Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 13 (2.4.1920)
- Date
- 1920-04-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZETTUHO ' Nr. 13 Major Höhn habe auch einen Rabb. Rom zitiert, «Ser Segen das Schreiben am Sabbat agitiert habe. Major Höhn solle sich nur; den Sohn dieses Rabbiners, den Dr. Rom, ansehen. der am Sabbat nicht geschrieben habe und trotzdem ein junger tüchtiger Arzt, sogar Oberleutnant oder Hauptmaim der Sanität sei Die Annahme des Antrages würde zur Gründung konfessioneller Schulen führen. Die Ausführungen Farbsteins machten sichtlich Eindruck. Regierungspräs. Dr. Ernst erklärte, daß er als Schüler neben Juden in der Schule gesessen, auch später als Lehrer Judenktoder unterrichtet habe, es ihm jedoch nie eingefallen sei, eirtzuschreiten, wie es Höhn tat Es war ihm interessant zu hören, daß der Begriff des kathegorischen Imperativs auch in der jüdischen Denkart seinen Ausdruck gefunden hat Man darf in den Kantonsrat keine antisemitische Note hineintragen, die nicht zu Ehren des Rates gereichen würde. Der jüdischen Rasse hat die Welt die großen Geisteskämpfer, Philosophen und Künstler zu danken, und die Juden gehören zu den intelligentesten, Menschen. Diese kleinliche Art des Denkens gegenüber einem uns rassenfremden Volke sollte nicht zur Geltung kommen. Infolge der vorgerückten Stunde wurde die Erledigung des Antrages verschoben. König Viktor Emanuel über die Jaden von Italien. Aus Öen Gemeinden Wien. (Gottesdienste am Pessach- Feste im Saale des Hotel „Kontinent a 1“.) Aus Anlaß des diesjährigen Pessach-Festes veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien an Stelle der infolge des seinerzeitigen Brandes des Leonoldstädter Tempels entfallenden Gottesdienste im Saale des Hotel „Kontinental“. II.. Taborstraße 4 Gottesdienste, und zwar: Freitag, den 2. April (abends). Samstag. den 3. April (vormittags und abends). Sonntag. den 4 April (vormittags). Donnerstag, den 8. April (abends). Freitag, den 9. April (vormittags und abends) und Samstag, den 10. April (vormittags). Der Eintritt ist frei. — Karten werden nicht ausgegeben. Wien. (Mas ki r - And a c h t en am Pessach-Feste.) Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah“. werden vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien — wie alljährlich — auch am diesjährigen Pessachfeste (Samstag, -den 10. April) tun. 3/t9 Uhr früh im Saale des Hotel „Post“. I.. Fleischmarkt 16 und im Saale des Hotel „Kontinental“, II., Taborstraße 4 anläßlich der Miskir-Andachten feierliche Gottesdienste veranstaltet. Der Eintritt ist frei. — Karten werden nicht ausgegeben. Nach der „Tribüne Juive“ hat sich kürzlich in einem. Interview König Viktor Emanuel über die Juden von Italien folgendermaßen geäußert: Wir sind glücklich, keine jüdische Frage zu haben. Wir hegen keine Vorurteile gegen sie und ich habe niemals ein Zeichen der Feindseligkeit gegen sie auf irgend einem Gebiete des Lebens bemerkt. Bei einer Bevölkerung von 35 Millionen haben wir nur 40.000. Juden; und sie geben dem Lande mehr hervorragende Männer als es im Verhältnis zu ihrer Zahl steht Zulassung von Frauen zur jüdischen Seelsorge, Aus London wird uns berichtet: In der vor einigen Tagen abgehaltenen Jahresversammlung der Liberal Jewish Synagogue, in welcher Claude Montefiore zum. Präsidenten wiedergewählt wurde, gelangte in dessen Abwesenheit der folgende Antrag des Vorstandsmitgliedes S. A. Lazarus zur Annahme: „Die Generalversammlung stimmt im Prinzip der Zulassung von Frauen zur Seelsorge (ministry) z u.