Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 18 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 JÖD8SCHE ZEFTUNQ Seile 5 Zionistische Bewegung Die Wahlen des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich zur Jahreskonlerenz. Das Zionistische Landieskomitee versendet folgendes Rundschreiben an die zionistischen Ortsgruppen (Bezirkssiektionen). akademische Vereine und Verbindungen : Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! Die Zionistische Exekutive hat die Jahreskonferenz für den 4. Juli d. J. nach London einberufen. Nach § 11 des Statutes des österreichischen Landesverbandes auf einem Parteitag zu erfolgen. Da jedoch durch die plötzliche Ausschreibung der Kultus wählen in Wien von der geplanten Abhaltung des Parteitages vor der Jahreskonferenz Abstand genommen werden muß, hat das Landteskomätee beschlossen, die Vertreter zur Jahreskonferenz im Wege der Urwahl bestimmen zu lassen. Hiezu wird festgesetzt: 1. Das Landeskomitee und der Ausschuß des Arbeitskreises Wien werden in einer gemeinsamen Sitzung eine offizielle Liste aufstellen. Die. Leistungen der Provinz Ortsgruppen sind hiemit eingeladen, ihre Vorschläge zur offiziellen Liste schriftlich zu erstatten und sodann der offiziellen Liste beizutreten. 2. Je 200 organisierten Zionisten wird es freigestellt, eine besondere Liste aufzustellen und dieselbe schriftlich bis Montag, den 7. Juni, beim Landeskomitee einzureichen, worauf die Veröffentlichung der offiziellen, sowie der etwa eingereichten besonderen Listen in der „Jüdischen Zeitung“ vom 11. Juni erfolgen wird 3. Zwischen dem 11. und 21. Juni hat dann die Abstimmung auf schriftlichem Wege in der Weise zu erfolgen, daß Stimmzettel mit der Bezeichnung einer der in der „Jüdischen Zeitung“ veröffentlichten Listen dem Landeskomitee übersendet werden. 4. Den zionistischen Ortsgruppen (Bezirkssektionen). sowie den akademischen Korporationen wird freigesteilt. für die Gesamtheit ihrer Mitglieder zu stimmen. 5. Die genannten Gruppen haben das Recht, so viel Stimmen abzugehen, als sie für das Jahr 1919 oder 1920 Schkolim an das Landeskomitee abgeführt haben. 6. Gesinnungsgenossen, deren Ortsgruppen usw. nicht im Sinne des Punktes 4 die Stimmabgabe bewirken, haben ihrem Stimmzettel die Schekelquittung, bzw. die Mitgliedskarte einer zionistischen Ortsgruppe (Bezirkssektion) oder einer akademischen Vereinigung beizulegen, welche ihnen nach der Wahl rückgestellt wird'. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Jakob Weiner. Abg. Ing. Robert Stricker. Palästina Zur Aerztefrage in Palästina. Einem Aufsatze J a b n i e 1 s im „Kuntreß“ entnehmen wir folgende Ausführungen über die Aerztefrage in Palästina: ln einer Aerzteversammlung in Jaffa wurde über die unverhältnismäßig große Zahl der erwandernden Aarzte gesprochen. Eigentlich, wenn mau mit diesem Maßstabe die Einwanderung mißt, so werden wir ebenso eine unverhältnismäßig große Zahl von Händlern. Schneidern. Lehrern uud Handelsangestellten finden, denn alle Juden, die Kaufleute und die Handwerker und die Aerzte sind einander gegenüber überzählig. Zwar gibt es einen Beruf, der unter den Einwanderern immer fehlt das ist der Landwirtschaf tsbe ruf. Wir wissen aber nicht, welcher Beruf dafür verantwortlich ist Wer ist mehr überflüssig und war hat im Galuth solange zu warten, bis sein Beruf proportional geworden und für die Einwanderung reif sein wird? In Palästina gibt es jetzt über 85 Aerzte. Doppelt soviel als vor dem Kriege. Daraufhin schlägt die Aerztegesc'.lschait Alarm. Ihr Beschluß lautet: „sich durch die jüdische Presse dar ganzen Welt an die Aerzte in allen Ländern mit einem offenen Brief zu wenden, in dem die schwere wirtschaftliche Lage des Arztes hierzulande geschildert wird und klargelegt wird, daß, solange die freie Einwanderung noch nicht begonnen hat und mit ihr die sanitäre Vorarbeit noch ausbleibt. für Aerzte noch keine Arbeitsgelegenheit