Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 - Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Heranziehung palästinensischer Delegierter durchgösetzt. Aber bei dieser Forderung dächten wir nur all eine ernsthafte Vertretung. Leider muß gesagt weiden, daß-der Waad hasmani nicht einmal in seiner Vollzähligkeit die nötige Autorität besitzt, geschweige dehn diese Versammlung, in der zahlreiche Mitglieder fehlen. . . Bei der Abstimmung Aber den Vorschlag der Führer auf Verschiebung der Wahlen stimmten 7 Mitglieder dafür. 10 Mitglieder dagegen. Der Gruppe der Arbeiter schlossen sich noch einzelne Ihr nahestehende Delegierte an. Die Redner des linken'Flügels wandten sich neuerlich gegen die Versuche, die aktiven Energien d^es Jischuw zu unter drücken^ Die Beteiligung der. palästinensischen Delegierten sei um so notwendiger, als wir zur gegenwärtigen Palästina-Kommission kein Vertrauen haben. Ussischkin wies darauf, hin, daß er überzeugt sei, mit den palästinensischen Vertretern giit zusammen arbeiten zu können. Wenn er trotzdem für die Verschiebung sei, so erfülle er nur den Londoner Beschluß. Was Weizmanns Versprechen bezüglich der Erhöhung der Zahl der Mandate auf vier anlangt, sei er überzeugt, daß. Weizmann dies auf der Jahreskonferenz durchsetzen werde. Ich soll im Exekutivkomitee gesagt haben, daß die Jahreskonferenz über die Hauptfragen nicht entscheiden wird. Ich habe aber nur gesagt, daß die Jahreskonferenz über die Nationalisierung des Bodens imd das Genossenschaftssysiem nicht entscheiden wird, da die Londoner Konferenz beschlossen hat, diese Fragen nur dem Kongreß vorzulegen. Wenn wir.für die Verschiebung -der Wahlen sind, so geschieht das nur im Interesse der Würde und des Ansehens dieser Versammlung. Ich bürge dafür daß Ihr vier durchsetzen werdet Ich sage und rate Euch: Nehmet teil an der Jahreskonferenz und kämpfet für Eure Anschauungen. Auch wir haben unser ganzes Leben laug gekämpft Es gäbt verschiedene Menschen und verschiedene Strömungen im Zionismus. Wenn Ihr jetzt ganz zwecklos Wahlen veranstaltet so wird das Ansehen dieser Vesammlung schwer leiden. In den kommenden Wochen wird nicht viel getan werden. Es smd große Geldsummen erforderlich. Verderblich ist nur das gegenseitige Mißtrauen. Die Leitung befolgt keinerlei Verschleppungstaktik, sondern es ist hier nur ein Kampf der Meinungen. Auch die Frage der. Wahl von Delegierten zur Jahreskonferenz wurdle in negativem Sänne entschieden. Dem Waad hasmani war das Recht zti Entsendung von Delegierten eingeräumt worden. Es wurden Stimmen laut welche überhaupt den Wert der Jahreskanferepz in Abrede stellten. Diese Ansicht beeinflußte auch die Etttscheädjtmg des Waad hasmanL Als die Versammlung geschlossen wurde, batten, wie der Vositzende bemerkte^ alle das QefüM. eines geschlagenen Heeres. Aus Palästina Das volkstümliche Friedensgericht In der „Ne neu Zürcher Zeitung“ vom 29. Dezember 1919 veröffentlichte Dir. A. B. nachstehende. instruktive Darstellung der Entwicklung des Friedensgerichte. In den ersten Tagen des kommenden Jahres wird in Jerusalem ein Hochschulkurs für die Rechtswissenschaften eröffnet Dieser Vontäufer einer juristischen Fakultät wurde schon längst als notwendig empfunden und soll mm nach modernsten Prinzipien und im Einklang mit den. Forderungen des Lebens im Heiligen Lande' organisiert werden. Die neue Institution genießt die Zustimmung und Unterstützung dler britischen Militärbehörden und steht jedermann, der Mittelschulbildung anfweist offen; auch Autodikiaten sollen in unbeschränktem Umfange zugeiassen werden. Der Lehrkörper setzt sich aus akademisch gebildeten Juristen zusammen, darunter auch ein aus Holland stammender Universitätsprofessor De Haan und der Staatsoberrichter Normann Bentwich. UnferriChtsgegenstäode smd vorläufig: Einführung in die allgemeine Rechtslehre. Einführung in die jüdische Rechtslehre, arabisch-orientalisches Rechtssvstem. englische Verfassungskunde, Fananzlehre, über die * Minoritätsrechte, über die gerichtliche Prozedur usw. Diese im Jänner beginnenden Rechtskurse "’mden deshalb zu einem dringenden Bedürfnis, r V*- da$ Gerichtswesen und die Rechtssprechung - “!