“ Der weitere Antrag, daß sofort die nötigen Schritte einzuleiten seien, um für die Liberale Synagoge eine geeignete Seelsorgerin zu gewinnen; hat nicht die genügende Unterstützung gefunden. Die prinzipielle Zustimmung zur Zulassung von Frauen zu seelsorgerischen Funktionen, welche in der jüdischen Synagoge im allgemeinen bis heute nur den Männern Vorbehalten blieb, wurde in Konsequenz einer schon seit langem bestehenden statutarischen Bestimmung angenommen, laut welcher-Frauen in der Liberal Jewish Synagogue für alle Stellen im Vorstande das aktive ■und passive Wahlrecht besitzen. Sabbatruhe in England. Rabbiner Dr. Jung fordert in „Jewish Times“ unter Hinweis alui die 48sWindige Arbeitswoche die jüdischen Arbeitsverbände auf, ihre Arbeit so einzuteilen, ‘daß der Sabbat wieder zu Ehren komme. Sie mögen Montag. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag 36 Stunden arbeiten und1 die übrigen zwölf Stunden auf den Freitag undi Sonntag verteilen. Jüdische Emigration. In Konstantinopel befinden sich einige hundert jüdischer Flüchtlinge aus Rußland; die in einer verzweifelten Lage sind, da sie noch nicht nach Palästina gehen können und in Komstantinopel keine Beschäftigung finden. Die Zeitung „La Nation“ macht die Konstantinopler jüdische Gemeinde auf die Lage der Flüchtlinge aufmerksam und fordert sie auf, dieselben zu unterstützen. Dr. Markus, der Vizepräsident der Zeniralunterstutzumgskonimissi'on 'in Konstantinopel, hat aus Amerika eine größere Summe für Wohltätigkeitszwecke erhalten, wovon ein Teil für die russischen Flüchtlinge bestimmt wurde. Das neue Einwanderungsgesetz. Aus New- York wird berichtet: Das neue Einwanderungsgesetz, das — entgegen Wilsons Veto — von jedem Einwanderer die Fähigkeit verlangt, 40 Worte lesen zu können, erregt lebhaften Widerstand, dlenn es. spielen sich in seinem Gefolge ganze Tragödien ab. Eine Ausnahme für Bräute ehemaliger Kriegsteilnehmer ist bereits genehmigt. Die Legislative des Staates New-York hat jetzt eine Resolution angenommen, worin der Kongreß .um Aufhebung des Gesetzes ersucht wird, das ganz unnütz sei und nur Schikanen verursache. Ein jüdischer Gerichtshof in New-York. Auf Grund eines Beschlusses der Versammlung jüdischer Gemeinden Amerikas wird in New- York ein Jewish Court of Arbitratio», ein sogenannter jüdischer Gerichtshof, gebildet, an den man sich in Geldstreitigkeiten und Zwistigkeiten, die Schulen, Vereine, Arbeiterfragen. Geschäftsangelegenheiten und dergleichen betreffen, wenden kann. In diesem Gerichte sind alle Klassen der Juden vertreten und unparteiische Richter werden für die Rechtsansprüche sorgen. Ein jeder Jude kann an diesen Gerichtshof gelangen. Als Richter fungieren Rabbiner, städtische Richter, Kaufleute und andere. Wien. (Tempelverein für den 4. und 5. Bezirk.) Die Generalversammlung des Tempelvereines für den 4. und 5. Bezirk hat kürzlich unter Beteiligung zahlreicher Mitglieder und Gäste stattgefunden. Nach Begrüßung der Delegierten durch den Obmann des Vereines. Herrn Adolf Hofmann. wird der Jahresbericht vom Schriftführer Dr. F r i e d i u n g verlesen. Dieser gedenkt pietätvoll vorerst der im letzten Jahre verblichenen Mitglieder und des verstorbenen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde. Herrn Simon, beschäftigt sich sodann vornehmlich mit der durch die derzeitigen Verhältnisse bedingten •ungünstigen wirtschaftlichen Situation der Funktionäre. zählt alle Mittel auf. die die Lage der Angestellten halbwegs bessern sollten und weist auf die in der Bilanz vermerkten bedeutend erhöhten Posten für Gehalte. Teuerungszulagen und Anschaffungsbeiträge hin. Trotz aller dieser Palliativmittel sei die Lage der Funktionäre eine höchst bedauernswerte und es bedürfe der kräftigen Unterstützung seitens der Mitglieder und der Kultusgemeinde, um der Angestellten halbwegs über die schlechte Zeit hinwegzuhelfen. Der Bericht berührt dann die Chorfrage, beklagt den durch die Beheizungs- und Beleuchtungsvorschriften bedingten Entfall des Jugendgottesdienstes und des Unterrichtes in der Bibelschule, zählt alle wichtigen Daten des internen Tempelbetriebes auf und erwähnt die Bestätigung der neuen Statuten seitens der Landesregierung. Hierauf wird nach