vorhanden . ist“. Nun ist unser Land gewiß arm und öde und die Besiedlung spärlich, so daß der Agronom, der Ingenieur und der Arzt, der nach Palästina geht, mit der Hoffnung, hier eine fette gutbezahlte Stellung zu bekommen, sehr wenig Chancen hat Aber anderseits braucht unser armes Land und der spärliche Jischub dringend eine große Anzahl von 'Juden, arbeitenden Juden, die elementare und höhere Bildung besitzen. Ein Betätigungsfeld haben sie auf sämtlichen Gebieten der menschlichen Kulturarbeit, sei es Landwirtschaft. Technik oder Medizin. Der Gedankengang unserer wissenschaftlichen Handwerker ist folgender: Nachdem nach Palästina die arbeitenden „Massen“ kommen werden, werden wir ihnen unseren Arbeitssegen bringen können, als Aerzte usw. Solange aber die Massen noch nicht da sind, haben wir nichts im Lande zu tun. Tatsächlich aber leidet unsere Arbeit in Palästina unter einem Mangel an Arbeitskräften und nicht unter einem Ueberfluß. Schließlich könnte man auch so folgern: wenn wkin Palästina ein Heer von ausgebildeten Landwirten. Ingenieuren und Aerzten bereits hätten, so würden viele Arbeitsmöglichkeiten für die armen Wanderer beschafft werden können und würde das Leben der Arbeitenden, die bereits hier sind, leichter und besser sein. Anderseits, was heißt das eigentlich Ueberfluß? Muß denn in den großen Kolonien wirklich nur ein einziger Arzt da sein? Müssen denn hunderte von Jemeniten in ihren Vierteln ganz ohne ärztliche Hilfe verkümmern. Müssen denn viele Winkei unseres Jt- .schubs jahrelang ohne Arzt bleiben? Muß es denn so sein, daß viele Arbeitergenossenschaften nicht Familien aufnehmen können, weil sie keine genügende ärztliche Hille haben. Im ganzen Lande ,gibt es nur zwei Aerzte. die für Nasen- und Halskrankheiten Spezialisten sind, auf dem Türschild des einen prangt die Aufschrift: „Preis einer Konsultation mindestens 5 Sh.“ Im ganzen Lande gibt fs nur zwei bis dlrei Augenärzte und wieviel errahrene und gute Aerzte gibt es bei uns, die bei der Behandlung der mörderischen Malaria in Betracht kommen. Wenn die neuen Aerzte. die ins Land kommen, 'eine Zeitlang bei den kampferprobten Aerzten die Kunst der Bekämpfung der Malaria und des Trachoms erlernen und nachher im Volke das Rettungswerk fortsetzen, so sind sie nicht überflüssig. Wenn Gebildete unter die Arbeitenden gehen würden, so hätten sie die Bedürfnisse der Arbeiter und die verschiedenen Arbeitsgebiete aus Erfahrung lernen können, sowie die Art der Bekämpfnug der Schädlinge der Menschen und der Pflanzen. Sie hätten anderseits die Krankenkassen der Arbeiter heben können, hätten das Sanifätswasen- und die Hygiene der Arbeiter gebessert; sie hätten der jungen Arbeiterfamilie bei den schwierigen Fragen der Kindererziehung und Fürsorge helfen können. Es ist leicht, nach dem Auslande mitzuteilen. daß man in Palästina unmöglich Stellungen finden kann, „solange die freie Einwanderung nicht anfing“. Wir danken unseren Aerzten. daß sie ihren Kollegen in der Diaspora wenigstens diese Tür offen lassen, aber — wer weiß denn, wann die freie Einwanderung beginnt? Es steht zu befürchten, daß es in Palästina immer Besorgte geben wird die durch die jüdische Presse der ganzen Welt über die Unmöglichkeit nach Palästina einzuwandern schreiben werden. Daraufhin wird eben die Einwanderung nicht mehr frei sein. Vielleicht aber geht es auch anders. Vielleicht läßt sich, wenn auch schwierig, auf dam Wege der Anpassung an die Volksbestrebungen varschreiten, die zu einem Arbeitsleben in unserem Lande drängen? Wer auf diesem Wege geht, wird immer den Brüdern in der Diaspora nur Zurufen, daß sie doch kommen möchten. Die Tätigkeit der amerikanisch-zionistischen Aerztevereinigung. Die amerikanisch-zionistische Aerztevereinigung hat soeben ihren Bericht für Februar 1920 veröffentlicht, dessen Ziffern eine kleine Abnahme zeigen, was den durch die schweren Schnees türme hervorgerufenen Verkehrsstörungen der schlechten Witterung und! den- <an Gebäuden angerichteten Schäden zuzuschreiben .ist. Die folgende Aufstellung zeigt die Tätigkeit der „Hadassa“ während des Monats Februar: April 1919 Februar 1920 bis Neuaufgenommene Spitalspa- Februar 1920 tienten. 