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Jüdische Zeitung · 1920-03-12 · 10 (12.3.1920) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
10 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 JÜDISCHE ZEITUNG ■Seite 5 des Terrors, die der ganzen jüdischen Bevölkerung auferlegt ist. Die Behörden kämpfen, soweit sie können, gegen die Mordtaten und Plünderungen. Die russische Bevölkerung lauscht auf dieses schreckliche Heulen, das durch die Folter des Terrors verursacht ist und fragt sich, ob diese unglückseligen Nächte die Juden nichts lehren werden. Werden sie jetzt verstehen, was es bedeutet, Staaten zu zerstören, die sie nicht gegründet haben? Werden sic verstehen, was es besagen will, gleiche Rechte zu erlangen, gleichgültig zu welchem Preis? Werden sie begreifen, was es bedeutet, eine Bevölkerungsklasse gegen die andere aufzuhetzen, nach den Vorschriften des großen Meisters Karl Mar$? Werden sie jetzt verstehen, daß der Bolschewismus dem Herzblut des .Sozialismus entstammt? Werden sie verstehen, was die Verwirklichung ihrer demagogischen Prinzipien für Rußland bedeutet? Werden sie begreifen, was sie jetzt tun müssen? Werden diejenigen 'Juden, die an den Exzessen teilgenommen haben, öffentlich in den Synagogen verflucht werden? Wird die Masse der jüdischen Bevölkerung die Gründer des neuen Regimes mit derselben Entschiedenheit verleugnen. mit der sie das alte angreifen? Werden die Juden sich auf die Brust schlagen und ihr Haupt mit Asche bestreuen, werden sie öffentlich Buße tun, weil die Söhne Israels eine verhängnisvolle Rolle in der ungezügelten Raserei des Bolschewismus gehabt haben? Wird eine „Liga zum Kampf gegen den Sozialismus“ gegründet werden oder wird alles so bleiben, wie in der Vergangenheit, trotz der schrecklichen Nächte tödlicher Angst? Wird die „Liga zum Kampf gegen den Antisemitismus“ weiter existieren und wird die Dummheit allgemein bekannte Tatsachen ableugnen und dadurch die antisemitischen Leidenschaften anstacheln? Die Juden haben nur zwei Wege zu gehen, entweder ihre Schuld einzugestehen un d Bu ß e zu t u n oder weiter nbzuieugnen und alle zu beschuldigen, außer sich selbst. ihr Schicksal wird von der Wahl abhängen, die sic treffen. Wird nicht die Folter des Schreckens ihnen zeigen, welches der richtige Weg ist? gez. C h n 1 i g i n.“ Die amerikanische jüdische Hilis tätigkeit für die jüdischen Kriegsopfer in Europa Vom Präsidium dem New-Yorker Zentrale des Joint Distribution Commitee erhielten wir die folgende Verlautbarung, die wj£wortgetreu uberseht zum Abdruck bringen: Dr. Julius Goldmann ist aus New York abgereist, um die Leitung der amerikanischen Hilfsarbeit auf dem Kontinent zu übernehmen. Vom Joint Distrübutean Committee, Felix M. Warburg, Präsident. New York, 2. Februar 1920. Herr Felix M. Warburg von der Firma Kuhn, Loeb & Co, Präsident des Joint Distribution Commitlee für die amerikanischen Gelder für jüdische Kriegsopfer, gibt bekannt, daß Dr. Julius Goldmann aus New York, der auf dem Gebiete der jüdischen Philantropie seit-fast einem halben Jahrhundert wirkt, zum Vorsitzenden des gesamten amerikanisch-jüdischen Hilfswerkes des Jewish Disfribnliqn Committee in Europa mit dem Titel eines Generaldirektors ernannt worden ist. Dr. Goldmann hat in dieser Woche auf der „Mauretania“ die Reise nach dem Kontinent angetreten und wird über ein Jahr dort bleiben. Et hat auf Ansuchen der Mitglieder des Jewish Distribution Committee, welches sich aus sämtlichen Führern der amerikanischen Judenschaft zusammensetzt, die Verantwortung für das Hilfswerk übernommen; setine Privattätigkeit hat er völlig aufgegeben, um seine ganze