Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438777-2438783--6588-2446683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 5 Nr. 6 J0DISCI1E ZCTTDRQ g e w ä h r en, da wir die Notwendigkeit der jüdischen Autonomie begriffen haben. Major Beaumont begrüßte die Anwesenden in englischer Sprache mit folgenden - Worten: „Männer Israels! Ich begrüße euch Hamens der englischen Regierung. Tausende von Jahren habt ihr gelitten. Bank unseren Siegen und der historischen Balfourdeklaraüon, habt Ihr die Zusicherung erhalten, daß euer Land wieder euer werden wird. Die englische Regierung hat gezeigt, daß sie gegebene Versprechen hält. Ich weiß, daß Ihr gute Bürger eurer Staaten im Galuth seid, aber in euren Herzen lebt ewig das Wort, Jerusalem^ Als Vertreter der englischen Regierung begrüße ich eure Konferenz und1 wünsche, daß eure Arbeit dem alten Volke Israel Nutzen bringen möge.“ ' Auf der Abendsitzung wird zur Wahl des Präsidiums geschritten D’r. Soloweitschik schlägt vor, das vom zeitweiligen Nationalrate beim jüdischen Ministerium aufgearbeitete Projekt als provisorische Geschäftsordnung anzunehmen. Namens der Majorität des S enior enkonv ent es werden Dr. Soloweitschik als Präsident, Rabb. Kahnemann als erster, und Dr. Friedmann.ausPoniewjesch als zweiter Vizepräsident vorgeschlagen, als Beisitzer Rabb. Karg, Adv. Rosenbaum, Dr. Rachmilewitsch, Galant und Rabb. Poppel. Die vorgeschlagenen Mitglieder werden einstimmig gewählt. In die Mandatskommission werden sodann vier Vertre.ter. der Zionisten und Misrachisten, vier der „Achduth“ und zwei der demokratischen Intelligenz und der Handwerker gewählt Am zweiten Konferenztage erstattete Adv. Finkeistein sein Referat über den allgemeinen Wirtschaftszustand der litauischen Juden. Er verwies unter anderem darauf, daß Deutschland laut dem Friedensvertrage die Kriegsschäden wieder gut zu machen habe und daß die Juden dabei ihr Teil fordern müssen. Man müsse auch trachten, e in en T ei 1 der Juden vom Handel auf andere produktive Zweige des ökonomischen Lebens zu überführen. Das zweite Referat über den jüdischen Handel in Litauen hält Dr. Rach- /m y e w i t s c h, der sich energisch für den freien Handel ausspricht. Eine der Hauptnotwendigkeiten sei die Gründung möglichst vieler jüdischer Volksbanken. Die b estehenden Volksbanken wurden bereits 1 ega 1 fsi e r t, Auch wegen der Sabbathruhe müsse das Nötige veranlaßt werden. Als Dritter referiert D r. Goldberg über die ö k o n ische Lage des litauischen Judentums. _ _ t "Am-Mittwoch, den 71." Jänner erstattet' Minister Soloweitschik' seinen politischen Bericht, der sich ausführlich mit dei eigenartigen Lage des jüdischen. Ministers beschäftigt, der teils Minister, teils Staatssekretär sei und von dem man nicht wisse, ob er jeden Regierungswechsel mitzumachen habe oder als ruhejider Pol in der Erscheinungen Flucht zu betrachten sei Im Kampfe für unsere Rechte handelte es sich um unsere menschlichen, unsere bürgerlichen und unsere nationalen Rechte, welch letztere durch die bekannte Pariser Deklaration festgelegt wurden.' Sodann erstattet Adv. Rosen bäum einen Bericht über seine - Tätigkeit im Komi tee der J üdisehen Delegationen in Paris. Die englische Regierung, die sich gewissermaßen als Vormund des jüdischen Volkes betrachtet, habe ersucht, ihr über die Beziehungen zwischen den Juden und den Litauern zu berichten. Die Vertreter der jüdischen und der litauischen Delegationen haben rieh in wenigen Worten geeinigt, indem die litauische Vertretung um Ueberreichung