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Jüdische Zeitung · 1920-03-05 · 9 (5.3.1920) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
9 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite * JOBISCKE ZEITUKQ - 'Nr- 9 ttonsburean ist nötig. Die Zionistische Organisation der Tschecho-Slowakei ladet die Jahreskonierenz nach Karlsbad ein. Die Abhaltung der Jahreskonferenz In Böhmen ist mit Rücksicht auf die Valuta empfehlenswert Im übrigen ist Karlsbad vielleicht der einzige Ort in Europa, wa ohne ' jede Schwierigkeit Unterkunft für tausende von Delegierten - und Besuchern geschafft werden kann, ein internationaler Verkehrsknotenpunkt mit internationalem Publikum. ‘ ' Haymson spricht über die Notwendigkeit, die englische Judenheit zur Mitarbeit heranzu- ' ziehen und dementsprechend die Qeschäftsfüh- rung der Zionistischen Organisation den englischen Bebraeuschen gemäß zu gestalten. Er spricht ferner über die Notwendigkeit der Schaffung eines starken zionistischen Preßorgans. Ros off betont, daß die Arbeit der Zentrale und der Zionist Commission kollegial geführt werden muß. Die Jahreskonferenz soll das Recht erhalten, Kooptierungen vorzunehmen, wenn die Mitglieder des Großen Aktions-Komitees demissionieren. Die Anerkennung von neuen Federationen ' muß gründlich beraten werden, ihr Programm muß ^vorher. vorgelegt werden. Naiditsch spricht von der Gefahr unbegründeter Fraktionsgründungen und betont die Notwendigkeit der Hebraisierung der Organisation und ihres ganzen Dienstes. Motzkin erklärt, daß die Zusammenset- ■ zung der Leitung entweder auf einer Koalitionaller Federationen oder auf der Majorität ' aufgebant sein kann. Die Organisation sei aber noch nicht so reif, um ihre Leitung auf die Majori- ’ tät allein stützen zu können. Die Voraussetzung für die Zugehörigkeit einer Fraktion zur Gesamtorganisation ist die Anerkennung des Basler Programms. Deswegen muß auch eine Klärung des Verhältnisses zu den Poale Zion geschaffen werden. Goldenberg spricht über die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit mit den Fraktionen, da Misrachi und~ Poale Zion separatistische Tendenzen haben und.sich eine einheitliche Form nicht finden läßt Mr. Goodman spricht über die Heran-- Ziehung zionistenfreundlicher Organisationen. Das Statut soll hiefür Vorsorge treffen. Mr. Abrahams: Das Engere A.-K. soll zu einem Regierungskabinett vergrößert ' werden. Das Große A.-K. soll aufgelöst werden. Wenn Hebräisch als die tatsächliche Vermittlungssprache in der Organisation sich durchsetzen soll, so ist eine gewisse Uebergangszeit not- ’ wendig. Dr.' Epstein schildert die zionistische Arbeit in Argentinien und ihre starke Entwicklung, die auch den Einfluß der Zionisten Im gesamtjüdischen Leben bewirkt hat Die j üdische Kolonistenjugend ist zur Auswanderungnach Palästina-bereit ' Ing. Stricker beantragt die Schaffung eines Preßbureaus am Sitz der Leitung, welche den verschiedenartigen Bedürfnissen der gesamten zionistischen und zionistenfreundlichen nationalen Presse entspricht, um dieser Presse die Möglichkeit einer Ausdehnung ihres Einflusses zugunsten des zionistischen Gedankens zu sichern. Nur wenn ein mit der Leitung in Zusammenhang stehendes Preßbureau funktioniert, wird die gesamte Presse davor bewahrt werden, Sensationen zum Opfer zu fallen. Der Kongreß kann nicht stattfinden, solange er nicht in jeder Beziehung vollkommen frei und autonom in seinen Beratungen und Beschließungen ist Bezüglich der Organisierung der Leitung schließt sich Stricker den Vorschlägen von Mr. Abrahams an. Podlischewski betont daß die Grundlage der Zionistischen Organisation der Schekel, die Palästinaarbeit und die hebräische Sprache seien. Die Poale Zion seien gegen jeden der drei Punkte. Dr. Bodenheim er rät davon ab, in der Organisation gegenwärtig radikale Aenderungen vorzunehmen und bittet um regelmäßige Informationen. Mn S hät espricht über die Notwendigkeit der Heranziehung neuer Kräfte durch die Lötung. Die zu gründende Zeitung müßte in Verbindung mit der Englfsh Zionist Federation stehen. Sprinzak spricht für die Einberufung des Kongresses. Bezüglich der Anerkennung der Fraktion der Zeire Z-ion erklärt er, daß ihre Existenz an sich der einzige notwendige Beweis für ihre Existenzberechtigung ist Selbstverständlich muß die Anerkennung bestimmter programmatischer Prinzipien vorausgesetzt werden. Er schlägt hierauf formell vor, das A.-K. solle die Gruppe des Hapoel Hazair und der Zeire Zion als eine Federation anerkennen und ihr eine VertretungimA,-K. zugestehen. Böhm meint der Kongreß sollte einberufen werden, wenn das Mandat vorliegt Auf die soziale Bewegung muß Rücksicht genommen werden. Die Zionistische Organisation ändert ihre Struktur. Das treibende Moment ist die geistige Bewegung. Nur sie erhält uns die Jugend und gibt uns die idealistischen Pioniere für Palästina. Auch er wünscht eine klare Stellungnahme "zu den Poale Zion. Die Aussprache schließt durch eine Rede Dr. Weizmanns, welcher auseinandersetzt, unter welchen Verhältnissen die Informationen der verschiedenen Instanzen .der Organisation vor sich gegangen sind. Er weist darauf hin, daß die Leitung manche Informationen deshalb nicht weitergeben kann und weitergeben konnte, weil sie gegenüber anderen Faktoren zur Diskretion verpflichtet ist Hierauf spricht . Dr. Weizmann über die Versuche der Leitung, mit allen in Betracht kommenden Kräften zur Zusammenarbeit zu gelangen. Bezüglich des Verhältnisses zu den einzelnen Federationen und Richtungen sei es gegenwärtig hoch nicht, möglich, die'konkreten festen Formen zu schaffen. Es ist nicht möglich, in einem Jahre aufzubauen, was sich in sechs Jahren verändert hat Was den Kongreß anlangt., muß derselbe gut und groß sein, wenn er einberufen ist. Wir dürfen keinen Surrogatkongreß haben. In der Naohmittagssitzung hält zunächst Dr. Hantke das Schlußwort. Er betont daß die Informationen der Zentrale, soweit es möglich war, weitergegeben wurden. In Zukunft wird es wieder möglich sein, einen engeren persönlichen Zusammenhang zu schaffen. Daneben wird der öffentliche Informationsdienst einschließlich des Preßbureaus ausgebaut werden müssen. Wir müssen aber der zionistischen Oeffentlichkeit mehr geben als Information über Politik. Der Referent wiederholt hierauf nochmals, welche Momente für die Zusammenberufung der Jahreskonferenz sprechen und weiche Vorbedingungen für die Einberufung des Kongresses notwendig wären. Es ist nicht möglich, alle Entwicklungsprozesse in der Organisation durch Beschlüsse und Resolutionen zum Abschluß zu bringen. Dies gilt auch für das Verhältnis zu dem Poale Zion. Die Arbeit der Poale Zion hat sehr viel zum Sieg des zionistischen und nationalen Gedankens beigetragen. Das A. K. als solches kann mit Rücksicht auf die Bestimmungen über das Verhältnis der Banken und des Nationalfonds zur Organisation nicht einfach beseitigt werden. Es soll aber den Charakter eines parlamentarischen Ausschusses des Kongresses annehmen. Die Leitung selbst kann nicht auf dem Grundsatz der Vertretung der einzelnen Gruppen und Federationen aufgebaut sein, sondern es muß eine arbeitsfähige, in den Hauptliniengeschlossene Körperschaft darstellen. Es kommt hierauf zur Abstimmung. Zunächst wird folgender Antrag des Engeren Al K. angenommen. „Die zionistische Jahreskonferenz wird auf Anfang Juli 1920 einberufen Die Wahl des Ortes bleibt der Exekutive überlassen.“ Hiezu wird ein Zusatzantrag, vorgeschlagen von Kaplan, angenommen, welcher lautet: „Die Jahreskonferenz ist möglichst in einem Land mit niedriger Valuta abzuhalten.“ Ferner werden nachfolgende Anträge des Engeren A. K., ebenfalls einstimmig, angenommen: „Das Große A. K. macht die Landes- und Sonderfederationen darauf aufmerksam, daß die Wahl der Delegierten zur Jahreskonferenz von der Abführung der Schekelgelder abhängig ist“ „Das Große A. K. fordert alle Federationen auf, alle gesammelten Beträge für Schekel und Restaiiratipnsfonds in der.Währung ihrer Länder innerhalb' der nächsten Monate den Korrespondenten des' Jewish Colonial Trust abzuführen.“ . „Das Budget im Gesamtbetrag von 491.000 eng 1-isdhen Pfund, das von der Londoner Konferenz für das Jahr März 1919 bis Februar 1920 angenommen wurde, wird für weitere 6 Monate verlängert.“ Hierauf wird der Antrag Stricker angenommen: „Die" Leitung wird zur Schaffung eines Preßbureaus aufgefordert“ Ferner wird der Antrag, eine Kommission zur Ausarbeitung des neuen Wahlstatuts einzusetzen, angenommen. Die Auswahl der Mitglieder wird dem Engeren A. K. überlassen Der Antrag Sprinzak und Kaplan auf Anerkennung des Hapoel Hazair und der Zeire Zion als Federation und Zu- Ziehung von Vertretern dieser Federation ins A. K. wird mit Zustimmung der Antragsteller nicht zur Ab stimmun g gebracht, nachdem Dr. Hantke erklärt hat daß diese Frage bei der J ahreskonferenz entschieden werden soll, daß aber bis dahin die Vertreter dieser Gruppen in der gewünschten Weise informiert und zur Arbeit herangezogen würden. Hierauf wird ein Antrag Dr. Weizmanns angenommen, der -jüdischen Bevölkerung Palästinas in der Zionfst Commission vier-Vertreter statt drei Vertretern zu gewähren. Ferner wird ein Antrag des G o 1 d b e r g angenommen, die Zahl der Mitglieder der Zionist Commission 'auf - dreizehn zu erhöhen. Die Nominierung des Mitgliedes für diesen dreizehnten Platz wird auf Vorschlag von Herrn Goldberg dem Engeren A. K. überlassen. Ein Antrag FI orentin, dersefardischen Bevölkerung Palästinas eine Vertretung zu gewähren, wird der Zionist Commission überwiesen. Hierauf wird ein Vorschlag Sprinzak angenommen, wonach das Große A. K. sich für die möglichst schnelle Organisierung der jüdischen Bevölkerung Palästinas auf dem Weg der Einberufung der konstituierenden Versammlung auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen 'Proportional Wahlsystems, ohne Unterschied, d'e'r Geschlechter, aussnricht Hiemit wird die Organisationsdebatte geschlossen und mit der Palästinadebatte fortgefahren. Simon berichtet zunächst über die eingeleitete Organisierung der^ Palästina- und Emigration sämter und hierauf speziell über die Organisierung der Arbeit der C h a 1 uz im. die von Seite der Landesorsranisationen durchgeführt wird und durchgeführt werden muß. Er berichtet speziell über die Erfahrungen in Holland, Deutschland und Polen. Dr. Caleb berichtet über die jüdische Emigration aus Südr.uEIand und Rumänien, für welche Konstantinopel der Durchgangspunkt ist,'und über die Ausbiidungsmöglichkeiten für Chaluzim in Konstantinopel. Herr Dr. Katzenelson spricht den Wunsch aus,, daß die Emigration nach Palästina in Verbindung mit der allgemeinen Emigration organisiert wird und die. notwendigen technischen Vorbereitungen geschaffen werden. Fink eist ein, als Sekretär des Emigrationsdepartements, berichtet hierauf über di» Grundsätze und; Arbeitsprinzipien des Emlgrationsdep.artemen.t.s, über die Beziehungen zu den englischen Behörden und die für die Zukunft voraüszusehenden Möglichkeiten für die Organisierung der Emigration. Simon schließt die Debatte mit einer Auskunft über die Liquidationsbanken, deren Gründung'nur durch die einzelnen Landesorganisationen durchgeführt werden kann. (Schluß in der. nächsten Nummer.) Gesetzliche Anerkennung der jüdischen Nationalität in der Tschechoslowakei Die' zielbewußte Tätigkeit des nationalen Judentums in der Tschecho-Slowakei, welches im jüdischen Nationalrat von Prag seine Vertretung hat, ist von einem bedeutenden Erfolge gekrönt In der Sitzung der Nationalversammlung am 19. Februar, erstattete der Abgeordnete Prof. Fr. Krej ci (tschech. Sozialist) namens des Kul turausschussesein Referat, über die Petition de» im Juni. y. J. . in Olmütz abgehaltenen Kongresses der jüdischen Lehrer' an da* -J^räsidium der Nationalversammlung, wegen Anerkennung des Rechtes auf ein eigenes Schulwesen. Der Berichterstatter wies darauf hin,, dag sich nach dem Umsturz in jüdischer Nationalrat gebildet hat, als Vertreter jener Juden,, die sich als ein eigenes Volk fühlen. Dieser jüdische Nationalst sandte dem damaligen „Närodni Byhor“ ein Memorandum, in welchem die Anerkennung der Minderheitsrechte im Sinne der nationalen Selbstbestimmung verlangt wird. Es liegt kein Grund vor, diese Rechte grundsätzlich zu verweigern und es unterliegt keinem Zweifel* daß diese Rechte dem Bruchteil jeder Nation zuerkaunt werden, die der Republik angegliedert ist. Die Rechte der nationalen Minderheiten sind im Friedensvertrag von St. Germäin enthalten und unter den Schutz des Völkerbundes gestellt. Damit ist auch unser Verhältnis zu den Juden vom nationalen Standpunkt genau bestimmt und wir besitzen darin die Formel für . die Lösung der speziell tschechischen Judenfrage. Bei dieser Frage handelt es sich nicht nur bei uns* sondern auch anderswo hauptsächlich darum, ob die Juden ein eigenes Volk sind oder ob die- Assimilation Bereits soweit fortgeschritten ist daß sie in dem Volke aufgehen, in dessen Staate sie leben, so daß das Judentum nur die religiöse Konfession von Bürgern verschiedener Nationalitäten ist Auf der Lösung -dieses Dilemmas beruht die Berechtigung der Juden auf die Zuerkennung der Minderheitsrechte. Die Entscheidung ist Aufgabe der Wissenschaft In der Politik ist es jedoch notwendig. sogleich eine Entscheidung zu treffen und da muß man mit der Tatsache rechnen, daß es hier Bürger gibt ,4ie sich zur jüdischen Nation melden, daß sie das Recht ' auf Anerkennung ihrer Nationalität haben, die sie bereits in einer ganzen Reihe von Staaten1 erlangt haben und daß diese Erkenntnis aus dem Grundsätze erfließt daß jeder Mensch über seine Zugehörigkeit zu einer Nation selbst entscheide. In der Politik müssen wir mit den Juden als einer Nation rechnen. Auf diesen Standpunkt hat sich auch der Kulturausschuß gestellt und er ist infolgedessen der Ansicht daß dies endlich auch in der Sdiulfrage entschieden werden wird. Der Referent beantragte schließlich, daß die Nationalversammlung diese Petition unter Berufung auf den Friedensveitrag von Versailles für erledigt betrachte. Diese Resolution, wurde sodann;im Sinne des Berichtes mit Beifall zur Kenntnis genommen. Im Motivenb ericht zur Verfassungsurkunde der tschechischen Nationalversammlung wird die Anerkennung derjüdischenNationalitätausdrücklich ausgesprochen. Im sechsten Hauptstück des Dokuments heißt es:Es wirddarauf aufmerksam gemacht daß die Juden der tschecho-slowakischen. Republik nicht gezwungen sind, sich bei der Volkszählung, bei Wahlen und anderen politischen und amtlichen Handlungen, auch soweit es sich um die in der internationalen Abmachung betreffs der Minderheiten angeführten kulturellen Institutionen (Erziehung* religiöse Uebungen, soziale Fürsorge) handelt sich zu einer andersethnischen nationalen Minderheit als zur jüdischen zu bekennen. ganz unabhängig davon, welche Umgangssprache sie gebrauchen. Die Politik der jüdischen Nationalräte, welch« sich in dem Komitee der. jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz ein repräsentatives Organ geschaffen haben, hat es verstanden, die in Paris vertretenen Mächte zu einer richtigen Anschauung vom nationalen Charakter der jüdischen Minderheit zu bekehren. Diese Erkenntnis findet ihren Ausdruck in den Klauseln über den Minderheitsschutz, die sich in dem polnischen und ' ■*.

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