Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 7 (20.2.1920)
- Date
- 1920-02-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr. 7 JÜDISCHE ZEITUNG ■Seite 7 lästina errichtet In Jaffa hat der Joint ein kleines Spital, dessen die Stadt dringend bedurfte, sowie eine große Klinik eingerichtet. In Tiberfasi, wo es Typhus und Cholera zu bekämpfen.' galt, nahm der Medical Joint das alte englische Missionarspital in Besitz, welches, während des Krieges von den Missionären verlassen und dann von den Türken ganz ausgeplündert worden war. und brachte den Spitalsbetrieb rasch wieder in Gang. Seit neun Monaten arbeiten dort Aerzte und Chirurgen des Joint Das schönste Kapitel in der Entwicklung des sozialisierten. Systems des Medical Joint ist die Organisierung des Spitals in der Bergstadt Saf e d. Dieser Stadt hatte kurz vor dem Kriege Baron Rothschild ein kleines, gut eingerichtetes Spital zum Geschenk gemacht. Im Kriege wurden alle Einrichtungen von den Türken fortgeschafft und das Gebäude als Stall verwendet. Als nach dem Eindringen der Engländer in Galiläa kurz vor dem Waffenstillstand die Aerzte des Medical Joint nach Safed kamen, fanden sie vom Spital die nackten Mauern. Obwohl das Klima und die Höhenlage der Stadt sehr günstig ist und ' sie geradezu für einen Kurort prädestiniert, ist sie doch der Herd vieler Iefektionskrankheiten, besonders Flecktyphus. Darum machte sich der Medical Joint vor allem an die Reorganisation des Spitals. Im Lande herrschte jedoch Mangel an dem Allernotwendigsten für eine Spitalseinrichtung, der Nachschub aus dem Mutterlande war schwierig und die isolierte Lage .von Safed komplizierte das Problem noch mehr. Da kam den Bemühungen des Medical Joint der glückliche Zufall zu Hilfe, daß das amerikanische Rote' Kreuz nach Beendigung seiner Tätigkeit Palästina verließ: so hatte der Joint die Möglichkeit, Betten und moderne Spitalseinrichtungen zu erwerben. Trotz der nur 70 Meilen Luftlinie betragenden Entfernung zwischen Jerusalem und Safed dauerte es einige Wochen, ehe die moderne Spitalseinrichtung an ihrem Bestimmungsort anlangte. Sie wanderte von Jerusalem auf der Schmalspurbahn nach Haiffa, von' dort wieder auf einer Kleinbahn nach dem Araberdorf Zamach am Ufer des Kinerethsees, dann führte sie ein schlecht gebautes Floß, das von einem Gasolinmotorboot angetrieben wurde, an Tiberias vorbei zu dem kleinen Dorf Tefath und dort blieb sie unter der Bewachung von Arabern und einem jüdischen Gendarmen, welche in Diensten der englischen Verwaltung standen, einige' Wochen. Den Weg nach Safed, welcher 3500 Fuß bergan geht, legte die Einrichtung auf zwei Fordautomobilen, alten tfieuwagen, Eseln. Kamelen u. dgl. zurück. Dami aber erstand schnell ein modernes amerikanisches Spital unter der Leitung amerikanischer Aerzte, in welchem gelernte amerikanische . Krankenschwestern Dienst tun. ' 1 Der Einflußdes Medical Joint erstreckt sich jlicht nur auf die systematische sanitäre Behandlung der Bevölkerung in den Spitälern. Auch die Aerzte im Lande haben durch den Medical Joint Gelegenheit, praktische Ausbildung in moderner, medizinischer Behandlung zu erhalten. Die Kette medizinischen Unterrichtes, welche durch den Joint über das Land gezogen wird, kann als der Anfang für die medizinische Fakultät der künftigen jüdischen Universität in Jerusalem betrachtet werden. Die SchulefürKrankensch(Western, welche in Verbindung mit dem Rothschildspital in Jerusalem, als erste Krankenschwesternschule in Er« Israel und als. erste solche Schule mit hebräischer Unterrichtssprache in der ganze» Welt, hat dreißig junge Palästinenserinnen zu Zöglingen. Im ersten Monat der Tätigkeit des Joint wurden in seinen Spitälern 300 Kranke aufgenommen und in den Kliniken etwa 3000 Patienten ambulatorisch behandelt Ein Unterschied in bezug auf Rasse, Nationalität und Konfession der Patienten wird nirgends gemacht, ln Jerusalem umfaßt die Tätigkeit des Joint hauptsächlich Juden, da für Christen und Mohammedaner viele medizinische Institute bestehen. ln den Städten Galiläas jedoch entfällt ungefähr die H ä 1 f t e der Tätigkeit des Joint auf die nichtjüdische Bevölkerung. Während den Patienten, welche zum größten Teil der ärmsten Klasse angehören, -unentgeltliche Behandlung zuteil wird, werden die vermögenden Elemente allmählich dazu erzogen, sich an die Institute des Medical Joint zu wenden und dafür zu zahlen. Zurzeit ist die Arbeit des Medical Joint vorwiegend auf die Städte beschränkt, um so mehr, als die Landbevölkerung gewöhnlich zur medizinischen Behandlung die Stadt aufsucht. Der Joint beabsichtigt jedoch seine Tätigkeit auch auf die jüdischen Kolonien zu erstrecken. Durch die Tätigkeit des Joint, welche nach den auf dreimonatigem Studium beruhenden Plänen einer speziellen Sanitätskommission von Aerzten und Bakteriologen gerührt wird, blüht das System der sozialisierten Medizin im Orient auf. Vorläufig wird diese Tätigkeit durch amerikanische Hilfe unterstützt, es ist jedoch zu hoffen, daß sie aucli bei der Bevölkerung im Lande selbst Unterstützung finden wird. Die reifere Jugend von Jaffa und die Schulen. In der letzten Zeit zeigte sich unter der reiferen Jugend wegen des Unterrichts in den jüdischen Schulen eine große Erregung. In der letzten Zeit wurden von denjenigen, welche die palästinensischen Schulen besucht und absolviert haben, in dieser Angelegenheit viele Versammlungen veranstaltet und Reden gehalten. In diesen Versammlungen beriet die heranwachsende Jugend über die Möglichkeiten, den Unterricht in den palästinensischen Schulen zu verbessern. Sie wiesen besonders auf zwei Gründe hin: 1. den Mangel an hebräischen Lehrbüchern. 2. den Mangel an einer ernsten Aufsicht über den jüdischen Unterricht im allgemeinen mul im Osten insbesondere. In der letzten Versammlung der reiferen Jugend wurde beschlossen, sich mit zwei Forderungen an die zionistische Organisation und an den Waad hachinuch zu wenden: 1. wegen Schaffung einer bestimmten Institution, welche übersetzte Lehrbücher herausgeben sali, 2. wegen Uebereinstimmung. der Programme der verschiedenen jüdischen Schulen und Einsetzung einer Aufsicht über die Vervollständigung der Programme aller Schulen. Ebenso wurde beschlossen, sich an die jungen Lehrer zu wenden, welche ihre Studien an den jüdischen Schulen in Palästina beendet haben, sic mögen die beiden Punkte vor die Lehrerberatung bringen, welche zu Clmmikkah stattfinden wird. (Haarez.) Vom Waad-Hair in Jaffa. In dien Chanukahtagen fanden Ln Jaffa Nachwahlen von 15 Mitgliedern des jüdischen Genieinderats, der bekanntlich in seiner Mehrheit' aus konservativen Elementen besteht statt Die beiden Arbeiterparteien beteiligten sich an den Wahlen nicht weil sie wenig Chancen hattea Dagegen hat die Orthodoxie hier, wo der Kampf lohnend war . fie Frauen und Töchter mobil gemacht, nur forderte sie die Wählerinnen; auf, die weiblichen Stimmen getrennt von den männlichen abzugeben, aus Gründen der sexuellen Moral. Tatsächlich aber fand die Abstimmung nicht in getrennten Räumen statt. Außer den Arbeiterparteien biieb auch Tel-Awiw den Wahlen fern. Durch einen eigenartigen Block des „Hacsrach“ mit den Sefardäm und älteren Jemeniten gingen die Wahlen ohne Wahlkampf vonsdatten. Es wurde die konservativ-bürgerliche Liste gewählt Unter den 15 Abgeordneten sind 10 Aschkenasim (darunter Diesengoff. A. Gutmann, Ms. Scheänkies. Dr. B o g r a t sch o w). 