Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 6 (13.2.1920)
- Date
- 1920-02-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 6 JÜBfSCHE ZEITUNG Seite 7 Druckwerke führten zu einer. Verstärkung des hebräischen Sprechens; Das hebräische Wort ließ sich, nicht verdrängen und brach sich Bahn in dter Form von Gesprächen und Vorträgen, bis die Sprache beinahe zu einer lebenden Sprache im Munde tausender Menschen wurde. Zum Schild! gab der Vortragende seine Freude kund, daß'es ihm vergönnt sei, jetzt unter den Schöpfern der hebräischen Sprache in Jerusalem zu wirken und sie mit allen seinen Fähigkeiten zu unterstützen. Die Vorlesungen über Rechtswissenschaft. Die Eröffnung der Vorlesungen über Rechtswissenschaft, über deren Einrichtung wir bereits berichtet haben, wurde für den 15. Tebeth angesetzt Es wurden zunächst folgende Vorlesungen angesetzt: Türkisches Recht (Dozent Nefach). Nationales Minoritätenrecht (Dozent Jabotinski); Handelsrecht (Dozent Frumkin) und Allgemeine Einleitung in die Rechtslehre (Dozent Prot de. Haan). Die Vorlesungen finden in der Lemmelschule statt Ein Lehrerkonferenz ln Jaffa. Auf einer unlängst in Jaffa stattgefundenen Beratung der jüdischen Lehr er in Palästina wurde eine Resolution angenommen, die gegen die Bildung zweier Erziehungsfäte (Waad Hachinuh) Stellung nimmt aber mit der Wahl eines speziellen Komitees für orthodoxe Schulen sich einverstanden erklärt, das jedoch keine Kontrolle über das Budget ausüben solle. Das. Hauptkömitee soll auch die hygienischen Einrichtungen überwachen und für den Gebrauch der hebräischen’Sprache als- Unterrichtssprache und für ein Mindestmaß von weltlicher Erziehung verantwortlich sein. Die Konferenz beschloß, den „Hachinuh“ wieder’ herauszugeben und einen Plan für die Lehirerpensionierung vonzubereiten, dSe zionistische Organisation um Erhöhung der Lehrergehälter zu ersuchen, hebräische Kurse zu organisieren und für die neuen Immigranten Sprachführer herauszugeben. Der Verein zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer hat beschlossen, die beiden Ortsgruppen in Jaffa undi Jerusalem zu vereinigen, so daß die Mitglieder des Vorstandles der Jaffaer Ortsgruppe in den Jerusalemer Vorstand esintreten werden. Der Verein geht an die Ausgabe eines .Sammelbuches heran, welches Aufsätze über alle Gebiete der Palästina Wissenschaft enthalten solL Als Redakteur dies Sammelbuches und für die vorwiegend archäologischen Angelegenheiten wurde Dr. Slputzsch in den Vorstand kooptiert. Eine neue Siedlungsgeselischaft in Berlin. Für die von der Siedlungsgesellschaf t. D.e.g el Jehuda m. b. H., Berlin geplante Größ-Siedlung in Palästina sind'die Vorarbeiten und die Kapitalswerbung in gutem Fortschreiten; die Gesellschaft fordert auch Achusah Gesellschaften und andere Einzelgruppen auf, sich der propagierten genossenschaftlichen Siedlung anzuschließen, die auf Grundlage von Industrie und intensiver Landwirtschaft entstehen soll. Die Gesellschaft vertritt den Standpunkt, daß sich vieles in Palästina unternehmen läßt, wenn man nicht mit Zwerggrenzungen vorgeht, sondern wenn gleich vom Beginn au ein gewisses Ausmaß. vorhanden ist; die Siedlung soll deshalb mit einer Seelenzahl von 1000 begonnen werden und auf 5000 bis 6000 anwachsen. Sie soll aus einer Reihe von Gruppen bestehen, die sich um einen gemeinsamen Mittelpunkt entwickeln; einige dieser Gruppen sind bereits in Deutschland organisiert. andere sind' in Gründung. Die Siedlungsgesellschaft Degel Jehuda entsandte vor kurzem Herrn Ernst Herrmann (Haifa) nach Bielitz (Ostschlesien), der in einer Versammlung im Saale der Kultusgemeinde den Gedanken des Industriedorfs den in großer Zahl erschienenen Hörem klarlegte und durch Lichtbilder erläuterte. Nach dem Vortrage traten die Interessenten, die den