-;<rK% Palästina und dem nahen Orient . . r ' .Reform.. bedarf. An dieser r:- . 'V.''^-bestehenden miittäungsnstrument in allen zwischen den Kolonisten vorkommenden Rechts- und Streitfällen. Die Institution genoß schon damals die Achtung der türkischen Behörden und der arabischen Bevölkerung, die sich dferen nicht selten lieber als der staatlichen Gerichtsbarkeit bediente. Als aber der Krieg kam und der wütende Dschemal Pascha sein Schreckensregiment hier und in ganz Syrien errichtete, wurde das jüdische Friediensgericht als hochvenrätische Anstalt betrachtet, die Richter eingesperrt und die Archive ausgeplündleint und verbrannt Erst der Einzug der englischen Truppen und die Wiederherstellung helbwegs normaler Beziehungen erlaubte an die Wiedereröffnung der Friedensgerichte zu schreiten. Diesmal wurde die Sache aber weit goßzügiger . angefaßt Die britischen Behörden erklärten sich von Anfang an mit dem jüdischen Friedensgericht, einverstanden und stellten ihm die exekutive Kraft zur Verfügung, da es jedermann eänieuchtete, diaß man hier nicht länger mit dem veralteten türkischen Recht auskommen .konnte, anderseits auch, weil man in einem als Kriegsgebiet behandelten Lande nicht neue Prozeduren einzuführen gewillt war. Das Friedensgericht wurde also zu einer stehenden Einrichtung. Dank dem guten Willen und der Organisation der jüdischen Kolonisten wurden die Friedensgerichte in allen' Städten und K lonien und ihre Rechtssprechung ohne weiteres als bindend anerkannt Der junge und fleißige ' österreichische Jurist Daniel Auster dient den meisten dieser Gerichte als fachmännischer Beirat und. ihm ist die Gründung der Friedensgerichtshöfe in den meisten Ortschaften zu verdanken. Die Friiedensgerichte bestehen aiis gewählten Richtern und zerfallen fri vier1 Instanzen: Eni erstinstanzlicher Gerichtshof in allen Kolonien und städtischen Siedlungen, bestehend aus drei Richtern unter Hinzuziehung eines. Rechtsfachmannes (in den Städten); dieses Tribunal hat über Streitigkeiten, leichte Ehrensachen, Wohnungsfragen, Geldforderungen bis zu 50 Lstr. usw. abzuurteilen. Die zweite Instanz existiert nur in den Städten oder größeren Zentren, besteht aus fünf Richtern, deren einer Jurist sein muß: ihre Kompetenzen erstrecken sich über Geldsachen bis zu 1000 Lstr., ernstere. Ehrensachen (etwa Preßprozesse. Gewalttaten usw.). Güterverwaltimgsfragen. Grenzstreitigkeiten. Scheidungsfragen, ETbschaftsfragen, sowie Konflikte zwischen Bevölkerung und Ortsbehönde, sofern diese die Gerichtsbarkeit für sich als bindend anerkennt In dieser Instanz werden auch Rekurse gegen die Urteile der ersten Instanz geprüft und entschieden. Das drittinstanzliche Friedensgericht ist das Kredsgericht. .bestehend nur m den Städten Jerusalem, .Jaffa, Haifa, dessen Kompetenzen etwas größer sind als die der zweitinstanzlichen Gerichtshöfa . Das. Qbemgericht hat seinen Sitz ln Jerusalem (augenblicklich aus technischen Gründen in Jaffa) und .besitzt alle Attributationen eines europäischen Obengerichtes. seine Mitglieder sind.23. wovon mindestens drei akademisch gebildete Richter: es zerfällt in verschicdene. Abteilung^*.. die. einzeln oder vereint wichtige Gerichtssachen zu entscheiden haben; dieser Gerichtshof urteilt in letzter Instanz und dient außerdem als ständiges Bindeglied zwischen der^ oberster politischen