der jüdischen- Forderungen ersucht habe und sie dann bis auf einige Kleinigkeiten bestätigte! Die Briefkopien der litauischen Delegation an das Komitee der Jüdischen Delegationen, ebenso wie die eingegangene Antwort wurden dann von beiden Parteien der englischen Regierung und der Entente, kommission mit der „Bitte um Kenntnisnahme“ übersandt Die Pariser Deklaration sei jedoc nur ein Programm, für dessen Durchführung wir kämpfen müssen. Er beantragt dem jüdischen Minister, der diesen- Rohbau erst ausgestattet habe, den Dank auszusprechen. An der lebhaften Diskussion beteiligt sich unter anderen auch der ehemalige Dumadeputierte Dr. Friedmann, der auf die während seiner Abwesenheit entstandenen mannigfachen Aenderungen der Verhältnisse hinweist und namens der Fraktion der unparteiischen Demokraten und Handwerker dem Minister für seine fruchtbare politische Tätigkeit dankt und ihm sein volles Vertrauen ausspricht. — lieber die weiteren Sitzungstage werden wir in der nächsten Nummer berichten. * Die zweite zionistische Konferenz in Litauen. Am 1. Jänner wurde die zionistische Konferenz in Kowno eröffnet, die Advokat Rosenbaum mit einer hebräischen Ansprache einleitetei. Er erwähnte, daß Litauen in Mittel-Europa einen lichten Punkt bilde, und wenn man sich sicherlich . auch über manches zu beklagen habe, müsse man doch dankbar sein, daß wir hier gleichberechtigt als Bürger und als Nation sind undunsere Rechte durch die Pariser Deklaration, die ein wichtigeshistorisches -Dokument ist. bekräftigt worden sind. Sodann bespricht Rosenbaum die aufopfernde Tätigkeit des Komitees der Jüd. Delegationen in Paris: . - Auf der zweitägigen Konferenz wurde eine Reihe von Reso’utionen angenommen, ein welchen u. a. gefordert wird, daß die zionistische J ahreskonferenz sogleich.- ohne Rücksicht auf alle Schwierigkeiten, einberufen werden soll und alle Vorbereitungen für die Einberufung des Kongresses gemacht werden, selbst dann wenn ein Teil der zionistischen Organisationen darauf nicht vertreten sein wird. Die Leitung solle alle Vorbereitungen für die Aufnahme des E m i g r ationsstromes machen. Der „Waad Hazirim“ wird. aufgefordert, energisch seine Arbeit zu verrichten und jene Kräfte, die die Einigkeit des Jischub und die politische und sprachliche Einheit stören, unbeachtet zu lassen. Die Nationalisierung des Bodens soll eine der Grundlagen der sozialen Gerechtigkeit sein, auf welchen unsere Zukunft aufgebaut wird Die Litauischen Zionisten, die an der Kehilloth-Konferenz teünehmen. haben auf unsere autonomen Organe einzuwirken. daß sie die Palästina-Arbeit .in den Kreis ihrer Tätigkeit ziehen und auf dieser Konferenz die Forderung Palästinas für das jüd. Volk auf die Tagesordnung bringen. Die Konferenz dankt Adv. Rosenbaum, Mitglied des Großen Aktionskomitees, und Minister Soloweitschik für ihre fruchtbare Arbeit auf dem Gebiete der Festigung der jüd. nationalen Lage in Litauen und erklärt, daß der jüd. Minister als nationaler Minister an der Regierung sich beteilige und unabhängig ist von den Aenderungen,' die bei der parteimäßigen Zusammenstellung-der Regierung Vorkommen. Der Kampf des neuen Jischuw um die Selbstbestimmung. Wir haben bereits über den Beschluß der letzten Sitzung des Waad basmani berichtet, wonach die Delegierten des palästinensischen Judentums für die zionistische Palästina-, kommission durch allgemeine Wahlen gewählt werden sollen, lieber die Sitzung, in welcher der oben erwähnte 'Beschluß gefaßt wurde, veröffentlichen die palästinensischen Zeitungen