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Jüdische Zeitung · 1920-05-14 · 17 (14.5.1920) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
17 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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-icite 6 Volkszehent — die Grundlage unserer Befreiung Unter diesem Titel erörtert J. A. N a j d i t s c h ht der ersten Flugschrift, welche aas zionistische Aktionskomitee zur Propaganda für den Palästina-Aufbaufonds von 25 Millionen Pfund herausgibt. den Gedanken eines Volkszehnten zur Aufbringung dieses Fonds, welcher dazu dienen soll, die Durchführung dar öffentlichen Arbeiten in Palästina mit jüdischer Arbeit zu ermöglichen. Najditsch weist zunächst daraui hin, dafi die für eine — angesichts der gegenwärtigen Lage der europäischen judenheit — zu gewärtigende Massenein Wanderung notwendigen Mittel heute nicht wie sonst vorwiegend von der osteuropäischen Judeumasse bereitgestellt werden können, da die Vadutavediäitnisse das Geld der osteuropäischen Staaten entwertet haben. Es inufi daher die gesamte Judenheit Ire rangezogen worden Das vielfach in Erwägung gezogene Mittel einer nationalen Anleihe zur Aufbringung der notwendigen Summe leimt Najditsch ab; er begründet dfe. Unmöglichkeit einer Nationalaideihe damit daß für sie in Palästina keine Realisierungsgrundlage in Form von Nationalvermögen vorhanden ist da die dem jüdischen Volke gehörenden Bes.tztümer in Palästina (die Besitzungen des Jüdischen Nationalionds) zu klein sind, tun die Grundlage für eine Natlonaianleife zu bilden, über-., dies nicht belastet werden dürfe::. Aber auch die Sicherheit des Zinsendienstes ist nach NajdEtsch nicht gegeben, da wohl frühestenserst in etwa 20 Jahren eine Verzinsung der investierten Kapitalen sielt ergeben könnte. Daher würde das jüdische Großkapital unserem Rufe zu einer Anleihe nicht folgen. Die Naüonalan.c'ihe kamt daher mit Erfolg erst in mehreren Jahren durchgeführt werden. bis in Palästina ein namhaftes Nationalvermögen besteht Zur Aufbringung der Mittel für den Aufbaufonds. welcher eben das Nationalvermögen in Palästina schaffen soll, bleibt also nur der Weg der freiwilligen Volkssteuer. Für diesen Apell an das Volk ist deT Moment wo wir vor der Verwirklichung unseres Ideals stehen, der denkbar günstigste, die iiiteniaüGnaie Anerkennung unseres Rechtes auf Erez Israel und die verzweifelte Lage von Mülionen unseres Volkes sprechen eine klare Sprache ziun Herzen und Verstand des Volkes. So haben wir die Möglichkeit von jedem Juden große Geldopfer zu verlangen. Die Örgandsationsform daiiir wäre der alte jüdische Zehent daß Jeder vermögende Jude ein Zciinte! seines Vermögens dem Zwecke der Schaffung des jüdischen Heims zur Verfügung stellt Diese Zehenuabgabe wäre, wo sie nicht auf einmal geleistet werden kann, ohne eine geschäftliche Schädigung des Bestehenden bervorzurulen, auf einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zu verteilen; dabei müßte allerdings die Verpflichtung der Besteuerten derart rechtsgültig sein, daß sic nach den Landesgesetzen jederzeit eskomptäert werden kann. Große Schichteil des jüdischen Mittelstandes •und. Bürget ums (werden allerdings nicht durch Vermögenssteuer, sondern auf eine Einkommensteuer. welche progressiv, je nach Vermögen und Einkommen, von einem bis zu zehn Prozent anzusetzen wäre, besteuert umrden müssen. Diese Volkszehentsteuer muß als unsere erste nationale Subskription auf deT breitesten Volksbasis erfolgen. Um jedoch den jüdischen Nationalionds. die wichtigste und populärste Institution für die Landnahme in Erez Israel, nicht zu schmälern, schlägt Najditsch vor. daß eine Vereinbarung mit dem Jüdischen Nationalionds getroffen werde, nach welchem diesem ein bestimmter Anteil am Fünfundzwanzig-M'iliiGTien-Fonds gesichert ist. etwa 10 Prozent. Der