Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 R-ahbi Meier Berlin .erörtert die jetzige Lase der amerikanischen Landsmannschaft Er teilt unter anderem mit, daß vor sechs Jahren in Amerika sich nur zwei Ortsgruppen befanden. Heute kann die amerikanische Misrachi schon auf eine Mitglitederzahl von 30.000 bis 35.000 hinweisen. Diesen Erfolg verdankt man. in erster Linie dier stark prinzipiellen Propaganda. Die Misrachi ist in Amerika die einzige gesetzestreue Organisation von Bedeutung. (? Die Red.) Beim amerikanisch-jüdischen Kongreß hat sie eine große Rolle gespielt Das Verhältnis zur zionistischen Organisation! in Amerika war nicht fortwährend befriedigend Dies trat sehr auffällig in Erscheinung durch die Tatsache, daß unter den vielen von den amerikanischen Zionisten nach Palästina gesandten Juden sich kein einziger Miisrachist befand. Die amerikanische zionistische Organisation verweigerte ihre Mitarbeit für die Ernennung eines Misrachisten als Mitglied der zkmistilschen Kommission in Palästina, ungeachtet der Tatsache, daß Professor Weizmann sie wiederholt in diesem Sinne aufgefordert hat Das Verhältnis zum rechten Flügel der Orthodoxie wurde mitbestimmt von der Ueberzeugung, daß ihre Gegnerschaft nicht auf bösen Willen, sondern auf Mißverstehen zurückzuführen sei. Es ist uns schließlich gelungen, den bedeutendsten Rabbinerverband in Amerika zu veranlassen, sich der Misrachi amzuschließcn. Der amerikanische Misrachi ist ein Lehrerseminar subordiniert dos auf national-religiöser Grundlage steht Der ganze Unterricht findet im Hebräischen statt Der letzte Etat dler amerikanischen Misrachi belief sich auf 500.000 Dollar. Es wurden noch mehrere Berichte für die misrachistischen Landsmannschaft erstattet. Ein neues Organ der „Hapoel-Hazair“. Der provisorische vereinigte Waa'd der Zeire-Zion und des „Hapoel-Hazair“ in Berlin gibt seit 1. Jänner 1920 eine Wochenschrift „Unsere Freiheit“ unter der Redaktion von Dr. D. Ai Fried mann und der Mitarbeiterschaft der Herren: V. A r 1 o w s o f f, Martin Buber, Sch. Gorelik, Robert W e 11 s c h u. a., heraus. Der Waa/d wird auch Sammelbtcher in hebräischer Sprache unter dem Namen „A b u - K o t h“ (Fackeln) herausgeben, welche die Probleme des arbeitenden Elementes in der Juderiheit behandeln sollen. Palästina Landwirtschaftliches. Die „Official Gazette“ vom 16. Dezember 1919 berichtet: Die Saison 1919—20 hat in Nord-Palästina <sehr gut begonnen. Die Ambauarbeiten sind überall im Gang. Der Saatenstand ist gut In diesem Jahre wird eine beträchtlich größere Bodenflädhe bebaut sein, was zum großen Teil dem Geldbetrag zu verdanken ist, der in größeren und kleineren Darlehen unter die Fellachen verteilt wurde. Der Gebrauch moderner Ackert) augeräte verbreitet sich immer mehr Lm Lande. Der Mangel an Arbeitstieren bereitet in manchen Gegenden einige Schwierigkeit; um diesem Mißstand abzuhelien. wird den Landwirten Gelegenheit geboten, Armeepferde käuflich zu erwerben. Die Vertretung der Palästinenser in der zionistischen Verwaltung. Der Anspruch auf Vertretung der Palästinenser in der künftigen iührenden Körperschaft der zionistischen Organisation ist voll beiriedägt. Von eli Mitgliedern der neuen VerwaLtungsexekutive werden drei direkt von dien Juden Palästinas gewählt, sechs vom engeren Aktionskomitee und je einer stellen die Föderationen Misrachi und Poale Zion. Wenn die beiden letzteren Palästinenser sind, wird die palästinensische Judenheit iaktisch mehr als die Halite der Mitglieder der neuen Verwaltung haben. Die Zionistische Kommission ■ im ihrer bisherigen Form wird aufhören zu bestehen und zusammen mit dem zionistischen Palästinaamt und dem jüdischen Nationalfonds einen Teil der neuen Organisation bilden. Nun hat die Judtenheit im Lande weitgehende Möglichkeit, einen starken Einfluß auf die zionistische Arbeit in Palästina auszuüben und alle Juden werden darauf warten, die