269 3175 Neue Patienten der Poliklinik An den Polikliniken ambulato- 4991 60012 risch Behandelte. 19068. 320445 Zuhause Behandelte . Untersuchungen im Labora- 2127 12670 torium. 1137 11061 Die folgende Aufstellung zeigt die Einteilung der Patienten nach Geschlecht und Religion:: Männer Frauen Kinder Summe Spitalspatienten Patienten an den 63 113 93 269 Polikliniken . An den Polikliniken ■ 1315 1727 1949 4991 ambulatorisch Behandelte. 5125 6893 7039 19068 Juden Christen Moslems Summe Spitalspatienten Patient-.-n der Poli- 238 2 29 269 klinik. 4358 88 545 4991 An der Poliklinik am bulatorisch Behandelte 16465 342 2261 19068 Wie bekannt, besitzt die A. Z. M. U. vier Spitäler, in Jerusalem, in Jaffa, in Safed und in Tiberias, Polikliniken hat sie in denselben Städten, überdies aber noch in Haira und Hebron. Neuerdings hat sie ihre Tätigkeit auch auf die Kolonien ausgedehnt und unterhält ständig in Yemma, in Rosch-Pinah, in Kiimeret und Mezrka Aerzte. welche diese Kolonien und ihre Umgebung bedienen, außerdem noch einen Arzt in Tiberias. der die Kolonien in Nieder- G a 11 i 1 ä a besuchte. Dr. Garry und die Krankenschwester Sophie Melamud haben sich freiwillig nach Ober-Galiläa gemeldet, um den Einwohnern von Methulla und der umliegenden Arbeitskolonien ärztliche Hilfe zu bringen. Sie haben nach den Ereignissen in T e 1 - C h a i den Verwundeten wertvolle Hilfe geleistet Die Untersuchung und Behandlung der Schulkinder bildet ein besonderes Arbeitsfeld der A. Z. M. U. Während des Monats Fe*- bruar wurden im ganzen 2507 Kinder untersucht und 41.220 behandelt hievon mehr als 25.000 in Jerusalem und 10.000 'in Tiberias. Am meisten verbreitet waren Augen- und Hautkrankheiten. Seit die Arbeit der Sanierung uud Malariabekämpfung in einigen Städten von den Gemeinden übernommen wurde, war die A. Z. M. U. imstande, ihre Tätigkeit in dieser Richtung in den Kolonien intensiver zu gestalten. Während der letzten Schneekatastrophe in Jerusalem hat das Sanitätspersonal mit Eifer und Aufopferung an der Hilfsarbeit teilgenommen und allgemeine Anerkenung geerntet (Nach „Zionist Bulletin“.) Die Lage in Nablus. Das Preßbüro der Zionist Commission hat vor kurzem einen Bericht ausgegeben, der ein charakteristisches Licht wirft auf das Wesen der arabischen antizionistischen Propaganda. In diesem Berichte heißt es u. a.: In der feindseligen Propaganda, die von der syrischen und palästinensisch-arabischen Presse gegen den Zionismus unternommen wird, kehrt immer die Feststellung wieder, daß die Unterzeichner der antizionistdschea Proteste, die von Zeit zu Zeit den Ortsbehörden unterbreitet werden; „im Namen aller Einwohner des Landes“ sprechen und schreiben. Die Juden, des Landes können selbstverständlich hier nicht mit einbegriffen werden, ebensoweig wie die nichtlatemischen Christen (z. B. Armenier und Griechen) den Protest gegen die jüdische Einwanderung nicht unterstützen. Die islamochristlichen Gesellschaften bezeichnen gern Nablus (das alte Syrien) als den Mittelpunkt der Opposition gegen die Juden. Nablus ist bekannt als Wohnsitz einer fanatischen moslemitischen Sekte, die sich immer der Anwesenheit von Europäern in ihrer Mitte widersetzt haben. Aber dieses einzige Beispiel der Abneigung des Fellachen gegen den jüdischen Kolonisten (der den benachbarten ^Araber den Gebrauch des modernen Pfluges und der Mähmaschine gelehrt und seinen Lebensstandard gehoben bat) ist nicht ganz stichhaltig. Die Glaubwürdigkeit der Etfendis, die angeblich im Namen der Dorfbewohner sprechen, wird betleuchtet durch die Ueberführung von zwölf dieser „Führer“ beim Versuch, das Land des Fellachen an sich zu ieißen. In dieser und ähnlichen Tatsachen (so z. B. daß gewisse Efiendis fast 1000 Prozent Zinsen von ihren Arbeitern verlangen) ist der Schlüssel zur wahren Sachlage im Nablusdistrikt zu suchen. Hier, mehr als anderswo. werden die Landarbeiter vom reichen Effendi ausgebeutet. Die Stadt Nablus selbst umfaßt nur den kleineren Teil des Nablusdistriktes; im Kada Djamaaui sind die Eingeborenen empört über die eigenmächtig angeeignete Führerschaft der Eiiendi und desavouieren ihn als .ihren Fürsprecher. In Dörfern wie Kfar 11 Dik, Kfar Kassen; Deir Isteih oder Bidieh. Sanirier und Salti ist keine Spur von der angeblich weitverbreiteten Forderung nach einem geeigneten selbständigen Syrien zu finden. Man hört im Gegenteil dbs Verlangen nach einer strengen englischen Herrschaft; der Fellache weiß, daß die schwache türkische Verwaltung den großen Landbesitzern Gelegenheit zur Ausbeutung gab und die Erfahrung unter der englischen Okkupation hat ihn gelehrt, daß die englische Verwaltung ihm Vorteile bringen würde. Auch über die jüdische Frage machen sie sich keine falschen Vorstellungen. In diesen und anderen Dörfern wie Burrin; Madameh, Till, Assireh. Hawarah, Kada und Djorat Ammara besteht ein Bedürfnis der Fellachen nach mehr jüdischen Kolonien, Sie haben den jüdischen Farmer gesehen, wie er, weit entfernt, in die Rechte der Araber eingreiren zu wollen, zeigt, wie der Boden nach modernen Grundlagen bewirtschaftet werden kann Auch in anderen Dönern des Nablusdistriktes hegt man Freundschaft für den jüdischen Farmer Die Bedeutung der Elektrizität für die Erschließung Palästinas. In Berlin wurde auf einer gemeinsamen Sitzung des „Verbandes jüdischer Ingenieure für den technischen Aufbau Palästinas“ und des „Komitees für jüdische Wirtschaftspolitik“ nach einem Referat von Dr.-Ing. Majerczik über da» Thema „Die Erschließung Palästinas mit Hilfe der elektrischen Energie“ folgende Resolution angenommen: „Die Versammelten weisen auf die große .wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung hin. die die elektrische Energie fü/r die Erschließung Palästinas besitzt Insbesondere ist die Errichtung einer Ueberlandzentrale für den Bezirk Jaffa-Jerusalem jp.it einem Dampfkraftwerk in Jaffa als Stromquelle ein dringendes Erfordernis. Diese Angelegenheit eilt sehr, da im Verzögerungsfalle bei dem vorhandenen Elektrizitätsbedürftnis des Landes, eine Anzahl von wichtigeren Konsumenten (Städte. Kolonien usw.) zur Errichtung kleinerer Einzelanlagen für den Eigenbedarf schreiten werden. Die Einzelanlagen arbeiten nicht nur uuökoncmisch, sondern stehen auch einer späteren systematischen Stromversorgung hindernd im Wege, indem sie als Stromabnehmer des größeren Unternehmens vorerst nicht in Frage kommen. Eine Voruntersuchung an Ort und Stelle über die technischen und1 wirtschaftlichen Grundlagen einer Ueberlandzentrale Jaffa- Jerusalem ist deshalb sofort zu beginnen und die dafür erforderlichen Gelder zur Verfügung zu stellen. Die Versammelten sprechen die Erwartung aus, daß die für die Kolonisation Palästinas maßgebenden und verantwortlichen Stellen der Elektrizitätsfrage die ihrer Wichtigkeit entsprechende Aufmerksamkeit und Förderung zuwenden werden.“ Die Resolution wurde dem Palästina-Departement in London und dem Palästinaamt in Jerusalem übermittelt. Jüdische Legionäre beim Telephon- und Telegraphendienst. Die Telegraphen- und Telephonverwaltung in Palästina hat 45 von den entlassenen amerikanischen jüdischen Legionären zur Ausbildung angenommen; 25 arbeiten in Jerusalem, 15 in Haifa. In Akka wurde einer der jüdischen Legionäre zum Verwalter des Telegraphen- und Telephondienstes ernannt. Der Direktor der palästinensischen Telegraphen- und Telephonverwaltung versprach den jüdischen Legionären Einführung der Sabbathruhe. wie sie bereits bei der Posri. erw altung eingeführt ist, falls die Zahl der jüdischen Beamten im Telegraphen- und Telephondienst sich vergrößert.