Lündesbehörde und den übrigen Gerichtshöfen. Die Friedensgerichte verbreiteten sich mit Blitzesschnelle über das ganze Land. Der palästinische Jude erblickt in ihnen mit Recht den ersten Schritt zur Landesautonomie und daher genießen diese Gerichtshöfe die größte Autorität Aber nicht nur bei den Juden allein. Wir kennen zahlreiche Fälle, wo Araber und Christen sich dieser Rechtssprechung nicht nur unterzogen, sondern sie in ihren Streitfällen, sogar in solchen, wo die Sache keinen Juden anging, anriefen. Das Vertrauen in die Urteile dieser Gerichtshöfe ist allgemein und die Idee der volkstümlichen Gerichtsbarkeit hat sich hier wie nirgends eingelebt und ihre Vortrefflichkeit bewiesen. Es gibt im ganzen Lande 26 verschiedeuinstanzliche Gerichtshöfe und in Jerusalem wird eben an der Organisation des Obergerichtes gearbeitet Obwohl die Regierung den Gerichten ihre Macht zur Verfügung stellt sind “die Fälle von Anrufung der amtlichen Exekutive äußerst selten, gewöhnlich genügt das erst- oder zweitinstanzliche Urteil voll-, kommen. Alle vor dem amtlichen Gerichtshöfen vorkommenden jüdischen Streitsachen werden in der Regel von der Regierung an die jüdischen Gerichte gewiesen. Da diese Institution naturgemäß noch der Vollendung bedarf, und da namentlich die Zahl der gebildeten Juristen, die als Fachleute und Führer der Gerichtshöfe dienen sollen, sehr gering ist und ihre Attributioneu gar .zahlreich sind (sie dienen z. B. auch als amtliche Notare und Beglaubiger usw.). mußte für rasche Heranbildung von Juristen gesorgt werden, und aus diesem p—nd<> ■ werden die eingangs erwähnten Kurse in Jerusalem gegründet. Neben •' -tv Hilfe, die heute fast ausschließjfänden liegt und mit einem alles; -r ..^.iReifer ausgeübt wird, wird somit '";:c’ '‘ ./'rröhe Verwaltungszwedg aflmäh- ..••..ensjw-x.s^u^.- —^ .jüdischen Organe übergehea rl. .V1.^- ^.;n! ‘ J. innigen haben selbst die ■ •’.:'X.^früheren Gegner der völksv'. ' .jichte in Palästina versöhnt, . •' Bevölkerung begegnet : SS’ t vollen. Die geistigen Führer -htsbarkeit tragen sich jetzt eine allgemein gültige Kodi- ^. Gerichtshöfe im ganzen Lande .iT)as erste moderne palästioi^setz wird dann Tatsache werden. Unruhen in Obergaliläa. Der palätmensische Korrespondent der „J üdischen Rreßzentrale Zur ich“ - berichtet: Bei den Kämpfen zwischen den Franzosen und den gut ausgerüsteten B eduinen. an der Nordgrenze Palästinas die seit Anfang Dezember v; .J. andauern* haben die. jücL Arbeiterfarmen und die Kolonie M et ul ä„ in Obergaliläa stark gelitten. Die Arbeiterfarm Chahirah ist von den Geschossen der Beduinen ganz zerstört und durch Feuer vernichtet, worden. Zwei andere, Tel-Chai' und Kefar Giiadi, sind, von. den Beduinen ausgeräiibt worden. Außer dtem Mitglied der Arbeitargruppe,.Schneer Schaposehtnik. der am 12. Dezember v. J. durch eine Kugel den Tod fand, sind, hach Aussagen französischer Soldaten zwischen Tel-Chfli und' Metula noch zwei andere jü<L Arbeiter tot aufgefuniden worden, deren Personalien noch nicht festgestellt werden konnten. . Wie es scheint, handelt es sich um die zwei Arbeiter Trippon und Debroschinsky, die sich am Anfang Jänner von Metula aus nach TeJ-Chai begeben haben, um der Arbeitergruppe von Tel-Chai zu Hilfe zu kommen und die seitdem yenmißt werden. Am 4 Jänner mußten die Franzosen nach einem kurzen Kampfe sich von Metula zurückzieben. MR ihnen hat die ganze Bevölkerung der Kolonie, 120 Seelen am der-Zahl, in Eile Metula verlas s e n, so daß 'sie von ihrem Hab und Gut nichts mitnehmen konnte. Anfangs wurden sie durch die arabische Gendarmerie verhindert, die Grenze zwischen der englischen und. französischen Zone zu überschreiten. Den Bemühungen des. Waad Hazirdm ist’es gelungen, vom Gouverneur von Palästina