Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 13 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 rrrmscHE zeit Chawer Dr. Robert Welt sch keanzeichnete den Weg, den die westjüdische Jugend zum Jungzionismus gegangen ist Der Zionismus kann nicht verwirklicht werden, indem man die europäische Gesellschaft nach Palästina überführt. Unsere Chawerims in Erez Israel haben den Anfang gemacht und ihr Verdienst ist es, wenn ein Teil Palästinas schon heute jüdisch genannt werden kann. Wir wollen, daß in diesem Sinne weiter gebaut wird und werden es unter keinen Umständen dulden, daß der Zionismus nichts bedeuten soll, als eine geographische Aenderung. Der Gedanke der Arbeit ist für uns von integraler Bedeutungvom nationalen, vom sozialen und vom menschlichen Standpunkt Darum ist es für uns von größter Bedeutung, daß sich die Strömungen der jüdischen Jugend in Ost und West mit der palästinensischen Arbeiterschaft die Hände reichen. Hierauf wird die Konferenz von Chawer Sprinzak tür eröffnet erklärt und die Sitzung geschlossen. Samstag, 'den 27. d. M- Abend wird die erste Sitzung von Sprinzak eröffnet. Die Sitzung ist der Besprechung der Tagesordnung der Weltkonferenz gewidmet . Sprinzak erstaititet einen kurzen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Londoner Organisationskomitees und über die Vorgeschichte der Konferenz. Das Ziel, das den drei Chawerim, die sich in London zusammengefumdlen haben, vorgeschwebt hat. war der Zusamimensdhluß aller jener Kräfte, von denen wir erwarten, daß sie mit ihrer Arbeit Palästina auibauen werden. Chawer Sprinzak gibt dann einen kurzen Ueberblick über die Situation und verliest zur Charakterisierung des Ernstes der Lage einen Brief des Hapoei Hazair in Jaffa, welchen ein junger palästinensischer Genosse vor wenigen. Stunden nach Prag mitgeb rächt hat. Der Briet schildert unter anderm ausführlich die Ueberfälle im Tai Chat und Metulla umd den Tod der Chawerim Josef T«irapcl<ie-r. Benjamin Munter, Debora Drachler, Sara Czizik und .der zwei Mitglieder der amerikaniohen Mission Toker und Scharf. Auf diesen Bericht folgen noch weitere Schilderungen der palästinensischen Arbeiter und der politischen und gesellschaftlichen Vorgänge im Lande. Wir brauchen neue Menschen und neue Kräfte. Hierauf erhält das Wort Dr. Martin Buber. Dr. Buber: Chawerim! Wir haben eben unserer toten Brüder in Erez Israel gedacht und vor allem derer, düe in Verteidigung umseres Werkes gefallen sind. Wir wollen aber auch des Mannes gedenken, der. ohne daß er uns eigentlich kannte und ohne daß die meisten von uns ihn gekannt haben, doch .unser heimlicher Führer gewesen ist: Gustav Landauers. Gustav Lamdaner war ein destillierter Führer des .neuen Judentums und es ist ein Zeichen der Tragik unseres Schicksals, wie wenig anderer in dieser Zeit daß er in der Wirklichkeit des Lebens nicht unser Führer geworden ist und 'dhß er .im fremden Lande, im feindlichen Lande, in der Arbeit, in der verzweifelnden Arbeit an einem aussiChtslosen Aufbau neuen Lebens in diesem fremden, feindlichen Lande ermordet worden ist. Es ist eine Tragik unseres Schicksals, daß dieser Mann und die Sache, für die er geschaffen. war, die Menschen, d.e er zu führen berufen war. nicht zusammengekommen sind. Landauers Idee war unsere Idee. Es war dte Erkenntnis, daß es nicht darauf ankommt Einrichtungen zu ändern, sondern das menschliche Leben, die Beziehungen der Menschen zv- Land bedecken, daß selbst der mutigste Maximalst kein Plätzchen mehr für einen Juden entdecken könnte. . („Schleimel“.) Kunst und Literatur Die Zunzstiftuing in. Berlin unterstützt durch eine Beihilfe zu den Druckkosten Arbeiten, die in philologisch-historischer Methode die Wissenschaft des Judentums fördern. Gesuche -und Manuskripte