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Jüdische Zeitung · 1920-02-27 · 8 (27.2.1920) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
8 (27.2.1920)
Date
1920-02-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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aieite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 8 werden, daß. die Frage der Anleihe ernst zu verfolgen ist Die Zionistische Kommission muß sofort Arb eitsmöglichkeiten bekommen. Der Häuserbaii dürfe nicht dter Privatinitiative anvertraut werden. Der jüdische Grund und Boden muß dem jüdischen Nationalfonds gehören. Der Ausbildung der selbstarbeitenden Bauern, respektive der jüdischen Landarb eiters c h a f t muß die größte Unterstützung gewährt werden, da von ihnen das nationale Werk abhängt Die Zionistische Kommission muß den Arbeitern einen größeren Platz einräumen. De Li eine wünscht daß die Leitung . vollkommen einheitlich auftrete. Für Palästina gelten dieselben ökonomischen Gesetze wie für die übrige Welt Deswegen sind gutfundierte ’ reale Pläne notwendig, welche uns auch den Weltmarkt eröffnen. Anleihen sind unmöglich, solange kein sicherer Zinsendienst garantiertist Der Jüdische Natdonalfonds kann gewaltige Steigerungen seiner Erträgnisse erwarten, aber seine Organisation muß aaisgebaut werden. Seine Kolonisations- ’ arbeit in Palästina darf nicht in eigener Regie ge-, schehen. seine Aufgabe ist nur der Bo den kauf. Auf ihn müssen sich seine Kräfte konzentrieren. Dr. Bernsteiu-Kogan betont die Notwendigkeit der Privatinitiative. Adolf Böhm vermißt in den Aeufleningen der Leitung die notwendige Einheitlichkeit und möchte hauptsächlich wissen, welche Pr im zi p i-en'die Leitung bei ihren Forderungen in Bezug auf ihren Vertrag mit der Mandatarmacht aufstellt, da hiervon ein großer Teil unserer Kolonisationspläne abhängt. Er betont mit größtem Nachdruck, daß alle jüdische Kolonisation auf dem Boden des Nationalfonds vor sieh geht und ist überzeugt, daß diese Forderung kein Hindernis für die Heranziehung des Privatkapitals für die Landwirtschaft sein wird, wenn den Pächtern nur genügend lange Verträge gegeben werden. Aber man wird eine Nationalsubskription brauchen, welche eventuell dem Jüdischen Natiomalfonds zur-Verfügung gestellt werden soli Liquidationsbanken sind' notwendig, sie müssen von London aus unterstützt werden. Es ist notwendig, über die Kompetenz der Zionistischen Kommission Aufklärung zu haben. Dr. Diamant sagt, daß großzügige Arbeit notwendig sei. um die Schaffenskraft des jüdischen Volkes zu entwickeln und so die Grundlage für nationale Anleihen zu schaffen. Motzkim verweist auf die Notwendigkeit der strengen Durchführung des Gemeineigentums. Auch der Boden, der den Achusoth zur Verfügung gestellt wird, soll nicht Pr ivatbesitz Werdern Es ist notwendig, große Pläne auszuarbeiten. Große Zahlen sind große Perspektiven. Ahrain off erklärt daß große Finanziinstitufe notwendig sind. Der Bodten muß dem Jüdischen Nationalfonds gehören und eine Anleihe dürchgeführt werden, für welche sich ein Komitee der größten jüdischen Finanzleute bilden lasse. Er bringt hierauf dfie Pläne und Wünsche der Bulgaro-palästinensischen Bank vor. In der Nachmittagsitzung lötet die Debatte H. Sacher ein, welcher soeben aus Palästina zurückgekehrt ist Er verweist darauf, daß. wie im Referat von Simoni, streng zwischen geschäftlichen Instituten und solchen Ausgaben unterschieden, werden muß, welche um des politischen oder philanthropischen Zweckes willen unternommen werden. Er ging hierauf speziell auf die Möglichkeiten für öffentliche Arbeiten in Palästina ein. Was. das Gemeineigentum anlangt sei eine Ausschaltung des Privateigentums durch Zwangsmaßnahmen unmöglich. Simon bittet für die weitere Diskussion, an der. wiederholt empfohlenen Trennung zwischen geschäftlichen (rentablen) und unrentablen Unternehmungen zu halten. Naiditsch unterbreitet der Sitzung einen Vorschlag zwecks Finanzierung der Immigration. Unter der Voraussetzung, daß 5000 Familien jährlich anzusiedeln sind, gibt er der Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die hiefür nötigen Gelder auf folgender Basis beschaffen ließen. Er schlägt vor, an 1000 Personen heraiizutreten und sie zur Zahlung von "je 1000 Pfund jährlich auf 10 Jahre einzuladen. Dies würde einen Betrag von 10 Millionen ergeben. Weitere 20 Millionen wären von 2000. resp.