führenden jüdischen Kreisen angehören, zusammen und wählten ein Komitee, das die Gründung einer geschlossenen B i e 1 i t z e r G r u p p e in die Wege leitet, deren Anschluß an die Groß-Siedlung Degel Johuda gesichert ist In das Komitee traten ein: Fabrikant Jakob Schanzer, Rat Prof. Feuereisen und Bezirksrichter Dr. Wagner. Die Siedlungsgeselischaft Degel Johuda, der das gesamte Material über die einschlägigen Kolonisationsfragen zur Verfügung steht, ist zur Beantwortung aller Anfragen gern bereit; das Büro befindlet sich in Berlin-Helensee, Seesener Straße 30. I. Das Konsumgenossenschaftswesen. Neben der Arbeiterkonsumgenossenschaft „Hamas inbir“ die im Kriege entstanden ist wurde letztens in Jaffa eine umfassende Kousumorgamsation „Hamasmin“ geschaffen, die auf Aktien (je 3 Pfund) beruht und auf Anschluß ganzer Gemeinden und Gesellschaften rechnet Vorläufig haben sich Jerusalem, Jaffa und der Waad der judäischen Kolonien angeschlossen. Sollten sich, wie zu erwarten ist der neuen Organisation auch die außerjudäischen Städte und Kolonien anschließen, so würde sie über große Mittel verfügen, die ihr ermöglichen werden, dfem Kampf gegen Teuerung und Spekulation erfolgreich zu führen. Der „Hamasmin“ gedenkt Niederlagen von Waren, die aus erster Quelle eingekauft sind zu eröffnen, Lieferungsaufträge gegen angemessene Bedingungen zu erteilen, bei der Regierung Einfuhrbewilligungen z’ii erwirken usw. Ein ausführliches Statut wird demnächst zur Legalisierung eingereicht und veröffentlicht, werden. Bau einer Synagoge In Teia-wiw. Der Waad von Tel Awiw veröffentlicht in den palästinensischen Zeitungen ein Konkursausschreiben für die Vergebung von Bauarbeiten für eine Synagoge; Dieses Gotteshaus soll nach den Plänen von Professor Gedd'es und seüner Genossen ausgeführt werden und wird ein großen Prachtbau werden, daher ist es für dien Waad schwer, den ganzen Bau ah einheimische Unternehmer zu vergeben, die die Arbeit auch gar nacht übernehmen könnten. Es wurde beschlossen, vorderhand nur einen Teil der Bauarbeiten: zu vergeben, und zwar das Fundament und den Sockel. Verschönerungsarbeiten ln Jerusalem. Das Londoner jüdische Korresoondenzbüro meldet: Auf Initiative Usslschkins wurden Arbeiten zur Verschönerung der Stadt Jerusalem besonnen. Auf freien Plätzen, welche Juden gehören. werden Gartenanlagen gepflanzt Bisher sina 26 Arbeiter damit beschäftigt, die freien Plätze bei der Talmud Thora „Ez-Chaiim“ und beim sefardrscban Greisenasyl umzugraben. Durch diese Arbeiten, welche zum Teile von Amerika finanziert werden, können viele ungelernte Arbeitskräfte Beschäftigung finden. Die Ausführung, der Arbeiten hat das Jerusalemer Atbeilsbüro übernommen. Ein Werkstätte für Steinschläger. Das Londoner jüdische Korrespondenz-Büro meldet: Das Arbeitsbüro in Jerusalem hat eine Werkstätte für zwanzig ungelernte Arbeiter errichtet um sie im Steinschlagen auszubilden. Die Lehrzeit dauert zwei Monate: während dieser Zeit erhalten die Arbeiter einen für die minimalsten Lebensbedürfnisse ausreichenden Lohnvorsohuß. Der Instruktor wird ihnen beigestellt. Nach Ablauf der Lehrzeit werden sie selbst den Lebensunterhalt verdienen und ihre Schulden an das Arbeitsbüro abzahlen können Nach je zwei Monaten soll eine neue Arbeitergruppe zur Ausbildung äufgenommen werden. Kleine Nachrichten. Um der Wohnungsnot die zurzeit in Palästina herrscht abzuhelfen. hat der Waad Hazirim in den Vereinigten Staaten eine größere Anzahl Baracken bestellt Anfang Jänner sind im Hafen von Jaffa 20 Baracken ausgeladen worden. Die Ankunft weiterer Baracken wird demnächst erwartet — In J erusalem und Jaffa hat sich neuerlich eine Aktiengesellschaft für den Ankauf von Boden unter dem Namen ..Hamochin“ gebildet. — In der Kunst-Schule „Bezalel“ m Jerusalem, die von Prof. Boris