Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 16 (30.4.1920)
- Date
- 1920-04-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2438141-2438777-2438793--6677-2446782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Dinant 1× ep/1044437
OCR text
öeite 4 JÜBISCHE Zf.ITUNG Nr 16 schait. Granaten mußten sein. Zupacken! Die Knochen entzweiscfclagen. ..Alles aussteigen!“ Langer Fußweg. Stacheldraht. Scheinwerfer. Das Lager. Das Lager der Gefangenen wird von dem der Truppen umringt. Doppelter Drahtverhau: gespickt mit Maschinengewehren. Ueberall Waffengeklirr. ..Stillgestanden!“ Hauptmann Schmidt. Führer des Sturmbataillons, das seinen Namen trägt, begrüßt sehr stattlich, fast majestätisch in Mantel und Pelzkragen, die Kömmlinge. ..Leute. Ihr steht hier unter dem verschärften Belagerungszustand und habt Ordre zu parieren. Wer sich widersetzt wird erschossen. . Wer sich dem Stacheldraht nähert, wird erschossen. Wer einen Soldaten anspricht, wird erschossen. Wer nach 7 Uhr abends die Baracke verläßt, auch nur einen Schritt herausfut. wird erschossen.“ Er wiederholt es. „Habt Ihr verstanden?“ Noch einmal: ..Wien erschossen!“ Zum zwölften Male. Zehnte Abendstunde. Fünfzehn Stunden zuvor wurden diese Menschen aus der Wohnung, dem Bett. Tempel. Laden geholt: standen bis 6 Uhr: Lastauto. Eisenbahn. Marsch: nicht einen Bissen, nicht einen Tropfen: Schreck. Angst. Todesandrohung; Quälende Vorstellung der Strenggläubigen, am nahen Pessahfeste der religiösen Vorschrift nicht genügen zu können. Totmüde wanken. Das Krampfgeschrei eines Herzkranken gellt durch die Nacht. „Uebrigens kriegt Ihr zu essen: morgen auch Stroh usw.“ In die Baracken. Gewachsener Boden. Leere Bettgestelle. Kein Stuhl oder Schemel, keine Streu oder Decke. Draußen liegt, dicht vor der Tür, Holzwolle. Aber: „Wer auch nur einen Schritt heraustut. wird erschossen.“ Das Allermenschlichste selbst muß also in der neuen Wohnung „abgemacht“ werden: vor dem Auge, der Nase des Mitgefangenen. Fast ein Glück, das es stockdunkel ist. Wenn nicht gerade der Strahl des geschäftig die Runde absuchenden Scheinwerfers die Baracke trifft. In der glimmt nicht die elendeste Funzel. In die gelangt weder Speise noch Trank. „Morgen kriegt Ihr was.“ Fröstelnd, mit schwindligem Hirn, kauert Alt und Jung in der kalten Märznacht. Einem um den Herzkranken Besorgten hat ein Tressenträger geantwortet: „Lazarett? Gibts nicht. Wer hier •krank wird, liegt, bis er verreckt.“ Unter den Aufgegriffenen sind viele Kranke und schwächliche Frauen. Ist halbwüchsiges, schlecht genährtes Volk. Die Stunden - schleichen. Der Zigarettenvorrat. den Nächstenliebe längst „sozialisiert“ Hat. geht zu Ende. Im ersten Morgengrauen wird es laut. Ein Feldw’ebel-Leutnant. der schwertrunken scheint, torkelt heran: hinter ihm 2 Mann. „Hier. Jude! Steh! Hab“ ich Dir Saujude nicht gesagt. Du sollest gehen?“ Schwapp: eine Maulschelle, von der das Jüdchen, wie im Wind eine Binse, hebt „Papiere her! Das sagt mir nischt!“ Immer den geladenen Revolver bis an die Kopfhaut der Wehrlosen gestreckt. Im Halbdunkel; ein Trunkener Schösse er: „Das koschere Schwein hat sich widersetzt “ Kein Hahn würde danach krähen Der Gewaltige reißt auch Witzchen. „Bist kein Jude? Kennen wir! Heute: Nein morgen: Ja: wies trefft. Echte Mauschelmischpoke.