Früchte dieses Einflusses zu sehen, welcher in den folgenden Jahren noch immer mehr an wachsen soll. (Zionist Bulletin.) Ein Palästinamuseuni in Jerusalem. Ein Palästinamuseum ist in Jerusalem eröffnet worden und steht gegenwärtig den Besuchern am Freitag, Samstag und1 Sonntag offen (das sind die Ruhetage der drei verschiedenen Religionen). Das Museum bestand bisher als ein Teil der durch die Zionisten gegründeten Bezalel- Schuie, und obwohl es erst 1906 eingerichtet wurde, enthält es schon 3000 Ausstellungsgegenstände, und zwar Statuen, Gemälde, eine wertvolle Sammlung alter Münzen, viele Exemplare alter Glas-, Topf- und Bronzewaren, palästinensische Vögel, Säugetiere, Reptilien und Insekten, Mineralien. Stickereien, Juwelen 'und' jüdische Zenemonial- und Ritualgegemstämle. Während des Krieges vermochte Herr Professor Boris Schatz, der Leiter der Schule, nur mit Hilfe des Backschisch und dadiurch, daß er eine Statue von Djemal Pascha modellierte, 'die Requisition durch die Türken zu verhindern. Jüdische Künstler alter Länder haben Bilder, Skulpturen usw. versprochen. Eine besondere Abteilung, betreffend die Einnahme Palästinas durch die Engländer, soll eingerichtet werden. Kommandanten des jüdischen Regiments und die zionistische Kommission haben versprochen, an der Organisierung dieser Abteilung mitzuarbeiten. Gegen die „Hadassah“. „Hapoel-Hazair“ kommt in seiner Nummer vom 5. Dezember nochmals an leitender Stele auf die Angelegenheit der Unabhängiigkeitserklärung der me di zinisch em Expedition „Hadassah“ zurück. Das Blatt steht auf dem Standpunkt, daß dieser Präzedenzfall eine prinzipielle Angelegenheit ist, da jetzt jedten Tag eine andere Föderation mit dem Anspruch auf unabhängige Verwaltung auftreten könne: Ohne den Wert der Arbeit der Hadassah und die große Bedeutung der amerikanischen Landesorganisation in Frage zu stellen, müssen wir doch einer drohenden Desorganisation Vorbeugen. Die Hadassah ist kein amerikanisches Rotes Kreuz, sie trägt dos jüdische Embleme und ist ein Organ des jüdischen Jischub. wenn auch: wie sie sich immer wieder zu betonen bemüht, ihre Leitung nicht zionistisch ist Die zionistische Organsation muß gegen eine solche Usurpation mit allen Mitteln kämpfen, sie muß sofort die medizinische Hilfe im Lande mit ihren eigenen Mitteln organisieren. Organisierte Gruppen von alten und jungen zionistischen Aerzten in Oesterreich, in Deutschland und in anderen Ländern warten auf die Gelegenheit zur Uebersiedlung nach Palästina. Diese, im Verein mit den medizinischer Kraf:cn ,m Lande und dem zionistischen Teile der Aerzteschaft der „Hadassah“ müssen das System des nationalen Medizinalwesens festsetzen und die ärztlichen Arbeiter im Lande bilden. „Die Hadassah existiert für uns nicht mehr. wir haben keinen Teil an ihr“ — dies kann die einzige Antwort sein, die die palästinensische Judenschaft auf diesen Versuch dter Untergrabung der nationalen Disziplin geben muß. Der Arbeitsmarkt in Palästina. Die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkte haben sich mit Eintritt des Winters gebessert. Schneider und Schuster haben vollauf zu tun. Auch Schreiner finden Beschäftigung. Letzthin sind in Jerusalem zwei große Schreinereien gegründet worden: die eine. „Hecharasc h“, ist ein Privatunternehmen, die zweite. „Hamakzua“. eine kooperative Gründung des Arbeiterverbandes „Achduthriaawo.dah*. Der Arbeiterverband „Achduth- Haawodah“ bemüht sich in letzter Zeit, überall aus den Mitteln des Verbandes Kassen und kooperative Gewerkschaften zu gründen. So hat er in J äffia eine Schuhmacherwerkstatt gegründet unter dem Namen „Thoeleth“ und in Tiberias eine Schneiderinnen Werkstatt unter dem Namen „Achduth“. Bei den Kanalisationsarbeiten in Jerusalem finden außer Handlangern auch viele Berufsarbeiter wie Schmiede. Giaser usw Arbeit In der J erusalemer Spinnerei und Weberei finden zurzeit viele Arbeiter und Arbeiterinnen