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Jüdische Zeitung · 1920-05-14 · 17 (14.5.1920) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
17 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Seite 7 tretung der jüdischen Nationalräte der einzelnen Staaten bildet und dessen Tätigkeit die Aufnahme der die jüdischen Minderheiten berücksichtigenden Klauseln in die Friedensverträge zu danken ist, hat an den Minister des Auswärtigen der schechoslowakischen Republik Dr. Bene sch eine Zuschrift gerjchtet, in der das Komitee seine lebhafte Befriedigung darüber ausspricht, daß die tschechoslowakische Regierung die jüdische Nationalität anerkannt und in der Nationalversammlung durchgesetzt hat. daß diese Anerkennung gutgeijeißen wurde. Die Zuschrift hebt hervor, daß die tschecho-slowakische Regierung aus der Freiheit ihrer Nation die Konsequenz für die Freiheit anderer Nationen gezogen hat. Ein Kongreß für jüdische •Erziehung. Die Sitzung des Großen Aktionskomitees, die soeben in London stattgefunden hat. hat das Erziehu<igsdepartement des Zentralbureaus beauftragt, eine Konferenz für hebräische Erziehung und Kultur, an welcher pädagogische Sachverständige und dem Erziehungswesen in Palästina nahestehende Personen teilnehjnen sollen," einzuberufen. Dieser Antrag ist von den Delegierten verschiedener Länder gestellt worden und entsprang dem Bedürfnis, durch mündliche Aussprache und Beratung der Fachmänner einen innigen Kontakt zwischen Palästina und Galuth, sowie zwischen den Ländern der Galuth selbst in allen Fragen herzustellen, die durch die Hebraisierungsarbeit in allen Ländern, insbesondere durch das in vielen Ländern entstandene hebräische Schulwesen auigegeben werden- Die Konferenz soli im Frühsommer, womöglich unmittelbar vor der Jahreskonferenz in einer Stadt Mitteleuropas stattfinden. Die Tagesordnung wird ungefähr umfassen: 1. Methoden der hebräischen Erziehung: a) in Palästina, b) in der Galuth. . 2. Die Ziele der hebräischen Erzieh u n g. 3. Lehrerausbildung: a) Lehrerseminare. b) Lehrkurse. 4. Die Frage der hebräischen Schulbücher. 5. Hebräische professionelle Schulen. 6 Die hebräische Volkshochschule. 7. Verbreitung der hebräischen Sprache: a) Volkskurse, b) Lehrbücher, für Erwachsene und andere Lehrmittel. S. Die hebräische Bühne. . 9. Die jüdische Frau und die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. 10. Ein Institut für die hebräische Sprache und ihre Erforschung. .11. Die Arbeit für das nationale Erziehungswesen; . .Organisationsformen . und. materielle Grundlagen Der amerikanisch-jüdische Kongreß. Auf einer in New-York stattgefundenen Konferenz jüdischer Organisationen des ganzen Landes unter Beteiligung von gegen hundert Delegierten, die 2 Millionen Juden vertraten, wurde beschlossen, daß der jüdische Kongreß für den 6. Juni nach Philadelphia einberufen, werde, wo er permanent tagen soll. Palästina * Die Arbeiter-Gruppen Das kooperative System. Die folgenden bC|s idtns E'naelne gehenden Berichte über zwei kooperative Gruppen beleuchten ähre Arbeitsmethoden und geben edn allgemeines Bild über die Lebensweise ihrer Miltglitedter. Ein Hai (Kfar-Malel). Dite dortige Gruppe zählt 180 Mitglieder und hat 250 Dunam Land, weilche zum Getreidebau geeignet sind. Während der Monate Tcsohri- Cheschivan hat die Gruppe 55 Dunum müt Wiintierweäzen, 35 Dunam mit Hafer und 20 Dunam mit Wicken besät. In der Umgebung des Farmhoies pflanzte die Gruppe 5 Dunam mdii Gemüse. 