht ruhen werde, bis Jabotinsky befreit ist. Jabotinsky ist jetzt die Parole der palästinensischen Juden. Ais Beweis der Solidarität mit Jabotinsky sammelt man unter allen Parteien des palästinensischen Jischubs. in allen Städten und Kolonien Gelder für den JNF.. um ihn in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Der neue Munlzipalrat in Jerusalem. Aut Befehl des Jerusalemer Militärgouver- Meurs wurde der bisherige Munizipalrat von Jerusalem, dessen Präsident der bekannte Zionistenfeind Kasim Pascha al-Chussini ist am 10. Mai aufgelöst und ein neuer Munizipalrat ernannt. der sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt: Rgaw-Bei-Nschaschibi (Präsident). Machmed Zalich Chussini. Joseph Albinah und den drei Juden: David Jeliin (Vizepräsident). Jakob Prag (Vizepräsident) und Dr. Jizchok Lewy (Direktor der A. P. C.). Orthodoxe Arbeiterbewegung. Die „Agudath Haooalim Haiehudim Hari- ■schonah Haieruschalmith Hakelalith" (First Jerusalem United of Jewish Workmen’s Society) hat in ihrer jüngsten Plenarversammlung den offiziellen Anschluß an die Agudas Jisroel vollzogen. Die Statuten dieses Arbeiterverbandes wurden am 30. Aoril 1918 durch die englischen Behörden ratifiziert. Er steht auf streng religiöser Grundlage und umfaßt die konservativ gesinnten jüdischen Arbeiter und Handwerker aller Berufszweige. Wunderrabbi Twerski gestorben. Der achtzigjährige Wunderrabbi Mordche T w e r s k i ist in J erusalem am 5. Mai verschieden. An seiner Bestattung nahmen über 3000 Personen teil. Twerski. der als Wunderrabbi unter dem Namen „Admur von Rachmestriwka“ bekannt war. ist ebenfalls zu den Opfern der Jerusalemer Ausschreitungen zu zählen. Er wurde nämlich während der Verrichtung von Gebeten an der Klage- Mauer von Arabern überfallen und blutig geschlagen. so daß seither seine Gesundheit erschüttert war. „Ausbesserungen“ an der Klage-Mauer. In der Sitzung des Pro-Jerusalem-Komitees. die am 10. Mai unter Vorsitz von Colonel Storrs stattfand, erhob BenJehuda Protest gegen das Vorhaben des genannten Komitees. Ausbesserungen an der Klage-Mauer vorzunehmen. Er betonte. daß jede „Verbesserung“ oder Aenderung die Originalität dieser historischen Stätte beeinträchtigen würde. Zionistisäie Bewegung Die zionistische Jahreskonferenz in London, Die für den 4. Juli nach Karlsbad einbetrufene zionistische Jahreskonferenz findet in London statt Die durch die Entscheidung von San Remo erforderlich gewordenen ergänzenden Arbeiten, so namentlich in der Frage der Grenzen Palästinas und des Mandats machen eine längere Abwesenheit der zionistischen Exekutive von London unmöglich. weshalb der Plan, die Jahreskonferenz in Karlsbad abzuhalten, fallen gelassen werden mußte. Vor der Jahreskonferenz wird das Große Aktionskomitee am 30. Juinii zu Beratungen zusammentreten. Rundschreiben des Zionistischen Landeskomitees. Das Zionistische Landeskomitee versendet folgendes Zirkular an alle zionistischen Ortsgruppen (Bezirkssektionen) und akademischen Verbindungen und Vereine: Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Im Verfolg des Rundschreibens vom 2. Juni 1920 verlautbart in der Jüdischen Zeitung vom 28. Mai 1. J. wird bekannt gegeben, daß außer der offiziellen Liste keine andere aufgestellt wurde. Die offizielle Liste setzt sich wie folgt zusammen: 1. Dr. Isidor S c h a 1 i t. 2. Adolf Böhm. 3. Dr. Egon Zweig. 4. Löbl Taubes. 5. Dr. Isidor M a r g u 1 i e s. 6. Prof. Artur Freud. 7. Nahum Twerski (Jaffa). Ersatzdelegierte: 8. Gemeinderat Dr. Jakob Ehrlich. 9. Dr. Max Sprecher. Außer diesen Delegierten gehören dem Zentralkomitee im Sinne des § 39 Organisationsstatut auch unsere A. C.- Mitglieder Ingenieur Stricker und Ing. Kremenetzky an. Für das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich: Jakob Weiner. Ing. Robert Stricker- Clarence .1. de Sola. Der Präsident der kanadischen Zionisten Mr. Clarence J. de Sola ist gestorben. Im Jahre 1858 in Montreal geboren, war er ein Abkömmling einer der berühmtesten jüdischen Familien, die ihren Ursprung nach Toledo und Navarra und in das achte und neunte Jahrhundert ziiriickfiihrt. Angehörige der Familie erreichten hohe Ehrenstellungen und litten unter den Marannenverfolgungen. Die Familie brachte viele Schriftsteller. Kriegsmänner und Rabbiner in verschiedenen Ländern hervor. Die Sola selbst hatte an der zionistischen Arbeit seit Gründung der Organisation teilgenommen und war aut dem vierten Kongreß in London im Jahre 1900 zum Mitglied des Aktionskomitees gewählt worden. Seit 1905 war er belgischer Konsul in Montreal. »