- 10.000 Personen in Raten von je 500 oder 100 Pfund aufzubringen. Auf diese Weise ließe sich die Finanzierung der Immigration sichern. Redner ist der Ansicht daß nicht nur in England und Amerika an das Publikum heranzutreten ist. Er betont die Notwendigkeit den durch die Bekanntgabe des Mandats entstehenden En- - thusiasmus auszunutzen und für diesen Fonds, welchen er neben dem Nationalfonds als den wichtigsten auffaßt zu propagieren. Mit der Arbeit könnte sofort begonnen werden. Kaplan glaubt daß das beste Mittel, an das Volk heranzutreten, nicht Worte, sondern Taten in Palästina sind. In unserer Palästinaarbeit müssen wir damit rechnen, daß es u nmöglich äst ohne Nationalisierung d'es Bodens eine wirklich iüdischeArbeit zu haben. Wir müssen jetzt nicht soviel über weite Zukunftspläne diskutieren, sondern sofort unsere unmittelbaren Arbeitspläne präzisieren. Ing. Stricker meint daß die Frage der nationalen Wirtschaft in Palästina nicht durch Resolutionen, sondern nur durch die Arbeit in Palästina selbst entschieden werden kann. Man muß Vertrauen zu der Kraft des jüdischen Volkes haben, auch wenn große Teile unter den Valutaverhältnissen leiden. Es gibt Mittel, auch .diese Teile zur Arbeit heranzuziehen. Unsere politischen Erfolge geben die Basis für die große Volksbewegung, die notwendig ist. Die V or b er ei t ung des Einwan d erm a teri als. welches die für die Entwicklung des Landes notwendigsten Kräfte zur Verfügung stellen soll, muß und kann schön in der Diaspora systematisch durchgeführt Wörden. Jean Fischer spricht über -die Frage der Anleihe und meint, daß ihre Verzinsung nur eine Budgetfrage ist. Die zionistische Organisation kann die Verantwortung für die Fortführung der Arbeit nicht abgeben. Prof. W a r b u r g verweist darauf, daß die Uebernahme öffentlicher Arbeiten eventuell sehr aktuell werden kann, daß für die geschäftlichen Unternehmungen die von Herrn Simon vorgebrachten Vorschläge richtig sind und daß für alle anderen Arbeiten große Fonds aufgebracht werden müssen. Die Vorschläge von Naiditsch seien ernster Beachtung wert Dr. Friedmann meint, daß die Durchführung der großen Aktionen nur auf Grund von Garantien möglich sein wird, welche nach Sicherung der politischen Resultate geschaffen werden - können. Die Palästinadebatte dauert weiter. Achte Sitzung. Die Palästinadebatte wurde am Dienstag, den 17. Februar, abends, zunächst durch Herrn S h i r e fortgesetzt, welcher eine großzügige Finanzaktion verlangt Die Forderungen' der jüdischen Arbeiter in Bezug auf die Nationalisierung des Bodens seien unberechtigt, da wir auf die Zuziehung von Kapital angewiesen sind. De jüdische Emigration muß frei1 sein. Um die Last des Aufbaues Palästinas nicht nur auf eigenen Schultern tragen zu müssen, soll die zionistische Organisation einen jüdischen Weltkongreß einberufen. Herr Florentin spricht ans, daß das jüdische Volk zu großen Opfern bereit ist wenn ihm große und gesunde Pläne vorgelegt werden. Die Vorbereitungen! hiefür müssen jetzt getroffen werden. In Griechenland ist die Propaganda für den jüdischen Kongreß erfolgreich durchgeführt worden, weil von einem Palästinaaufbaufonds von einer Milliarde Franken gesprochen wurde, an dem sich die Juden . Griechenlands, entsprechend ihrer Bevölkerungs- Zahl, mit 1 0.Millionen Franken beteiligen -müßten. Herr Florentin schlägt eine Resolution betreffs der sofortigen Realisierung der Vorschläge der Finanzkonunission und eine Resolution betreffs der Frage der-N ati-o-nälan-leih e vor. welche vom engeren-A.-K. zu prüfen und der nächsten Jabreskomferenz oder dem Kongreß zur Beschlußfassung vorzulegen ist. In der Zwischenzeit sollen alle Landesverbände feststellen, mit "welchem Betrag sie sich an der National- , anleihe beteiligen können. , Dr. Schönfeld geht von den Resolutionen des Misrachi aus und stellt Anfragen bezüglich der Haltung der zionistischen Leitung zu der Frage der Schiedsgerichte in Palästina, der Frage des F r a ue n w ah 1 r_e c h t e s und des WaadHasma-nL Die Abendsitzung schließt mit einer mit dem größten Beifall der Sitzung aiufgenommenen Rede Dr. Weizmanns, in welchen er Bericht über die Zionist Commission und die Lage in Palästina gibt. Dr. Weizmann berichtet,- unter welchen Verhältnissen und für welche Zwecke die erste Zionist Commission eingesetzt worden Ist und wie sich die Stellung der Zionist Commission seither insbesondere seit den Reorganisierungsbeschlüssen der Londoner Konferenz und des Aktionskomitees gestaltet hat. .. ' Weizmann schildert ausführlich, wie sich die nach außen gerichtete politische Arbeit der Zionist Commission, speziell ihre Beziehungen zu der englischen Verwaltung und der arabischen Bevölkerung gestaltet hat und zeigt, welche außerordentlichen Fortschritte in dieser Beziehung gemacht worden sind!, geht insbesondere bei dieser Gelegenheit auf die psychologischen Momente ein. welche für die Beziehungen zwischen der jüdischen Bevölkerung Palästinas und den englischen Behörden von Bedeutung sind. Hierauf ging Dr. Weizmann zu der mach innen gerichteten Arbeit der Zionist Commission über, welche darauf gerichtet war,, die ökonomische und kulturelle Position des Jischubs zu stärken und die gesamte jüdische Bevölkerung Palästinas .einheitlich zu organisieren. In diesem Zusammenhang betont Dr. Weizmann die außerordentliche Bedeutung der Schiedsgerichte, fürderen Aufrechterhaltung, Entwicklung und Anerkennung auch in. Zukunft mit aller Kraft wird eingetreten werden müssen. Das gleiche gilt für die einheitliche Organisierung des palästinensischen Judentums auf ’ demokratischer Basis, die so.schnell als möglich wird durchgctührt werden müssen. Bei dieser Gelegenheit erwähnt Dr. Weizmiaim, daß die Zionist Commission in der Frage des Frauenwahlrechtes einen vollständij; k o m p r o m i .ß-, losen prinzipiellen Stand-’ Punkt emnimnit und entnehmen muß. da nur dieser Standpunkt den Grundsätzen der zionistischen Organisation entspricht, an deren Kongressen immer Frauen teilgenommen haben, ohne daß dies den Misrachi jemals gestört.hätte. Allerdings hat die Zionist Commission unter den gegenwärtigen Verhältnissen, also aus außenpolitischen Rücksichten, um dieser Frage willen keinen Parteikampf in Palästina entfesseln wollen und deshalb die Aufschiebung der Wahlen vertreten, Hierauf sprach der Redner in sehr ausführlicher Weise über die Arbeiterfrage in Palästina. Wenn dem jüdischen Arbeiter Tradition und Disziplin und die volle organische Verbindung mit der Arbeit .noch fehlen, so steht doch fest daß es der jüdische Arbeiter ist, in welchem das Maximum des konstruktiven .Idealismus lebt, ohne welchen der Aufbau eines jüdischen Palästina unmöglich, ist. Dieser Idealismus muß voll ausgenützt werden. Er kann aber nur zur Auslösung kommen, wenn der jüdische Arbeiter weiß, daß er für sein Volk, für die ganze Nation arbeitet, nicht für irgendwelche Privatinteressen. Deshalb ist Weizmann für die Nationalisierung des Bodens. Um dem Arbeiter die Möglichkeit der Existenz zu schaffen, müssen ihm die besten technischen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, dla er bei der Anwendung primitiver Arbeitsmethoden nicht konkurrenzfähig sein kann. Dr. Weizmann schilderte hierauf den Eindruck, den er nach gründlichsten Untersuchungen von den Kwuzoth bekommen hat. Er sieht in diesen Kwuzoth die Keimzellen der ganzen kommet d~en Siedlung, da in ihnen wirklich nur jüdische Arbeit geleistet wird und sie Bollwerke der hebräischen Sprache, des hebräischen■ Geistes und des reinsten Idealismus sind. Sie repräsentieren den Anfang des hebräischen