Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 18 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEIT!'N0 Nr. 18 Soziale Fürsorge. Das „Zionist Bulletin“ bringt ein Verzeichnis der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in Jerusalem. Wir finden dort das jüdische „Health Bureau“ (Tachmath Haibriuth). Sanitätsbureau mit drei Augenkliniken und einer Malariaklinik, dann acht Spitäler, und zwar: Bikur Cholim. gegründet 1858 (5Ü Betten). Lemaan Zion-Augenspital. Misrab Ladach-Spital, gegründet 1854 (45 Betten), Augenspital, gegründet 1916 (30 Betten). Pasteurinstitut, gegründet 1913. Rothschildspital, gegründet 1856 (mit 120 Betten, sieben Polykliniken und eine Pflegerinnenschule mit 40 Zöglingen. Das Spital wird von 2400 Patienten jährlich und die Kliniken in 200.000 Fällen pro Jahr in Anspruch genommen, Schaare Zedekspital, gegründet 1902 (55 Betten), endlich die Armenklinik (Esra medirinith) mit drei Kliniken. Das Rothschildspital und die Armenklinik wird von der amerikanischen zionistischen ärztlichen Vereinigung geführt. Weiter wird an Hilfsinstitutionen aufgezählt das allgemeine jüdische Hilfsamt der zionistischen Kommission mit einem Monatsbudget von 6500 Pfund, das Blindeninstiut, gegründet 1902. mit 36 Pfleglingen, das Irreninstitut, gegründet 1895, mit 44 Pfleglingen, das Allgemeine Altersheim, gegründet 1894. mit* 138 Insassen* das sefardische Altersheim, mit 42 Insassen, die Straus-Suppenküche, gegründet 1912 (1000 Mahlzeiten täglich), die Dreyfußküche. gegründet 1915 (2000 Mahlzeiten täglich* Mehlverteilung wöchentlich an 400 Familien). ' das Pilgerheim, gegründet 1908 (25 Betten), fünf Hilfskassen und eine Bekleädumgsstelle. Von diesen Institutionen wird das Allgemeine jüdische Hilfsamt, das Blindeninstiut, die größte Hilfskasse und die Bekleidungsstelle von dem Hilfsdepartement der Zionistischen Kommission geführt und erhalten, die auch den Irreninstitut und dem sefardischen Altersheim Beiträge gibt Zuletzt kommen acht Waisenhäuser mit rund’ 400 Kindern. Handwerker-Verbände. ln Petach-Tikwah fand1 unlängst eine Beratung der Handwerker-Verbände Palästinas statt, an der Vertreter aus Jaffa. Petacb-Tikwah, Rischon-le-Zion. Rechowoth und Haifa feilnahmen. 'Es wurde eine Kommission gewählt, die eine allgemeine Konferenz der Handwerker-Verbände Palästinas demnächst eiriberufen soll. Die Aufgabe der Konferenz soll die Organisierung der Handwerker Palästinas auf politischem und ökonomischem Gebiete sein. Die Wasserfälle von Schuni. Baron Rothschild entsandte kürzlich Ing. Polak nach Palästina, um einen Entwurf über die Ausnützung der Wasse rfälle . in der Gegend von Schuni zu Bewässerungs- und Elektrizitätswerken auszuarbeiten. Wie der „Doar- Hayom“ berichtet, hat Ing. Polak seine Arbeit m Palästina bereits aufgenommen. Herbert Samuel — Generalgouverneur. The Jewish Correspondence Bureau in London meldet: Herbert Samuel wurde zum Generalgouverneur (High-Commissioner) für Palästina bestimmt Die amtliche Verlautbarung der Ernennung steht für Ende dieser Woche bevor. Herbert Samuel, einer der führenden Männer der englischen liberalen Partei, war zweimal Minister, erst Postminister, dann Minister des Innern. Samuel, der stets ein überzeugter und treuer Jude war, hatte mit den Fragen der jüdischen Politik und mit dem jüdischen öffentlichen Leben wenig zu tun. Erst durch die Berührung mit unseren zionistischen Führern in England wurde er mit dem Problem •des Zionismus und mit der zionistischen Auffassung der Judenfrage vertraut. Sein scharfer politische! Blick, sein Gerechtigkeitssinn und sein warmes jüdisches Herz verstanden sofort die Größe der zionitischen Idee. Er wurde ein tatkräftiger Verfechter des Zionismus und ist, wie