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Jüdische Zeitung · 1920-03-12 · 10 (12.3.1920) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
10 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 10 J&DISCIIE ZRTU&g lästinas bieten. Palästina ‘kann nach der 'Meinung Palästina Die Tätigkeit des Kolonisationsdepartements der zionistischen Kommission in Palästina „Hauez“ schreibt in seiner Nummer vom 26. Jänner: Das Kolonisationsdepartement schenkt der Kooperativbewegung größte Aufmerksamkeit Seit ungefähr zwölf Jahren fand diese Bewegung unter den palästinensischen Arbeitern sehr große Verbreitung. Die von den Kolonisten gezahlten niedersten Löhne zwangen viele Arbeiter, das Land zu verlassen; die zurückbleibenden setzten jedoch ihren Kampf fort Die Arbeiter von S a g a r a h organisierten sich hierauf zu einer Kooperative und verrichteten landwirtschaftliche Arbeit Nach einiger Zeit wurde eine weitere Koopertivgenossenschaft in D a g a n i a h und in Chederah gegründet Gegenwärtig gibt es ungefähr dreißig Kooperativgenossenschaften mit ungefähr 450 Arbeitern. Es ist richtig, daß diese Gesellschaften landwirtschaftliche Arbeiten nicht so vollkommen verrichten, wie sie verrichtet werden können, aber es ist der Mühe wert, folgende ihrer Vorzüge anzuführen: 1. Der jüdische Arbeiter, der bei seinem sozialen und individuellen Entwickiungsniveau nicht unter Bedingungen arbeiten könnte, die ihm jedes Interesse und jede Möglichkeit einer geistigen Anteilnahme unmöglich machen, fand in der Kooperativbewegung das ihm entsprechendste Arbeitsfeld. 2. Die Kooperativgenossenschaften gewöhnten eine gewisse Anzahl Arbeiter an den Ackerbau und aus ihnen gingen Leute für neue Arbeitergenossenschaften in den verschiedenen Kolonisationszentren hervor. 3. Den Kooperativen gelang es, Gebiete zu kultivieren, die noch nicht für die dauernde Ansiedlung von Familien geeignet wären. 4. Die Genossenschaften erzogen die Arbeiter zu selbständiger Arbeit und gaben ihnen Vertrauen in ihre eigene Kraft Die Genossenschaften werden nach Arbeitszweigen gebildet: es gibt besondere Genossenschaften für Ackerbau und andere landwirtschaftliche Zweige, wie Viehzucht und Gemüsebau. Es gibt ferner besondere Genossenschaften für Pflanzungen, Baumschulen, die Entwässerung von Sümpfen etc. Große Bedeutung muß der Aufforstung beigemessen werden, da dies ein Mittel zur Verminderung der Dünenbildung ist, die Gewinnung von Brennmaterial ermöglicht und Arbeitsgelegenheit bietet. Die Frage der Aufforstung ist gegenwärtig für verschiedene Gruppen der Siedlungen in Judäa und Galiläa von großem Interesse. Das Departement für Kolonisation und Land- ‘ Wirtschaft der zionistischen Kommission hat während der letzten Monate an vielen Orten Waldbaumpflanzungen und Baumschulen angelegt. Solche Pflanzungen werden jetzt in Beer Tori’ah (Kastaniah), -Kefar-Saba, auf dem'Karmel, in Merchawiah, Kineret h, Daganiah, MacJinajim, Klandiah und Moza angelegt, BaumschuleninJaffa, Petach-Tikwah, Jerusalem. Tel- C }{ 2 i etc Das Kolonisationsdepartement wirkt auch mit bei den Wicücrherstellungsarbeiten der zerstörten Plätze, an der Verbesserung der Lage der Jemeniten und an der Förderung der besten Arbeitsmethoden Die gegenwärtige landwirtschaftliche Lage erfordert vor allem Vjeh'zucht. Der Mangel einer organisierten tierärztlichen Hilfe in Palästina hindert die Einrichtung einer allgemeinen ViehverSicherung in den Kolonien. Der Anfang eines solchen tierärztlichen Unternehmens wurde bereits in Galiläa gemacht. Es besteht die Möglichkeit, daß endlich Judäa und Galiläa einen gemeinsamen Plan für allgemeine Vieh Versicherung annehmen. Das Departement hat auch begonnen, sich mit der Samenkultur in Palästina zu beschäftigen. Unser Land ist mit besonderen Möglichkeiten für Samenkulturen ausgestattet; das warme Klima während des größten Teiles des Jahres, ausreichender Regen, all diese Eigenheiten Palästinas sind für die'Züchtung von Samep zum Export in die Nachbarländer, die Palästina ähnlich sind, günstig. Im Laufe der Zeit kann sich die Samenkultur zu einem wichtigen und einträglichen Wirtschaftszweig entwickeln. Das Departement hat auch manche Schritte zur Entwicklung der Gemüse- und Obstkonservierungsindustrie in Palästina unternommen. Es ist unmöglich, irgend etwas weiteres zu unternehmen, bevor es uns gelingt, diese Industrie entsprechend zu entwickeln. Die Chamischa-Assar-Feier in Jaffa Ein Brief aus Palästina von Dr. Mibashan. - den das ..Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ veröffentlicht, schildert sehr anschaulich die Chamischa-Assar-Feier. die in ganz Palästina .heuer besonders festlich begangen wurde: Besonders eindrucksvollgestaltete sich diese Feier in J af f a. Sämtliche Schulen der Stadt und aller in deren Nähe liegenden Kolonien hatten die Einladung der Landwirtschatlichen Schule „Mik-, we-Israei“ augenommen. dort den „Chamischa- Assar-Bischwat" zu begehen, und so begaben sich am Morgen des Festtages an die 2000 Schüler und Schülerinnen mit ihren Lehrern. Eltern, Geschwistern und sonstigen Zuschauern nach der lieblichen Kolonie-Schule Mikwe Israel. Dort wurde die Menge, die durch das Hinzukommen von 1000 Mann des „Gedud“ (Jüdischen Regiments) mit ihren Offizieren und der Regimentsmusik inzwischen stark angewachsen war, von deff Lehrern und Schülern von „Mikwe“ freundlich empfangen. Den Ankömmlingen bot der Anblick der schmucken, in reichem saftigen Grün prangenden Kolonie, deren nunmehr fünfzigjährige Bäume vom kühlen Frühlingswind gleichsam in leichtes Freudenräuschen gebracht wurden, deren Wege fein säuberlich geglättet waren und deren Spielplatz iür das fest besonders hergerichtet war. eine doppelte Genugtuung: Einmal ist heute die Schule wirklich in guten Händen und zählt an che 100 Schüler, während sie in den letzten Vorknegsiahren fast in Auflösung begriffen war: sodann aber herrscht nun auch hier, wie in allen Schulen Palästinas, das Hebräische unbeschränkt und die Französierungsbestrebung der gestrengen Herren von der Alliance in Paris sind für. immer zusammengebrochen. Die frischen, kräftigen Mikweschüler bildeten Spalier und geleiteten die Schulen, die unter den Klängen lustiger Marschlieder mit ihren Klassen- und Schulfahnen einzogen, zu dem in der Nähe der Grabstätte des Gründers von Mikwe Israel. Charles Netter, befindlichen Pflanzungsplatz, wo 2000 kleine Gruben bereitgestellt worden waren. Jeder Schüler oder Schülerin erhielt einen Eukalyptus- oder Zypressenpflänzling und setzte ihn unter Anleitung der Mikweschüler in das dazu bestimmte Loch in der Erde. Nachdem noen einige kurze Ansprachen über die Bedeutung des Tages gehalten worden waren, setzte sich die Menge, diesmal unter Geleit einiger berittener jüdischer Soldaten, gegen den Sportplatz in Bewegung. Hier strömte •ein etwa 6000 Köpfe zählendes Publikum zusammen. Die Musik des jüdischen Regiments gab muntere Weisen zum Besten und die Soldaten belustigten die Schulkinder, indem sie sie auf ihre großen Pferde setzten und ein wenig herumreiten ließen. Dann kamen Turn- und Sportübungen. Unter den Klängen des hier sehr beliebten „Berner Marsches* ‘vollzogen etwa 1000 Kinder auf dem erwähnten Sportplatz 'eine Reihe gut gelungener Turnspiele, worauf dann die Mittagspause eintrat. Die von Privaten und wohltätigen Gesellschaften erstellten Wanderbuffets gaben der großen Menschenmenge bequem Gelegenheit, sich zu erfrischen. und so mancher Jaffaer Kaufmann oder Intellektueller ,der selten dazu kam, Ausflüge ins Freie zu machen, wünschte sich in seinem Herzen. daß der Chamischa-Assar-Bischwat doch mindestens dreimal im Jahre gefeiert werden möchte. Ein Wettkampf zwischen der Jaffaer Sportsjugend und den jüdischen Soldaten ergab, daß beide Körperschaften sich fleißig mit den Regeln dieser. Künste befaßt hatten und daß die Snortsfreude nicht mehr ein fremdes Gewächs in Palästina ist. Gegen Abend erschien auch der von Moza bei Jerusalem kommende Leiter der Palästinakommission, Herr U s s i s c h k i n. um die Feier mitzumachen, und auch der Jaffaer Militärkommandant kam - für kurze Zeit nach Mikwe heraus, um das jüdische Frühlingsfest zu begrüßen und ebenfalls einen Baum zu pflanzen. Am Abend fand im Tel-Awiwer Theater ein von englischen Militärmusikanten arrangiertes Konzert und daran anschließend ein Bali statt, zu Ehren des auch den britischen Truppen sehr lieb gewordenen „Camischa-Assar Bischwat“. Und an ebendemselben Tage wurden die ersten Bäume auch auf dem von Dschemal Pascha der Kolonie Rischon geschenkten großen Dünengelände gepflanzt. Die Frage der palästinensischen Nordgrenze „New-York Eveninig Post“, das führende Organ der Vereinigten Staaten für Außenpolitik veröffentlicht einen bemerkenswerten Artikel, der die anscheinend noch nicht völlig gelöste Frage der Nordgrenze Palästinas in einer Weise behandelt, die der zionistischen. Auffassung durchaus entspricht; Diese Presseäußerung ist um so bemerkenswerter, da man weiß, daß das offizielle Amerika und speziell Wilson zu den erklärten Förderern der zionistischen Pläne gehören. In dem Blatte heißt es: „Eine bedeutend größere Schwierigkeit ist in Verbindung mit der Frage der Nordgrenze Palästinas aufgetaucht als ein Ergebnis der Räumung dieser Gegenden durch britische Truppen und ihrer Besetzung durch französische. Die französische Regierung, drängt darauf, die Grenzen zwischen Syrien und Palästina entsprechend dein Sykes-Picotvertrag von 1915 festzusetzen. Wenn die Grenze so festgesetzt wird, würde sie die historische Grenze des Heiligen Landes verletzen, indem sie Nordgaliläa zu Syrien schlagen würde. Aber wichtiger als die historische Tradition spricht gegen diese Grenze ein wirtschaftliches Argument. Palästina kann nur durch ein umfangreiches System von Bewässerungen wieder aufgebaut werden. Insbesondere ist es der Lauf des L i t a n i, der nördlich der geplanten palästinensischen Grenze liegt. Die Ausbeute dieser Wasserkraft würde nach Meinung kompetenter Ingenieure genügen, um zwei Millionen Acres zu bewässern und 250.000 Pierdekräfte für die Elektrifizierung der Eisenbahn Damaskus—Haifa, des Hafens und der Stadt Haifa und verschiedene andere Kraftwerke zur Verfügung stellen und genügend Kraft für die industrielle Entwicklung Parier Experten eine Bevölkerung bis zu fünf 'Millionen aüfirehmen. Mit der gegenwärtigen Bevölkerung von 700.000 verglichen, ist das gewiß eine große Aufgabe, abeT die Wiederherstellung eines alten Landes kann nicht das Werk von einem Tage oder einem Jahne sein.. Anderseits würde die Feststellung von Grenzen! welche Palästina von ihren wichtigsten natürlichen Kräften abschneidet. aus dem großen Plan d'es Auibaus einen Krüppel machen.“ Spredisaai Zur Krise im „Blau-Weiß“ (Eine Erwiderung.) Von Prof. Dr. Wilhelm Stein. Es ist zweifellos höchste Zeit, daß die Frage d!er Jugendbewegung in der jüdischen O Öffentlichkeit zu Wort kommt. Und richtig scheint nur, ganz wie Herrn Dr. Rohnen daß dem Blau- Weiß eine zentrale Bedeutung innerhalb der Jugendbewegung Vorbehalten bleiben muß. Aber beinahe die gesamten sonstigen Ausführungen fordern zu scharfer und entschiedener Stellungnahme heraus, weil sie nicht die Anschauungen einer einzelnen Persönlichkeit wiedergeben1, sondern die der überwiegenden Mehrheit der Partei. Ganz der gleichen Partei allerdings, die mit . den gleichen Gefühlen wie Herr Dr. Kohner der „literarischen Eitelkeit und dem Snobismus“ dieser jugendverderbenden Elemente angesehen hat; nicht etwa deshalb, weil man von ihrem Treiben etwas Ersprießliches erwartet hat. woM aber, weil man die unübersehbare Bedeutung 'des Jugendproblems nicht erfaßte, weil man dort eben überhaupt kein Problem sah. Wenn alle Kritik der Jugendbewegung in die Heranziehung zur Parteiarbeit auslaufen soll und wenn etwa der Blau-Weiß vor allem geschätzt wird „im Hinblick auf seine Funktion als Kräftereservoir für unsere Bewegung, dann muß erst der ewige Gedanke vom Sinn und Wert der Jugend in die Köpfe unserer Parteigenossen hmeingehämmert werden, dann muß erst in unsere eigenen Reihen ein Verständnis aufdämmern für die Eigenart und Eigenberechtigung der Jugend. Ist es denn gar so lange her. daß gerade die zionistische Partei sich so siegessicher fühlte, weil sie die Jugend für sich zu haben wähnte! Doch gewiß nicht allein, weil dadurch eine zahlenmäßige Verstärkung erreicht war» sondern vor allem, weil in diesen jungen, nicht von praktischen Erwägungen und Berechtigungen geleiteten, nicht vom Alltag schon zermürbten Menschen die echte Ahnung, der untrügliche Instinkt lebte und sie darum in ihrem dunklen Drange des rechten Weges wohl bewußt waren. Und heute soll diese Jugend in die Irre gehen, nur einfach deshalb, weil sie die Ideale der früheren Generation nicht kritiklos übernehmen will und auf das Programm der Zeit schwört, die für sie bereits Vergangenheit ist. Oder ist diese Jugend wirklich nur von gewissenlosen Literaten und Snobs verführt, ganz, ganz anders wie es vor wenigen Jahrzehnten oder Jahren war; als die zionistischen Agitatoren in die Jugend gingen und ihr von den Hochzielen des Nationaljudentums mit Feuerzungen ‘redeten. Damals hatte die Jugend das Recht der eigenen Ueberzeugung der älteren Generation gegenüber und heute nicht? i Man macht sich die ganze Sache unendlich leicht, indem man für das offenkundige Fiasko unserer Jugendarbeit ein paar Menschen, vor allem aber den vielverlästerten Dr. Bernfeld verantwortlich macht. Kann sich aber die zionistische Leitung — natürlich nicht in Deutschösterreieh allein — rühmen, alles getan zu haben, was sie für eine vorwärtsschauende, ewig Neues zeugende Jugend hätte tun müssen? Es wird doch kein ernsthafter Kenner der Jugend behaupten wollen, daß hier nur geringe Versäumnisse, eher vielmehr, daß hier alle Versäumnisse begangen worden sind Indem man einige selbstverständliche Ueberspanntheiten und erklärliche Auswüchse zum Ziel der Kritik macht, sollen alle eigenen Verfehlungen und Unterlassungen glattweg übergangen werden. Ich will konkreter sein; Wir haben unzählige Male und immer wieder erkannt, daß das zionistische Bekenntnis nicht eine einmalige Formel sein darf, sondern, daß aus diesem Erlebnis — oder gehört zum Gebrauch eines nicht ganz alltäglichen Wortes innerhalb der Partei ein besonderer Mut vor den drohenden Ausführungszeichen —r daß also aus diesem Erlebnis eine völlige Umgestaltung des gesamten Lebens quellen muß. Möchte im Anfang, an zionistischen Heldenzeitalter der Bekenner mit ausreichen, mochte diese rein sittliche Tat in den Augen der meisten genügen, die Jugend, die völligen Ernst mit dem Zionismus machen wollte, suchte innerhalb des Rahmens auch einen Inhalt für ihre zionistische Betätigung Nationalfondsarbeit. Adressenschreiben usw. auf der einen, endlose Diskussionen auf der anderen Seite konnten .dieses erstrebte Ziel nicht sein. Gerade das, was Herr Dr. Kohner am Schlüsse seines Artikels fordert und \Y'ozu er Herbert Spencer als Eideshelfer zitiert, daß nämlich der ganze Mensch erfaßt werden müsse und. nicht der Intellekt allein» gerade das liat man in seiner weittragenden Bedeutung, nicht beachtet und selbst den Blau-Weiß, der' nach dieser Seite hin der erste positive Versuch war, höchstens gönnerhaft gewähren lassen. Und nun rächt sich dieser Fehler in viel furchtbarerer Weise, als man es sich selbst eingestehen möchte: Wo ist die Jugend, die einst voll heißen Bemühens und glühendstem Pathos im zionistischen Lager stand und. wo ist die Jugend) von heute? Trägt .nur der Rattenfänger Ber.nfeld die Schuld und sonst niemand?

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