4 Sefardim und 1 Jemeniter. Ankündigungen Freie jüdische Volksbühne. Samstag, den 21. d. M., wird im Bürgertheater um A3 Uhr nachmittags zum erstenmale „Eisik Scheiter, Drama in 3 Akten von David Pinski auigeiührt. Mitglieder beheben ihre Freikarten im Vereimslokale „Cafe Rembrandt“, II., Untere Augartenstraße 11, in den Abendstunden zwischen 6 bis 8 Uhr. Im Monat März eröffnet die „Freie jüdische Volksbühne" eine dramatische Schule, in der fähige Dilettanten zu Schauspielern herangebildet werden. Interessenten mögen dem Vereine Namen, und Adresse bekanntgeben. Stockerau. Die J. A. C. Jordania veranstaltet am 26. Februar 1920 in den Stadt-Schießstattsälen eine große Purimakademie mit Tanz und verschiedenen Lustbarkeiten. Gäste willkommen! Austritte aus dem Judentum Bäck Grete, gpb. 14. Oktober 1895. Wien. IX., Eiisabethpramenade 33. — Bergei Franz. Student. geb. 12. Februar 1900, Wien. XIX.. Silbergasse 19. — Eichner Wilhelm. Kaufmann, geb. 5. Mai 1884. Biaia. III.. Sebastianplatz 2. — Dr. Rudolf Ergas. geb. 10. Dezember 1885. Wien. IX.. Porzellangasse 11. — Havas Emil. geb. 21. Oktober 1873. Budapest. IX.. Hörigasse 9. — Hendl Heinrich, geb. 30. Juli 1894. Wien. IX.. Pfluggasse 3. — Herzka. Henriette .Marie, geb. 30. Juli 1900. Wien. XVL. Habichergasse 50. — Katz Lazar Alois, geb. 9. März 1898, Wien, IX., Alserstraße 30. - Kohn Olga. geb. 16. September 1893, Wien. VII.. VVestbahnstraße 35. — Mundstein Emil. geb. 15. Mai 189b. Wien. IX.. Schulz Straßnitzkvgasse 7. — Pisker Theodor, geb. 30. Mai 1878. Znaim. XVL. Dittergasse 5. — Reif Friedrich, geb. 31. Mai 1896. Wien, IX.. Berggasse 29. — Schubert Alexander, geb. 5. März 189-1. Nappersdorf. IX.. Porzellangasse 8. — Wagner Anton, geb. 8. August 1900. Brody. IX.. Sechsschimmelgasse 14. — Weiß. geb. Adler Regine. geb. 11. April 1863. Wien. IX.. Porzellangasse 58. — Weiß Paul. geb. 1. Februar 1866. Temesvar. IX.. Porzellangasse 58. t M»I I ■»«n.M.Twtm.zna.. ir.-CTanBiVTrgra.iiin n—ata—— p Soeben ers.hienen lieft 4—5 November- 3 | Dezember von | | Aitneuiand. ] | Aus dem-Inhalt: j- S Dr. A. S. Kamenezky: Allgemeiner Ueberbhck 4 Ü über Palästina. I. Scbatzkin: Der Jordan und seine I Wasserkraft. N. Schwalbe: tirez Israel und die imerw nationale Politik. R. Waisonok: Die ilandelvwcg- 1 Palästinas in de; Vergangenheit und Zukunit. Dr. A. ä J. Braver: Verein zur wissenschaftlichen Erforschung ■! Palästinas. D. Bcngurion and J. Ben Zwl: Die admi- 1; nistrative Teilung Palästinas. Prol. Dr. M. Lehr: Das jj Hauslebeu der Araber. Prol. Dr. Kühlermann: Die „ Gewächse Palästinas. Agr. H. Auhagen: Die Bearji beitung des palästinensischen Bodens durch unser« - Väter. Das Heit bringt außerdem mehrere belletristische Li Aulsätze und schließt die Enquete über die Sprachen- 3 frage in Palästna. an der sich J. Griinbaum. W. Sehe-!] botlnski. Dr. O. Thon. Dr. .1. Thon. S. J. Jatzkan. A. " Mundschik, N. 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