“ Jeder wird gedutzt. mit dem Revolver geängstet: jeder muß. wie ein Hund vor dem bösen Herrn, auf barschen Anruf stehen und gehen. „Ich schieß Dich nieder, die ganze Aasbande . . .“ Um Zehn. Sonntag. endlich: „Kaffee holen!“ Im Gänsemarsch, an Plakaten mit rohester Judenbeschimpfung vorüber. Laue, graubraune Brühe. Einer stolpert und das edle Naß schwippt aus dem Blechgefäß. „Unseren feinen Kaffee gießt Ihr Luder weg? Wartet man: in vierzehn Tagen habt ihr hohle Backen und seid selig, wenn Ihr was so Gutes kriegt.“ Vor dem Stacheldraht schaaren sich Verwandte und Freunde, die aus Berlin den Gefangenen Nährmittel. Decken. Ausweiscapiere. Zigaretten bringen. Stehen bis Mittag, bis Abend wird: „Keine Katze darf Tein. Strenger Befehl.“ J e fünf Gefangene erhalten ein Kilo Brot für den Tag. Morgens und abends gibts einen Kübel „Kaffee“. Mittags sandige Graupenjauche: nach dem Urteil des Untersuchungs-Ausschusses „ekelhaftes Zeug“. Nichts weiter. Doch nun worden immerhin Schemel. Stroh, Decken. Säcke verteilt. Nicht alle Soldaten sind unfreundlich. Der Lagerinspektor spricht wie zu Menschen ein Mensch. Aus Morgen und Abend ist ein Tag geworden. Der zweite in Babylon. Am 30. März erlangt, nach vielen Mühen, das „Arb ci ter-Fürsorge-Am t der jüdischen Organisationen Deutschlands“ dem andere Judenvereine sich gesellt haben, die Erlaubnis, eine Kommission nach Wünsdorf zu senden: ein Offizier, ein Rabbi, ein Polizeiraf fahren mit. Am 1. April fährt die erweiterte Kommission wieder hinaus. Innerhalb zweier Tage sieht das Wehrministerium sich genötigt, 245 Gefangene zu entlassen: von 36 der Bolscbewiicenpropaaanda Verdächtigen 29: noch in derselben Woche alle übrigen. Auf den von keiner Zivilstelle gebilligten Befehl des Genürals Seeckt sind also vollkommen unschuldige Menschen verhaftet, verschleppt, beschimpft, mißhandelt, gemartert worden. „Nicht einen Raubmörder dürfte man so behandeln. Immer wieder wurden die Leute in Todesangst versetzt." Ein Spitzel des Sturmbataillons Schmidt schlief zwrei Nächte lang bei den Juden und hetzte sie auf. „die Bestechung der Wachtposten zu versuchen und so zu entkommen.“ (Auf der Flucht wären sie dann erschossen worden.) „Als diese Arbeit mißlungen war. bummelte der Spitzel, im Pelz, mit den Offizieren gemächlich durchs Lager. Manche Soldaten nützten den Heißhunger der „Schieber“ aus: lieferten ein Brot für fünfzig:, ein Täielchen Schokolade für 40 Mark. Als ein Soldat mit 2000 Mark gesammelten Geldes verschwunden war und die Geschädigten sich mit Beschwerde an den Wachtoffizier wandten. wurden sie höhnisch abgewiesen. Wie Hohn klang auch-die Forderung: „für Unterkunft und Verpflegung habe jeder zu Entlassende anderthalb Mark für jeden Tag an das Sturmbataillon zu zahlen.“ Das steht im Berichte des Ausschusses. „Viele Gefangene hatten. wie schon erwähnt wurde, aus Amerika Reisegeld. Einer gab an. ihm seien 7000 Mark gestohlen worden. Ein anderer, daß auf ihn. als er abends „austreten“ wollte, der Posten zielte. Ein Dritter, daß ein Unteroffizier ihm Minuten lang den geladenen Revolver an die Schläfe drückte. Alle bekunden, daß es Maulschellen. Püffe. Fußtritte regnete und sie fast nur die rüdesten Schimpfreden hörten. „Schieber. Bolschewisten. Verbrecher, plattfüßige Juden: Ihr seid nicht wert. hier zu sitzen: alle müßtet Ihr an die Wand gestellt werden: nicht einmal Betten bauen können die Mistviecher: wie einen Hund knall“ ich Dich nieder: Schnauze 'halten. Saujude, oder Du bist hin“ So war der Verkehrston. Von freundlicheren Soldaten wurde erzählt: „Ihr wurdet schon vor 14 Tagen hier erwartet.