sind bis Ende März zu ricliten an Dr. Sußnitzki, Berlin, Artilleriestraße 14. Für 1920 sind 1600 M. verfügbar. In Lemberg erschien eine hebräisch geschriebene kulturgeschichtliche Monographie über •die Haskalape riode in Wiieu („Telkufath haaskala bewina“) von Rüben Faha Am 9. März begann in War s-c hau die erste Vorkonferenz der jüdischen Artistenvereine in Polen, die sicli vor allem mit Berufsfragen zu befassen hatte. Eingehend wurde auch die Repertoirfrage der jüdischen Theater besprochen. Die Konferenz wurde auch von einem Vertreter des polnischen Schauspielervereines begrüßt. In Odessa verschieden vor kurzem zwei alte, haibvergessene hebräische Schriftsteller, die •seinerzeit markante Figuren der lütenan'rschen Weit der Haskala waren: Elimela h W e c h s Ie r-Bes.re d k o (bekannt unter dem Pseudonym Jsch-Noami) .und Dr. Aron Porj ü s. Der erste gehörte zu den letzten Mohikanern des iurfstisehtn Bibelmassivs und pflegte die satyrische Kritik. In den letzten Jahren beschäftigt; er sich mit Textiorschungen der Biebel und ve’ jiientlichte zwei klein© WerkcV.;:; auf diesem hict. — Dr. Po rjes gehörte zu den letzten Füpular.lsatoren der neühebrätschen Literatur. Er hinteriieß eine Physiologie („Thorath hächajim“). einander zu verwandeln, daß Sozialismus nicht etwas ist, was aus dien Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse, ans irgend einer automatischen Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse heraus entsteht, sondern daß Sozialismus etwas ist. was nie kommen wird!, wenn es nicht jetzt und von uns getan wind. Das war die Idee Gustav Landauers ■ und1 dias ist unsere Idee. Und diese Idee hängt zutiefst zusammen mit dem Wesen dieses Mannes. Gustav Landaber war ein Mann, der ganz und gar bis in seinen Leib hinein mit allen Teilen seines Wesens auf unmittelbare Verwirklichung gestellt war, nicht auf Politik, sondern auf unmittelbares Tun .und: Leben, Und diese Idee, diesem Wesen entsprechend1, war es Landauers heimliche unerfüllte Bestimmung, an dem Aufbau eines neuen Landles. an dem Aufbau eines Neulandes führend und lehrend ifeiizunehmen. Diese Bestimmung Landauers ist nicht erfüllt worden. Sein Schicksal war ein ganz anderes. Jahre, Jahrzehnte lang hat er in diesem fremden Lande, in dem er lebte, in dieser iSeelenwüste, in .dfer er lebte, umsonst gerufen. Und wenige, sehr wenige haben diesen Ruf wahrhaft mit ihrer Seele vernommen. Und .dann kam das Ereignis, das man die deutsche Revolution genannt hat und das im Grunde nur eine armselige Militurrevolte geworden ist. Gustav Landauer trat in diese Scheinrevolution eines frem'dlen Volkes als Täter, als tuender Mensch ein. Er verkannte ganz und gar. daß der Blutkreislauf dieses fremden Volksorganismus ein ganz anderer ist, als seiner und unserer. Er wollte das Tempo seines Blutes, den Rhythmus seines Blutes diesem fremden Volks- Organismus aufzwingen, er und ein paar andere jüdische Menschen mit ihm. Und das ist nicht geglückt und konnte nicht glücken. Daran, nicht an äußeren Dingen, an dieser -inneren Tragödie ist Gustav Landauer zugrundegegangen. Und als die Scheinrevolution sich nicht als das enthüllte, was sie war, glaubte er sie noch einmal retten zu können lind irrte neuerlich. Er trat m die erste bayerische Räteregiernng ein. Und als er ganz unmittelbar mit diesem Volke zu tun hatte, als dieses Volk ährn nicht mehr gegenüberstand, daß er es wie einen Horizont sah und als Ganzes idealisierte, sondern als er mit den Menschen unmittelbar zusammientnaf, da ging ihm die Erkenntnis auf. So war dieses Leben und so war es, daß er und wir nicht zusammengekommen sind. Er hat oft davon gehört, daß es ein Neues im Judentum gibt, er hat durch mich oft davon gehört aber es war nicht unmittelbare Gegenwart für ihn, irgendwie