die Erlaubnis für sie zu erhalten, ohne Schwierigkeiten die Grenzen Palästinas zu überschreiten.' Der größte. Teil von ihnen wurde in Haifa und A k k a untergebracht. Zu diesen Ereignissen ist zu bemerken, daß die Führer der Bedüinenbanden jedesmal versichern, daß sie gegen die Juden nichts haben. Die Räubereien wurden von dien raubsüchtigen Beduinen ausgeführt. die sich.dier Disziplin der Führer nicht unterwerfen. Die Arbeltergruppen der drei genannten Farmen wollten ihre Färmen, an denen sie mit Leib und Seele hängen, nicht verlassen. Sie haben versucht, sich mit allen Mitteln dort zu halten. Die Arbeiter gruppe von Tel-Chai hat sich besonders tapfer verteidigt Sie waren mit Gewehren ausgerüstet und die Farm selbst ist ein guter Verteddigungsplatz» da sie von einer Mauer umgeben ist. Die Führer der Banden -haben von ihnen verlangt diaß. sie die weiß-rote Fahne des Scherifs hissen sollen,. worauf sie sie in Schutz nehmen wollten.. Die Arbeiter wollten sich aber dieser Bedingung nicht fügen, weil sie nichts gegen die Franzosen unternehmen wollten. Da sie aber den.Beduinen an Zahl weit unterlegen wären und ihnen die Lebensmittel und Muinition ausgingen, so mußten sie sich zurückziehen. Der ,JKuntres“,. Organ der „Achduth-Haawodah“, hat zu Nr. 20 eine Extrabeilage, henausgegeben, worin er die Ereignisse in ObergaMläa ausführlich Schilder t. Technisches Amt. Die Zionistische Kommission hat unlängst eine Konferenz von Ingenieuren einberuf en. um die künftigen technischen Arbeiten In Palästina zu besprechen. Ussischkin hatte den Vorsitz. Hacker entwarf einen Plan zur Errichtung eines technischen Amtes. Nach einiger Diskussion über den Entwurf wurde beschlossen, daß das neue technische Amt aus vier Abteilungen bestehen sbBe, u. zw. Bauabtelhmg. öffentliche Arbeiten. Industrie und technische Erziehung. Jede Abteilung soll von einem Ingenieur geleitet werden, der einem Oberingenieur verantwortlich sein wird. Der letzte wiederum soll der Zionistischen Kommission Rechenschaft abzuiegen haben. Folgende Namen wurden als Leiter der drei technischen Abteilungen vorgeschlagen: Bauabteilung WiibuscJiewitsch seit, öffentliche Arbeiten Max Hecker. Industrie Wilbuschewitsch jum. Der Plan muß von dem Londoner- Bureau bestätigt werden. MR den -vorbereitenden Arbeitern wird bereits begonnen. Dr. Klausner im „Waad Halaschou“. Am 10. Tebet feierte der Waad Halaschon den Empfang seines neuen Mitgliedes Dr. Josef Klausner. Dr, Klausner erschien in Begleitung Ussischkins. Der Vorsdtzerfdie des Waad Ben Jehuda eröffnete die Versammlung mit einem Hinweis aus die Verdienste Ussischkins für die Stärkung des Hebräischen im Lande. Er gab der Fr-eude Ausdruck über die Ankunft Klausners in Jerusalem und seine Teilnahme an der Sprachschöpfung. Klausner sei nicht nur als Schriftsteller und Wissenschaftler bedeutend, sondern er sei auch einer der ersten gewesen, die die Notwendigkeit erkannt haben, die alte Mauer zu sprengen und neue Wörter und Termini nach dem Bedarf der Zeit und des Lebens zu schaffen. Viele seiner sprachlichen Neuschöpfungen sind schon eingebürgert. Auch David Jelling sprach warme Worte der Begrüßung für Ussischkin und Klausner Nach Dankesworten Ussischkins hielt Doktor Klausner einen beinahe eimstündigen hoch interessanten Vortrag. Er sprach über dien Stand der hebräischen Kultur in Rußland. Er erwähnte die Verfolgungen des Hebräischen seitens der russischen Regierung, welche die hebräischen Druckereien gesperrt hat und nicht einmal Gebetbücher und Kalender, zu drucken gestattete, so daß kein. Mensch in Rußland das Datum eines jüdischen Festes an der Hand eines Kalenders feststellen konnte. Der Vortragende brachte viele interessante Details. Die Schwierigkeiten der Verbreitung hebräischer