Schatz geleitet wird, befinden sich zurzeit 100 Schüler. RUNDSCHAU Für den jüdischen Kongreß ln Amerika. Unter Beteiligung von 80 Delegierten fand am 4 Jänner in N e w - Y o rk eine Konferenz den Delegierten des jüdisch-amerikanischen Kongresses statt wo folgende Resolution beschlossen wurde: „Da das jüdische Volk jetzt vor sehr ernsten, und ungewohnten Fragen steht, die baldige Lösung erheischen und, die am besten durch den jüdisch-amerikanischen Kongreß beantwortet werden können, wie auch in Anbetracht dessen, daß kein Grund für den Nichtzusammentritt des Kongresses vorliegt wird beschlossen, das Exekutivkomitee aufzufordern, ehestens Schritte zu unternehmen, um spätestens bis zum 22. Februar eine Kongreßsitzung einzuberufen. Falls binnen drei Wochen die nötigen Schritte nicht unternommen werden sollten; haben die hier versammelten Delegierten wieder zusammenzukommen, tun weitere Schritte zu beraten.“ ' Auch in Philadelphia fanden Beratungen der Vertreter der dortigen iikl Organisationen wegen der Wiedereinberuiung. oder richtiger — Wiederzusammentritts, da er sich doch in Permanenz erklärt hatte — des amerikanisch-jüdischen Kongresses statt. Die Juden ln Frankreich. Aus einer längeren Unterredung, die der Herausgeber der „J. P. Z.“ mit Professor Israel Levi, dem Grandrabbin von Frankreich, hatte, geben wir folgende Aeußerungen des Grandrabbin wieder: Durch den Zuwachs, den das französische Judentum durch die elsässischen Juden erfährt, wird die bisherige Richtung der französischen Judenheit im allgemeinen nicht wesentlich geändert. Die Juden der Provinz richten sich nach Paris, von wo aus die Orientierung in jüdisch-politischer Hinsicht auch weiterhin erfolgt Dagegen erhält das religiöse Element der französischen Judenheit — besonders , in den großen Städten — durch das Hinzukommen der elsässischen jüdischen Gemeinden eine erwünschte Stärkung, was sich erfreulicherweise bereits bemerkbar macht Als. der Grandrabbin kürzlich die jüdische Gemeinde von Straßburg besuchte, zeigte man ihm eine Liste von mehr als 200 jüdischen Familien, die seit der Unterzeichnung des Friedens aus kleinen Ortschaften nach Straßburg gezogen sind. Diese Familien bringen noch die alten traditionellen jüdischen Gebräuche mit und tragen zur Wiederbelebung und Kräftigung des gesetzestreuen jüdischen Lebens in den städtischen Gemeinden viel bei. Während die Rabbiner Frankreichs sich seit 1870 nicht mehr ans elsässischen und nur wenigen französischen Rabbinatschülern rekrutierten und die Schüler des französischen Rabbincrsemimares sich aus Ostjuden bilden mußten, sind bereits jetzt zahlreiche Rabbinatsschüler aus dem Elsaß nach Paris gekommen, um an der dortigen Rabbinatsschule ihre Ausbildung zu erhalten. Ueberhaupt hat der Zustrom von Ostjuden, der vor diem Kriege ziemlich bedeutend war und1 in Paris zur Bildung einer starken ostjüdischen Schicht führte, durch die Kriegsverhältnisse und die Verkehrshindernisse eine starke Hemmung erfahren. Als Ersatz hat ein starken Zuzug aus dem Orient, namentlich aus Griechenland, der Türkei, Algier, Marokko und1 Tunis sich in deutlicher Weise gezeigt Es handelt ach hier um einen gesunden Menschenschlag mit sefardtschem Ritus. Durch den Krieg kamen die Juden des Orients immer mehr in Kontakt mit Frankreich. namentlich aber kamen sie als KauSeute nach Paris, wo sie festen Fuß faßten und wo sie sich heute infolge des regen Handels, den sie betreiben, eines guten Wohlstandes erfreuen. Allmählich ließen sie ihre Angehörigen nach Paris übersiedeln und in letzter Zeit nehmen die Heiraten zwischen Einheimischen und Orientjuden zu, deren Einfluß und Eigenart sich mit der Zeit auch im jüdischen Gemeindeieben bemerkbar machen dürfte. Vom jüdischen Gymnasium in Czernowitz. Die Verwaltungsbehörde in Czernowitz hat