Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 9 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438777-2438786--6612-2446710- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 9 minar in Lodz eröffnet. Das Regier ungsseminar in Warschau steht unter der Leitung von Dr. Posnansky und zionistischem Einfluß. In Warschau und Lodz bestehen Kurse für Vervollkommnung der Lehrerausbildung. Sobald die Regierung esgestattet, werden ln Warschau und Lublin hebräische Lehrerseminare begründet. Ein. Schulmuseum mit einer sehr guten Ausstattung wurde in Warschau eröffnet. Die Hazefirah ist nunmehr in 10.000 Exemplaren täglich verbreitet. Misrachi und Zeire Zion arbeiten im Kultur-Departement mit den Zionisten zusammen. Es jrehlen, wie überall Lehrer und Lehrbiicb«r. Mr. Abraham berichtete über Südafrika. Dort besteht die Gefahr, daß infolge des Mangels einer jüdischen Erziehung die nächste Generation nicht nur nichtzionistisch, sondern auch nichtiüdisch sein wird. Darum muß die Universität in Jerusalem es als ihre ernste Pflicht betrachten. Lehrer auszubilden. Wir brauchen Lehrbücher in guten Ausgaben. Aber unsere Schulen dürfen nicht nur Buchweisheit geben, sondern müssen Arbeitsschulen sein. Sehr wichtig ist die Errichtung eines Institutes für die hebräische Sprache, das auch eine einheitliche Aussprache festzusetzen hätte. Struck stimmt voll und! ganz den Resolutionen zu, die das Edhcatiom Departement vorgeschlagen hat. Wir müssen die vollkommene Hebnäisierung der nationalen Judeaheit auch in der Diaspora mit allen Mitteln durchführen. Er berichtete über die Amsterdamer Beschlüsse dies Misrachi' und über die große Werbearbeit dtes Misrachi unter den1 Orthodoxen und! der Jugend. Niemand kann heute gegen den Misrachi dien Vorwurf dies Klerdkaiismus erheben. Die Misrachi verfangen von. niemandem eine religiöse Gesinnung und die Beobachtung religiöser Riten, Sie verfangen aber eine wirkliche jüdische Kultur und nicht ein zionistsches Phrasentum. Der Zionist soll Bibel und wenigstens Elemente des Talmud kramen. Der Misrachi ist zur - positiven Arbeit übergegangen. In Polen haben sich nunmehr über 100 Rabbiner dem Misrachi angeschlossen. Jn Warschau wurde ein Rabb.inerseminar gegründet. Jedes Wort der Anerkennung ist zu gering, für die Hebäisterungsarbeit die im Osten geleistet wurde. Auf den Straßen von Wilna und Kowino hörnt man die Kinder Hebräisch sprechen. Die Debatten auf der Amsterdamer. Misrachikonferenz wurden zum großen Teil Hebräisch geführt (Beifall). Struck konstatiert mit großer Freude eine Annäherung zwischen allen Parteien ,durch die positive Arbeit Die gemeinsame Basis ist die hebräische Sprache. Wenn dite moderne hebäische Kultur nicht auf der. alten fusse. so sei sie ein Produkt der > Assimilation. Palästina muß das Schulwesen so gestaltet werden, daß jede religiöse Richtung frei ist Struck spricht zum Schlüsse Weizmana seinen Dank aus. Dr. Auerbach berichtet über die Situation unter den Sefardim. Wir könnten alle Sefardim iimnser Lager ziehen, wenn wir genug Lehrer hätten, um ihnen Schulen an geben. Ein Drittel der jüdischen Kinder in Konstantinopel . ist obn.e Schulen. Es bestehen in Konstantinopel hebräische Schulen, die vom Hilfsverein geschaffen woiden sind. Die B‘ne Berith Loge arbeitet national und hat ein Lyzeum gegründet, in dem 600 Schüler lernen. Jetzt geht man daran, Mädchenschulen zu gründen, aber es fehlen Lehrer und Lehrbücher. Die Schulen in den kleinen' Graneinden könnten vollständig ' hebräisiert werden. Die Alliance kann keine Lehrer mehr liefern. Die Ecole Normale in Paris hat keine Schüler mehr. Konstantinopel verfangt keine Geldunterstützimg, nur Lehrer. Wir werden unsere jungen Leute In die Lehrerseminare von Wien und Jerusalem schicken, um sie auszubilden, und' später selbst ein Lehrerseminar errichten. Was wir von der Universität erwarten, ist, daß