Beschäftigung. Die „Z i z o t h - S d in n e r’ei“ ist noch nicht stark entwickelt und beschäftigt nur wenig Leute. Demgegenüber fst die Abteilung für einfache arabische Teppiche, die erst vor zwei Monaten gegründet wurde, i’a fortschreitender Entwicklung begriffen. Uüberhaupt sind die Aussichten für diese Branche sehr gute, denn die Teppiche finden großen Absatz in Palästina. In der S tick er ei ab teil ung selbst sind1 mehrere Arbeiterinnen beschäftigt, außerdem ca. 200 Frauen und Mädchen als Heimarbeiterinnen für Handstickereien und Handwebereien. Die Verwaltung dieser Spinnerei und Weberei hat sich imlängst an die Zionistische Kommission gewendet, mit dem Ersuchen, für diese Industrie einen Markt zu finden, um die Spinnerei und Weberei v e r g r ö ß e r n zu können und somit jüdischen Arbeiterinnen in noch größerer Zahl Arbeit zu verschaffen. Aucii in Jaffa entwickeln sich die Gewerkschaften günstig. So z. B. ist es dem Verband „Magen“ gelungen, im Laufe der letzten Monate folgende Gewerkschaften zu gründen: 1. eine Damenhut-Fabrik. 2. eine Wäschefabrik, 3. eine Gold- und Silberschmiede, wo viele jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind. Außerdem ist der genannte Verband im Begriffe, eine Schreinerei zu gründen, ferner eine Werkstätte für Stroh Stühle und. eine Gärtnerei und Blume n a b t e i 1 ung. Daß Berufsarbeiter in Palästina jetzt Arbeitsgelegenheit finden, ist daraus zu ersehen, daß der „Haaretz“ vom 31. Dezember mitteilt, daß alle Berufsarbeiter. die am 17. Dezember mit dem Dampfer „Russland“ nach Palästina gekommen sind, bereits Beschäftigung gefunden haben.. Aussichten der Fremdenindustrie. Die Handel- und Industrieabteilung im Palästina-Departement der zionistischen Organisation in London erhält ständig zahlreiche Anfragen über industrielle und kommerzielle Möglichkeiten in Palästina, aut welche sie im Wege des „Zionist Bulletin“ folgende Antwort erteilt: Eines der schwierigsten Probleme in Palästina ist die Wohnungsfrage. Obzwar die Zahl der Einwanderer bisher unbedeutend ist, ist es in Jerusalem, Haifa und Jaffa unmöglich, ein Haus auch nur für eine kleine Familie zu finden. Es ist von außerordentlicher Wichtigkeit daß eine großzügige Bautätigkeit begonnen wird, sobald mir eine genügende Zahl von Arbeitern ins Land gelassen wird, und es ist aller Grund, zu glauben, daß alle Zweige der Bauindustrie gute Aussichten haben, vorausgesetzt daß die Tätigkeit nach gesunden kaufmännischen Prinzipien geführt wird. Die Vorbereitungsarbeiten für die Organisierung von Gruppen in technischer und finanzieller Beziehung sollten daher unverzüglich in Angriff genommen werden. In Anbetracht der Dringlichkeit und der Art der zu leistenden Arbeiten ist es notwendig, daß die modernsten Maschinen und speziell ausgebildete Arbeiter verwendet werden. Obwohl die eigentliche Einwanderung nach Palästina noch kaum begonnen hat so muß man doch sicher mit einem steigenden Einwanderungs- Strome rechnen. Der Bedarf an Wohnungen wird daher nicht abnehmen und die Bautätigkeit ist einer sicheren Grundlage und guter finanzieller Aussichten für eine beträchtliche Zeit hinaus sicher. Baugeselischaften, welche Häuser bauen wollen, um sie Ansiedlern zu verkaufen oder zu vermieten, sowie Baugesellschaften, welche bloß Bauverträge schließen wollen, werden ptosperieren und können auf eine entsprechende Verzinsung der investierten Kapitalien rechnen. Eta anderer Geschäftszweig, in dem ausgezeichnete Chancen bestehen, ist die Fremdenindustrie. Vor dem Kriege besuchten Tausende von europäischen und amerikanischen Touristen Palästina, verweilten dort wochenlang und gaben beträchtliche Geldsummen aus, die jährlich mehrere Millionen Franken erreichten. Für diese Touristen braucht man mindestens 600 Hotelzimmer. Außerdem kommen jährlich Zehntausende von Pilgern durch Palästina und es ist nicht einzusehen, warum nicht Palästina sowie die