100 Dimam wenden mit Sommergetreide bestellt und ein Stück Lamid ist für die Anpflanzung von Wassermelonen reserviert. Die Gruppe beschäftigt sich auch mflt Bienenzucht. Es sind dort 4 Zugpferde und 2 Milchkühe, welche dliie Milch iür den Gebrauch der Gruppenmitglieder selbst tftefern. Eine große Baracke wird als Wohnort benützii), enne kleinere als Küche und Speisesaal. Eine andere Baracke dient als Stall und' Vorratskammer. Die Gruppe hat auch die Arbeit In den •Weingärten von Kfar-Malel übernommen, wetfche der rumänischen Vereinigung „Ti!k walt Israel“ rin Galatz gehören, und die Aufforstung des Eukalyptuswaldes von 108 Dunam Ausdehnung besorgen, der im letzten Jahre vom Ackerbau- und Kolonisationsdepartement der Zionistischen Kommission angepftanzt worden Ist. Beer Tobia. Diese Gruppe zählt 12 Mitglieder und beschäftigt sich idiieseis Jahr mit Ackerbau und Aufforstung. Während der Monate Kaslev-Tebet wurde das Land folgendermaßen besät: 400 Dunam mit Wintergetreide, 30 Dunam mW VSlehmtter, 75 Du- ^nain mit Hafer, 25 Dunam mit Erbsen, 80 Dunam m'it Hafer. 40 Dunam mit Gerste und 50' Dunam müt Weizen. DJe ganze Arbeit ist erfolgreich gewesen und der Stand der Felder ist zufriedenstellend. Während der Monate Adar und Nissan werden 32 Dunam mit Sommergetreide, 12,-Dunam rrnit Kürbissen und Karitofrel und 20 Dunam mit Bohnen bepflanzt ■werden. Gemüse für dien Gebrauch der Gruppenmitglieder selbst Ist ebenfalls gepflanzt auf 5 oder 6 Dunam Land. Dfle Gruppe besitzt 3 Paare Arbejilsmaultiere, 4 Milchkühe und 6 junge Kühe. Der tägliche Ertrag an Milch belüuit sich aut durchschnittlich 25 Liter, welche dem Gebrauch der Mifetieder dienen. Es gibt dort 2 Häuser, welche 6 Wohnräume enthalten, ferner die Ställe für Pferde und Kühe und eine Vorratsscheuer. Die Mitglieder sind bei guter Gesundheit, da Malarilaräüte sehr seiden sind. Die Gruppe erhält sich selbst und wird nicht unterstützt. Ihre Lage iilslf in den letzten Jahren sehr günstig geworden. Im Jahre 1918 hatte süe einen Ueberschuß von 600 Pfund, der zur Deckung des Defizits der vorhergehefiden Jahre tim Betrag von 350 Pfund verwendet wurde. Ke restlichen 2o0 Pfund wurden unter 10 Mitglieder aufgeteilt. Im Jahre 1919 betrug der Gewinn mur 350 Piund. Die Ursachen dieser Abnahme sind, .daß die Getreideernte im Jahre 1919 im allgemeinen nioht so gut war wjle 1918, ferner die allgemein so hohen Lebenskosten. Außerdem der Ausbruch einer Viehseuche im Schebat 1919, welche den Tod von 4 Kühen and 6 Ochsen verursachte. Kiese waren 1914 um 140 Napoleondor gekauit worden und waren 400 Piund wert. Bis 1918 war der Boden für den Getreidebau ausreichend gedüngt und hatte einen hohen Grad von Fruchtbarkeit erreicht, doch 1919 mußte der ganze Boden neuerdltngs fruchtbar gemacht werden. Das Arbaitssystem war entsprechend demjenigen im Ackerbaudistrikt (im Süden angelegt, die Zeiten für jedte Arbeüit waren genau festgelegt und verschiedene neue Werkzeuge wurden eimgeführt. Die Mitglieder, dffe wenige Jahre in der Gruppe waren (4 waren 4 Jahre lang MJtWeder). besetzen heute jeder 50 bis 70 Piund. Die Schulden der Gruppe betragen 33.000 Franken, denen jedoch als Gegenwert das Eigentum im Werte von 48.000 Franken gegenüberstteht. Ein Rekord des Fortschrittes. Diese Gruppe hak ebenso eitrt neues Arbeitissystem in der Kolonie eingeführt, wie auch neue Düngemittel und neue Arten von Samen, so besonders Hafer, Wicken und Gemüse, welch letztere man früher bei den arabischen Nachbarn kaufte. Unter dem Eclnilusse dieser Gruppe haben dite Kolonisten jetzt angefangen, das Gemüse für ihren eigenen Bedarf ,iin kleilnen Beeten ganz nahe bei ihren Häusern zu ziehen. Aui Anraten von Oettihger, dem Leiter des Kolohiisationsdepartements der zionistischen Kommiüsslon einen neuen Versuch im Ambausysltem gemacht, nämlich den Weizen in Reihen zu säen und zwischen den Rethen auizuhacken.. Düese Bebauungsart lieferte das Zweieinhalbfache des gewöhnlichen Ertrages. Die Glieder der Gruppe Beer Tuvia beteiligen sich auch an der Aufforstung von 380 Dunam mit Eukalyptusbäumen, welche das Ackerbau- und Koloflisierungsdepartement veranstaltet. 