sie uns Lehrer für unsere Lehrerseminare aurfiildet. Redner beklagt, daß die neuen Lesebücher sich zu sehr an den Verstand und zu wenig an das Herz wenden.. Er empfiehlt die Gründung von Jugendheimen. Dr. Goldstein führt aus: Das Erziehungsdepartement hat in acht Monaten sehr viel geleistet; mehr, als wir erwarten konnten. Notwendig ist eine Fühlungnahme mit Fachmännern, die Schaffung einer zentralen Zeitschrift für Kulturarbeit Er verweist auf die vom Education Departement über die' Kulturarbeit in den einzelnen Ländern veröffentlichten Berichte und verlangt die Schaffung eines Sekretariates im Osten für die osteuropäischen Länder. Wenn die amerikanischen Hilfsgelder, so wie es richtig sein müßte, im Osten durch die demokratischen Graneinden zur Verwendung gelangten, würden, auch die hebräischen Erziebumgszwecke genügend berücksichtigt werden. Ing. Stricker sagt: In Weltanschauungen gibt es keinen Kompromiß. Geben wir den Orthodoxen volle Autonomie. Die finanzielle Unterstützung der Schulen verschiedener Richtung muß sich nach ihrer Schülerzahl richten. Der Kampf um die Jugend wird uns nicht erspart bleiben. Redner warnt die Misrachi vor ihrer neuen Gefolgschaft Erfürchtet, daß sie bald nicht mehr {fie Führenden; .sondern die Geschobenen sein werden. Dr. Schönfeld beruft sich auf'Weizmanns Kritik des palästinensischen Schulwesens und auf Weizmanns Anspruch, daß sich in P a 1 ästina geistiges Parvenütum breümacht Die Schulen and dort Lehr- und nicht „Erziehungsinstitute. Das hebräische Gewand gibt noch keinen jüdischen Geist Wir müssen zwei Parolen nach Palästina geben: 1. daß das Altjüdische im Erziehungssystem respektiert wird; 2. eine autonome Konstituierung der orthodoxen Schulen. Motzkin bedauert daß nicht alle A. C.- Mitglieder den Wert der Kulturarbeit verstehen. Das ist ein Mangel an politischer Einsicht Er freut sich, daß die positive Arbeit eine versöhnliche Stimmung geschaffen hat. Dennoch müsse er dar gegen protestieren, daß gesagt wird, die linken Parteien hätten eine weniger tiefe Verbindung mit der Vergangenheit Die Hebrälsierung ist nichts Aeußerliches, sondern bringt die Schätze des Judentums dem Kinde zum Bewußtsein. Wir müssen aber mit großen Mitteln an diese Arbeit herantreten und dem Erziehimgsdepartement ein großes Budget zur Verfügung stellen. Dite Diaspora wartet daraut daß von Wer aus die Kulturarbeit < im großen Umfange durchgeführt werde. s Ros off berichtet daß in Rußland) kein Kampf mit dem MisracW stattfand. Die orthodoxe« Schulen in Palästina stehen nicht auf der Höhe. Die schlechten Schulgebäude und dite schlechte Entlohnung der Lehrer behindern die Entwicklung unseres Schulwesens. Fischer wendet sich gegen einen hebräischen Fanatismus in Palästina. (!) Dr. Klee betont die Schwierigkeiten, mit denen der MisracW zu kämpfen hat Wir dürfen ihm seine Situation nicht erschweren und müssen ihm 'Brücken bauen. Er berichtete über die hebräische Bewegung in Deutschland und die von ihr geschaffenen Institute. Sprinzak protestiert gegen den Vorwurf des Fanatismus inPalästIna. Er verlangt Achtung vor dem Jischub. Dr. Lewin legte in seinem Schlußwort die Geschichte der Verhandlungen über die orthodoxen Schulendar. Die Londoner Konferenz im Februar hat an der einheitlichen Oberleitung des gesamten Schulwesens festgehalten. Er verwies darauf, daß auch im Lager des Misrachi dieselbe Anschauung Vertreter findet und daß die misrachistische Jugend in Berlin und in Frankfurt gegen die Beschlüsse der Amsterdamer Konferenz protestiert und eine Einheitsschule verlangt. Wir wollen mit dem Misrachi freundschaftlich auskommen. Dies will auch Ussischkin in Palästina, der den orthodoxen Schulen volle Autonomie und einen eigenen Waad Hamfakeach zugibt. Es folgte nunmehr die Abstimmung über die Resolutionen. Folgende Resolutionen winden angenommen: 1. Das Aktionskomitee billigt das ihm