Schweiz, Aegypten und Italien von diesen Besuchern eine reichliche Einnahme haben sollte. Es ist natürlich erforderlich, daß erstklassige Wohnungen vorhanden sind; darum werden folgende Unternehmungen in Palästina ausgezeichnete Aussichten haben: 1. Hotelgesellschaften: Entweder eine einzige Gesellschaft mit großem Kapital oder einige kleinere sollten gebildet werden, um die Errichtung einer Anzahl großer Hotels in den wichtigen Zentren (Jerusalem, Haifa. Jaffa), die die meisten Touristen besuchen, und kleinere in Orten wie Tiberias, Safed, Hebron. Gaza, Nabkus, Akko, Beer Scheba usw. durchzuführen. Die Hotels sollten in modernem Stile gebaut und geführt werden. 2. Bädergesellschaft: Palästina besitzt heiße Quellen und Mineralwässer, die vom medizinischen Gesichtspunkt aus sehr wertvoll sind und viele wohlhabende Leute werden lieber nach Palästina als nach einem anderen Lande gehen, um eine Kur zu gebrauchen oder Erholung zu suchen. Die klimatischen Bedingungen Palästinas eignen das Land zu einem ausgezeichneten Winteraufenthalt und es ist nicht zu zweifeln, daß, wenn richtig organisierte Pensionen in der Umgebung der Quellen errichtet werden oder an solchen Stellen, wo die natürlichen Bedingungen besonders geeignet sind, eine große Anzahl von Menschen veranlaßt werden wird, ständig dort zu leben oder ihren Urlaub dort zu verbringen. Außerdem sollte man an der Küste des Mittelländischen Meeres in der Nähe der Städte Haifa und jaffa und auch der kleineren Ansiedlungen Badegelegenheiten schaffen. 3. Palästina ist erfüllt von Denkmälern historischen Interesses, die insbesondere für die Juden eine große Bedeutung haben. Mit der Entwicklung Palästinas als jüdische Heimstätte wird sicherlich die Zahl jüdischer Besucher steigen. Daher wird für ein j üdi s c h es R ei s eb ur ea u Raum sein, welches außer Rundreisen nach den Orten von allgemeiner Bedeutung Ausflüge speziell nach jenen Orten organisieren wird, welche für die Juden religiöses oder historisches Interesse naben und jüdische Reisende aus der ganzen Welt anziehen. Diese Gesellschaft könnte mit der Hotelgesellschaft Zusammenarbeiten und viel für die Entwicklung des Landes tun. Palestine Express Co. Ltd. Die neugegründete ..Palestine Express Co.“ Ltd. teilt mit: Der Fremdenverkehr, ein vom jüdischen Standpunkt wichtiger ökonomischer Zweig, ist in P a 1 ä s t i n a zu allen Zeiten von den Juden vernachlässigt worden: obwohl ihm viele Nichtjuden großes Interesse entgegen brachten und guten Nutzen daraus zogen. Dank direkter Eisenbahn Verbindungen in Palästina, haben sich die diesbezüglichen Aussichten merklich gebesseri, so daß in den jüdischen Kreisen ein brennendes Interesse für den Fremdenverkehr erwacht ist. Unter dem Patronat der Anglo Palestine Company, Ldti, ist unter dem Namen „The Palestine Express Company“ Ltd eine Gesellschaft mit einem Kapital von 5000 Pfd. (vollständig einbezahlt), gegründet worden. Das Direktorium der Angl) Palestine Bankgesellschaft versieht gleichzeitig das Direktorium dieser neuen Gesellschaft. Als Leiter wurde Herr Emanuel Sachs, gewählt, der auf diesem Gebiet während einer langen Reihe von Jahren große Erfahrungen gesammelt hat Die wichtigsten Handelszweige, die die neue Gesellschaft aufnehmen wird, sind folgende: a) Verkauf von Reisekarten für Automobile, Züge und Dampfer (Einzel- und Gesellschaftsfahrten). b) Organisation von speziellen Exkursionsdiensten in Palästina, Syrien und Aegypten, c) Lebensunil Unfallversicherung für die Reisenden während der Reise; Gepäckversicherung; Ausgabe von Kreditbriefen auf die hauptsächlichsten Weltplätze; Herausgabe von Reiseführern in Palästina. Die Statuten der Gesellschaft sind von den Lokalbehörden legalisiert worden. Die Gesellschaft beabsichtigt, in Jerusalem, Jaffa, Haifa, Beirut und Damaskus Filialen zu eröffnen. Die Direktion der Gesellschaft macht es sich weiterhin zur Pflicht, euer» speziellen Kon-