5 Arbeiter von irisch Eingewandlerten sind ebenfalls bei dieser Arbeit beschäftigt. Die Gruppe nimmt teil an dem gesamten sozialen Leben der angrenzenden Kolonie, dem Kolonlerak, dem Schulrat, dem BibCiiotheksausschuß und dem hebräischen Mischpat Haschalom (dem Frtedensgenicht). Die Juden von Pebiin. Das Ackerbau- und Kolonisatitonsamt der zionistischen Kommission hat folgenden Bericht über die hebrädschen Farmer in dler arabischen Stadt PekJin erhalten, welche zwischen Sidon und Safed gelegen ist Dort leben gegenwärtig 16 hebräische Farmer. DJe meisten von ihnen sind arm. 2 Familien besitzen überhaupt keinen Grund und leben von der Arbeit, 'die ss|e für idle Farmer der Stadt, Nichtjuden oder außerhalb der Stadt ln Sichroa- Jakob oder Migdial leisten. Ke übrigen FamfllLen leben aui ihren 4 bis 6 Dunam Land. Bloß 2 Familien haben Grundbesitz von 20 bits 25 Dunam. Ein halbes oder ganzes Dunam des Bodens der Juden ist mit Olivenbäumen bepflanziC, der Rest wird für Getreide- oder Gemüsebau verwendet. Kein einziger besitzt Arbeitsvieh oder Milchkühe. Aliles, was sie hatten, wiurde Ihnen während des Krieges abgekaufH. Die Arbeit wird mit der Haue verrichtet, welche auch zum Pflügen und Auibrechen des Landes dOent. Die Frauen arbeiten an all der schweren Arbeit mit £ Auch die kleinen Fleckchen Land, welche jetzt noch Juden gehören, sind jetzt daran, dn ander.. nichtjüdische Hände übenzugehen. Dje meisten der Juden von Pekifti verstehen Sandalen anzufertigen, wie sie die, Fellachen benützen und wie site auch von den jüdischen Arbeitern auf dem FeMte getragen werden. Site verfertigen sie auf Bestellung während 'ihrer Mußestunden. an Regentagen und Abenden. Das Leder wird ebnen von ehren nichtjiidrehen Auftraggebern beigestellt, weiche ‘ihre Arbeit ausbeuten, indem sie ‘ihnen nur 2 Piaster (Tarif) für ein Paar Sandalen bezahlen. Entsprechend der Beschäftigung der Famibtenhäupter gibt es in Pekü5n 16 Farmer, 2 Ackerbau treibende Frauen und etaen Kaufmann, im ganzen 19 Famitienhäupter in summa 58 Seelen. Mit Ausnahme -eitler aschkenaseschen Familie sind alle Sephardim. Von diesen 58 Leuten sprechen 40 arabisch und 18 hebräisch. Eime Schule mit 13 Schülern besteht dort, deren Budget vom Erzitehungsamt der zionistischen Kommission bestritten wSrd, ferner ein Schächter, der von der Hläfsabteilung der zionistischen Kommission unterstützt wird. Abänderung des Urteils gegen Jabotinsky. Reuter meldet amtlich aus Kairo: Das britische Hauptquartier in Kairo hat das vom Militärgerichte in Jerusalem gefällte Urteil gegen J abotinsky sowie gegen die weiteren 19 Juden dem General Congreve zur Ueberprüfung empfohlen Dieser hat sowohl Jabotinsky als auch den anderen Verurteilten mildernde Umstände zuerkannt und die Urteile in folgender Weise abgeändiert: Die Strafe gegen Jabotinsky wird vor» 15 Jahren auf ein Jahr leichten Arrests, gegen die anderen 19 von drei Jahren Zwangsarbeit auf sechs Monate leichten Arrests herabgesetzt. — Im Falle Jabotinsky mußte eine Strafe beibehalten werden, da die gegenwärtige Lage in Palästina andauernd kritisch ist und daher vorläufig ein Exempel statuiert werden mußte. Kapitän Trumpeldor. Kapitän J. Trumpeldor, der wie wir berichtet haben, bei dem Ueberfall beduinischer Räuber auf die Ansiedlung Tel Chai im äußersten Norden Pa- % mstinas ums Leben kam, war eine romantische Gestalt. Er war deF einzige Jude, der in der zaristischen Armee Ofiizier wurde. Außer dieser Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienste und seiner Tapferkeit im japanischen Kriege, in welchem er (wahrend der Belagerung Port Arthurs) den linken Arm verlor, wurde er von Zar Nikolaus persönlich mit dem Goldenen Georgskreuz ausgezeichnet. Zu jener Zeit war er ein „assimilierter Jude , aber nachher machte der Zionismus und die jüdische nationale Bewegung