Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 8 (27.2.1920)
- Date
- 1920-02-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Klarheit über die Prinzipien herrschet welche die eigene Arbeit bestimmen. Dies gilt vor allem für die Ausgestaltung der S'elbstv erwaltung. Die zionistische Arbeit muß nach dem sozialen Prinzip reguliert werden. Die politische Arbeit darf nicht nur auf die Gewinnung einzelner Klassen der-Gesellschaft und der Staaten aufgebaut werden, sie ntuß sich vor allein um die Mächte der Zukunft kümmern. Im B„zi<g auf die Ar ab erfrage muß darauf gesehen werden, daß die Aufrechterhaltung eines guten und sicheren.Verhältnisses zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk, zwischen diesen Faktoren selbst geregelt wirdi, wieil das Eingreifen dritter Faktoren das Verhältnis auf die Dauer nicht erleichtert. Das jüdische Volk verlangt, daß mit der konkreten aufbauenden Auibeit begonnen wird. Wenn dies geschieht, wird alle Depression weichen und die Leitung kann der Mitarbeit und der Hilfe des ganzen Volkes sicher sein. Herr Sprinzak betont, daß es nicht darauf ankommt, ob jemand prophetische Einfälle gehabt hats. sondern daß die wichtige Grundlage aller weiteren Entwicklung die Arbeit ist. welche aus Verträgen erst etwas Reales machen. Der Aufbau des Landes darf nur nach den Grundsätzen gebaut werden, die von jüdischen Gesichtspunkten diktiert sind. Wir dürfen bei unserer Arbeit nicht vergessen, daß sie im Orient geleistet wird! Die orientalischen Völker, in deren-Mitte wir unser Heim aufbauen, müssen wissen, daß wir nicht eine ihnen feindliche europäische Politik treiben wollen. Dr. Jacobson wirft einen Rückblick auf die Arbeit der jetzigen Leitung!,, die die Verantwortung seit dem Jahre 1911 hat Die Vorbereitungen für die große Arbeit der Gegenwart konnte sie eigentlich nur in der kurzen Zeitspanne zwischen 1911 und 1914 treffen. Während des Krieges hat sie die ungeheure Arbeit vollbracht, die Organisation und unser Werk, in Palästina intakt zu halten, so daß der Eintritt normaler Zeiten die Organisation wieder tatbereit und außerordentlich gestärkt findet Dr. Jacobson betont daß unsere Arbeit darauf gerichtet sein muß, das jüdische Gemeinwesen in Palästina in Freiheit Schönheit und Gerechtigkeit aufzubauenl Benjamin Cohen d'ankt als Vertreter der amerikanischen Zionisten für die Wertschätzung und Anerkennung, die von Dr. Weäzmann und: Doktor Lewin und der ganzen Sitzung der Arbeit der amerikanischen Zionisten zuteil geworden ist. Kann stellt fest daß es mißverstanden worden ist wenn seiner früheren Rede oppositionelle Tendenz zugrunde gelegt wurde. Er unterstützt die von Herrn Dr. Klee vorgeschlagene Dank- und Vertrauensresolution. Goldberg schlägt vor, eine Finatizkommission zu wählen, welche über die FdnanzLnstitute berichten solL Doktor Hantke schlägt vor., als diese Kommission die Direk'toren und'“ A‘trfs’ichtsräte ’ des Jewish Colonial Trust einzusetzen. * Die beiden Anträge werden angenommen. Mr. Abrahams erklärt daß die südafrikanischen Zionisten vollstes Vertrauen Dr. Weizmann und Herrn Sokolow entgegenbringen. Jetzt sind nicht Worte, sondern Taten notwendig. Die Zukunft liegt in der Hand des jüdischen Volkes. Jean Fischer erklärt, daß keine durch bestimmte Tendenzen geleitete Opposition vorhanden ist Dr. Marmorek faßt seine Einwändie nochmals zusammen'und er hofft auf sie eine Antwort von Dr. Weizmann1. Dr. Halpern verweist darauf, daß die politische Arbeit nur möglich gewesen ist weil eine jüdische Position in Palästina schon besteht. Mit Bezug auf die Auswanderung wird' große Vorsicht notwendig sein, damit keine, wirtschaftliche Katastrophe in Palästina entsteht Dr. Jeschua C a 1 e b erklärt namens dter bulgarischen Zionisten; daß sie. als politische Zionisten, die Arbeit und die Erfolge Dr, Weizmamns und Herrn Sokolows als den wirklichen politischen Zionismus anseben und feiern, Dr. Israel