er selbst sagte,- beinahe drei Jahre lang mit seinem ganzen Einfluß innerhalb und außerhalb des Kabinetts dafür eingetreten. Ihm gebührt ein großer Teii des Verdienstes um das Zustandekommen der Balfour-Deklaration. Als Vorsitzender des „Advisory Committee for Palestine“ stand er der zionistischen Organisation gemeinsam mit Keynes helfend zur Seite. Im Jänner wurde Samuel zum Ratgeber des Oberkommandtenenden Lord Allenby für Palästina ernannt und reiste sofort nach Jerusalem ab. In San Remo erstattete er dann Lloyd George Bericht über die Situation des Landes. Die Wahlen in die palästinensische Delegiertenversammlung. Die Wahlen zur Delegierten-Versammlung fanden .unter großer BeteüUgung statt. Besonders in Jaffa war die Agitation während der letzten Tage eine äußerst rege. Eine Flut von Wahlproklamationen ergoß sich über die Stadt. Auch an Inschriften auf den Gehsteigen und Zäunen fehlte es nicht. Die Wahlbeteiligung in Jaffa betrug über 3700 Wähler und Wählerinnen; gewählt wurden 2 Mitkadmin, 2 Esrach, II Sefardim, 6 Jemeniten, 2 Misrachi, 11 Achduth Haawoda und 8 Hapoel Hazair. In Richon-le-Zion wurden gewählt: 2 Jemeniten, 2 Achduth Haawoda und 1 Esrach, in Haifa 6 Achduth Haawoda, 3 Sefardim, 2 Mitkadmin, in Petach-Tikwah Linkstehendc4, Esrach 3, Misrachi 2, Frauen 2, Jemeniten (orthodox) 2, in Tiberias Hapoel Hazair 7, Misrachi 3, Sefardim 3, in Rechk t, '!■ Esrach 2, Misrachi 1. Bei den jüdischen Gemeindewahlen in J af f a haben sich zirka 4000 Wähler beteiligt. Die meisten Stimmen wurden auf die Listen der „A c hduth Haawodah“ (895) abgegeben. „Hapoel Hazair erhielten 429, Sephardim (788). Jemeniten (370). Fast auf allen Listen befand sich Jabot i n s k y s Narnet „Achduth Haawodah“ erhielt 11 Mandate, „Hapoel Hazair“ und die Zeirei Misrachi- 7, die Sephardim 10, Jemeniten 4, Fortschriitler 2, Merkaz. Baalei Me/acha 2, Misrachi 2, Ezrach 2 und die Frauen 1 Mandat ln Petach Tikwah haben sich beii den Wahlen 775 Wähler beteiligt. „Achduth Haawodah“ haben zusammen mit den Jemeniten 3 Kandidaten durchgebracht (241 Stimmen), die Frauen 1 (145), die Landarbeiter 2 (16S). Die Misrachi haben im ganzen 61 Stimmen bekommen, Hapoel Hazair 60 Stimmen, die Beamten 81 (1 Deputierter). In Eih Ganin hat Hapoel Hazair etwa 70 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen und einen Kandidaten durchgebracht. Am 1. Mai fanden die Wahlen in die Delegierten-Versammlung auch in Jerusalem statt. Es zeigte s::h, ca» dl« Juten Jertm'«nu 'otz aller Verschiedenheiten nach Gemeinden und Parteien, deren Weltanschauung im alltäglichen Leben so sehr divergiert, doch politische Reife besitzen. Sie begriffen die Wichtigkeit des Momentes, in dem sie das Schicksal ihrer Zukunft in ihre eigenen Hände nehmen. Schon an den Vortagen machte sich eine große Wahlbewegung bemerkbar. Die zahlreichen Plakate und die Flut der Wahlproklamationen, wie solches in Jerusalem noch nie beobachtet wurde, sprechen dafür, wie groß das Interesse der Jerusalemer Judenheit für die Wahlen war. Besonders eifrig waren die sefardischen Juden, die sich wiederum als ein gut organisiertes und gut diszipliniertes Element erwiesen. Während die aschkenasischen Juden wegen des Frauenwahlrechtes sich nicht einigen konnten und erst in letzter Stunde, wie bereits gemeldet, die thoratreuen Juden trotz des Verbotes mancher Rabbiner beschlossen haben, sich an den Wahlen zu beteiligen, hatten sich die sefardischen Juden gut organisiert und mit Frau und Kind sich an den Wahlen beteiligt An der Agitation bei den sefardischen Juden beteiligten sich auch Rabbiner. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Sefardim in ganz Palästina und besonders in Jerusalem aus den Wahlen siegreich hervorgegangen sind. Es beteiligten sich in Jerusalem über 8000 Personen an den Wahlen, was 75 Prozent der Stimmberechtigten ausmacht. Das provisorische Resultat ist folgendes: Sefardim 1649 Stimmen, Achduth Haawoda 822, Jemeniten 738, Hapoel Hazair 457, Bucharen 454, Unparteiische 357, Beamte 252, orthodoxe Mitkadmim 120, Misrachi 55. Die Stimmenzahl der thoratreuen Juden wie auch die manch anderer Parteien ist bis zur Stunde noch nicht festgestellt. Unruhen in Galiläa. Der palästinensische Korrespondent der „J üdischenPreßzentraleZürich“ berichtet. Nachdem die jüdischen Arbeitergruppen nach hartnäckigen Kämpfen aus Obergaliläa sich zurückziehen mußten, haben die Araber vom H a u r an gemeinsam mit verschiedenen Beduinenstämmen ihre Ueberfäile auf Ostjordanien und Untergaliläa ausgedehnt. In letzter Zeit nahmen diese Ueberfäile einen sehr bedrohlichen Charakter an, so daß trotz der militärischen Maßnahmen und der englischen Okkupations-Verwaltung, und zwar unter Beteiligung indischer Regimenter, die mit Maschinengewehren, Kanonen und Kriegsflugzeugen ausgerüstet waren, es bisher nicht gelungen ist, der Unruhen Herr zu werden. Die Unruhen sind nicht nur gegen die Juden gerichtet, auch die christliche Bevölkerung wie auch die in dieser Gegend gelegenen muselmanischen, persischen, tschekessischen S i e de 1 u ngen haben Schaden gelitten. Aber da die jüdischen Kolonisten, besonders die Arbeitergruppen, ihre Siedelungen, die so viel Mühe und Schweiß gekostet haben, nicht so leicht verlassen wollen, so hatten diese ganz besonders zu leiden. Bisher wurden folgende Ortschaften angegriffen und zum Teil auch von der jüdischen Bevölkerung verlassen: die Arbeitersiedelung Dagannia 2, Bnej- J e h u d a, wo Frau P e r 1 s t e i n und deren Sohn ermordet wurden, Melhamie, wo sich die jüdischen Verteidiger zwar noch haltert können, Frauen und Kinder jedoch nach Jabneel überführt wurden, bei welcher Ueberführang durch einen Angriff der Beduinen der Landwirt Katz ermordet wurde. Zwischen Jabneel und Mehamie wurde auch die Leiche des jüdischen -Polizisten Schulmin aufgefunden, an dessen Wunden man erkennen kennte, daß er von den Räuberbanden gefoltert worden war. Nach den letzten Nachrichten wurde auch Ajeleth-Hschachar angegriffen. Nach vierstündigem Kampf gelang es dem jüdischen Selbstschutz, die Zahl weit überlegener Angreifer unter Verlusten zurückzuwerfen. Auch die in der Nähe gelegene Stadt Tiberias ist" von Beduinen-Angriffen bedroht, so daß dort große Panik herrscht und der ganze Handel stockt. Jaffa, 4 Mai. Die Ueberfäile der Beduinen auf einzelne Kolonien und Dörfer dauern an. Aus Sichren Jakob kommt die telegraphische Meldung, daß die kleine Siedlung Mar ah in der Nähe dieser Kolonie von einem Trupp bewaffneter Beduinen überfallen und ausgeraubt wurde. Zwei Koloasten sind dabei ums Leben gekommen. Aus Sichrou Jakob und- Haifa ist militärische Hilfe und Gendarmerie abgegangen. Der Befehl lautet, daß jeder umherstreifende Beduine, der sich über seine Absicht nicht sofort ausweisen kann, erschossen wird. Drei britische Offiziere mit 90 indischen Soldaten haben die Wache übernommen. Verbot arabischer Zeitungen. Das Erscheinen der judenhetzerischen arabischen Zeitungen „Suria-al-Ganubia“ und „Maxathal-Schrak“ wurde bis auf weiteres verboten. Erhöhung der Spendeneinheiten! A b 15. M a i 1. J. treten — auf Veranlassung des Haager Hauptbüros des JNF. und zur teilweisen Ausgleichung mit den in allen anderen Ländern geltenden Sätzen — folgende Erhöhungen der Spendeneinheiten und sonstige Aenderungen im Sammeibetrieb in Kraft: - Selbstbesteuerung auf mindestens 200.— Kronen: Goldenbuch spende von K 1000.— auf K 2000.—; Jahrzeitstiftung von K 1000.— auf 2000.— Kronen: Landspendc von K 100.