einen solchen Eindruck auf ihn, daß er, nachdem er 1912 in Petersburg das Reichsstudium beendet hatte, nach Palästina ging und Landarbeit nahm. Er war unter den ersten, die zu Beginn des Krieges von den Türken aus dem Lande vertrieben wurden, und legte zusammen mit Sabotinski den britischen Behörden in Aegypten den Plan zur Bildung einer jüdischen Legion vor, die für Palästina kämpfen sollte. Diesem Plane entsprang das „Zion Mule Corps“, eine Trägei abteilung, die auf Gailipoli die Verbindung zwischen der Küste und dem Schützengraben über ein ununterbrochen beschossenes Gelände herzustellen hatte. In dieser Abteilung brachte es Trumpeldor zum Ofiizier. Der Kommandat des Korps. Oberst J. H. Patterson, spricht m seinem Buch über dien Gallipolifeldzug von Trumpeldor als von einem der Tapfersten, der keine Furcht kannte. Nach der Gallipoliexpedition kam Trumpeldor nach England und sodann nach Rußland. Vor einiger Zeit wohnte er in Konstantinopel und organisierte Chaluzim für Palästina, wohin er erst vor kurzem zurückkehrte. Er stammt aus dem Kaukasus, war ungefähr 36 Jahre alt und erfreute sich bei allen, mit denen er in Berührung kam wegen des Zaubers seiner Persönlichkeit, seines unzähmbaren Willens, seines großen persönlichen Mutes und seine Hingebung für die Sache des jüdischen Palästina großer Beliebtheit. Er hat ein Grab in seinem geliebten Lande gefunden: er wird als einer unserer Helden in die Geschichte eingehen. die für Erez Israel starben und deren Blut den Boden geweiht hat. Sein Verlust, wie der von Aron Aronsohn, ist unersetzlich Geräte und Maschinen für Palästina. Das „Hilfskomitee für Palästina“ in Berlin hat beschlossen, einen größeren Vorrat von Geräten und Maschinen für jüdische Bauern und Handwerker in Palästina zu erwerben. Die Berichte dies Vertreters des Hilfskomitees in Palästina lassen erkennen, daß das Land infolge dter mit dem Weltkrieg verbundenen Requisitionen nun von den allernötigsten technischen Hilfsmitteln' entblößt ist „Palästina ist völlig aller Gerätschaften und Maschinen bar,“ heißt es m einem jener Be, richte. Das Land schreit nach diesen Dtagen — aber in erster Linie nach landwirtschaftlichem Geräten und Maschinen. Von den einfachsten Spaten. Heugabeln, Hacken. Schippen und Schaufeln^ einschanigen Pflügen bis zu den vierscharigen Pflügen. Gras- und Getreademähmaschimen. Sämaschinen und Dreschmaschinen, an allem herrscht hier höchster Mangel und dringender Bedarf. Ferner erhielt däs Komitee die Mitteilung. daß die Vertreter der größten in Palästina arbeitenden Organisationen die Schaffung eines gemeinsamen Komitees planen, das die Verteilung dter nach Palästina zu entsendenden Gerätschaften übernehmen wird. Nach dem Erhalt dieser Mitteilung schritt der Arbeitsausschuß des Hilfskomitees sofort an die Anschaffung der Geräte, die noch vor der neuen landwirtschaftlichen Arbeit in Palästina eintreffen werden. Das Technikum in Haifa. * Wie die I.P.Z. berichtet, hat sich Jakob Schiff angeboten, das Technikum in Haifa vom Hilfsverein der deutschen Juden zu erstehen, um es den Zionisten zu übergeben. Die Untersuchungskommission eingetroffen. „Times“ bringt eine Meldung ihres Jerusalemer Korrespondenten, wonach die Unteirsuchuugskommission, bestehend aus Oberst Meinerzhagen und Judge Marshail in Jerusalem eingetroifen ist. Palästina-SchiliahrtsgesellschaiL in Jaiia und London wurde eine Schiffahrtsgesellschaft für den Verkehr mit Palästina gegründet. Grundkapital der Gesellschaft ist 250.000 Pfund Sterling, die in Aktien zu je 1 Pfund verteilt sind. Gezeichnet müssen mindestens 25 Aktien werden. Ratenanzahlung zulässig. Die Arbeit der Geselüchaft beginnt erst, nachdem 100.UÜÜ Ptund angezahlt sind (davon sind bereits 75.003 in London gezeichnet). t k

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