Ca leb spricht namens dier Zionisten Konstantinopels aus, daß gerade sie zu schätzen wissen, was erreicht worden ist und was diese Erfolge für die Zukunft des jüdischen Volkes bedeutet Hermann Struck trägt die Resolution der Misrachikonf erenz in Amsterdam von Nach einer kurzen Pause ergreift Herr Dr.. Weizm ann das Wort zu einer Schlußr ede, in welcher er alle wesentlichen während der Generaldebatte vorgebrachten Einwändie behandelt und bei dieser Gelegenheit die G eschichte der wichtigsten Momente der politischen Arbeit der letzten Jahre darstellt Er geht davon aus, dlaß es. wenn es sich um das Endziel handelt, falsch ist. eine Differenz zwischen politischen und nichtpolitischen Zionismus zu machen. Das Endziel war immer das gleiche. Der Unterschied kann nur darin gefunden werden, dlaß die Methode; die die sogenannten -«politischen“ Zionisten verfochten, zwar nicht fatsch, aber unzulänglich und einseitig war. Deshalb wurde ihm eine Anschauung entgegengesetzt die Dr. Weizmann selbst auf dem Haager Kongreß der synthetischen Zionismus genannt hat Und dieser Zionismus hat durch die Erfahrungen und Erfolge seine glänzendste Rechtfertigung gefunden. Wenn die kolonisatorische Position in Palästina stärker gewesen wäre, so wäret/ die politischen Erfolge und1 Sicherheiten noch viel größer. Im Sinne dieses synthetischen Zionismus müssen wir nun an die konstruktive Arbeit herangehen. Sie ist der Grundstein der ganzen Zukunft. Dr. Weizmann schildert an zahlreichen Beispielen den Einfluß und die Macht, die die zionistische Organisation sich errangen hat Dabei gibt er ein anschauliches Bild der Sei vier! g k eit e t die auf allen Gebieten haben überwunden werden müssen und von denen sich weitere Kreise bisher keine Vorstellung machen können. Des weiteren geht Dr. Weizmann auf die kommende Arbeit ein lind zeigt, was säe für das Endziel bedeutet Er unterrichtet auch über die Art der Beziehungen zu der englischen Politik und zum englischen Volke, ebenso unterstreicht er, welchen Wert die Leitung auf die Förderung des Zionismus durch die sozialistische. Bewegung legt Die Rede Dr. Weizmanns, der zum Schlüsse darauf hinweist, daß unser Werk nur gelingen kann, wenn alle Zionisten sich bewußt sind, welche Verantwortung auf ihnen liegt, und wenn sie mit geeigneten Kräften für das gemeinsame Ziel arbeiten, übte einen gewaltigen Eindruck auf die ganze Versammlung. Der stürmische Beifall verdoppelte sich, als die Herren Jean Fischer und Doktor Marmorek, deren Kritik den Eindruck einer gewissen Unzufriedenheit hervorgerulen hatte, sich spontan erhoben, auf Dr. Weizmann zutraten und ihm herzlichst die Hand reichten. Sechste Sitzung. Zu Beginn der Sitzung am-16. Februar wurde auf Vorschlag von Herrn Sprinzak eine aus den Herren Dr. Jacobson, Jacobus Kann; Dr. Bodenheim er. Motzkiin und Sprinzak bestehende Kommission eingesetzt. welche den Auftrag erhielt, alle in der politischen Debatte vorgebrachteri Vorschläge und Anregungen durchzuprüfen und über das Resultat dem Plenum zu berichten. Hierauf erstattete Herr Sokolow Bericht über den Empfang beim Präsidenten; der französischen Republik DeschaneL Die. Audienz hatte drei Viertelstunden gewährt und sich auf die zionistische Frage im besonderen und: auf die jüdische Frage im allgemeinen bezogen. Sie trug einen sehr herzlichen Charakter. Nach diesem mit großen Beifall aufgenommenen Bericht wurde der in der vorigen Sitzung eingebrachte Antrag, den amerikanischen Zionisten einen besonderen Dank auszusprechen (Antrag Dr. Weizmann, Dr, Lewin), einstimmig angenomv en. Hierauf begann die Palästinaflebatte. eingeleitet durch em ausführliches Referat des^ Herrn Julius Simon, welcher den vom Palästina-* departement entworfenen Kolondsationsplatt ausführte. insbesondere soweit eä sich um die Schaffung der Finahzinstriimente handelt, welche die Kolonisation durchzuführen haben werden. An die Spitze seines Referates stellte er die Grundsätze für die Landpolitik in Palästina!, die anläßlich dler Beratungen aufgestellt worden sind, welche im vergangenen Herbst zwischen dem A.-K. und der zionistischen Delegation aus Amerika unter Führung von Justice Brandeis in London stattgefunden haben. Die Einzelheiten des Referates entsprachen im allgemeinen dem schon vor einiger Zeit (aucjtvon uns! Die Red) veröffentlichten Rundschreiben des Palästinadepartements. Sie wurden ergänzt durch die Verlesung der Gutachten, welche die vom A.-K. herangezogenen Fachmänner auf kolonisatorischem, finanziellem und technischem Gebiete abgegeben haben. Diese Fachmänner haben ihre Untersuchungen in einem mit dem Palästinadepairtememt zusammenarbaitenden Adviso.ry- Committee durchgeführt dessen V ersitzender Herbert Samuel ist, Das Referat Julius Simon wurde durch Dr, Ruppin ergänzt der hauptsächlich darauf aufmerksam machte, daß das Finanzprogramm sowohl den Verhältnissen Palästinas als dter Psychologie der Kreise angepaßt sein muß, von welchen die notwendigen Mittel erwartet werden. Deswegen ist eine definitive Gestaltung der Pläne nach gründlicher Rücksprache mit den amerikanischen Zionisten möglich. Notwendig sei es aber, den Plänen ganz großzügigen Charakter zu geben, damit das Werk des Aufbaues Palästinas wirklich großzügig durchgeführt werden kann. Mit Rücksicht auf die finanzielle Katastrophe in Mittel- und Osteuropa, welche infolge der Valutaentwertung die finanzielle Mitarbeit der jüdischen Massen Mittel- und Osteuropas fast ganz unmöglich gemacht hat, schlägt Dr. Ruppin besondere Maßnahmen vor, welche gestatten.' daß vorläufig die finanzielle Arbeit von den jüdischen Kreisen des Westens, speziell Amerikas _ getragen wird, welche aber auch die Möglichkeit offen läßt, daß (he an der Palästinaarbeit interessierten jüdischen Volkskreise in Osteuropa, wenn sich die Valutaverhältnisse gebessert haben, in der Lage sind, später auch noch Anteil an dem Aufbauwerke zu nehmen. Dr. Ruppin schlug ihn besonderen Gründung einer großen H ä u s e r b a u g e s e 11schaft vor, welche so schnell als möglich an dem großzügigen Bau von Arbeiterhäusern heraiitreten soll, da dieser der eigentlichen Privatinitiative nicht überlassen werden kann und doch - die Voraussetzung einer großzügigen Kolonisation ist Schon dieser Häuserbau wird eurer großen Zahl van Arbeitern Beschäftigung geben. Ferner schlug Dr. Ruppin die Gründung einer großen Pflanzungsgesellschaft vor. welche vorläufig mit den aus dem Westen kommenden Finanzmitteln zu arbeiten hat, aber vorsieht daß das auf diese Weise kulturfähig gemachte Land auch für die Emigranten aus d e m Osten erreichbar wird, bleibt sobald sich die finanziellen Verhältnisse geregelt haben. In der Nachmittagsitzung begann die Debatte mit einer Rede von Dr. B o d en h eim e r. welcher den Hauptwert darauf legte, daß der ganze Boden, welcher für jüdische Kolonisationszwecke verwendet wird! dem Jüdischen National!onds als Eigentum verbleibt Boris Goldberg sprach hierauf über die Bedeutung der Privatinitiative beim Aufbau des jüdischen Palästina; wobei er von der Ansicht ausging. daß die Privatinitiative genügenden Spielraum haben müsse; natürlich aber im Interesse der nationalen Wirtschaft bestimmten Kontrollen unterworfen werden müsse. .Dr. Jacobson wies darauf hin. daß die von Julius Simon angedeuteten Mittel des Ausbaues und der Errichtung von Finanzinstituten natürlich nicht die ganze finanzielle Grundlage des Kolonisationswerkes schaffen, sondern nur jene Institute, welche imstande sind!, weitere Mittel für die Aufbauarbeit heranzuziehen. Dr. Ruppins Vorschläge müssen als Ergänzungsvorschläge aufgefaßt werden, welche insbesondere auf die gegenwärtige Notlage eine Antwort geben. Naiditsch betonte, daß es nicht so wichtig sei, neue Gesellschaften zu gründen, als vielmehr den Jüdischen Nationalfonds zu stärken, und wandte sich im Uebrigen