Fünfimdzwanzig-Millionen-Fonds wird auch die Deckung des Budgets für unsere Schulen. Spitäler, Waisenhäuser, Greisenasyle usw. übernehmen müssen, die bisher aus dem zionistischen Budget gedeckt wurden. Die Aufbringung des Fonds in dieser Form der nationalen Subskription soll innerhalb eines Jahres erfolgen, beginnend von der Zeit, da das Mandat über Erez Israel sanktioniert ist. bis zum nächsten Kongreß. Vor Ost unö West Der Fall LÖw. Der Reichsverweser Horthy hat von dem Oberrabbiner von Amsterdam folgendes Telegramm erhalten: „Der Oberrabbiner von Amsterdam fühlt sich verpflichtet, in der Angelegenheit des Szegediner Oberrabbiners Dr. L ö w die Aufmerksamkeit Eurer Exzellenz auf den Artikel des „Algenteen Handeisblad“ vom 29 April! zu lenken. Die Redaktion erklärt dort, daß H o 1 o s s y, •dessen Auftreten an die Manieren eines Agent provocateur erinnern, vom „Handesblad“, dessen Korrespondent er war. sofort entlassen wurde, sobald sie erkannte, er könne „rechts und links“ schreiben, je nachdem das Staatsoberhaupt Karolyi oder Bela Kun, Friedrich oder Horthy hieß. Der Oberrabbiner glaubt Ihne Aufmerksamkeit darauf lenken zu müssen, daß der Zeuge JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 17 Halossy nach den ausführlichen Darlegungen des „Handelsblad“ völlig un zu verläßlich erscheint, und bittet Eure Exzellenz, die zuständigen Stellen darauf hinzuweise::. Otider w y z e r. Oberrabbiner. .aber ihr Vermögen behalten wir zurück.“ Aus Budapest wird geschrieben: Als der jüdische Abgeofcnete Paul Sandor in seiner Pariantentsj'Cde zur Juatnirage unter anderem sagte, daß tue Vertreibung der Juden ein großes wirtschaftliches UngiücK für das Land wäre, riet Staatssekretär Denes Patacsy: „Die Juden werden wir vertreiben, aber ihr Vermögen behalten war zurück!" Es geht den Juden in Ungarn zu gut. Das iibelbeleumundete Mitglied der Friedrich-Gruppe Bela rangier hat in der Sitzung der Nationalversammlung der Regierung den Vorwurf gemacht, daß es den Juden in Ungarn noch niemals so gut gegangen sei wie jetzt. Unter allgemeiner Heiterkeit verlangte er, daß die Juden von Amts wegen in einen Kataster gebracht werden, der aus zwei Teilen zu bestehen hätte: In den ersten Teil wären diejenigen aufzunehmen, die zum Bolschewismus in Beziehung standen. Diesen solle das gesamte Vermögen konfisziert und der Zwang auieriegt werden, ihr Leben in einem Zimmer weiterzufristen mit dem Verbot, neben dem Zimmer eine Küche zu haben, ln die zweite Kategorie sind jene Juden aufzunehmen, die vom nationalen Gesichtspunkte verdächtig waren. Diejenigen Juden, die dann in keinem der beiden Kataster Vorkommen, sind als anständige Juden anzusehen. Er stellte schließlich den Antrag, daß über Ansuchen eines verläßlichen und mit den notwendigen Dokumenten versehenen christlichen Jünglings jedes von diesem bezeichnete Geschäft oder Niederlage eines Juden expropriiert werden müsse. Schließlich beantragt er, daß die magyarisierten Juden verpflichtet werden, neben ihrem neuen Namen auch ihren alten Namen zu benützen. Jüdischer Antisemitismus. In den tschechischen Teilen Böhmens Haben die tschechisch-jüdischen Assimilanten mit den unglaublichsten Mitteln gegen die jüdische Kandidatur gekämpft. So haben zwei Juden, der Fabrikant K1 e i n-e r und der Advokat Dr. Lederer in Humpoletz, einem Städtchen mit ganz wenig Juden, ein Flugblatt verbreitet, das derart von Denunziationen gegen die Juden strotzte, daß cs fast zu einem Judenpogrom gekommen wäre und die Bezirkshauptmannschaft genötigt war, die Verbreitung des Flugblattes zu verbieten. Das sind die Mittel, mit denen die tschechischen Juden ihr Tschechentum zu beweisen trachten: Terror, Denunziation und Pogromhetze. Ein anderes Flugblatt, klas in Ungar.