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Jüdische Zeitung · 1920-03-05 · 9 (5.3.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
9 (5.3.1920)
Date
1920-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XIV. Jahrgang Mr.. 9 Nsiional-jüdifches Organ Redaktion and Administration Wies II., Tabaratrale I Farnsp c-ebor Nr. 44038 n. 43319 Mit der Beilage: „Der jüdische Nationalfonds* Wien, Freitagt des 5. März 1920 VTortsijxhrifr I3J5T gassj. 50 3, Einsalnninmer 1 M Postsparkaaienkonto 133.404. ie Sitzung des großen zionistischen Aktionskomitees , t Zu Beirinn der Sitzung am 18. wurden Begrüßungen der Ukrainischen Mission in England und der Zionistischen Federarionen für den Orient, für die Schweiz. Rumänien und einzelner zionistischer Gruppen Englands, sowie ein Danktelegramm Jacob Schiffs für eine gesandte Depesche, anläßlich des durch ihn bewirkten Ankaufs des Technikums verlesen. Hierauf ergriff Dr Schmaria Lewin das Wort zum Referat über Kulturarbeit Die hebräische Bewegung in der ganzen Welt ist. der Gradmesser, wie weit das jüdische Volk in seinem innerstem abgesehen von allen Katastrophen, den Drang'nach Os'en ln sich trägt. Jedenfalls muß die Hebräisicrungslätigkeit m der Bewegung einen viel größeren Platz einuehmen als bisher. Das gilt auch in ganz praktischer Hinsicht. I.n Amerika kann man überall beobachten, daß wir dort leicht Anhänger lür unsere Bewegung werben können, wo eine Urupnevon Menschen iebc. die aus Eurooa ihre L ebe zum Hebräischen mitgebracht haben. Wo »her kein Verhältnis zu unserer Nationalsprache inehr besteht, da ist es ungemein schwer. Verständnis für unsere nationale Bewegung zu erwecken Wir haben uns leißer um den amerikaniichen Emigrationsstrom nicht genügend bekümmert Jetzt erst beginnt mit dem Zionismus auch die hebräische Bewegung!n Amerrka festen Fuß zu fassen. Die Jugend lernt Hebräisch und wird noch die Alten zwingen, die Reform, diese amerikanische Art der Assimilation, aufzugeben. Wir stehen vor einer ungeheuren Aufgabe. Palästina muß rein hebräisch sein. Wenn die Juden, die nach Amerika auswinderten. Englisch erlernten, so müssen wir von den Jaden, die nach Palästina kommen, verlangen, daß sie Hebräisch lernen. Es muß die innere Kn e c h tschait verschwindeh. Die Schulen in Palästina sind aus dem Nichts entstanden, und es ist kein Wunder, wenn sie noch nicht ganz auf ■der Höhe stehen. Wir kämpfen mit ungeheuren Schwierigkeiten. Unsere Schulen sind, in gemieteten Häusern untergebracht, die oftden primitivsten hygienischen Forderungen nicht entsprechen. Wir müssen in Erkenntnis auch der politischen Notwendigkeit der hebräischen Schulen in Palästina sie so ausstätten. daß sie in jeder Beziehung konkurrenzfähig werden. Wir müssen durch Errichtung eines hebräischen Institutes Jur die Entwicklung der Sprache in Palästina sorgen. Dr. L e w i n ging hierauf auf die A r b e i t-i n der Diaspora über. Hier muß die Kulturarbeit von den Landesorganisationen durchgeführt - werden. Die zentrale Arbeit muß für die Befriedigung hauptsächlich zweier Bedürfnfese sorgen, welche die Bedingung für die ganze Heiräisierungsarbeit darstellen: Lehrer und Lehrbücher. Wir müssen 20 bis 25 Lehr erseminare in der Diaspora errichten. Unter diesen Seminaren muß ein Lehreraustauscn stattfinden. der das beste Mittel für die Herstellung der geistigen Einheit sein wird. Es gibt keine Bücher mehr auf dem jüdischen Büchermarkt. Dr. Lewin sah in Wynipeg {Amerika) Lehrer sitzen und Bücher abschreiben, als gäbe es^keine Buchdrucker. Wir müssen Bücher für die Länder mit niedriger Valuta hersteilen. Dr. Lewin wies auf das Beispiel der Tschechen hin.denen es gelungen ist, in wenigen Jahrzehnten ein vollständiges Schulwesen, eine wissenschaftliche Literatur, eine eigene Terminologie zu schaffen, sodaß sie mit der Kultur anderer europäischen Völker wetteifern können. Für uns ist diese Frage heute ein Problem der Organisation und .des Geldes. Unser Kampf ist ein Kampf gegen die Geographie.. Wir müssen die Arbeiten. die in einzelnen Ländern unternommen werden, zentralisieren, und koordinieren. Das geistige Leben der Juden in den verschiedenen Ländern wird durch -Erstarken der hebräischen Bewegung vereinheitlicht werden, und wir werden die Diaspora geistig überwinden. Dr. Bergmann ergänzte die Ausführungen Dr. Lewins durch de- taillierte Angaben über_ die Kulturarbeit. Die palästinensische Schulen, für welche die Zionistische Organisation in diesem Jahre 85.000 Pfund Sterling aiisgibt. zählen gegen 12.000 Schüler. Außerdem zahlt die IKA, deren Schulwesen dem zionistischen angegiiehen ist. gegen 1200 Schüler. Noch -besuchen 2500 Kinder in Palästina jüdische Schulen, die nicht hebräisch, sind. Aber es ist charakteristisch, daß die Alliance- Schule in J afia aus Mangel an Schülern geschlossen werden mußte. Er erwähnte. daß .demnächst die landwirtschaftliche Schule in Petach Tikwah eröffnet werden wird und daß dadurch dem Bedürfnis nach landwirtschaftlichem Unterricht das Sprinzak in der Universitätsdebatte betont hat wenigstens teilweise Rechnung getragen wird. Für die Errichtung von 40 Sch ulgeb luden, die dem dringendsten Bedürfnisse abhelfen sollen, werden wir 100.000 Pfund Sterling ausgeben müssen. Dieses Geld ist durchaus fruchtbringend: denn heute ist unser Budget belastet weil die Zahl der Lehrer, die wir in Palästina beschäftigen, weit größer ist als der Schülerzahl entspricht. Dies ist die Folge des Mangels an einheitlichen Schulgebäuden und des Mangels an Lehrbüchern. Der palästinensische Lehrer ist gezwungen, den Schülern seine Vorträge zu diktieren und dies verschlingt eine Unmenge Energie. Der Redner kam hierauf auf die bereits herausgegebenen und die in Vorbereitung befindlichen Lehrbücher zu sprechen. Er erwähnte die diesbezügliche Tätigkeit in Palästina und in Polen und stellte in Aussicht daß die Gründung eines Verlages in Wien den Druck der Lehrbücher erheblich verbilligen wird. Zum Problem der. Lelirer jiberg£;hend, erwähnterer, daß die Polen 80 Lehrer semiriärrö Tn einem' Jahr eröffnet haben. Bei uns decken-die Lehrerseminare in Palästina knapp den natürlichen Abgang. Wir haben nicht genug Lehrer, wenn die Einwanderung einsetzen wird. Deswegen hat das Erziekungsdeparteroent sich, mit den in der Diaspora befindlichen Lehrerseminare in Verbindung gesetzt und die Zionistischen Organisationen gedrängt daß sie ihre Seminare so sehr ausöauen als nur möglich. Die. Lehrerseminare in Odessa, W i e n, W i 1 n a und M i n s k. sowie ein zu gründendes Seminar in Rumänien wurden von der Zentrale finanziell unterstützt Die polnischen Zionisten haben aus eigenen Kräften Seminare und Lehrerkurse errichtet Ebensio bestellt in Berlin der Anfang eines Lehrerseminars. Di Zionistische Organisation hat der Berufswahl der Jugend viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt Es muß unserer Jugend die Parole gegeben werden, daß nicht nur der landwirtschaftliche Chaluz eine nationale Pionierarbeit auf sich nimmt sondern auch der Lehrer. Dr. Bernstein-Kogan gab ein Bild der kulturellen. Arbeit in Bessarab i e n. Während der Kriegszeit und zur Zeit der Kerensky-Revolutiou hatte die Jugend wenig Verständnis für die Hebräisierungsarbeit. Dies hat sich letzt sehr geändert. In 39 Orten Bessarahiens bestellen Abteilungen des Vereines ..Tarbuth“. Bessarabien hat vier hebräische Gymnasien. zahlreiche volkstümliche Kurse, in welchen Religionsphilosoohie. jüdische Oekonomik und Statistik. Palästinakunde, hebräische und jüdische Literatur vorgetragen werden. Nunmehr wir das Lehrerseminar mit Unterstützung der Zionistischen Zentrale und zwar wahrscheinlich in Czerndwitz gegründet werden. Die rumänischen Zionisten werden mit den Wiener Zionisten Vereinbarungen wegen gemeinsamer Herausgabe von Büchern treffen. Es muß eine populäre Literatur für die Jugend geschaffen werden. Adolf Böhm gab einen Bericht über die Hebrälsleraucsarbeit in Wien. Das Pädagogium, an dem bis auf wenige Ausnahmen alle Fächer hebräisch unterrichtet werden, wird bereits in diesem Jahr 20 Lehi er dem Education Departement zur Verfügung steilen können Das Pädagogium bildet derzeit Lehrer der hei räischen Sprache und der iudaistiscnci Fächer •ns. w:id aber seine Tätigkeit auf die ai'ce meinen Fächer ausdehneu. Eine Abteilung lür Kindergärtnerinnen ist angeschiosser. Das Verhältnis zur Orthodoxie, ist ein sehr gures. Indem die judaistischen Fächer gan.z sachlich vorgetragen werden und es dem Gegenstände selbst iibulassen wird, wie er auf die Schüler wim. ist jeder Konfliktstoff ausgeschiedtn Er wies darauf hin.