vorgelegte Progra.m-m-tür, den Beginn, der UniversitätTwonach die Universität zunächst mit naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten (für Physik, Chemie, Mikrobiologie, Agrikultur), einem hebräischen Institut und einem allgemeinen Kurs in den phil os ophisch en Fächern eröffnet werden wird. Gleichzeitig sind Lehrstühle für Pädagogik und judaistische Fächer anzugliedern, an welchen Lehrkräfte für die hebräischen Seminare und Mittelschulen ausgebildct werden Dieser Kern soll sich in naher Zeit zu emer vollenüniversität entfalten. Die Exekutive muß sich Webei von dem Prinzip leiten lassen ein hohes, wissenschaftliches N i v e a u festzuhalten und den Forderungen des Landes zu entprechen. 2. Das Aktionskomitee billigt die Ent Schließung der Exekutive, das Technikum in Haifa womöglich während des näthsten Schuljahres zu 'eröffnen, um den Bedürfnissen des Landes Rechnung zu tragen und der palästinensischen Jugend die Möglichkeit einer technischen Erziehung zu geben. 3. Das Aktionskomitee begrüßt es, daß die Exekutive Schritte unternommen hat, um den Ausbau der Nationalbibliothek in Angriff zu nehmen. Das Aktionskomitee fordert alle Federationen auf, an den Sammlungen von Büchern und Dokumenten für die Nationalbibliothek energischen Antel zu nehmen. 4 Die vollkommene Hebräisierung Erez Israels und der nationalen Judenheit im Galuth ist mit allen Mitteln durchzuführen. Das Aktionskomitee begrüßt deswegen) die in vielen Ländern unter zionistischer Führung geltend gemachten Bestrebungen zur Schaffung eines hebräischen Schiriwesens. Das Aktionskomitee sieht es als Pflicht der zionistischen Organiation an, diese Bewegung zu unterstützen und insbesondere für den Lehrernachwuchs und für Schaffung geeigneter Lehrbücher in kürzester Zeit vorzusorgen. 5. Die ü n i v e r s i t ä t ist so zu organisieren, daß die Gewissensfreiheit der verschiedenen religiös-kulturellen Richtungen gewahrt bleibt. 6. Das Aktionskomitee betont die Notwendigkeit volkstümlicher Kurse für Hebräisch und allgemeine Wissenschaften und empfiehlt deren rationelle Organisierung in Palästina und im Galuth. 7. Das Erziehungsdepartement wird1 beauftragt, in nächster Zeit eine Konferenz von Erziehungssachverständigen sowohl aus Palästina wie aus dem Galuth' einzüb raufen, die über alle Fragen der Erziehung zu beraten haben wird. Am Donerstag. den 19. Februar wurde die Palästinadebatte fortgerührt. G o 1 d b e r, g sprach nochmals über die ' Bedeutung . dter PY i v a t ijn itiative für. den wiDrtschaftlfchen Aufbau Palästinas. Dr. Ru pp in-führte aus. welche Forderungen aufzustellen sind, um in kürzester Zelt mit dem Aufbauwerk in Palästina in systematischer Weise beginnen zu können und ging hierauf auf die Forderung auf der NationalisierungdtesBodens ein. Der Redner führte aus; daß die Durchführung einer zweckentsprechenden Steuerpolitik in der Hauptsache den Zweck erreichen werde, jede Privatspekulation mit dem Boden auszusehließen, selbstverständlich dürften nationale Mittel niemals so verwendet werden, daß irgendwelche Unterstützung einer Spekulation .möglich sei. Was die Privatinitiati ve anlange, so muß von Seiten der Organisation dafür gesorgt werden» daß in der Kette der die Kolonisation durchführenden Einrichtungen und Gesellschaften kein einziges Glied fehlt und jedes so funktioniert wie es im Gesamtinteresse notwendig sei. Deshalb kann man die grundlegenden Arbeiten nicht einfach der Privatinitiative anvertrauen sondern muß dafür sorgen, daß sie so dörchgeführt werden, wie es der nationale Gesichtspunkt erfordert. Dies gilt z. B. für das Bauen, speziell von Arbeitshäusern. Der Redner führte aus, in welcher Weise Industrie und Verkehr in Palästina von der G e m e i n s c h a f t durchgeführt und kontrolliert werden könne.