einem Berichte des Revisors Herrn Max Spitzer über die korrekte Führung der Bücher und klaglose Gebarung dem Vorstande einstimmig das Absolutorium erteilt. Beim nächsten, Punkte der Tagesordnung „Neuwahl des Vorstandes“ macht der Vorsitzende Mitteilung von dem mit der jüdisch-nationalen Partei geschlossenen Kompromiß, laute dessen dieser Partei vier Mandate zugewiesen wurden: es habe sich daher, da keine Gegenliste aufgestellt wurde, eine Kompromißliste ergeben, um deren einstimmige Annahme er im Interesse des Friedens bitte. Die Liste wurde einhellig angenommen. Wiener Bet-bamidrasch. (II.. Ferdinandstraße 23.) Die Leitung teilt mit: In den Vorstand des Bet-hamidrasch-Vereines wmrden vor Kurzem die Herren Oberrabbiner Dr. Z. P. Chajes und Edmund L ö w i kooptiert. Die Vorlesungen werden auch im Sommer fortgesetzt werden. In das Dozenten-Kollegium sind neu eingetreten die Herren Rabbiner Dr. Feuchtw.ang. der vom Beginn des Sommer-Semesters (in der Woche nach dem Pessachfeste) jeden Dienstag, von 6 bis 7 Uhr. Jesaja, von 7 bis 8 Uhr Pesikta vortragen wird und Rabbiner Dr. Funk, der jeden Samstag Nachmittag. 4 bis 5 Uhr. Pirke Aboth lesen wird. Rektor Dr. Schwarz wird jeden Donnerstag. 6 bis 7 Uhr. Mischna. Dr. A. Kaminia. Montag und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr. More Nebuchim und Mittwoch. 7 bis 8 Uhr. Jakob lesen. Rektor Dr. Rubin wird in gewohnter,Weise am Samstag Vormittag, 11 bis 12 Uhr. die Poroscha. Sonntag. 6 bis 7 Uhr. Midrasch und Montag. 6 bis 7 Uhr. Talmud lesen. Eventuelle weitere Vorlesungen werden noch bekanntgegeben werden. Durch die 'eingeleitete Aktion für das Institut wurde einstweilen der Lehrbetrieb für die nächsten Monate sichergestellt, aber noch immer fehlen die Mittel für die Deckung des großen Defizits vom vorigen Jahre und für 'eine dauernde Fundierung der Anstal.t.. Freunde der jüdischen Wissenschaft, und msbesöttdere der hebräischen Studien, werden daher. dringend gebeten. durch ausgiebige Zuweisungen und Stiftungen die zeitgemäße Erhaltung und Ausgestaltung des Bet-hamidrasch zu ermöglichen. Spenden werden an die Bank und Wechselstuben A. G. Merkur, Wollzeile 1. auf Konto ..Sammlung zu gunsten des Bet-hamidrasch“ erbeten. Gemeindewahlsieg. P o h r 1 i t z. Die am 21. März in Pohrlitz vorgeuonimene Gemeindewahl ergab folgendes Resultat: JüdischnationaJe Stimmen 162, Poale- Zion 38 Stimmen, zusammen 200 Stimmen. Gewählt erscheinen 2 Jüdischnationale. Hermann Schnabl und Moritz Spitz. Palästina Die Lage In Palästina. Im „Israelitischen Wochlenblatf für die Schweiz" veröffentlicht Dr. A. Mi'baschan einen „Brief aus Palästina“, dien wir unseren Lesern 'in gekürzter Fassung zur Kenntnis bringen. Die politische Lage hat sich seit diem Aufflackern der Unruhen in Syrien auch in Palästina getrübt. Die von Damaskus aus bearbeiteten, in der Mehrzahl erkauften Agitatoren hetzen gegen die zionistische Organisation und die Gefahr einer zu großen Einwanderung nach Palästina. Am 27. Februar kam es, als Protest gegeneine LoyaMtätserklärung ‘des kommandierenden Generals Bois gegenüber den Zionisten, in mehreren Städten des Landes sogar zu einer förmlichen antizioitistischen Demonstration, wobei sidh auf Grund der vorher gemachten Propaganda christliche und' mohammedanische Araber zusammenschlossen und an der Kundgebung beteiligten. Dieselbe verlier ruhig, da die englische Behörde die nötigen Ordnungsmaßnalhmen ergriffen hatte, doch blieb uns Juden der Anblick einer antijüdische n Kundgebung auf dem.Bodlen des Landes unserer Väter nicht erspart. Auch ein Zeichen der Zeit undein Resultat der endlosen Verschleppung der Verhandlungen über das Schicksal der orientalischen Provinzen des ‘ehemaligen türkischen Reiches! Auch die Zustande i>n Ober gal iläa haben keine Besserung erfahren. Die Kolonie Metulla ist als zerstört zu betrachten, d!a die wenigen noch zurückgebliebenen