Zeit der sofortigen Hilfeleistung, sowie den Vorarbeiten für die spätere Regelung der Verhältnisse dter Juden in allen vom Kriege betroffenen Ländern zu widmen. Die Wahl des Dr. GoMsnann und seine Abreise ist ein Kennzeichen für die umfassenden Pläne des Komitees, das den Juden Europas mit amerikanischen Mitteln eine dauernde Hilfe' gewähren will, sowie für die Verteilung der Mittel, die in den Vereinigten Staaten aufgebracht sind. In seinem Berichte sagt Herr W a r b u r g fdlgendes über Herrn Dr. Goldmann und seine Mission: Dr. Julius Goldmann aus New York, dessen langjährige Arbeit im Dienste der jüdischen Philantropie Ihm die Achtung und das Vertrauen, der amerikanischen Judenheit erworben hat. hat sich bereitgefunden, die Ausführung eines der “größten und schwierigsten Werke zu übernehmen, zu dem die amerikanischen 'Juden verpflichtet sind Er wird Montag auf der „Mauretania“ nach Europa abreisen, um als oberster Leiter des Jewish Distribution Committee die vom amerikalöschen Central- und Peoples Relief Committees aufgebrachten Gelder zur Verteilung zu bringen. Dr. Goldmanns Reise schließt sich an die des ersten Jewish Relief Unit an, «Sie von Dr. Boris D. Bogen geführt wird. Dieses Komitee beamtet sich auf dein Wege nach Polen; es werden ihm noch andere Abordnungen amerikanisch-jüdischer Hilfsorganisationen folgen, welche ihre Tätigkeit in den anderen vom Kriege betroffenen Ländern ausüben werden. Es gehört zu den Aufgaben Dr. Goldmanns, die Berichte aus den verschiedenen Ländern, 9* denen Hilfe für die jüdische Bevölkerung dtin- Wie lebt unser Proletariat? Soeben erschienen i Bilder und Daten von Bruno Frei, Mit 32 photographischen Aufnahmen und einer graph. Darstellung. Preis K 24.- Ein erschütterndes Elendsbiid aus dem Wiener jüdischen Proletariat, das durch photographische Aufnahmen eine Illustration von erschreckender Deutlichkeit erhält. Ein Mahnruf in letzter Stunde an die Gesellschaft! Zu beziehen durch die Buchhandlung R. Läisit, Sisa!., äüfsiitmtraBs 22 oder direkt von H, Lömt Mg, gi&fi I., jfigiscfüftSFlrt i gen i nötig ist, entgegenzunehmen. mit den R egierungsVertretern der in Frage kommenden Länder zu verhandeln, zusammenzuarbeiten mit ctem amerikanischen Hilfskomitee für die europäischen Kinder, das unter der Leitung Mr. Itoovers stein, dem Roten Kreuz und anderen Organisationen. Er hat seine auf dnese Heise an Ort und Stele gesammelten Jnionnarionen dem Jewish Distribution Committee weiterzugeben. so daß das Komitee, gestützt auf genaue Sachkenntnis, seine Geldbewilligungen sowie Kleider- und Lebensrrattelverschiffungen vornehmen Seit ccm Aufliören der Feindseligkeiten ist dm Ausführung der Hilfsaktionen behindert durch den völligen Zusammenbruch der T r a u s p o r t m i 11 c J, den Mangel an Eisenbahnen und anderen v'erkehrsmög'dchkeiten. um Geld und H ifsnrittel zu befördern. Diesem Mißstand hoffen die verschiedenen, mit Mr. Hoovers Komitee zusammenarbeiteu-den Vereinigungen dadurch abzukelfen, daß sie einen. Autoverkehr ins Innere der in Frage kommenden Länder organisieren. Dr Goldinauu wird anfgefordert werden, die Zusammenarbeit der verschiedenen Komitees in die Wege zu leiten und die ungeheure Arbeit systematisch zu gestalten. Ferner soll er einen Plan für die ständige Hilfsarbeit und die Wiederherstellung normaler Verhältnisse fiir die Juden in den vom Kriege betroffenen Ländern entwerfen, einte Arbeit, die sofort in Angriff genommen werden muß. Das Opfer, das Herr Dr. Goldmann durch die 11 ei willige Uebernahme dieses Werkes bringt. Kann lischt hoch genug eingeschätzt werden. Seine große Erfahrung, sein sicherer Blick, seine Herzensgüte, sein