- Er betont auch einerseits seine außerordentliche Befriedigung darüber, daß in der gesamten Organisation ein so vollständiges Einvernehmen über die Notwendigkeit einer Politik bestehe, welche ein gutes Einvernehmen mit den Arabern sichert. Julius Simon führte aus. daß der von ihm entworfene Finanzplan seine Bedeutung darin habe, daß er die Möglichkeit schaffe, durch die zu gründenden resp. zu entwickelnden Finanzmstitirta all die Summen aufbringen. die für die Kolonisationszwecke notwendig sind, soweit es sich um Gelder handelt; die auf der. Grundlage gesunder geschäftlicher Berechnungen, also als rentable Anlage aufzubringen sind. Demgegenüber ist es notwendig, eine ebenso große Summe auf anderem Wege aufzubringen, durch welche-, diejenigen Arbeiten und Ausgaben zu bestreiten sind, welche nicht im privatwirtschaftlidien, sondern nur im volkswirtschaftlichen Sinne produktiv sind; sodaß sich das Privatkapital hiefür nicht mobilisieren läßt. Simon führte die Schwierigkeiten aus. welche gegen die von London aus zu organisierende Gründung von'Liquidationsbanken bestehen. In der weiteren'Debatte sprechen zunächst die Herren Sokolow, Dr. Halpern, Notzkin und Dr. Feiwel. Es wird hierauf 'eine fünfgliedrige Kommission, gewählt, welche die. aus' der Aussprache resultierenden Anträge zur Beschlußfassung vorzubereiten hat. Es wird hierauf folgender Antrag von. B ö hm mit allen gegen eine Stimme angenommen. ..Die A.-K.-Sitzung spricht sich dafür aus. daß die Mittel, welche die Zionistische Organisation für landwirtschaftliche Kolonisation aüfwendet nur solchen Ansiedlern zugute kommen soll, welche sich den Grundsätzen der Bodenpolitik des Jüdischen Nationalfonds unterwerfen.“ Ferner wird der Antrag Sprinzak ange- ‘ nommen: „Das Große A.-K. betont, daß die Errichtung von Siedlungen von Eigenarheitern (Maschawoth Owdim) in die erste Reihe der nächsten Aufgaben in Palästina fällt.“ Ferner: ..Das Große A.-K. anerkennt die Notwendigkeit der Bildung einer speziellen Abteilung für die Angelegenheiten der jüdischen. Arbeit und Arbeiter in Palästina, welche als ein Teil der Zionistischen Kommission angesehen werden soll.“ Schließlich wird der Antrag Sprlnxafc- Feiwel angenommen: „Das A.-K. genehmigt prinzipiell die Begründung eines Institutes für kooperativen Arbeit e r k r ed it in Palästina. Es beantragt das A.-K. das mit den Arbeitervertretern im Oktober 1919 abgeschlossene Protokoll der Zionistischen Kommission und den Vertretern der palästinensischen Arbeiterschaft'zur Prüfung vorzulegen und innerhalb vier Monaten ' eine Entscheidung zu treffen.“ Alle übrigen in der Palästinadebatfe gemachten Anträge werden der eingesetzten Kommission überwiesen« resp. sollen bei anderen Punkten der Tagesordnung behandelt werden. Julius Simon macht die Mitteilung, daß der zionistische Delegierte aus Bulgarien. Herrn Jacok Awraimof f, eine Stiftung.von 500.000 L eva dem A.-K. für Palästina zur Verfügung gestellt hat. Die Mitteilung wird mit lebhaftem Beifall zur Kenntnis genommen. Freitag, de« 20. Februar begann die Sitzung mit einem Bericht Dr. B öden heimers. als Referent der eingesetzten politischen Kommission. Alle- Vorschläge wurden dem engeren A.-K. zur Behandlung überwiesen. Hierauf antwortete Herr Dr. Weizmann auf einige Fragen, insbesondere auch bezüglich der Geschichte der jetzigen Lage und der künftigen Aussichten des jüdischen Regiments. Hierauf berichtete Herr Göldberg über die Finanzen der Organisation. Sodann erstattete Dr. Häntke das Referat über, die Organisation. Er ging davon aus; daß. die Zionistische Organisation vor dlem Kriege mehr oder . weniger eine t europäische Organisation war und daß die Bemühungen, den Zionismus in den nicht-europäischen Ländern zu entwickeln: erst kurz vor dem Krieg mit größerer Intensität aufgenommen werden konnte. Während des Krieges hat in den außereuropäischen Ländern, speziell in Amerika eine ungeheure Entwicklung gewordene Zionismus ist in die allgemeine Orga-