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Jüdische Zeitung · 1920-03-12 · 10 (12.3.1920) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
10 (12.3.1920)
Date
1920-03-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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1fr. 10 JODiSCilB 2mtJNO ieile 9 e friedigen, die durch die Lage in Osteuropa geschaffen worden sind; Die ersten Einwanderer müssen daher so gewählt werden, daß säe möglichst viel Möglichkeiten für die Nachkommenden schaffen, Simon betont, daß alle' Möglichkeiten schließlich von der Geldfrage abhängen. Wenn wir in der Lage sein werden, das Geld zu finden, so können wir in großem Maßstabe arbeiten. Er lehnt es ab, ito die Diskussion von Plänen einzutreten, welche auf phantastischen finanziellen Schätzungen beruhen. Das Zirkular des Palästinaamtes hat als Kapitalminimum 200 Pfund Sterling angegeben. Dn Soskin hat ein Elaborat in Aussicht gestellt, welches die Reduktion dieser Summe gestatten wird. Für Arbeiter ist die Lage anders. Sie könnten allmählich zugelassen werden, sobald das Geld für Landankauf und Privatinitiative eingeht. Die Privatinitiative muß sich der Beschränkung unterwerfen, nur jüdische Arbeiter anzustellen. Die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit anderen Organisationen besteht. Erst kürzlich hat diesbezüglich eine Unterredung mit dem Präsidenten des Joint Distribution Committee stattgefunden, der mit der Politik eines allmählichen Fortschrittes der Palästina- Wanderung einverstanden war. In den allernächsten Jahren kann Palästina noch kein Faktor für die Emigration werden. Simon appellierte an die Versammlung,- dem Volke zu erklären, daß die Exekutive sich aller Schwierigkeiten bewußt ist und alles tut, um ihnen zu begegnen. Bei der Abstimmung wurden folgende Ant räge der Kommissionangenommen: 1. Zur Verwirklichung der durch die politische Arbeit geschaffenen Möglichkeiten sind; die kolonisatorischen Arbeiten in- Palästina sofort in großzügiger Weise in Angriff zu nehmen. Als Grundlage für .dieses Werk sind vom jüdischen Volke 25 Millionen Pfund Sterling aufzuhringen. 2. I. Das A.-K. beschließt nach Anhörung des Berichtes dies E. A.-K. und na ch Kenntnisnahme des Gutachtens d'es Financial Advisory Committee, daß bei der Aufbringung der Mittel für die nationale Kolonisation grundsätzlich die Unterscheidung einzuhalten ist: a) zwischen Mitteln die ohne Rücksicht auf Verzinsung und Rückzahlung aufzuwenden sind und die dteshalb als nationale Abgaben des jüdischen Volkes aufgebracht werden sollen — und! b) Investitionen, bei denen nach geschäftlichen Grundsätzen eine Sicherheit für Kapital und Verzinsung gegeben ist. II. Für die Durchführung der geschäftlichen Transaktionen wird der Vorschlag des E. A.-K- . angenommen, nach welchem dier J.C.T. zum zentralen zionistischen Finanzinsfitut auszugestalten ist. Die Gründung besonderer Zweckgesellschaften soll nach Maßgabe der Notwendigkeit . erfolgen. Antrag D-r. Katzenelson: Es soll eine Kommission gewählt Werden aus Mitgliedern des A.-K. und des J. C. T., um die Frage der Liquidierungsgesellschaften auszuarbeiten und ein Projekt über diese vorzulegen. Die Kommission, ist ' berechtigt. Experten heranzuziehen. Die anderen Anträge wurden der Leitung überwiesen. 9 In der Nachmittagssitzung vom Montag, den 25. Februar, wurde die Frage der Gegenwartsarbeit in der Diaspora behandelt und durch ein Re-_ ferat von Leo Motzkin, dem General-* Sekretär des Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz, eingeleitet, welcher einer der beiden von der Londoner zionistischen Konferenz in das Komitee der jüdischen Delegationen entsandten Vertreter ist. Motzkin erstattete einen Bericht über die vom Komitee der Jüdischen Delegationen geleistete Arbeit. Motzkin führte aus, daß der Zionismus in allen Ländern, in welchen er auf eine lange Entwicklung zurückblickt, sich durch mannigfache Kämpfe zur prinzipiellen Anerkennung der Notwendigkeit einer nationalen Gegenwartsarbeit in