Takt und seine Klugheit, machen ihn in hervorragendem' Malle für das Werk geeignet. ' Dr. Goldmanns Reise bedeutet einen neuen A b s c Ii n i 11 indem Hilfswerk der amerikanischen Judenheit in Europa. Die LebensbedSwgmigett der Kriegsopfer auf dem Kontinent haben sich mir dem Kriegsende noch verschlimmert. infolge der wirtschaftlichen Mißstünde und dem Mange] au den notwendigsten Lcbenselementen. Durch seiius nach Europa entsandten Vertreter wird das Jewish Distribution Committee nunmehr in der Lage sein; die Verhältnisse genauer zu beurteilen und zweckmäßiger bei der Hilfsaktion vorzugehen, die zugunsten der großen Menge von: Krieg betroffener Juden in Europa unternommen wenden soll. Herr Warburg fügt diesen Veröffentlichungen eint Beschreibung der Laufbahn Dr. Ooldmanns bei: Dr. Goldmann wurde in Philadelphia, P. A., im Jahre 1X12 geboren. Er war obrer der amerikanischen Vertreter auf der Iriternationaien Jüdischen Konferenz in Berlin im Jahre 1890. Er genoß das Vertrauen des 'verstorbenen Baron H i r s c hT den er auf seinem Schloß in Ungarn besuchte Diese Konferenz iiilirte zur Gründung des Baron Hirsch-Fonds, dessen ehrenamtlicher Sekretär Herr Dr. Goldmann bis zum Jahre 1904 war. Nach dem Tode des Richters Meyer Isaacs wurde er Präsident d e s B a r o n Hirsch-Fonds, in welchem Amt er bis 1906 verblieb. Mit unablässiger Hingabe hat sich Herr Dr. Goldmann der Arbeit für diesen Fond in Amerika gewidmet. Dank seiner Energie und Fürsorge wurden im Jahre 1898 Volksbäder in der City errichtet; die Ackerbauschule in Wnodbinc wurde 1891 eröffnet und die Baron Hirsch- Schule verdankt ihre Entstehung zum großen Teile der Initiative Dr. Goldmanns. Im Jahre 1900 wurde das Industrial Remis va] Office gegründet, das die Verteilung der in großer Zahl in New York eintrefienden Einwanderer auf die weniger bevölkerten Teile des Landes bezweckt. in der Föderation dter jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften in New York ist Dt. GoMmtusn ein Pionier gewesen. Seine glühend® Hingabe und ■seine aufopfernde Arbeit im Dienste dter Föderation sind zu mannigfaltig, als daß sie in diesem Rahmen gewürdigt werden könnten. Vor der Abreise Dr. Goldmanns erschien eine Abordnung des Jewish Distribution Committee, bestehend aus den Herren Warburg, Jacob H. Schiff, Richter Ahrain J. Elkus, Dr. Cyrus Adler, Louis M a r s h a Ii und anderen, bei ihm, um ihm persönlich die besten Wünsche für den Erfolg seiner Mission zu überbringen. Jüdischer Nationalrat für die tschechoslowakische Republik Bericht über die Präsldlalsltzimg vom 17. Februar. In der am 17. Februar stattgefundenen Sitzung des Jüdischen Nationalrates erstattete zunächst der Vizepräsident Dr. Max B r o d einen Bericht über die Situation in der Slowake i. insbesondere über seine Vortragstournee. auf der er die östlicher gelegenen Städte der Slowakei besucht hat. und über die Wahlbewegung. Dr. Brod bezeichnet die Stimmung in der jüdischen Bevölkerung für die jüdischen Wahlen als sehr günstig und erwähnt, daß es vielfach gelungen sei. in den Orts- und Kreiswahikomitees alle Richtungen des slowakischen Judentums zu vereinen. Sein Bericht wird von dem ebenfalls aus der Slowakei zuriiekffekehrten Herrn Max Ungar ergänzt, der über die Verhandlungen mit orthodoxen Persönlichkeiten und über die Arbeiten des Volksverbandes berichtet. Dr. Singer gibt den Inhalt einer Unterredung mit dem Minister des A eußern Dr. Ben e sc h bekannt, von dem er am Tage vorher . empfangen wurde. Seine Mitteilungen werden mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Prof. Dr. Alfred Engel erstattet einen Bericht über die Verspräche einer Abordnung des Narionairates im K u 11 u r a ti s s c h u ß der Nationalversammlung. Hiebei gelangte die vom Kongresse der jüdischen Alittelschui- und Volksleftrer in Olmütz an die Nationalversammlung gerichtete Petition zur Erörterung. Die Abordnung des Nationalrates konferierte mit dem Referenten Prof. K r e i c i. mit Prof. Dr. Srdinku;n:d mit Herrn ii o u s e r. Die von Prof. Kreici den Mitgliedern des Nationairatcs gemachten Mitteilungen fanden dann in seiner Rede irrt PI e n u m der N a t i o n a 1 v e r s a m m 1 u n g ihre Bestätigung. (Dazwischen ist bekanntlich die gesetzliche Anerkennung der jüdischen Minderheit erfoigt. Die Red.) Dr. Golds! ein berichtet über eine Audienz beim Eiseubahnmiiiistcr Doktor Franke in Angelegenheit der nicht iibfnommcncn jüdischen Eisenbahnbeamten in den Staatsdienst der Republik, darunter solcher aus Bosnien-Hcrzeüowina und aus dem Teschener Gebiet. Der Minister hat den Herren des Nationairatcs die gewissenhafte und sachliche Prüfung aller Fälle es handelt sich um eine größere Anzahl von Beamten, die sich an den Nationalrat gewendet haben und für die dieser die betreffenden Memoranden ausgearbeitet hat — zugesagt. Dr. Brod berichtet ferner über mehrere Interventionen in politischen Fragen, die bei verschiedenen Regierungsstellen vorgenommen wurden. insbesondere auch solche, welche die Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung in Karpatho-Russia betreffen, deren Versa mm längs- und Vereinsfreiheit u. a. ii o c li i in m e r e i n g e s c 1: r ä n k t wird. Sodann gelangt der endgültige Bescheid des E r u ä h r u n g s m i n i s i e r i li m s in Angelegenheit der M azz o t h v e r s o r g u n g zur Verlesung. Es wird darauf hlvigewiesen, daß der Jüdische Nationalrat infolge Mangels jeder anderen Zentralinsrnnz und der Lethargie vieler Kultusgememden gezwungen ist, solche gar nicht m seinen Wirkungskreis fallende Angclegcnheite* zu übernehmen. Dr. Kaznelson berichter hierauf über die Kriegsgefangenenaktion und gibt hiebei von der amerikanischen zionistischen Organisation eingelaufene Nachrichten bekannt. Die amerikanischen Zionisten haben als ihren Delegierten den bekannten Zionisten Ing. S. Grossbar d. Direktor der New-Yorker Untergrundbahn, nach Sibirien entsendet, der die infolge des Vorrückens der Bolschewiken geänderten Verhältnisse untersuchen und gemeinsam mit dem Kapitän Sandelson die notigen Schritte unternehmen soll. Die amerikanische zionistische Organisation berichtet weiters über Besprechungen, welche der Exekutivsekretär Jacob de Haas mit dem tschccho-slowakischcn Gesandten in Amerika Charles Per gl er in dieser Saciie gepflogen hat Herr Pergier ist Ende Jänner nach .! a p a n als dortiger Gesandter der tschechoslowakischen Republik abgereist und soll auch die Repatriierung der tschecho-s.lowakisciien Bürger in dieser Eigenschaft fördern. Das Schreiben der American Zionist Organisation enthält ierner Mitteilungen über die Verwendung der vorläufig vom Joint Distribution Co mmitten zur Verfügung gestellten 100.000 Dollar sowie über den Plan der Gewährung 'einer Anleihe seitens der Alliierten und Assoziierten an de Tsc h cell o-S I o w a k e i zur Ermöglichung .Irr Rückbeförderung der K r i e g s g ef ii g e n e n in Sibirien. In der gleichen Angelegenheit gelangt ferner ein Schreiben des Rabbi Sr. Stephen W i s e. Vizepräsidenten der amerikanischen zionistischen Organisation zur Verlesung, der sich mit seiner ganzen Kraft für die Gefangenen einzusetzen verspricht und in seine» Schreiben auch seine freundschaftlichen Beziehungen ziim Präsidenten Masnrvk erwähnt.

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