die Einführung des Hebräischen als Lehrgegenstand im jüdischen Gymnasium gestattet, dagegen den Vorschlag des Jüdischen Natianatrates. auch jüdische Volkskunde undi Lektüre jüdischer Autoren, die jiddisch vongetragen werden sollten, aufzunehmen, verworfen. Zionistische Bewegung Zu Johann Kremenezkys 70. Geburtstag Die zionistische Bewegung hat sich aus kleinen Anfängen zur führenden Partei der Judenheit durchgerumgen und schickt sich an, als deren Repräsentantin Erez Jisrael, die durch Jahrtausende vermißte und ersehnte Heimstätte, aus der Hand des Völkerbundes entgegenzunehmen: Am Ziele eines heroischen Kampfes angelangt. Wendet sich unsere Erinnerung dankbar auf jene Männer zurück, welche an der Schwelle dier modernen zionistischen Bewegung standen, welche für sie ihr Bestes, ihr Herzblut eingesetzt haben, auf Theodor Herzl und seine Paladine. Fast alle sind sie, früh verbraucht, am Wege nach Zion ins Grab gesunken. Doch einer von ihnen lebt noch in unserer Mitte, rüstig und tn voller Tatkraft trotz der 70 Jahre, die er am 15. Februar vollendet, Johann Kremenezky. Sein Name hat, trotz oder gerade wegen seiner Bescheidenheit, einen guten Klang in Wien, und weit darüber hinaus, in allen Zelten Jakobs. Er hat sich um den Zionismus auch wahrlich verdient genug gemacht ln Odessa geboren, warer in frühen Jahren nach Wien gekommen und hatte sich hier durch seine Fähigkeiten als Ingenieur, durch seine kaufmännische Umsicht und Tatkraft, durch seinen rastlosen Fleiß bald ein geachtete Stellung als Fabrikant errungen, ohne deshalb der traditionellen Liebe zu seinem Volke untreu zu werden. Mit Feuereiier schloß er sich Herzl, aui dessen ersten Aufruf hin, an und dieser schätzte die seelischen, geistigen and beruflichen Qualitäten Kremenezkys so hoch ein; daß er ihn in das fünfköpfige engere Aktionskomitee wählen ließ, welches von Wien aus die mächtig aufstrebende Weltbewegung durch jahrelang kraftvoll leitete. Als die Jüdische Kolonialbauk aktionsfähig geworden war und es galt, das zweite finanzielle Instrument der Bewegung, unseren Nationalfondis zu begründen, fand unser verewigter Führer keinen Besseren, um ihn mit der Durchführung dieser ebenso ehrenvollen, wie schwierigen Aufgabe zu betrauen, als Kremenezky. Von da ab stellte er seine ganze Kraft in den Dienst dieser hohen Institution, die seiner langjährigen umsichtigen Leitung, seiner rastlosen Werbetätigkeit und seinen zielbewußten, - organisatorischen Maßnahmen in erster Linie ihren geradezu imposanten Aufschwung zu verdanken hat Auch nachdem 1905 der Sitz des E. A. K. von Wien nach Köln verlegt worden war, blieb Kremenezky noch zwei Jahre Leiter des Wiener Hauptbureaus des J. N. F. und wirkt noch heute — das Hauptbureau übersiedelte seither nach Köln, später nach Haag — als Direktor hervorragend an dieser volkstümlichen, für den Aufbau Altneulauds wichtigen, Schöpfung mit. Kremenezky hat aber auch allen anderen Unternehmungen des Zionismus stets sein volles Interesse zugewendet und ist bei jeder Neugründung mit wertvollen Rat und, was fast noch schwerer wiegt, mit opferbereiter Tat vorausgegangen. Dabei verstand er es, durch sein konziliantes Wesen der Bewegung stets neue Freunde zu gewinnen. Zu Palästina hatte er stets persönliche ■innige Beziehungen und, während er seine kaufmännischen und industriellen Unternehmungen in Europa zur vollen Blüte brachte und den Namen Kremenezky zur weltberühmten Firma emporführte, faßte er zugleich im Lande der Väter festen Fuß, um dort durch Einrichtung von Musterbetrieben auf gewerblichem und landwirtschaftlichem Gebiete dem neuen Jischuw ein weithin wirkendes Beispiel zu geben. Das leitende Ideal aber des bescheidenen Mannes ist es. die letzten Jahre seines arbeits- und ehrenreichen Lebens auf seiner Farm Migdal, droben an den