— auf K 200.—; Baumspende von K 20.— auf K 30.—: Sammelbiichsen-Einsatz von K 2.— auf K 5.—: NF.- Telegramme von K 1.— auf K 5.—: NF.-Marken: Herzlmarken, Heft zu 20 Stück von K 2.— auf K 5.—: Wiener Tschlenow-Marken. Heft zu 100 Stück von K 10.— auf K 25.—: Haager Friedensmarken, Heft zu 20 Stück, bleiben mit K 20.—. & Die Abstempelung von Briefbogen, Karten und Fakturenblanketten. von der letzten Reichskonferenz beschlossen, erfolgt gegen Erlag von 10 h per Stück bei der Zentrale. Ein Garten (100 Bäume) stellt sich nach obigem fortab auf K 3000.—: ein Hain (1000 BSume) auf K 30.000.—: und ein Nachiah (100 Dunam) auf K 20.000.—. Baumkarten werden auch künftig schon bei 1 Baum, Baudiplome aber statt bei 5 nur mehr bei 10 Bäumen verschickt. Gärten werden fortab nur bei Anzahlung von mindestens 20 Bäumen. Haine nur bei Anzahlung von mindestens 50 Bäume begonnen. Die G ol de nbuchspen d e erfordert künftig eine Mindestanzahlung von K 500.—. Als Uebergangsbestimmung gilt: Die in Raten zahlbaren Spenden (Goldenbuch-. Garten-, bzw. Hain-) können nach den alten niedrigen Sätzen nur bis 1. August d. J. komplettiert werden: sonst ist der volle neue Spendensatz zu entrichten u. zw. nach wie vor innerhalb 2 Jahren seit der ersten Ratenzahlung. Der Ausweis erfolgt gesondert (u. zw. bloß, mit Namensnennung), wie bisher, nur bei Spenden von mindestens K 10.—. bei Büchsenspenden von mindestens K 5 —. Der spezifizierte Ausweis (von Beisätzen. Gratulationen usw.) erfolgt erst bei mindestens K 20.—. Wir sind überzeugt, daß diese wohlüberlegten, schon durch die bedeutend erhöhten Druckkosten und sonstigen Regie« gebieterisch erforderten Aenderungen. von den Freunden unseres Volksschatzes widerspruchslos und .verständnisvoll zur Kenntnis und Darnachrichtung aufgenommen werden Aus den Gemeinden Israelitische Kultusgemeinde Wien. Die diesjährige Mädchenkonfirmatiou findet statt: I. B ezirk. Stadttempel. I.. Seitenstettengasse 4: Donnerstag, den 3. Juni 1920. um 3410 Uhr vormittags, für die Konfirmandinnen des I. Bezirkes. Sonntag, den 6. Juni 1920. um 5410 Uhr vormittags, für die Konfirmandinnen des li. Bezirkes. XV. Bezirk (Fünfhaus). XV.. Turnergasse 22: Sonntag, den 30. Mai 1920. um 3410 Uhr vormittags. XXI. Bezirk (Floridsdorf). XXI. Holzmeistergasse 12: Sonntag, den 6. Juni 1920, um 11 Uhr vormittags. Der Eintritt in den Stadttemoel kann wegen Raummangel nur gegen Abgabe der Eintrittskarte gestattet werden. Die Plätze für die Angehörigen der Konfirmandinnen bleiben nur bis 9 Uhr vormittags reserviert. Der Vorstand. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Die' Privatistenprüf ungen aus israelitischer Religion für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Bürgerschulen finden für das II. Semester des Schuljahres 1919/20 nach folgender Einteilung statt: Für Schüler(innen) wohnhaft im L, 2., 11. und 20. Bezirk: Mittwoch, den 26. Mai, Mittwoch, den 2. Juni, Mittwoch den 9. Juni, Mittwoch, den 16. Juni und Mittwoch, den 23. Juni von 3410 bis 3411 Uhr vormittags 1., Seitenstettengasse 2, Bikur Chaulim. Für Schüler (innen), wohnhaft im 3. bis inklusive 10. und 19. Bezirk: A. Volksschüler(innen): Dienstag, den 15. Juni, Freitag, ,den 18. Juni und Dienstag, den 22. Juni von 2 bis 4 Uhr nachmittags 1-, Seitenstettengasse 2, II. Stock, Rabbinat. B. Bürgerschüler(innen): Freitag, den 11. Juni von 2 bis 3 Uhr nachmittags 1. Bezirk, Seitenstettengasse 2, Rabbinat. Für Schüler(innen), wohnhaft im 12. bis 15. Bezirk: Sonntag, den 13. Juni von 11 bis 341 Uhr mittags 15. Bezirk, Turnergasse 22. Gemeindehaus. Für Schüter(innen), wohnhaft im 16. und 17. Bezirk: Mittwoch, den 30. Juni von 343 bis 344 Uhr nachmittags 16. Bezirk, Hubergasse 5, Gemeindehaus.