war dieses Neue, das in dieser Versammlung heute fühlbar wird, ihm noch nicht fühlbar geworden. Vielleicht war er gerade in diesen letzten Tagen nahe daran, zu erkennen, daß es ein solches. Neues, gäbt, dünn tür eben die Woche, in der’ Giistav Landauer in 'die Regierung eintrat, für eben diese Woche war nach derselben Stadt, nach München, eine Konferenz einberufen worden der jüdisch-sozialistischen Jugend, von Gustav Landauer und mir. Und1 auf dieser Konferenz wollte Gustav Landauer seinen Plan des sozialen Aufbaues Palästinas entwickeln. Vielleicht wäre es — wenn man so etwas aussprechen darf — Vielleicht wäre diese Verbindung doch geschehen. Aber ich weiß nicht, ob man ein solches Wort aussprechen darf, denn im Grunde ist geschehen, was dem Sinne dieser tragischeu Situation nach geschehen mußte. Und nun gedenke ich dieses Mannes hier und ich möchte, daß ihr seiner gedenket in einem ganz bestimmten Sinn. Wir sind als Ganzes für diesen Mann doch noch nicht bereit gewesen, denn sonst wären war ihm idbch irgendwie sichtbar, fühlbar gewesen. Seien wir, die wir für den die allerdings, vor einem halben Jahrhundert geschrieben, ziemlich veraltet ist. Manche Aufsätze über Hygiene sind von ilhm in den Jahrbüchern „Haassif“ veröffentlicht. Im Jüdischen Theater in Zürich wurde am 6. März eine Novität, betitelt „Haderech“, „Der Weg nach Zion“, von Ben- Schimi (Sakaschansky), zum erstenmal aufgeführt. In drei Bildern wird der Galuth, die Gegenwart und die Zukunft über die Szene geführt, um für den Zionismus werbend zu wirken. In Paris erscheint demnächst Stephan Zweigs pazifistisches Bibel-Drama „Jeremias“ in französischer Uebersetzung von Charles Baurieur, welcher noch vor dem Krieg Zweigs Verhaeren - Monographie französich ediert hat. In Jerusalem wurde ein Musikverlag „Rinoh“ gegründet, der die Volkskompositionen des bekannten Komponisten Rosenblum zu den verschiedenen hebräischen Liedern herausgibt. In Athen erscheint eine neue jüdische Zeitung in jiddischer Sprache „Le Drapeau Juif“. Im Verlage der „Hebrew Publishing Co.“ New-York ist soeben eine zwölfbändige allgemeine Weltgeschichte in jiddischer Sprache, bearbeitet von Rosenberg, redigiert von Alexander H a r k a w i, erschienen. In Amerika wird daran gearbeitet, eine Austeilung sämtlicher Arbeiten des berühmten ten jüdischen Bildhauers Henry G1 y c e n stein in den größeren Städten der Vereinigten) Staaten zu veranstalten. Der Künstler, welcher sich derzeit in der Schweiz befindet, bemüht sich mit Hiiie seiner Freunde, auch alle im Pravalbesitz in Polen befindlichen Skizzen, die er in Polen während des Krieges gezeichnet hat, für -die Ausstellung zu sammeln. Lebenden nicht bereit waren, für den Toten bereit, für seine Lehre: für die Lehre des schöpfe rischen Sozialismus, . die unsere eigene Wahrheit ist, endlich mit ganzer Seele bereit. Hierauf werden einige nachträglich eingelangte Begrüßungstelegramme verlesen, darunter ein Telegramm .des A. C. aus London, das mitteilt, daß Dr. Sc lunar jia Lewin unterwegs ist, um das A. G, bei der Konferenz persönlich zu vertreten. Hierauf wird in die. Beratung der Tagesordnung eingegangen. E Fieser Joffe schlägt vor, daß die Delegierten 'an diesem Abend ohne Formalität einfach' als Menschen und nicht als Vertreter bestimmter Gruppen miteinander reden sollen. Twerski schildert dße Erwartungen), die man in Palästina auf das Aufstehen des Judentums ln dten Ländern der Zerstreuung gesetzt hat. Das Wunder einer messianischen Bewegung ist vergeblich erwartet worden. Darum sind die Palästinenser jetzt gekommen, um die Bewegung zu entfachen, die not-wendig ist. um die Kräfte, die das Land braucht, hinzubringen. Dies erwarten wir von der Konferenz. Elges (Hapoel-Hazair, Warschau) legt den Standpunkt seiner Gruppe