ausführliche Berichte. Obwohl die Verhandlungen zum Teil überholt sind, weil vielfach auf die Jahreskonferenz Bezug genommen wurde, die inzwischen abgesagt worden ist, ist der Verlauf dieser Sitzung so wichtig und charakteristisch für die politischen Verhältnisse . im palästinensischen Judentum, daß wir in folgendem eine ungefähre Darstellung der Beratung auf Grund des Berichtes in „Haarez“ geben. Als erster Punkt wurde der Konflikt behandelt, welcher zwischen einem Teil der Bauern der galiläischen Kolonien einerseits und der Bank und der IC A andererseits ausgebrochcn Ist. Diese Angelegenheit verdient großes Interesse. In Unter-Galiläa besteht ein KoIonia 1 amt In jüngster Zeit wurde dort eine neue Partei unter dem Namen „Haikar“ (Der Landmann) gegründet, welche von den Anhängern des Amtes als reaktionär bezeichnet wird, während die Verwaltung der ICA sich auf die neue Partei stützt. Zur Zeit der Aussaat w'andten sich die Kolonisten an die Bank um ein Darlehen und die Bank wollte ihnen dies gegen Solidarhaftung gewähren für den Fall, daß die ICA zustimmt. Die ICA aber gab ihre Zustimmung nicht, weil sie die Partei Haikar unterstützt und -die Anhänger des 'Kolonieamtes bekämpft Der Parteienkonflikt hat daher einen direkten Einfluß auf die Landarbeit und die Ernte bekommen, wodurch die Angelegenheit ein öffentliches Interesse erhält und daher von Waad hasmani behandelt werden muß. Es wurde das Exekutivkomitee beauftragt, die Sachs zu untersuchen und sodann zu berichten. Hierauf wurde in die Debatte über die Wahl der Delegierten zur Palästina- Kommission eingegangen. In der lebhaften Diskussion beantragte Dr. Schermann die Wahl durch allgemeine Wahlen zu vollziehen und verwies insbesondere auf den politisch erzieherischen Wert, den eine solche Wahl für den Jischuw hätte. Er warnte jedoch davor, die Wahl gesondert nach Klassen vorzunehmen. wodurch ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen würde. ~ . ruchow an. die Wähler ö:- — / .. vir--.- ben. mit Rücksicht auf : ', Ll j „Achduth haawoda“ und .-! . : reskonferenz. welche eine K! > v> - , - - gen müßte. Die Delegation - . . lehnte eine Verschiebung sie in diesem Fall aus de V-, ircten wird. Der Waad I . v.fgabe gehabt, das palästimr - ’ - /e---'. ’ organisieren; wenn er jet/’ . ’T Wahlen der Delegierten zur r’ ' - aufzuschieben, daun bewel .;! Aufgabe nicht gewachsen -vi-‘ ~:.-v als Nutzen bringt, indem ».:• .:sn .mc: ... zir Passivität verurteilt. - D'ese Erklärung verroh?::-! . - ' nicht.. Während früher die Schiebung gewesen war. ü>yje ‘ ■ -• Delegierte ihre. Ansicht.' - v! Waad hasmani nicht zu g.-vlrr--'.:'- ' socar den Arbeitern z’-oi Mandat den Bauern zugeric s: ' r unterbrach die Sitzung. (£>.' ' neuen Sachlage Stellung rer •'. Kommission von acht Mit ri- : - r r- Resultate, daß d;“ heutige ' r- , , ■■ ■■■ maiorität besitzt, die msbes ' ' i ' rder städtischen Intere-se• -> Kommission sei zwar der .-\rvtich,'Yi- Schiebung aus äußeren Gr.' ■ W: .r doch gäbe es auch innere O-ür V im?-:: : habe beinahe ein Drittel der MY-Y.