der Diaspora durchgerungen hat, an welcher die Zionisten mit ganzer Kraft teilnehmen müssen. Als Frage ist immer nur übrig geblieben, von wem diese Gegenwartsarbeit verantwortlich zu leiten ist, ob sie den einzelnen Zionisten, den einzelnen zionistischen Landesorganisationen zu überlassen ist, oder ob die Oesamtorganisation für die Arbeit eintreten muß. Auch das bekannte Helsingforser Programm der russischen Zionisten hat nur eine Synthese gefunden. Während des Krieges hat auch in den Ländern Mitteleuorpas, welche sich früher der nationalen Gegenwartsarbeit gegenüber zum Teil noch auf einen ablehnenden Standpunkt gestellt hatten, eine derartige Entwicklung stattgefunden, daß die zionistischen Organisationen dieser Länder nun vollkommen die Notwendigkeit der von der zionistischen Organisation zu leistenden nationalen Gegenwartsarbeit anerkenne. Dies ist nicht nur ein Resultat taktischer Erfahrungen, sondern vor allem des inneren Erlebens, welches als die treibende Kraft des zionistischen Gedankens von entscheidender Bedeutung ist. Zum Schluß des Krieges hat zur rechten Zeit das bekannte Manifest der zionistischen Leitung durch das Kopenhagener zionistische Bureau die Forderungen der zionistischen Organisation so formuliert, daß in ihnen auch die wichtigsten Leitsätze der nationalen Gegenwartsarbeit fcrinuliei t sind Das Kopenhagener Manifest war ein Anstoß für di» Haltung der zionistischen Organisation ln Mittel- und Osteuropa in der Zeit des Waffenstillstandes und der Vorbereitung des Friedens, als die luden dieser Länder ihre Forderungen an die Friedenskonferenz festzustellen hatten. Die Forderungen der Zionistischen Oiganisatiwien der einzelnen Länder spiegelten steh dann in den Beschlüssen der Londoner Zionistischen Konferenz im Februar und März 19X9 wieder. An dieser Konferenz nahmen auch die Delegierten der zionistischen Organisation Amerikas teil. In dieser wurden grundlegende Lesebmsse zur Frage der politischen Gegenwartsarbeit insbesondere in Bezug auf die an die Friedenskonferenz zu richtenden Forderungen bezüglich der bürgerlichen und nationalen Gleichberechtigung der Juden und ihrer Sicherung durch internationale Verträge bzw. durch den Völkerbund gefaßt. Die zionistische Konferenz in London erwählte auch zwei Vertreter, welche nach Paris geschickt wurden, mit der Aufgabe, mit den Delegierten der Nationalräte und Kongresse Europas und der Delegation des jüdischen Kongresses in Amerika zusammenzuarbeiten, für eine Vereinigung dieser Delegationen emzutreten und an der Schaffung des gemeinsamen Programms mitzuwirken. — Diese Aufgabe ist gelöst worden durch die Schaffung des Komitees der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz. Es muß festgestellt werden, daß die Grundsätze, auf welchen die Beschlüsse der zionistischen Konferenz in London beruhten, mit den Forderungen und der Stellungnahme der ungeheuren Majorität des jüdischen Volkes sich decken. Der Referent gab einen Ueberblick über die Kundgebungen der großen jüdischen Organisationen, Kongresse, Landesversammlungen, Gemeindeverbände und Parteävereinigimgen, welche sämtlich die gleichen Grundsätze, wenn auch in verschiedener Form, zum Ausdruck bringen. Zum Teil sind diese Kundgebungen und Beschlüsse das Resultat großer Kämpfe, wie z. B. die Beschlüsse des jüdischen Kongresses in Amerika. Wichtig war für die Formulierung der Forderungen auch die Tatsache, daß die ukrainische Regierung die nationale Autonomie des jüdischen Volkes schon in der Praxis durchgeführt hatte, eine Tatsache, die auf das jüdische Volk besonders in der Ukraine einen tiefen Eindruck gemacht hat. Hierauf berichtete der Referent über die Zusammensetzung des Komitees der jüdischen Delegationen. Es ist vor allem das bleibende Verdienst der Londoner zionistischen Konferenz gewesen, daß ihre Beschlüsse die Grundlage zur Vereinigung der einzelnen Delegationen zum Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz gebildet haben. An der Arbeit des Komitees, haben Delegationen aus Amerika (Delegaten des jüdischen Kongresses), aus Palästina, Z e n t r a I ru ß I a n d. der Ukraine, Bukowina, Kaukasus, Tauri en, Rumänien, Polen, Ostgalizien, Tschecho-Slowakien, Jugoslawien, Siebenbürgen, Italien und der Türkei teilgenommen, ferner außer den beiden Vertretern der zionistischen Organisation auch je ein Vertreter des American Jewish Committee und des Ordens B n e i B e r i t h. In den Delegationen der einzelnen Länder waren die Zionisten außerordentlich stark vertreten. Die Wahlen in den einzelnen Nationalräten und der verschiedenen Kongresse hatten, soweit es die Verhältnisse zuließen, auf demokratischer Basis stattgefunden. aber die jüdische Bevölkerung der einzelnen Länder hatte den Wunsch, ihre Vertretung und den Schutz ihrer Rechte zu einem großen Teil z i o ni s t i sc h e n Repräsentanten anzuvertrauen. Das Komitee deir jüdischen Delegationen hat nur Vertreter zugelassen, die tatsächlich sich als gewählte Mandatare legitimieren konnten. Der Referent berichtete hierauf über die Versuche, auch die Vertreter der Alliance Israelite Universelle und des Englischen Conjoint Committees zur Vereinigung mit den übrigen Delegationen zu bewegen. Die Verhandlungen mit diesen beiden Organisationen sind großenteils durch Herrn Louis Marshall geführt worden, haben aber, wie bekannt ist. zu keinem Resultat geführt, da sich die Herren aus Paris und London nicht dazu verstehen wollten, die von den gewählten Delegierten und Delegationen der Juden Mitte!- und Osteuropas aufgestellte Forderung nach Anerkennung nationaler Rechte zu unterschreiben im Gegensatz zu der Delegation des jüdischen Kongresses in Amerika, welcher in dieser Beziehung bestimmte Aufträge erhalten hatte. Motzkin berichtet besonders über die historische Sitzung im Konsistorium, wo die Auseinandersetzung der beiden Gruppen stattgefunden hat. Es kam nur zu der Versicherung, daß die Vertreter der Alliance Israelite Universelle und des Conjoint“ Committee die Arbeit des Komitees der jüdischen Delegationen nicht stören würden. Hierauf berichtete der Referent über die Tätigkeit des Komitees der jüdischen Delegationen. Seine Arbeit wurde auf Grund des von ihm auch veröffentlichten Memorandums über die bürgerlichen und nationalen Rechte geführt, desgleichen wurde eine Aktion unternommen, um einen E rsatz für Pogromschäden sicherzusteilen. Der erste Präsident des Komitees war Judge Mack, der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas. Sein Nachfolger war Herr Louis M a r s h a 11. nach dessen Abreise Herr S o k o- 1 o w Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen geworden ist. Hierauf berichtete Motzkin eingehend über die Verträge betreffs des S c!i u tzes derMinderheiten, welche mit Polen, Rumänien and den anderen Ländern geschlossen wurden. In diesen Verträgen ist allerdings nicht alles erreicht, was vom Komitee der jüdischen Delegationen gefordert wordten ist Aber was erreicht worden ist, ist der Sieg des Prinzips des Schutzes der Minoritäten und der bürgerlichen Gleichberechtigung und der Sicherung beider Punkte durch den Völkerbund. Die Bedeutung dieses Erfolges ist klar, wenn mau vergleicht, in welch unvollkommener Weise in früheren Friedensverträgen die jüdischen Fordernugen behandelt worden sind. Sodann berichtet der Referent über die vom Komitee der jüdischen Delegationen geleistete Arbeit zwecks Untersuchung und Verhinderung der gegen die Juden gerichteten Ausschreitungen und Pogrome in verschiedenen Ländlern. Diese Arbeit bestand in einer außerordentlich bedeutsamen politischen Tätigkeit, speziell bei den Regierungen der Großmächte und in einer wirksamen Orientierung der öffentlichen Meinung aller Länder über die wahre Sachlage. Die Aufklärungsarbeit, welche geleistet wurde, hat auch zu machtvollen Kundgebungen der jüdischen Bevölkerung in allen Ländern speziell auch in England und in Amerika geführt. Sie hat auch Repräsentanten der öffentlichen Meinung, nichtjüdische Männer von Ruf in der gesamten Kulturwelt bewogen, fixr das Recht des unterdrückten jüdischen Volkes einzutreten. Die Arbeit des Komitees ging auch dahin, der betroffenen jüdischen Bevölkerung durch Entsendung von Kommissionen beizustehen, respektive die Entsendung solcher Kommissionen von anderen Seiten zu veranlassen und zu befördern. Hierauf berichtete der Referent über die vom Komitee der jüdischen Delegationen vorbereitete Gründung eines Waad Haarazoth. welcher die bisher erreichten Sicherungen der jüdischen Rechte in jeder notwendigen Weise für die Zukunft ausbauen und schützen sollen. Schließlich behandelte der Bericht die auf dem Gebiete der Hilfstätigkeit entfaltete Arbeit, speziell die vorbereitete Einberufung einer allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz und der für ihre Arbeit maßgebenden Grundsätze. Motzkin schloß seinen Bericht mit der Feststellung, daß die großen Massen des jüdischen Volkes die Forderungen unterstützen und vertreten, für welche das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz gearbeitet hat' und für welche es die bleibenden Institutionen sichern will. Es kommt darauf an, daß die Zionisten mit ganzer Hingabe für diese Arbeiten und Tendenzen eintreten. Der Geist, der in der Arbeit des Komitees lebt, ist derselbe, der den Zionismus trägt Um Palästina zu erlangen, muß man das jüdische Volk haben und es erhalten und so erhalten, daß es imstande ist Palästina jüdisch zu machen. S o k o 1 o w spricht hierauf über die Stellung, die sowohl die zionistische Delegation als aucii dos Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz eingenommen hat. Er erklärt in diesem Zusammenhang, aus weichen Gründen es unmöglich gewesen ist. die im Frühjahr des Jahres 1920 einberufene Konferenz aller Nationalräte in Paris abhaiten zu lassen. Ing. Stricker stellt fest daß es sich augenblicklich nur darum handeln kann, in welcher Weise die zionistische Organisation zu den Fragen der Gegen wartsarbeit Stellung nimmt Eine Nichteiinahme ddr Zionisten würde weder von den Zionisten selbst jpoch auch vor’ nichtzionistischer Seite verstanden werden. Die Gleichberechtigung der Juden ist gegenwärtig eine solche Tatsache, daß ein Kampf um sie nicht mehr geführt werden muH. Aber es handelt sich darum, diese Gleichberechtigtes unter die Garantie der gesitteten Menschheit zu stellen, da sich ganz klar erwiesen hat, daß ohne diese internationale Garantie die von d'en einzelnen Staaten versprochenen Gieichberechtigtung nicht gesichert und gewährleistet ist. Der Redner schildert hierauf die Erfahrungen, die das Judentum in Oesterreich durchgeniacht hat und den Sieg, den dort die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes erzielt haben. Er erwähnt, daß das Komitee der jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris durch die Tatsache seiner Existenz und durch seine Leistungen dem österreichischen Judentum in schwerer Zeit unendlich genützt hat und daß die Juden Oestererichs hiefür dem Komitee tief dankbar sind. Stricker spricht hierauf aus. daß die Beschlüsse den Wünschen und Bedürfnissen der zionistischen Organisation Amerikas gerecht werden müssen und spricht die Hoffnung aus. daß dies auch mit Bezug auf die vergeschlagene Resolution tatsächlich der Fall ist. die anderseits den unerläßlichen Notwendigkeiten - der zionistischen Organisation Europas und ihres Verhältnisses zu den Fragen der Diaspora-Arbeit für die nächste Zukunft entsprechen. Dr. Klee berichtet, daß auch das deutsche Judentum in einer den Beschlüssen des jüdischen Kongresses in Amerika entsprechenden Form die Forderungen des jüdischen Volkes iormuliert hai- Podllschewski drückt hierauf namens des zionistischen Zentralkomitees für Polen dem Komitee der jüdischen Delegationen in Paris den Dank für die unermüdliche und erfolgreiche Tätigkeit aus. welche das Komitee im Interesse der Juden Polens entwickelt hat. Hierauf gelangen die nachfolgenden von Motzkin vorgeschlagenen Resolutionen zur einstimmigen Annahm*:

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