-.Brod verbreitet wurde, ist zwar etwas gemäßigter, zeigt aber ebenfalls die geistige Höhe dieser Organisation. Alldeutsche Bolschewiken. In Berlin ist vor kurzem die „Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands“ gegründet worden, die auf national-bolschewistischer Grundlage steht. In mehreren deutschen Großstädten sollen nunmehr Ortsgruppen gegründet werden. Das Programm dieser Partei ist charakterisiert durch ihre Gegnerschaft gegen jeden Parlamentarismus und durch die starke Betonung des militaristisch-nationalistischen Elementes, durch rücksichtslose Opposition gegen, das alte Gewerkschaftsevstem sowie gegen den Parteizenlralismus der alten kommunistischen Parte: Deutschlands. — Wir wußten bisher nur, daß sich die Extreme berühren, daß sie sich auch zu einer „höheren“ Einheit fusionieren können, beweist eben die Partei der alldeutschen Bolschewiken. Jüdisches Arbeitsamt in Benin. Das Jüdische Arbeitsamt in Berlin hat vor einigen Monaten begonnen, besondere Be.nulsberatungs- und Ajb ei tsverrmi tiim gs s t e! 1 en zu gründen, welche lriit den deutschen Zentra’arbeitsnachweisen in Verbindung stehen, und jüdische Arbeiter an diejenigen Stellen in Deutschland •schicken, wo eine Nachfrage nach Arbeitern besteht Es ist dem Jüdischen Arbeitsamt in d'er kurzen Zeit seines Bestehens gelungen, mehr als 4500 Arbeiter in Landwirtschaft, Handwerk, Industrie und Bergbau unter Zubringern Alle diese Menschen sind nicht mehr, wie es bisher leider meistens dtr Fall war. auf „Wohltaten“ angewiesen, leben nicht mehr in dem quäkenden Zustand dies Schmarotzers, sondern es ist ihnen mit geringen Mitteln ermöglicht worden, sich durch eigene Arbeit zu erhalten. Enteilte gegen Antisemitismus. Wie aus Koblenz berichtet wird, hau dfe interalliierte Kommission eine Reihe antisemitischer Schriften für das besetzte Geibiet verbeten, unter anderem die Veröffentlichungen des Deutschvölkischen Bundes, worunter sich auch die Hetzschriften „Von der Herrschaft der Hohenzollem zur Herrschaft des Judentums“ und „Die Mache: im Essen“ befinden. Verband bayerischer israelitischer Gemeinden. In eftiei»am 20. und 21. April •& Nürnberg zussmmengetretenen, von mehr ats 200 Kult usgem e :n de n beschickten Tagung wurde ein Verband bayerischer israelitischer Gemeinden gegründet. Der Verband soll! als öffentliche Körperschaft rin Sinne des Artikel 137 der Reichsverfassung die jüdischen Gemeinden :'n Bayern , zusammemassen. Die Hauptaufgabe des Verbandes wdrd dfe Fürsorge für do nicht genügend leistungsfähigen kleinen Geme'uden und ihre Beamten seht. Zu dttesem Zwecke 'ist dem Verband ein Besteuerungsrecht gegenüber den Verbandsgemeinden tzugestandsu worden. Organe des Verbandes sind hienach dfe aus allgemeinen Wahlen hervorgehende T agung, sowie der aus Vertretern der Gemeinden, Rabbinern und Gern e in debe amten bestehende w eitere Ra t, sc’Jn Ausführungsorgan, der engere Rat. Wahlen zu Tagung mrad; Rat sotten erstmals ,imi Oktober 1920 stattfinden. Ke Vorbereitung der Wahl abthegt einem i|n Nürnberg gewählten neimgUedrigen Ausschuß. Mit der Schaffung des Verbandes ist eine seilt mehr als einem Jahrzehnt bei den Bestrebungen für die Revision des bayerischen Judenedikt's von 1813 stets in erster Linie aufgesteiite Forderung erfüllt: Die Heranziehung der Leistungskraft der Großgemrtpden zur Erhaltung der Landgemeunden. Gegen die Judenhetzen in Bayern. Der „Bund jüdischer Frontsoldaten“ fordert in einem offenen Brief an die Regierung des Freistaates Bayern, den alle größeren Tageszeitungen brachten, von der Regierung energisches Einschreiten gegen die wüsten Judenhetzen. Er weist darauf hin, daß in den Tagen des Kapp- Putsches unbescholtene Söhne angesehener Münchener Familien in der Tiirkenkaserne von Reichswehrsoldaten auf Befehl beschimpft, ihrer Freiheit beraubt und blutig mißhandelt wurden, weil sie Flugblätter mit wahnsinnigen Verleumdungen gegen die Juden entfernt