Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 13 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. ]5 Seite 5 vorstehenden. Aufgab en des JNF. in Erez JisraeL“ (Auszugsweise von uns veröffentlicht Red.) Schließlich unterbreitet Referent unter lautem Beifall der Versammlung folgenden Antrag: „Die Reichskommission spricht sich dafür aus, daß .die zionistische Organisation mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln sich für die Durchführung des Prinzipes, daß die jüdische Kolonisation in Palästina nur auf NF.-Boden stattfinden soll, einsetzt.“ Sodann folgt das Referat „Organisation und Propaganda“ des Herrn Sekretärs Adolf P o 11 a k vom Haager Hauptbureau. Er gibt zunächst einen Rückblick über die Entwicklung des JNF. in organisatorischer Beziehung seit seiner Entstehung bis jetzt. Von dem ursprünglichen zentralistischen Prinzip ist man allmählich zu einer weitgehenden Dezentralisation übergegangen und heute unterstehen dem Hauptbureau be- reits 47 Landessammelstellen mit eigenen Bureaus, welche ausschließlich der Arbeit für unseren Volksschatz gewidmet sind. In den letzten Jahren sind mehrfach Vorschläge für eine organisatorische Zusammenfassung der gesamten NF.-Arbeit gemacht worden und verschiedene Schwierigkeiten, die sich der Sammeltätigkeit in vielen Ländern entgegenstellten, veranlaßten auch das Hauptbureau einzugreifen. So beabsichtigte es, eine Konstitution für den JNF. herauszugeben, die zuvor den Landessammelstellen zur Begutachtung vorgelegt werden soll. Die Herausgabe dieser Konstitution hat sich infolge der Verschiebung der Jahreskonferenz verzögert Die Grundgedanken der Konstitution seien erstens eine festere Verankerung des JNF. in der Gesamtorganisation, zweitens die Schaffung einer legalen Form für die Sammeltätigkeit und drittens eine stärkere Einflußnahme der Landessammelstellen bezw. deren Leiter auf die Verwaltung des JNF. inner- und außerhalb Palästinas. Doch dürfe man nicht erst auf das Inkrafttreten dieser Konstitution warten, vielmehr gelte es, unverzüglich an den Ausbau der NF.-Orgam'sation zu schreiten. Die erste und wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Sammeltätigkeit in jedem Lande sei der lückenlose Ausbau der Vertrauensmännerorganisation. Diesen Vorschlägen dienen die Resolutionen, die Referent zur Annahme vorschlägt. Was die Sammelmittel betreffe, vertritt das Hauptbureau den Standpunkt, daß ihre Vereinfachung wärmstens zu empfehlen sei. und daß es vor allem auf die wirksame Ausnutzung einiger bewährter Sammelmättel ankomme. Diese seien zweifellos die Seibstbestcucrung und die Sammelbüchsen. Die restlose Durchführung der Selbstbesteuerung aller organisierten Zionisten mit einem bestimmten, nicht zu kleinlich bemessenem Mindestbetrag sei auch für Deutsch- Österreich nicht länger aufzuschieben. Auch die Sammelbüchse, dieses populärste Sammelmittel des JNF., welches vor dem Kriege in 350.000 Exemplaren verteilt war und heute wieder auf einen Stand von 300.000 Exemplaren gebracht sei, ■erscheine, wie die Statistik ergibt, hierzulande noch beiweitem nicht genügend ausgenützt. Die Unterrbingung von Büchsen in jedem zionistischen ' Hause und bei allen für Palästina interessierten Juden, sowie die genaue Kontrolle und pünktliche v Leerung der Büchsen muß unter allen Umständen duTcligeführt werden. Schließlich erwähnt der Referent noch die besonderen Aktionen, wie die Baumsammlungen zur Herzljahrzeit, die Ablösung der Neujahrsglückwünsche, die Palästinawochen nach amerikanischem und holländischem Muster, sowie die Spenden bei Familienereignissen. Auch müsse sich die Landessammelstelle die planmäßige Heranziehung aller jüdischen Gemeinden, Logen und anderen Institutionen für die Subventionierung unseres Volksschatzes dringend angelegen sein lassen. Was nun die Propaganda anbetrifft, so ist