Juden nicht imstande sind, die Kolonie gegen die beduinischen Räuber zu schützen und die nötigen Feldarbeiten zu besorgen. In ganz Palästina haben sich freiwillige Gruppen gebildet, die beabsichtigen, nach Metulla und Tell-Chai zum Zwecke der Ablösung der auf ihrem Posten noch verharrendien jüdischen Arbeiter und Wächter zu gehen. Die Schwierigkeit 'bei der Ausführung dieses Planes besteht nur darin, ‘daß, da keine staatliche Autorität diese Freiwilligenaktion unterstützt, die Mittel wahrscheinlich 'nicht ausreichen werden, um gegen Tausende von bewaffneten Arabern standzuhalten, wenn sie sich ennstLich gegen die jüdischen Kolonisten wenden sollten; Herbert Samuel weift nun seit einigen Wochen im Lande. Dieser ruhige, energische 'und zielbewußte britisch-jüdische Politiker ist an sein Amt mit Feuereifer herangetreten und man versichert. daß er die Bedürfnisse Palästinas in einigen Wochen besser kennen gelernt hat als viele Fachleute aus unserer Mitte. Sein Begleiter, der kommandierende General Bois, ebenso wie die ganze Verwaltungsmaschine des Landes, be- . handeln ihn wie einen Staatsminister und bei' seinem Besuch im Jerusalemer und Jaffaer Regierungsgebäude wurden ihm die ‘üblichen und schuldigen militärischen Ehren zuteil. Gestern besuchte er Tel-Awiw, wo er von allen unseren Notabilitäien ‘begrüßt wurde. Er gab kurze, aber beruhigende Versicherungen ab und stimmte die jüdische Bevölkerung gerade an jenem Tage heiter, an welchem die obenerwähnte arabische Demonstration gegen idlen Zionismus (welche übrigens mit nicht undurchsichtiger Absicht am Tage der Ankunft Samuels nach Jaffa veranstaltet wurde) kleinliche Gemiite mißtstimmen wollte. Vo; einigen Tagen hielt der „Waad Hasemani“. das provisorische Komitee für die Vertretung der Interessen der palästinischen Juden, eine zweitägige Konferenz ab. Ussischkin wohnte als Vertreter der zionistischen Kommission der Versammlung bei. Es wurde viel gesprochen, kritisiert und! geklagt Ussiscthkins Expose über die Lage klang optimistischer als man hätte annehmen dürfen und beruhigte .zum Teil die Gemüter. Aus dem Bericht d'es Präsidenten des Waad Haohinuch ging hervor, daß wir .an die 100.000 Pfund Sterling jährlich für Schulen und Unterricht ausgebeu (die Ausgaben für 'die Unterrichtskosten der gesamten arabischen Bevölkerung Palästinas betragen knapp 40.000 Pfund Sterling) und daß uns ein Mittelschüler .durchschnittlich 18 Pfund Sterling kostet Es waren die erfreulichsten Ziffern, die man zu hören bekam, denn diese Ausgaben beweisen, daß unsere Schularbeit, wenn sie auch noch nicht ganz auf der Höhe steht, so doch sehr fortschrittlich gehandhabt wird Weniger erfreulich waren die Zahlen, die die Anleihen und Unterstützungsgelder betrafen. Es wird noch mächtig viel Geld für diese Zwecke ausgegeben, während man doch annehmen sollte, daß die 65.000 Bewohner Palästinas sich selbst ganz oder zum Teil erhalten können. Nach lebhaften Diskussionen wurde beschlossen, den flicht durch Wahlen zustandegekommenen und daher nicht die ganze palästinische Judenheit vertretenden Wa'ad Hasemani. nächstens aufzulösen und eine „Assefat Hanibcharim“, Abgeordnetenversammlung, ins Leben zu rufen Die Wahlen sind für Chol Hamoed Pessach angesetzt. Hoffentlich bringt diese neue Körperschaft das Maß von gesunder Arbeit und Verständigung mit sich, welches man heute leider in unserem Jischub fast überall vermißt. Doch seien auch an dieser Stelle die Argumente de: Gegner der „Assefat Hanibcharkn“ nicht verschwiegen. Diese behaupten sämtlich, ■daß wir noch nicht in der Lage seien, richtige Volkswahlen vorzunehmen, weil von den 65.000 heute in Palästina lebenden Juden der größte Teil nie am öffentlichen Leben teilgenommen hat und auch in Zukunft kaum teilnehmen wird (es sind dies die Chalukkanehmeir, ‘die von der Milde ausländischer- Glaubensgenossen zum Fau-lenzerleben ermutig-: