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Jüdische Zeitung · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 7 . Vor vielen Jahren gründeten Mittelschüler die ersten Wanderzüge. Heute wendet sich die Bundesleitung des „Blau-Weiß“ an die ganze jüdische Jugend und ruft alle jene Septimaner^ Oktavaner, Hochschüler und Angestellte, Burschen und Mädchen zur Mitarbeit auf, die von der Notwendigkeit, die jüdische Jugend zu Naturfreudigkeit, Genügsamkeit und praktischem Lehen zu er-' ziehen, überzeugt und bereit sind, eine Gruppe jüngerer Menschen in diesem Sinne zu beeinflussen. Sie wendet sich nicht bloß an einzelne, sondern insbesondere an Mittelschülerverbände, Vereine, Kreise etc. und möchte in der nächsten Zeit in den Zusammenkünften aller jüdischen Korporationen die Fragen des Jugendwandems diskutiert wissen. Die Bundesleitung des „Blau-Weiß“ behält sich vor, in den kommenden Wochen eine Versammlung einzuberufen und bittet alle Interessenten, schriftliche Anfragen betreffs Gründung von Bezirksgruppen oder Ortsgruppen außerhalb Wiens an die Bundesleitung per Adresse M. U. C. Rudolf Ebel, IV.. Mittersteig 15, zu richten. Auskünfte werden auch in den Wiener Heimen, IX., Wähxingerstraße 15, IV., Schleifmühlgasse 14, und XIX., Rudolfinergasse 12, jeden Samstag von 'A6 bis 7 Uhr erteilt, wo auch Neuanmeldungen entgegengenommen werden. RUNDSCHAU Nationalrat und Kultusgemeinde in Czernowitz Nach dem Zusammenbruche Oesterreichs wurde aus dem revolutionär-zusanunenfassenden Geäste, welcher überall in der Judtenheit aufflanunte. auch in Czernowitz ein j ü di i s c h^e r Nationalrat gegründet, welcher alle jüdischen Parteien umfaßte. Er gewann baM bei .Indien und' Nicbtiudßn hohes Ansehen. Und —i was das Wichtigste ist — die rumänische Regierung sah ein geschlossenes Judentum vor sich, mit welchem sie rechnen mußte. Der Nationalrat löste die bisherige Kultusgemeindevertretung auf und setzte zur Führung der Agenden der Czernowitzer Kultusgemeinde einen Kultusrat ein: In der Czemowitzer Gemeinde begann reges jüdisches Leben. Aber die Zeit der geschlossenen jüdischen Front dauerte nicht lange. Von außen und leider auch von innen wurde in siie Bresche gelegt. Mitte 1919 wurde im Zusammenhänge mit einem Gerichtsprozeß die Frage der Legitimität des Kultusrates bei der Regierung angeschnitten. Sie stellte sich natürlich auf den Standpunkt, dlaß sie das Selb stbestimmungsr echt dies jüdischen Nationalrates in Sachen jüdischer Verwaltung nicht anericennen können; die bestehenden Gesetze müßten beachtet werden. Doch erklärte ach die Regierung bereit, diejenigen Personen als Gerenten mit der Führung der Gemeindegeschäfte zu betrauen,, die der jüdische Nationalrat vorschlagen werde. Diese Frage brachte bereits die erste Spaltung in den Nationalrat da gegenüber den grundsätzlichen Anschauungen über das Selbstbestimmungsrecht des Nationalrates, das nicht aufgegeben werden dürfe, die Opportunisten siegten und der Nationalrat nach ihrem Willen die Einmischung dler Regierung hin nahm, _ die Legitimität des Kultusrates nicht mehr verfocht und sich so eines wichtigen Rechtes begab. Als dann über die Person des Vorsitzenden der Gerentschaft Streitigkeiten entbrannten, verlor infolge der durch die Uneinigkeit im Nationalrate . erfolgten Verzögerung des Vorschlages, welches Recht die Regierung dem Nationalrate eingeräumt hatte, dieser auch das Vorschlagsrecht, da die Regierung selbstverständlich die Gelegenheit, die jüdische Position zu untergraben, sich nicht entgehen ließ. Die Grundursache des Zusammenbruches im Nationalrat und Kultusrat aber liegt in der U nmöglichkeit des Zusammenarbeitens der bürgerlichen und sozialistischen jüdischen Parteien, die sich in Czernowitz ebenso wie überall ergab. Wer in Czernowitz die größere Schuld an dem Zerfall trägt das läßt sich nicht entscheiden. Jedenfalls wurde durch diese Gegensätze auf einem besonders exponierten Posten, wie es Czernowitz ist die jüdische Gesamtstellung, welche der rumänischen Regierung gegenüber besonders notwendig ist schwer erschüttert' Inzwischen kamen die Padamentswahlen. Die Wahlenthaltung der jüdischen Parteien erbitterte die Regierung' noch mehr und sie legte unverhohlen ihre Absicht dar. unbekümmert uni den Nationalrat den Kultusrat auizulösen und eine Gerentschaft einzusetzen. Die bürgerlich - nationalen Parteien, vor allem die Zionisten, schlugen, um zu netten, was zu retten ist vor. ein Wahlkompromiß aller Parteien zu schließen und durch W a h len nach diem alten Statut einen formell legalen Kultusrat zu schaffen. Dieser Vorschlag wurde jedoch von den jüdisch-sozialistischen Vertretern im Nationalrat abgelehnt Nun scheinen die Bürgerlichen zu früh die Flinte ins Konn geworfen zu haben und ließen den Dingen ihren Laut .Öder war dter Gedanke maßgebend, die sozialistischen Vertreter im Kultusrate loszuwerden? Das Fazit dieser Politik beider Flügel ist daß die Regierung nunmehr die bisherige Vertretung der jüdischen Kultusgemeinde in Czernowitz aufgelöst und eine Gerentschaft ernannt hat an deren Spitze Dn. W e n d e ri steht Dieser beabsichtigt alle Parteien zu einer Einigung auf eine neue Wahlordnung zu veranlassen. auf Grund welcher dann ein neuer Kultusrat gewählt wind . JÜDISCHE ZEITUNG Ein Erfolg des nationalen Gedankens in England. ln der am 25. Jänner in London abgehaltenen Sitzung des Board of De.puties wurde seitens des zionistischen Delegierten Marks ein Antrag cingebracht, daß die Delegierten des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association als Teil des Comite des Delegations Juives bei der Pariser Friedenskonferenz an dessen Arbeiten teiinehmen sollten. Dieser Antrag wurde mit 86 gegen 23 Stimmen angenommen, obwoli: Lucien Wolf und andere an die Versammlung appelliert hatten, dagegen zu stimmen. Das Ergebnis ist als ein großer nationaljüdisch er Sieg aufzufassen. Diese Meldung ist außerordentlich erfreulich. Der Board of Deputies und die Anglo Jewish Association umfassen den größten Teil des nichtzionistischen englischen Judentums. Der mit beträchtlicher Majorität gefaßte Beschluß bedeutet, daß die Körperschaften des englischen Judentums die Grundlagen einer nationalen Gal u th Politik, wie sie das Komitee der Delegationen in P a r i s treibt billigen und daß sie gewillt sind, in diesem Sinne mitzuarbeiten und sich dem Komitee der Delegationen auch organisatorisch einzufügen. _Der Beitritt der Repräsentanten des englischen Judentums verstärkt die Basis des Komitees und verleiht seinen -Unternehmungen eine stärkere Wirkungskraft. Das britische Judentum kann sich auch in seinen ausgesprochen nichtzionistischen Teilen der Notwendigkeit nicht verschließen, nationale jüdische Volksnolitik zu treiben und es hat genügend Einsicht besessen, seine Mitwirkung an der Stelle zu gewähren, wo diese Politik ireute zielbewußt und erfolgreich geführt wird." Die amerikanischen Juden für den Wiederaufbau Palästinas. Der amerikanische Korrespondent der „Jüd. Preßzentnale Zürich“ berichtet: Die amerikanischen Zionisten unternehmen energische Schritte für die Sammlung eines Zehn- Millionen-Dollars-Fonds für den Wiederaufbau Palästinas. Diese große Summe äst um so bemerkenswerter, als es erst das zweite Mal ist, daß man mit der Forderung nach einem solchen Riesenbetrage an die amerikanische Judenheit herantr&tt. Während es sich jedoch bei der Sammlung für die Kriegsopferi, um die Gesamtheit der amerikanischen Judenheit gehandelt hat, will diesmal eine einzige Partei dm Judentum sich einer solch großen Aufgabe unterziehen1. Es ist der Plan aufgetaucht, daß das „Joint C o tn m i t e e“ und die zionistische Organisation beide Sammlungen gemeinsam durchführen. Mitte Dezember fand im Emanuel-Tempel eine diesbezügliche, von Jakob Schiff nach einer Unterredung mit Louis Braji.deis einberufene Konferenz statt. Die Zionisten legten einen Plan vor, wonach sie einverstanden wären, die Arbeit gemeinsam durchzuführen. Gegen diesen Vorschlag traten Louis Mar sc hall. Julius Rosenwald, Cyrus Adler. Henry Morgenthau und andere auf. Marschall bezeichnete zwar die Palästinaarbeit fiir sehr wichtig; aus praktischen Gründen glaube W jedoch nicht an den Erfolg einer solchen Vereinigung. Für die gemeinschaftliche Durchführung der Sache traten auf Julian Mack, Rabb. Wiise. Louis Br an de is und andere. In der Abstimmung fiel die Entscheidung gegen die Vereinigung dieser beiden Sammlungen. Dieser Beschluß gilt jedoch nur für New-York, da in vielen anderen Städten die Sammlung bereits bisher gemeinschaftlich geführt wird und wahrscheinlich auch weiter geführt werden wird Besonders wann für Palästina traten Jakob Schiff und George Irwing Lehmann ein. Schiff erklärte, er erkenne an. daß Palästina den Grundstein der jüdischen Frage bilde und Lehmlann meinte, er sei zur Ueberzeugimg gelangt, daß die Arbeit für den Wiederaufbau Palästinas vor allen anderen jüdischen öffentlichen Arbeiten kommen müsse. Zionistische Bewegung Die Bedeutung der Mission Herbert Samuels. „Palestine“ bringt am 17. Jänner einen interessanten Aufsatz über die Bedeutung der Mission Herbert Samuels. Nachdem die.Zeitung seine bisherigen Leistungen in der englischen Politik besonders gewürdigt und darauf Angewiesen hat. daß er in finanziellen Angelegenheiten als eine erste Autorität angesehen wird und daß er durch seine Tätigkeit in Belgien zur Mitwirkung am Wiederaufbau Palästinas prädestiniert sei. fährt „Palestine“ folgendermaßen fort; „Lord Allen'bys Wahl ist auch von einem anderen Standpunkt aus 'eine sehr gute, nämlich, weil Samuel sich des vollsten Vertrauens der Zionistischen Organisation erfreut Samuel hat keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne sich aus ganzem Herzen mit den zionistischen Aspirationen in Palästina zu identifizieren. Er war ein warmer Förderer der Sache, als er noch dem Kriegskabinett angehörte und seit jener Zeit, und es ist ein offenes Geheimnis, daß er in den letzten zwölf Monaten besondere Aufmerksamkeit allen Phasen der zionistischen Arbeit gewidmet hat Er hat als beratender Sachverständiger im zionistischen Zentralbureau an den vorbereitenden Arbeiten für Kolonisation. Einwanderung und wirtschaftlichen Aufbau des Landes teilgenommen. Die Tatsache, daß ein Jude für die vorbereitenden Arbeiten gewählt wurde, ist der ernsteste Beweis für die Absicht der englischen Regierung, ihr den Zionisten gegebenes Versprechen in die Wirklichkeit umzusetzen. So kann Samuels Missiop als ein besonders wichtiger Schritt für die Begründung eines jüdischen Palästina angesehen werden. Die Besprechungen Samuels mit dem Emir Faisui in. London, die in dem jüngst veröffentlichten Brief des Emir Faisui ihr Ergebnis hatten, v’elcher das gegenseitige Vertrauen zwischen dem Emir und den zionistischen Führern feststellte, gewinnen nunmehr erhöhte Bedeutung. Samuels erfolgreiche Bemühungen für die Beseitigung der Mißverständnisse zwischen der Zionistischen Organisation und dem Emir Faisui werden die werlvolle Wirkung haben, ihn instand zu setzen, weiter an der Annäherung zwischen Juden und Arabern zu arbeiten, die wir in diesen Blättern immer wieder gefordert haben. Wir sind überzeugt, daß die zahlreichen Intriguen und irrigen Auffassungen, die jetzi noch in den- Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Palästina existieren, verschwinden werden, wenn der ehrliche, durchdringende und hervorragend gerechte Geist eines britischen Staatsmannes wie Samuel in engem Kontakt mit den wirklichen Dingen trifft.“ Palästina-Amt Wien. Zwecks Durchführung einer genauen Statistik der für den Aufbau Palästinas in Betracht kommenden Baufachleute (Ingenieure, Architekten, Baumeister, Agroncme etc.) und Bauha n d werker (Maurer, Zimmerleute, Bau- Schlosser, Installateure etc.) werden die Palästinainteressenten genannter Berufe ersucht, sich so bald als möglich beim Technischen Referate des Palästina-Amtes Wien, II., Zirkusgasse 33, Sprechstunden 11 bis 12 Uhr, registrieren zu lassen. \ Die Tätigkeit der Zionistischen Mittelschulverbindungen im abgelaulenen Wintersemester. Sonntag, den 8. d. M„ wurde das Wintersemester geschlossen und die Präsidiumswahi für das Sommersemester vorganommen. Das nunmehr verflossene Semester, das erste seit der Gründung des Seniorenvierbandes der Z. M. V. war mit fruchtbarer Arbeit erfüllt. Jeden Sonntag Vormittag wurden zionistische oder allgemeinjüdische Vorträge veranstaltet, bei welchen u. a. Dr. Emil Stein, Dr. Felix Mandl, Dr. Chaim Tartakower, Jakob Weiner sprachen. Die Teilnahme an diesen Vorträgen war überaus rege. Die Zahl dieser Korporationen hat sich teils durch Neugründungen, teils durch Reaktivierung alter Verbindungen auf 14 erhöht. Die gemeinsamen Auslagen des Seniorenverbandes wurden durch Beiträge der Korporationen gedeckt. Die Vorarbeiten für die Anlegung eines Katasters aller Wiener jüdischen Mittelschüler ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit sind begonnen. Auch die Organisation aller Provinzverbindungen ist in die Wege geleitet. Das neue Präsidium sieht seine Hauptaufgabe in dein regelmäßigen Fortführung der Vorträge und Diskussionen sowie der Hebräischkurse. Der Schluß dieses ersten Semesters gemeinsamer Arbeit wird durch den Mittwoch, den 25. d. M„!46 Uhr abends, im Olympiasaai, I., Rothgasse, stattfindenden Festkonuners gefeiert. Aus Palästina Der Medical Joint in Erez Israel Dr. J. M. Rubinow, Direktor des amerikanisch-zionistischen Medical Joint, berichtet. in „Dos jiddische Folk“ ausführlich über die Tätigkeit des Medical Joint in Palästina während des ersten Jahres seiner' Wirksamkeit Wir entnehmen den interessanten Darlegungen: Der amerikanisch-zionistische Medical Joint verließ Amerika anfangs Juni 1918. Die Auswahl des ärztlichen Personals, welches vorwiegend mehr aus Spezialisten als aus allgemein praktischen Aerzten bestand, bewies, daß der Wille vorhanden war, für die Zukunft vorzubauen. Die Schwierigkeiten der Reise verzögerte die Ankunft des Medical Joint in Palästina bis Ende August. Bei seiner Ankunft war das Land von Epidemien durchseucht, da die auswärtigen Aerzte entweder geflohen oder verschickt, viele Spitäler von den Türken vor ihrem Rückzug zerstört worden waren. So vergingen die ersten Monate in fieberhafter Einzelhilfsarbeit gegen die drückendste Not. Doch ebenso wie das ganze Land noch vor dem Waffenstillstand sich schnell von den Kriegsschrecken erholen konnte, so konnte auch der Medical Joint sich bald auf fester Grundlage organisieren. Die Resultate dieser Tätigkeit in den letzten sechs Monaten geben denn auch ein gutes Bild der vereinten jüdisch-amerikanischen Organisationskraft. Bereits Ende April hat der Medical Joint in vielen Spitälern von Jerusa- 1 e m, Jaffa, Safed und T i b e r i a s, sowie in den Kliniken und Ambulatorien dieser Städte, sowohl wie in Haiffa, Hebron und J erichö, ferner in den pathologischen Laboratorien ' von Jerusalem, Jaffa und Tiberias die Arbeit aufgenommen. Die allgemeine sanitäre Arbeit, vorwiegend die Bekämpfung der Moskitos, die Reinigungsarbeit in den Gassen und Höfen wird heute unter Mitwirkung von Regierungsbeamten durchgefülirt. Die Moskitoplage ist auch in diesem Jahr viel geringer als im vorigen. Die Spitäler, welche der Medical Joint übernahm, bedurften vielfach einer gründlichen Neuorganisation. In dem seit 50 Jahren bestehenden Spital des Baron Rothschild in Jerusa* lern, welches noch während des Aufenthaltes der Hilfsgruppe in Paris ihr übergeben wurde, fehlten die notwendigsten Utensilien. In kürzester Zeit gelajig.es dem Joint, es zu einem modernen amerikanischen Spital auszugestalten, welches als das am besten organisierte Jerusalems gilt; durch den Medical Joint wird jetzt in diesem Spital das erste Rön-tgem 1 ab ora torium in Pai-XKS;

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