es erforderlich, an Stelle der bisherigen gewöhnlichen Propaganda, welche bei der Popularität des JNF. einigermaßen überholt sei, eine tiefgründigere schriftliche und mündliche Propaganda treten zu lassen. Eigene Reisesekretäre werden die größeren Orte bereisen, die Kommissäre über die Tätigkeit und die Aufgaben des JNF. in Palästina genau informieren und sie für ihre Sammeltätigkeit auf Grund der anderwärts gemachten Erfahrungen eingehend instruieren. Von den größeren Orten aus soll dann auch die ganze Umgebung bearbeitet werden. Die Landessammelstelle soll genaue Instruktionen an alle Vertrauensmänner ausgeben. Was die schriftliche Propaganda anlangt, wird das Hauptbureau durch die bereits in Angriff genommene Ausgestaltung seiner publizistischen Abteilung in der Lage sein, die nötigen Informationsschriften bereitzustellen. Als nächste Broschüre werde eine epochale Arbeit des berühmt bekannten NF.-Agronomen S o s k i n erscheinen, der sich mit kleinsten Bodenflächen zur Kolonisierung und Erhaltung einer Familie begnüge. Bald werde auch eine neue Auflage der besten Gesamtdarstellung des JNF. von Adolf Böhm folgen. Die Fachzeitschrift ..Erez J isr ael“ werde fortab pünktlich in jedem Monat erscheinen. Der Vertrieb dieser Literatur durch den Jüdischen Verlag sei sichergestellt. Für die Herausgabe kurzer Broschüren und Flugblätter haben die Landessammelstellen selbst zu sorgen. Sowohl die Organisation, wie auch die Propaganda muß künftighin planmäßig und nicht wie bisher zufallsweise erfolgen. Wenn heute schon über 10.000 NF.-Kommissäre installiert sind, so darf nicht geruht werden, bis das letzte jüdische Haus für den hohen Gedanken unseres Volksschatzes erobert ist. Das letzte Referat hielt Se’-i etär Ing. Samuel Nußbaum über die „Kontingentierung und Budget für 1920“. Er verweist auf den unverkennbaren Aufschwung hin, den die NF.- Sammlungen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auch in Deutschösterreich genommen haben und bei gleichbleibender Stärke für 1920 eine Spendensumme von K 1,000.000 erwarten lassen. Da aber bei zielbewußter Durchführung der in die Wege geleiteten Reformen ein weiteres starkes Ansteigen zweifellos zu erwarten stehe, wird vorgeschlagen, die Jahreseinnahmen mit K 2,500.000 zu budgetieren. Demgegenüber wären die in letzter Zeit naturgemäß rapid gestiegenen Regiekosten mit K 309.200 zu veranschlagen, wobei noch eine beträchtliche Ersparung zu erhoffen wäre. Hierauf schlägt Referent die Kontingentierung der erwarteten Spendensumme auf die einzelnen Bezirke Wiens und die Orte der Provinz, entsprechend ihrer jüdischen Kopfzahl und ihrer bisherigen Leistungsfähigkeit vor. (Schluß folgt) Jugendbewegung und Jugenderziehung .Von Dr. Heinrich Kiwe. Der jüdische Hochacbulaussehuß übermittelt uns den folgenden Aufsatz: Der letzte Parteitag hat das Jugendreferat in zwei Unterteilungen gespalten, in eine für Jugendbewegung, die andere für Jugenderziehung. Wenn auch die Motive, aus denen die Trennung erfolgte; nicht rein sachlicher Natur waren, so war diese doch zu begrüßen. Das Referat für Jugendbewegung hätte die administrativen und organisatorischen Agenden übernommen und die Form geschaffen, weicher der andere Referent Inhalt gegeben hätte. Zurzeit als die Scheidung erfolgte, bestand noch eine Jugendorganisation. Wenn auch die „Zentralstelle“ von vielen Seiten befehdet war. bildete sie doch das Forum, auf welchem sich die Jugendgruppen divergierender Schattierungen trafen, sie hatte einen Kataster, bot ein Heim und andere verbindende Zusammenhänge. Jedenfalls war ein Anfang geschaffen, den auszubauen, Aufgabe des Referenten für Jugendbewegung gewesen wäre. Seither sind aber die Teile auseinandergefallen, einzelne gingen unten, ohne daß eine stützende Hand sie aufrecht gehalten hätte, neue bildeten sich, ohne daß eine leitende Person sie in die große Organisation eingefügt hätte. Daß es schwer gewesen wäre, eine Jugend zu erziehen, die man sich hätte zusammensuchen müssen, ist klar. Aber daß das Referat überhaupt verwaist bleiben mußte, war denn doch nicht notwendig. Man kann darüber streiten, ob der Weg zum Zionismus über Wyneken der kürzeste ist. Aber wenige werden wohl behaupten, daß er nicht auch zum Zionismus führen kann. Man kann von einem Referenten verlangen, daß er die Jugend einen anderen Weg führen Er wird gehen, wenn er seinen Weg für den alleinseligmachenden ansieht. Aber man muß daun doch irgendjemand berufen, der sie leitet und führt. Gewiß, eine Geistesrichtung und Einstellung kann gefährlich werden, aber keine ist noch gefährlicher. Die Reaktion des Ungeistes stellt sich früher ein. als man glaubt. Es ist symptomatisch, wenn junge Burschen von 15 Jahren ihr höchstes Ideal darin erblicken, ihren Couleurzirkel schön ziehen zu können, andere im Alter von 16 Jahren gegen die Parteileitung Sturm — reden. Es könnte eingewendet werden, ein Teil der Jugend arbeite in vernünftigen Bahnen. Aber dies ist nur das Verdienst Einzelner und der Vernünftigen unter der Jugend selber. Wenn z. B. die Mittelschüler Verbindungen zum größten Teil heute ernste Arbeit betreiben, so deutet dies nur auf den gesunden, sittlichen Kern hin. der diese Jugend innewohnt Der jüdische Hochschulausschuß kann leider nur die Mittelschüler in seinem Mittelschulreferat erfassen und auch hier nur die Arbeit der „Jugendbewegung“ leisten. Der Mitteisciiulreierent kann administrativ und! organisatorisch die Jugend zu erfassen und in Evidenz zu halten versuchen, er wird Gegensätze zu überbrücken und Brücken gangbar zu machen haben. Hiebei kann er als Person, nicht aber für den Hochschulausschuß, d'er hiefür eine zu große Struktur bietet, seiner persönlichen Einfluß, seine Erziehungsmethode geltend machen. " Das darf aber nicht genügen. Es ist unrichtig, sich auf den Standpunkt zu stellen, ein Verantwortlicher genüge. Gar nicht kann dies hier zutreifen, wo es um das wichtigste Gut. um die Seele unserer Jugend geht Für den IS. April hat der Hochschulausschuß eine Tagung einberufen, in welcher über die E r- Ziehung der Jugend beraten werden soll. Hiezu werden nicht mehr Vereinigungen erngeladen, sondern nur Personen, denn hier kann nicht irgendein Vertreter eines vielköpfigen Vereines sprechen, es sollen Männer ihr Wort in die Wagschale werfen, die in der Jugendbewegung stehen oder standen. Es dari nicht Aufgabe des Hochschülerausschusses sein, hier nach eigenem Gutdünken vorzugehen, und deshalb b;—;r er die Tagung: er ergreift die Initiative zu neuerlichem Beginn; denn er muß sich um. die kümmern, die nach ihm kommen. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAa AAAAAAAAAAAA Werbet Abonnenten für die „jüdische Zeitung“ JWWTVTTTTTTWWTWTTVWTVTVTT’T Von Ost und West Von dem Treiben der Horthy-Terroristen. Die „Korrespondenz Herzog“ meldet: Abg. Josef Bottlik brachte eine Interpellation in der Nationalversammlung ein, die sich mit dem Verschwinden von zwanzig Juden in Miskolcz beschäftigt, die von Angehörigen des Detachements Osztenburg als Kommunisten verschleppt und ermordet worden sein sollen. Der Pogrom soll am 27. v. M. in Miskolcz stattgefunden haben, wo noch immer Plakate den Juden nach 9 Uhr abends das Betreten der Straße verbieten. FUr die jüdischen Landgemeinden in Deutschland. Der Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands hat die jüdischen Gemeinden zur Begehung des diesjährigen Pessachfestes als großen Rettungstag fürdie jüdischen Landgemeinden Deutschlands aufgerordert. Es soll durch eine allseitige, eifrige Sammelarbeit die Erhaltung des jüdischen Lebens in deutschen Landgemeinden ermöglicht werden. Das iüdische Senatsmandat für die Bukowina. Aus Czernowitz wird gesebriebea: Durch das Ableben des Senators Jakob Hecht, der sozusagen als Vertreter d'er Judenschait von der Regierung ernannter Abgeordneter war — die jüdische Nationalpartei hatte Wahlenthaltung proklamiert — ist das iüdische Mandat 'in den Senat frei geworden. Als Kandidaten werden genannt: Dr. WeLsselberger, der frühere Czentowitzer Bürgermeister Dr. Maier Ebner, Doktor Friedrich Billig und. laut Meldung des „Avatttul“. der frühere Abgeordnete Dr. Strauchen welcher sich aus Wien an den delegierten Minister der Bukowina Dr. Nistor mit der Anfrage wendete, ob dieser gegen seine Heimkehr etwas einzuwenden hätte. Der Minister antwortete, Dr. Straucher sei rechtlich rumänischer Staatsbürger. könne jederzeit zurückkebren und werde in Großrumänien freundliche Aufnahme linden. Die jüdische Nationalpartei berät jetzt über die Nominierung ihres Kandidaten und setzt alles daran, um Zersplitterungen zu vermeiden. Zur Frage der Sonntagsruhe. Die Lemberger Handelskammer beschloß, an die Regierung das Ersuchen zu richten, in Galizien die Einführung der Sonntagsruhe um ein halbes Jahr zu verschieben. Der Landmarschall in Warschau überwies eine von den orthodoxen Organisationen und 304 Rabbinern Unterzeichnete Petition, das Sonntagsruhegesetz für die Juden zu erleichtern, der Handels- und Gewerbekommission. Hilfsaktion in Polen. Die erste Sitzung des Warschauer Hilfskomitees zur Unterstützung jüdischer Armer in Polen brachte gleich eine Million Mark. Es spendeten je 100.000 Mark: Bankier Rafael Schereschewsky, Alexander Guttmann. J. L. Schereschewsky und ein Ungenannter. Zu Beginn der Sitzung gab es eine kleine Sensation; der bekannte Assimilant Doleslaw Eiger zog seine Spende von 100.000 Mark zurück, weil man Ihn nicht ins Präsidium gewählt hatte. Organisierung der jüdischen Handwerker in Polen. In Anwesenheit einer großen Zahl Delegierter von mehr als 60 jüdischen Handwerkergenossenschaften Polens wurde 'die erste Gründungskonferenz in Warschau eröffnet, welch» darauf abzielt, eine Vereinigung der j ü dös ehern Han dwerkergenossenschaften d'urchzufiihren. Dieser Zweck ist, die wirtschaittiche Organisation des jiidschen Handwerkerstandes auf genauerer genossenschaftlicher Grundlage zu erreichen. Beschaffung von Rohstoffen, gesunde Kreditbasis sind die Mittel dazu. Die Tagung ist im Interesse produktiven Wiederaufbaues des jüdischen Lebens in Polen aufs wärmste zu begrüßen, zumal sie darangeht, wenigstens für einen Teil dler jüdischen Bevölkerung die mannigfache Zersplitterung zu beheben und durch gemeinsame, richtig organisierte Arbeit zu ersetzen. Eine Judendebatte im Züricher Kantonsrat. Im Züricher Kautonsrat beantragte Höhn (Dem.) Aufhebung der Befreiung der israelitischen Volksschüler vom Schreiben usw. am Samstag. Während 1901 von 34S israelitischen Schülern nur 32 befreit waren, Werden jetzt bereits 393 dispensierte Schüler gezählt, von denen SO Prozent Ausländer sind. Redner protestierte gegen diese Bevorzugung der jüdischen Minderheit. Dr. Farbstein (Soz.), der einzige Jude im Züricher Kantonsrat, beantragt Ablehnung des Antrages. Religion ist eine Geiünlssache, für die der Antragsteller aus einem gewissen Rationalismus heraus kein Verständnis hat. Die Religion hat in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine gewaltige Bedeutung. Es können auch sehr hochstehende Menschen Kinder ohne Religion erziehen; in der Regel habe jedoch die Religion eine erzieherische Bedeutung. Durch die Religion wirl dem Kimle der kathegorische Imperativ. Jas „Du sollst“ beigebracht. Dogmen verschwinden, das „Du sollst“ verbleibt. IL.: Schieber sind in der Rege! Leute, die in ihrer Jugendzeit machen durften, was sie wollten, und denen der reügiöskathegorische Imperativ etwas Fremdes war. Durch den Zwang am Sabbat zu schreiben, wird das Kind der orthodoxen Juden demoralisiert.