-def . nischen Gründen wegen der Zerstörung der Straßen nicht kommen können; die Mitglieder aus den judäischen Kolonien hätten vorher mitgeteilt, daß sie zu dem angesetzten Datum nicht teilnehmen können und haben ihre Anschauung mitgeteilt, daß sie Wahlen auf Grund des allgemeinen, direkten, geheimen und gleichen Wahlrechtes verlangen und sich an einer Abstimmung durch den Waad hasmani nicht beteiligen würden. Während der Beratung der städtischen Gruppe erschien der Sekretär Weizmamis und machte im Namen von Weizmann und Ussischkin die Mitteilung, daß die Delegierten des Jischuw nicht in die Palästina-Kommission eintreten können, solange nicht auch die anderen Mitglieder eingetroffen und die Palästina-Kommission komplett ist. (Ruppin, Dr. Eder etc. Die Redaktion.) Diese Nachricht rief beim linken Flügel große Erregung hervor. Es wird der Argwohn geäußert daß die Palästina-Kommission absichtlich die konstituierende Versammlung vereitelt hat Wenn die Delegierten des Jischuw nicht an der aktiven Arbeit teilnehmen können, solange nicht die Zahl der Mitglieder der Palästina-Kommission komplett ist dann möge — so sagte Aronowiez — auch Ussischkin von seinem Posten entfernt werden und auch er soll warten, bis die anderen Mitglieder gekommen sind. Die Arbeiterparteien'erklärten, wenn die Wahlen demokratisch durchgeführt werden sollen, seien sie einverstanden und verlangen Bestimmung des Wahltages. Da aber erfahrungsgemäß immer wieder Versuche gemacht werden, die Abhaltung der Wahlen zum festgesetzten Termin zu verhindern, beantragen sie, daß sofort drei Delegierte interimistisch in die Palästina-Kommission entsandt werden. Nach sehr langen Debatten wurden schließlich folgende Punkte zur Abstimmung gebracht: 1. Ob die Wahlen der Delegierten bis nach der Jahreskonferenz aufgeschoben werden sollen. (Wurde einstimmig ab gelehnt.) 2. Ob die Wahlen der Delegation in die Palästina-Kommission nach den Grundsätzen der Wahlordnung für die konstituierende Versammlung vorgenommen werden sollen. (Einstimmig angenommen.) 3. Bis zum Ausgang der allgemeinen Wahlen wählt der Waad hasmani drei provisorische Vertreter in die Palästina-Kommission. (Dieser Antrag wurde mit 12 gegen 8 Stimmen angenommen.) Der Antrag, zwei Mandate den Arbeitern und eines den Bauern zu überlassen, wurde abgelehnt. Es wurde beschlossen, die Wahlen ganz frei zu gestalten. Die Arbeiter erklärten, wenn sie nicht zwei Delegierte erhalten, werde auch der eine nicht teilnehmen. / In der dritten Nachmittagssitzung lief neuerlich eine Nachricht der Palästina-Kommissian ein, welche rät, mit den Wahlen zu warten. Der linke Flügel beharrte auf seinem Standpunkt, daß diese 'Mitteilung nicht zur Kenntnis zu nehmen und an dem gefaßten Beschluß festzuhalten sef-. Daraufhin gab Herr Diesengoff eine Erklärung ab, in welcher er gegen den Terror der Arbeiter protestierte. Seine Gruppe sei immer unter den Kritikern der Palästina-Kommission gewesen. Er halte es aber für sinnlos, wegen der Wahlen der Delegierten einen Konflikt mit der Palästina-Kommission heraufzubeschwören. Diese Erklärung rief stürmische Debatten hervor, in deren Verlauf die Vertreter der einzelnen Parteien heftige Beschuldigungen gegeneinander schleuderten und jede Partei die Schuld an der Aktionsfähigkeit des Waad hasmani zugeschoben wurde. Diese Debatten, in denen die ganze politische Situation im Lande erörtert wurde, gingen ins Uferlose und währten solange, bis die auf Wunsch der Versammlung herbeigerufenen Leiter der Palästina-Kommission, Dr. W e I z m a n n und Ussischkin in der Versammlung emtrafen. Die Reden Weizmanns und Usslschklns. Auf Bitten Ussischkims erhielt zunächst Dr. Weizmann das Wort. Es ist nicht unsere Absicht. sagte er, die Wahlen zu stören. Wir wollen aber die Palästina-Kommission zu einer Koalitionsinstanz ausgestadten. an der die Delegierten aller Parteien des Jischuw teilnehmen. Wir haben von einem Ultimatum ir... M*« : t?- ‘ ‘»roer -kat-r. -.v^- .; r r <-*; ist Fcö v :■ ■ ■ :TU- ..wh -!?: '— .7