- daß am Pädagogium eine Wochenstunde lür den Gegenstand ..Jünisciie Frage und Geschichte des Zionismus“ reserviert ist und daß er selbst an einem Lehrbuch hierfür arbe tet. Er berichtete hierauf über das; jüdische Realt vm lasium, an dem der hebräische Unterricht sehr gute Erfolge gezeitigt habe. Er stei'te die Oründung einer Verlagsanstalt in Aussicht Es müsse eine Kulturkonferenz einberufen werden, in weicher von Fachmännern alle schwebenden Fragen gekiärt werden. Die Zaristische Organisation muß sich von der Wichtigkeit der Kulturarbeit durchdringen lassen. Dies gilt sowohl für Palästina wie für die Galuth. Man dürfe nicht an der Tatsache vorübergehen, daß ein allgemeiner geistiger Hunger in der Zionistischen Bewegung zu bemerken ist Der Zionismus ist für die jüdische Jugepd nicht mehr eine Partei, sondern Ausdruck einer Lebenssehnsucht. Fortsetzung und Erfüllung einer geistigen Revolution. Herr Naiditsch verlangte, daß die Kulturarbeit ihren Platz in der allgmeinen Galutharbeit finde. Er bedauerte, daß ZlatoDolski nicht zurzeit in London eintreffen konnte, um über die ungeheure Arbeit des Vereines „Tarbuth“ in Rußland zu berichten. Rev. Goldbloom berichtete über die Hebräisierungsarbeit i« England und stellte die Gründung von Lehrerkursen in allernächster Zeit in London in Aussicht Er beklagte. daß palästinensische Lehrer vielfach öffentlich gegen das Religionsgesetz verstoßen. Rabbiner Rabinowitsch wandte sich gegen die Tendenz, bei uns Staat und Kirche za trennen. Das. sei bei europäischen Völkern, nicht .,*■ -ab«^ei-imS'm8{riic}i>>Was*<tei»*Mis3aehfc-v*El^ ist nur, daß die anderen seine Kulturarbeit nicht * ' stören. Er mahnte alle Parteien zur Einigkeit und zur Verträglichkeit. Sprinzak führt aus: Unter den Kinder« in Palästina besteht eine religiöse Strömung Aber diese hat nichts mit der religiösen Politik zu tun, welche vom M i s r a c h i betrieben wird Als in Palästina der „Mischpath Haschalom“ im Entstehen begriffen war. verlangten gerade die Vertreter der extremen Linken, daß unsere Rechtsprechung tunlichst auf dem Choschem Mischath fuße, und daß eine Synthese des Alten mit den Forderungen des heutigen Tages vorbereitet werde. Er begrüßt die Gründung des Erziehungs-Departements bei. der Londoner Zentrale. Damit ist die Epoche beendet wo man über Kultur gestritten hat und es beginnt die Zeit geordneter kultureller Arbeit auf moderner Grundlage. Die Losung müsse sein: Hebräisleruag der Galuth. Wenn wir aber diese Losung ausgeben, daun müssen wir sie vor allem auf uns selbst anwenden. Die Aktions-Komitee-Sitzungen müssen hebräisch geführt, die Kundgebungen der Zentrale in hebräischer Sprache herausgegeben werden. Er begrüßte es. daß das Education Departement in Berücksichtigung der Vorschläge, die er .während der Universitätsdebatte gestellt hat. nunmehr auch die landwirtschaftliche Ausbildung in die vorgeschlagenen Resolutionen angenommen habe. Es sei ein unmöglicher Zustand, daß unsere jungen Leute aus Palästina nach Kalifornien. Tunis und London auswandern, um sich landwirtschaftliche Kenntnisse zu erwerben. Auf die Lehrerfrage übergehend, verlangt er den Ausbau des Jerusalemer Lehrerseminars durch Anschluß einer Abteilung iür höhere Bildung in den iudistischen. philosophischen und allgemeinen Gegenständen. Er kam schließlich auf die Wichtigkeit volkstümlicher Abendkurse zu sprechen und legte eme diesbezügliche Resolution vor. Podlischewski berichtete über die Erziehungsarbeit ln Polen. Schwer sind dort die Kämpfe mit den Chassidim. die sich mit den Assimilanten verbunden haben. Mit den Jiddischisten besteht kein Kampf, sondern nur Wettbewerb durch positive Arbeit. Alle nationalen Parteien mit Ausnahme des „Bunds“ haben sich vereinigt und fordern von der Regierung die Durchführung des Punktes 93 des Friedensvertrages. Nach Londoner Muster wurde in Warschau ein Departement für Erziehung und Kultur geschaffen. das 8 Abteilungen und zwar iür Kindergarten. Hochschulen. Mittelschulen, professionelle Schulen, Palas i i n a k u u de, Bücherverbreitung. Hygiene und Bildung außerhalb Schule umfaßt. Konferenzen für den der Volksschulen und der Mittelschulen hab sehr gutem Erfolge vor einigen Wochen funden Die Zionistische Organisation hat eSj

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