“ Wer hätte noch vor 2 Jahren, trotz allen Greuelurkunden aus Ost und West, nicht die Künder solchen Vorganges ins Irrenhaus gewiesen? Aus Lille Jungfrauen verschleppt: in Dinant jeder zehnte Einwohner erschossen: das ganze Serbenvolk als vogelfrei geächtet, ein Drittel ausgereutet. Mag sein. Wenn Ares die schwarze Mähne schüttelt, wird im Hirn Finsternis. Nun ist. lange schon. Friede. Und gegen Wehrlose, in Deutschland geborene oder Zugelassene kann Solches geschehen? Die Wahlen in der Tschechoslowakei Die Wahlen ins Parlament der tschechoslowakischen Republik sind vorüber. Sie haben der Judenschaft keine eigene Vertretung gebracht, obwohl auf die Liste der vereinigten jüdischen Parteien etwa 80.000 Stimmen, das sind gegen 70 Prozent aller stimmberechtigten Juden entfielen. Das liegt daran, daß die jüdische Liste in keinem Wahlkreis die zur Wahl eines Abgeordneten erforderliche Wahlzahl erreichen konnte; diese Möglichkeit wäre nur in der Ostslowakei gegeben gewesen, wo aber die Durchführung der Wahlen organisatorisch nicht möglich war. Dennoch ist das Ergebnis, ein Erfolg bewußter jüdischer Politik. Vor allem haben die 70 Prozent der jüdischen Stimmen dargetan, daß die Mehrzahl der in der jungen, aufstrebenden Republik ansässigen Juden nicht gewillt ist, irgendeiner der anderen Nationalitäten des Landes politische Schlepperdienste zu leisten. Welche letzten Endes niemandem nützen und die Juden selbst nur schädigen. Die Judenschaft der Tschecho-Slowakei hat vor allem unzweideutig kundgetan, daß sie die deutschtumelnde jüdische Politik der Kafka und Genossen, welche ihr und dem Lande unsägliches Leid gebracht hat, energisch ablehnt. Vor allem aber hat sie klar und deutlich ihren Willen kundgegeben, im Bereiche des Staates, dem sie angehört, sich als einheitliche Minderheitsnation national zu konstituieren. Hier ist der politische Angelpunkt. der Stellung der Juden: ihr Haus selbst zu verwalten, ist ihr fester Wille. Und darin begegnen sie sich mit den Bestrebungen jener Kreise dieses Staates, die den nationalen Minderheiten ihr volles Recht gewährleisten und sichern wollen Eine besonders erfreuliche Tatsache aber geht aus diesem Wahlergebnis deutlich hervor, welche zeigt, daß der nationale Gedanke unter den Juden der Tschecho-Slowakei einen vollen . Sieg errungen hat: Die 80.000 Wahlstimmen bedeuten, daß die Mehrheit der Juden die p c i itische Seite des jüdischen Nationalismus in der Galuth versteht, daß ihr Nationalismus nicht der Rachmonusnationalismus westlicher Färbung ist, aber auch nicht von den mit den sittlich erzieherischen Nebelgebilden, wie sie gerade von gewissen Kreisen der jüdischnationalen Partei in die Luft geblasen werden, sich betören läßt. Die Juden in der Tschecho-Slowakei fragen nicht.nach ethnischen oder nationalen Merkmalen für ihre jüdische Existenz, sie haben nicht mit besorgt gerunzelter Stirn darüber nachgedacht, ob jeder einzelne schon national genug erzogen ist und schon Jude genug, um sein Haus zu bestellen, sondern sie haben sich gesagt: Unsere jüdische soziale und wirtschaftliche Existenz ist nur dann