hatten. Bei dem Andenken der tausende für das Vaterland gefallenen jüdischen Soldaten erhebt der Bund feierlichen Protest gegen die unerhörten Versuche des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, der Juden Heimat und Ehre zu rauben und sie als wurzellose, verbrecherische Abenteurer zu bezeichnen. Er erhebt feierlichen Protest gegen die systematische Vergiftung der Jugend, die mit steigender Erbitterung vergeblich den Schutz vor Haß und Liige ersehnt. Ein antisemitischer Stempelaufdruck. Seit einiger Zeit kursieren in der Oeffentlichkeit vom Lande Oberösterreich lusramsgegebene Notgeldscheime, die den antisemitischen Stempelauidruck aut weisen: „Wer entwertet unser Geld? Die Juden!“ Das Priisidiiuni des Landleisrates hat auf eine diesbezügliche Eingabe der Vorstellung der israelitischen Kultusgemeinde Linz nachstehende Antwort erteilt: „Unter Bezugnahme auf das dortige Schreiben vom 20. April d. J„ Zahl 195, beehrt sich das gefertigte Landssrat-Präsidium mitzuteilen, daß dar Landesrat den Unfug, welcher bei Herausgabe des Landesnotgeldes durch den verhetzenden Stempelaufdruck getrieben worden ist, schärfstens verurteilt und unter einem die Landeskasse als Emiösungssteile anweisen wird, derartiges Notgeld nicht einzulösen. Der Landeshauptmann H a u s er in. p.“ Jüdisch-kulturelle Tätigkeit ln der Bukowina. Seit der Novemberrevolution von 1918 haben die iüdischnarioraalen Organisationen in der Bukowina ihr Hauptaugenmerk auf die Nationalisierung des jüdischen Schulwesens gerichtet. Begonnen wurde mit dem hebräischen Kindergarten und dann ein Pädagogium für d:e Ausbildung Von Kinder gärt ne rinnen errichtet, aus welchem im ersten Jahre seines Bestandes 33 hebräische Kindergärtnerinnen hervorgingen. Das Pädagogium wird jetzt ausgebaut, um acht bloß die Bukowina, sondern auch das übrige GroßrumSiüen mit liebrät/sohen Kütndergärtneriranen zu versorgen, ln fast allen Orten der Bukowina werden auch jetzt hebräische Kindergärten mit Fröbeiscluilen.gegründet. Auch für die Schaffung der. hebräischen Volksschule wird in der Bukowina'viel getan. Es fehlt jedoch an Lehrern und an Lehrmitteln, ferner an einer hebräischen Jugendzeitschrift für .solche Schüler, die bereits hebräisch iesen. Um dem Lehrermangel abzuhelfen, wird in der nächsten Zeit eun modernes hebräisches Lehrersemirar eröffnet Außerdem wird auch an die Ausbildung der Melaradjm alten Stiles geschritten, für welche unentgeltliche hebräische Sprach- und Literaturkurse errichtet wurden. So sollen auch tracftüonstfeue Eltern die Möglichkeit erhalten, ähren Kindern durcli die Melamoitn efrae moderne hebräische Erziehung zu geben. Ferner wurde ein Fonds für die Herausgabe emer hebräischen Presse und hebräischer Lehrbücher gescharten. Auch die Mittelschule wird nicht vergessen; freilich kommt cü; Gründung neuer hebräischer Mittelschulen noch nicht ,ira Betracht. Man begnügt sich vorläufig damit, 'daß in den Gymnasien offiziell das Hebräsche als .obligater Lehrgegenstand eingeführt wurde. Mit der rumänischen Regierung, welche im Prinzip geneigt ist. Hebräisch als offizielle Sprache anzuerkennen, werden Verhandlungen geführt, daß sie gemäß der Minoritätenbestmimiira? des Fnedensvertrages an die Czernowvtzer allgemein« Lehrerbildungsanstalt auch eine hebräische Abteilung angliedere. Ueberhaupt macht die hebräische Bewegung iin der Bukowina gute Fortschritte. Hebräische Bibliotheken, K on versa tion sk 1 u bs werden gegründet und besonders dfe akademische Jugend lernt eitrig Hebräisch. Dfe in der letzten Zeit stark an gewachsene „Hajschomer“-Onran:satlon bedient ach ausschließlich dier hebräischen Sprache. Das Komitee der jüdischen Delegationen an Minister Benescb. Das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz, welches di# ständige Ver-

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