gegen eine allzugroße Freiheit der Privatinitiative, von der er nicht dieselben Erfolge wie Herr Goldbarg erwartet Dr. Goldstern wies darauf hin. daß die gewaltige Stimmung, welche durch die politischen Erfolge geschaffen wird, ausgenützt werden muß. Auch er hält eS nicht für richtig, daß zu viele Fonds geschaffen werden. Es müssen für die Werkarbeit neue Kreise herangezogen werden. Er hofft daß es gelingen wird, die Ueberzeugung zu verbreiten, daß auch jene Gelder, die speziell für die jüdischen Opfer des Krieges in Osteuropa bestimmt sind; ihrem Zwecke am sichersten zugeführt werden, wenn die Zukunft dieser Kriegsopfer in einem jüdischen Gemeinwesen in Palästina sichergestellt wird. Dr. Weizmann griff an dieser Stelle mit längeren Ausführungen in die Debatte ein. in welchen er ausführte, daß es selbstverständlich notwendig sein werde, an das jüdische Volk heranzutreten und ihm klar und deutlich zu sagen, daß es die ihm gebotene Gelegenheit des Aufbaues seines nationalen Heims nur durch eine gewaltige Opferwilligkeit ausnützen könne. Doktor Weizmann ist sicher, daß die Begeisterung vorhanden sein wird, weiche für eine derartige Aktion notwendig ist. In den Milteipunkt derselben wird der Jüdische Nationalfonds gestellt werden müssen, dessen Möglichkeiten bisher auch nicht annähernd ausgenützt worden sind. Die beste Förderung der Arbeit wird durch die Propaganda der Aktion in Palästina erfolgen Das in Palästina geschaffene Werk wird uns gewaltige Kräfte zuführen. Doktor Weizmann führte dann aus. in welcher Weise die Leitung sich die sofortige Inangriffnahme der Arbeit in Palästina vorstellt. Dr. Katzenelson wies darauf hin, daß die Arbeit jedenfalls im großen Maßstab geleistet werden muß. Dr. Halpern erklärte, daß jedenfalls streng zwischen finanziellen Instituten auf geschäftlicher Basis und Schenkungen unterschieden werden muß. Fonds, die durch Schenkungen entstehen, werden natürlich in weitestem Maße aufgebracht werden müssen, aber darum werden große und gesunde Pinanzinstitute doch notwendig sein, um auch Gelder heranzuziehen, die schenkungsweise nicht beschafft werden können. Podlischewski erklärte, daß die Privatinitiative nicht auf genügende Erfolge hiinweiscn könne, und daß jedenfalls das Prinzip, die Privatinitiative zu kontrollieren. nicht gelockert werden dürfe. Für die Liquidierung ■ der. Vermögen der jüdischen Emigranten in Osteuropa verlangt PodlKschewski die Einrichtung von Liquidationsbanken und Maßnahmen, damit die Emigranten auch Maschinen mitnehmen können, mit deren Hilfe sie in Palästina produktive Existenzen aufbauen können Dr. Fedwel wiies darauf Irin, daß zwischen rentablen und unrentablen Unternehmungen scharf unterschieden werden müsse. Ohne Begeisterung wird das Aufbauwerk nicht gelingen. Aber aus Begeisterungen allein können unsere Pläne nicht gebaut werden. Wir brauchen geschäftlich fundliierte Fiinalmzrnisfjitiite und einten großen Kolonisation st onds, welcher auf den Opfern des jüdischen Volkes beruht Anleihen sind nur auf Grund rentabler Werte mit gesichertem Zinsendienst möglich. Sie haben große Fmanzdnstitute auf sicherer Grundlage, welche die Anleihen zu garantieren imstande sind, zur Voraussetzung. Vielleicht wird es dann möglich sein, Anleihen nicht nur in jüdischen Kreisen unterzubringen. R o s o f f erklärt, daß das Wichtigste das konkrete Programm für die sofortige Arbeit ist Siebente Sitzung. Die Palästinadebatte wurde Dienstag. den 17.. vormittags, fortgesetzt Goldenberg besprach die Bedeutung der amerikanischen Jadenschaft für das Palästinawerk und1 die amerikanischen Verhältnisse und speziell die Stellung der nichtzionistischen Kreise. Sprinzak betonte, daß mit der realen Arbeit sofort begonnen werden muß. Der Jüdische Nationalfonds muß besonders in der Propaganda außerordentlich gestärkt werden. Anleihen seien möglich und notwendig. Es müsse vom Aktionskomitee der Wunsch ausgesprochen