gewährleistet, wenn wir mit festem Wil- .len alle Rechte, welche uns gebühren, in Anspruch nehmen, wenn wir uns auf eigene Füße stellen. Damit haben sie in ihrer überwiegenden Mehrheit die Galuthforderungen des jüdischen Nationalismus bejaht Diese Kundgebung nationalen Willens zu einem stetig wirksamen Faktor auszugestalten, dazu bedarf es nun der entsprechenden leitenden Kräfte: Vor allem ist es Aufgabe der verantwortlichen Parteifaktoren, ihr Augenmerk' nicht bloß auf die erzieherische Arbeit zu lenken, sondern die gerade jetzt zutage getretenen Kräfte politisch zu organisieren, für die politischen Aufgaben der Judenschaft zü schulen. Der gute jüdische Instinkt der jüdischen Wählerschaft hat bewiesen, daß sie politisch auf der rechten Fährte ist. Das muß nun auch ihre Führerschaft beweisen, die jetzt deutlich darauf gestoßen wurde, daß im gegenwärtigen Moment, wo die ganze jüdische Existenz auf dem Spiele steht, nicht bloß die geistig-erzieherische Festigung, sondern ebensosehr die sozial-politische Sicherung der Judenschaft in der Galuth notwendig ist und, wie es in den Wahlergebnissen in der Tschecho-Slowakei zum Ausdrucke kommt, von der Judenschaft direkt verlangt wird. Auf der anderen Seite aber erwächst der jüdischen Wählerschaft aus ihrer 'Haltung während der Wahl eine wichtige Aufgabe, nämlich alle Konsequenzen ihrer Stellungnahme zu ziehen: Ueberall sich auf der.jüdischen Grundlage sozial zu organisieren, die Keimzelle für ihre nationale Organisation, die Gemeinde, überall zu einer Volksgemeinde auszubauen, in den lokalen Verwaltungskörpern stets nur dem kompromißlosen und darum alle Formen des sozialen Lebens am besten erfüllenden Recht der eigenen Verwaltung und Vertretung energisch zum Siege zu verhelfen. Die Grundlage ist gegeben, denn der Wille der tschecho-slowakischen Juden hat sich deutlich manifestiert. Nun gilt es, ihn zur Tat zu formen! S. S. i Von Ost und West Antisemitische Exzesse in Wien. An der Universität fand am 26. d. M. vormittags eine Massenversammlung deutschnationaler Studenten und Studentinnen' statt, in welcher über die Unterbringung deutscher Hochschüler in der Schweiz gesprochen werden sollte. Dem in der Hochschule herrschenden Geist entsprechend, wurde aus der Versammlung im Handumdrehen ein Pogromistenm e e t i n g. Es wurden Reden gehalten, in welchen die Entfernung der Juden von den Hochschulen verlangt wurde. Einzelne Redner forderten unter stürmischen Heilrufen ihrer Zuhörer zu Mord und Totschlag auf. Die anwesenden Professoren hatten dagegen nichts einzuwenden. Nach der Versammlung zogen einzelne Trupps unter Führimg von Couleurstudenten nach verschiedenen Richtungen, um die Parolen der Versammlung in_ die Tat umzusetzen. Etwa tausend Studenten stürmten die jüdische Mensa academica, die zurzeit noch leer war. Eine Rotte von 50 bis 60 Studenten drang in das Lokal ein und demolierte es. Es wurden die Ankündigungstafeln heruntergerissen. die Fensterscheiben mit den Sesseln zerschlagen und Tische zertrümmert. Ein Serviermädchen wurde zu Boden geschlagen. Nach dieser Heldentat entfernten sich die Burschen, wobei sie die „Wacht am Rhein“ sangen. Die Wache schritt nach dieser Szene ein und räumte die Alserstraße. Da die Mensa unter dem Schutze des „American Joint Distribution Committee“ steht, erschienen unmittelbar nach den Szenen zwei Beamte dieser Körperschaft und photographierten die Stätte. Abzüge der Bilder wurden den fremden Missionen in Wien übermittelt. Ein Trupp Studenten versuchte in das Cafe Adler auf dem Schottenring einzudringen, wurde jedoch durch die Wache daran gehindert. Andere Studenten hielten jüdisch aussehende Personen an und mißhandelten sie. Auf dem Stephansplatz wurde ein Arzt umringt und beschimpft, die Po- Uzei schaffte ihm Luft. In verschiedenen wissenschaftlichen Instituten wurden jüdische Hörer mißhandelt. — Gemeinderat Dr. Plaschkes hat wegen dieser antisemitischen Exzesse im .Gemeinderat eine scharfe Interpellatfon eingebracht! Am 27. d. M. wiederholten sich die Exzesse der Wiener Horthy-Studenten, die die Universität besetzten umd die Juden gewaltsam zum Verlassen des Gebäudes zwangen. Die vor der Universität angesammelten jüdischmationalen Studenten schlossen sich zu einem Zuge zusammen und versuchten wiederholt, die Rampe zu stürmen, wurden aber .von der zahlreich aufgebotenen Wache daran ge- Mndert. Es gab auf beiden Seiten Verletzungen. Um 12 Uhr räumte die Polizei die Gehallee und die Rampe Die deutschen Studenten marschierten teils zur Bellaria. teils zur Währmgerstraße, wobei sie unterwegs .alle jüdischen Passanten anrempelten und abwechselnd däs „Gott erhalte“ und die „Wacht. am Rhein“ sangen. Der Lehrbetrieb wurde am Vormittag in der empfindlichsten Weise gestört. Die Vorlesung des Professors W1 a s s a c k wurde von. Studenten, die mit Stöcken und Ochsenziemern ausgerüstet waren, gesprengt. Ein Versuch, die Vorlesung des Professors Tandler zu stören, wurde durch die Jüdischnationaien vereitelt. Die deutschen Exzevdenten hielten an allen Toren die Eintretenden an und verlangten von ihnen die Vorweisung des Taufscheines. Im Laufe des Vormittages erschien eine Abordnung des Jüdischen Hochschulausschusses in der Staatskanzlei und im Staatsamt für Unterricht und legte dort schärfsten Protest gegen die Vorgänge an der Hochschule ein. Sie überreichte ein Memorandum mit den Forderungen der jüdischen Studentenschaft und verlangte die Sperrung der Universität bis zum Eintritt geordneter Verhältnisse und die Einberufung einer Konferenz, an der unter Vorsitz des Staatssekretärs Dr. Glöekel die Rektoren der Hochschulen und die Vertreter der studentischen Korporationen teilnehmen sollen. Die Abordnung erklärte, daß die Jüdische Studentenschaft entschlossen sei. das Eänreißen Budäpesier Zustände mit allen Mitteln zu verhindern, und daß sie eine Oeffnung der Universität vor einer Ordnung der Streitfrage nicht zulassen werde In den späten Nacbmittagstunden erschien eine Kundmachung des Rektors, wonach die Universität für zwei Tage gesperrt wird. Aus Anlaß der Judenkraw.alle am. der Wiener Universität hat Abgeordneter Stricker bei der Regierung vorgesprochen und gefordert, es mögen Maßnahmen getroffen werden, um die jüdischen Hörer und Hörerinnen vor Attentaten gewissenloser Hetzer zu schützen und die Lehr- und Lernfreiheit zu sichern. Unterstaatssekretär Glöekel erklärte, daß die Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Aufrech.tr erhaltung der Ruhe an der Universität sorgen werde. Vorläufig sei eine zweitägige Sperre der Aula verfügt. Falls diese Maßregel nicht den gehofften Erfolg haben sollte, wird gegen die Ruhestörer in energischer Art eingeschritten werden.