Dorfes im Gegen-' satz zu manchen anderen Kolonien, die zwar vom ökonomischen Gesichtspunkte aus erfolgreich erscheinen; deren System aber für den Aufbau eines jüdischem Palästina unbrauchbar ist Allerdings kann an die Kwuzoth. wie sie sich bisher entwickelt haben, der Maßstab der ökonomischen Rentabilität nicht angelegt werden, dla sie bisher niemals unter Bedingungen gestellt wurden, che als normale zu betrachten sind und deshalb eine ökonomische Beurteilung - rechtfertigen. Ueberdies -dürfte die Kwuzah iur der Zukunft, nur ein Durchgangsstadium, eine landwirtschaftliche Schule darstellen, in dem sich aus ihnen heraus die selb s t a>r b eitemden Klein Siedler loslösen und entwickeln werden, Weizmann schloß seine Rede,, indem er nochmals betonte, daß es jetzt darauf ankommt, die Möglichkeiten zur sofortigen konstruktiven Arbeit zu schaffen. Diese Arbeit wird in geometrischer Progression den Raum für - die Ausdehnung des Werkes in Palästina schaffen, wie sie den großzügigsten Plänen entspricht Es ist aber notwendig, jetzt ohne Versäumnis die Vorbedingungen des guten, erfolgreichen Anfanges zu schaffen, welche den Weg für die Zukunft bahnen. .' (Schlußbericht in-der nächsten. Nummer.) Di e zionistische Kulturarbeit Bericht des Departement# für Erziehung und Kultur beim Zionistischen Zentralbüro in London. Entsprechend! den Beschlüssen 'der Londoner Konferenz .wurde im Mai- 1919 das Department für Erziehung und Kultur geschaffen. Die Einrichtung dieses besonderen Departements war einerseits Folge der Tatsache, daß die Zionistische Organisation während des Krieges fast das ganze palästinensische Schulwesen übernommen hat und so der einflußreichste Faktor im Schulwesen Palästinas geworden ist. Anderseits war die‘Schaffung dieses Departments eine Konsequenz der Erkenntnis, daß die jüdische Kulturarbeit in ihrem ganzen Umfang, insbesondere aber die Arbeit für -die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina und Ga- 1 u t h eine wesentliche 'Vorbedingung der Verwirklichung unseres Programms diarstelit. Palästina. - Die Entwicklung unseres Schulsystems in Palästina ist ein Werk, auf das die zionistische Bewegung mit Recht stolz sein kann. Unsere ■palästinensischen Schulen sind1 die sicherste.Garantie für die Zukunft -der hebräischen Kultur in Palästina. Kein Wort braucht daher däriiber gesagt zu werden, welche Bedeutung es hat, daß die zionistische Organisation währerid des Krieges den größten Teil der hebräischen Schulen in die Hand genommen hat. Wir haben gegenwärtig hi Palästina: 3C Kindergärten mit 2819 Schülern und 108 Lehrern, 48 Volksschulen mit 6834 Schülern und 271 Lehrern, 12 Mittelschulen mit 1257 Schülern urid 97 Lehrern, 4 Arbeitsschulen mit 305 Schülern und1 4 Lehrern, 10 Abendkurse mit 572 Schülern und 4 Lehrerin; im ganzen 110 Schulen mit 11.792 Schülern und 484 Lehrern. Im Laufe des letzten Jahres wurden unter anderm neu errichtet dCe Oberklassen eines Mädchengymnasiums in Jerusalem, ein Momtessorikindergärten und eine Vorbereitungsklasse heim LehrerimnensemLnar in Jaffa, ein zweiter Kindergarten in Haifa, eine Schule in Akko. eine Handelsschule in Jaffa, die. wenn auch von privater Seite unterhalten, sich ineiwillig unserem Erziieh-ungis- -ausscliuß untergeordnet hat, eine zweite Musikschule (in .Haifa), ferner Abendkurse in Hebräisch, Psychologie und Pädagogik für die Melamdirn der Jerusalemer Jeshivoth; Abendkurse (Handielskurse) in Jerusalem, weitere Abendschulen in Jaffa, Liberias, Safedi Haifa und! in vielen' Kolonien. In nächster Zeit wird töte landwirtschaftliche Schule in Pethach-Tikw&h; zu deren Erhaltung die Kolonie 40 Prozent beiträgt, wieder eröffnet In Syrien unterhalten wir in Damaskus und Sidon Schulen.- Wir haben für die Erhaltung des Schulwerkes im laufenden Jahr ein Budget von 85.000 Pfund Sterling übernommen. Es wurden alle Anstrengungen gemacht uim Palästina selbst zur Erhaltung der Schulen heranzuziehen.

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