dar und schildert die Schwierigkeit der Arbeit unter den Volksrmaisseti in Polen. Zur Tagesordnung beantragt Joffe Voranstellung der die Palästinaarbeit betreffenden Punkte. Die Programmirage soll den letzten Punkt der Tagesordnung bilden, Ueber die Frage der Tagesordnung entspiunt sich eine längere Debatte, an deren Schluß der Antrag Joffe-Lewinsohn angenommen wird, als ersten Punkt der Tagesordnung nach idlen Tätigkeitsberichten die Fragen der Arbeit im Palästina zu behandeln und die weitere Feststellung der Tagesordnung dem Permanenzausschuß zu überlassen. * Anläßlich der Konferenz fanden verschiedene Veranstaltungen statt. In Brünn war für Mittwoch. den 24. März eine große Versammlung einherufen. Es sprachen die Chawerims R a w i d owics aus Berlin (hebräisch) und Eliahu Ra peport aus Wien (deutsch). Sie referierten über die Lage in Erez Israel und die Ideen des Hapoei Hazair. Dieser erste Hapoei Hazair-Abend in Brünn schloß in gehobener Stimmung. In Pilsen sprachen am Dienstag, den 23. März vor einer zahlreich besuchten Versammlung Chawer Rudolf Samuel aus Berlin über die Ideen des jüdischen Volkssozialismus. In Prag fand am Dienstag, den 23. März eine Versammlung statt, in der Chawer Zw i j ehuda über die Notwendigkeit der Siedlung in Palästina und ihren Einfluß auf die Diaspora sprach. Nach ihm sprach Chawer Eliahu Rapeport über das Wesen und die Idee des Hapoei Hazair. Hierauf referierte Chawer Elieser Joffe über die Geschichte der jüdischen Siedlung in Palästina. Am Mittwoch, den 24. März fand im neuen Tempel eine Trauerversammlung statt, die dem Andenken der in Galiläa gefallenen Genossen gewidmet war. Es sprachen Chawer Israel Reichert (hebräisch), Chawer Viktor Ch. Arlosoroff (deutsch) und Chawer Lipmann Lewinson (hebräisch), der besonders des bei T el Chai gefallenen Chawers Trumpeldor gedachte. Bericht über die Reichskonferenz der Kommisäre in Deutschösterreich VoTmittagssitzung. In Anwesenheit von 83 NF.-Kommissären aus der Provinz und Wien eröffnet Gg. Ludwig B a t o als Vertreter des Landeskomitees die Tagung mit einer kernigen hebräischen Ansprache. Dr. Leopold S o f e r als Obmann der NF.-Kommission für Deutschösterreich begrüßt die Erschienenen, insbesonders Herrn Adolf Pollak, den vom Haager Hauptbureau delegierten Sekretär, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen der Konferenz zu einem kräftigen Aufschwung der Sammeltätigkeit für unseren Volksschatz in Deutschösterreich führen werden. Zum Vorsitzenden der Konferenz .wurde Dr. Leopold S o f e r, zum Vizevorsitzenden Hermann Bürger aus Graz und zum Schriftführer Rudolf Orustein aus Salzburg gewählt. Generalsekretär Dr. Egon Zweig erstattet den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr. Er verweist auf die große erziehliche Mission unseres Volksschatzes und sein mächtiges Emporwachsen seit Herzls Tagen. Er betont den rühmlichen Anteil, den gerade die Sammelstelle W i e n an dieser Entwicklung genommen habe und daß DeutschösterTeich von 1901 auf 1918 seine Jahreseinnahme auf das Hundertfache brachte. Er erklärt sodann die Gründe des Verlaßes’im Berichtsjahre 1919, welches aus Deutschcsterreich einen Ertrag von bloß K 287.000 gegenüber K 318.000 des Vorjahres einbrachte. Nachdem der Referent die Spendenbewegung beleuchtet hatte, zog er seine Schlußfolgerung dahin, daß für I92G ein Wandel zum Bessern sich nur erzielen lasse, indem man steh von vornherein ein großes Ziel setze und an dessen Erreichung alle Kraft wende, sei es auch mit größeren Investitionen. Insfccscfiders müssen in Wien die Bezirk s s e kiionen ausgebaut und die Agitation im Sommer planmäßig in die Kwcite und Sommerfrischen getragen werden. Hierauf erstattet Gg. Adolf B ö hm ein ausführliches und lichtvolles Referat über „Die b e-