Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 5 (6.2.1920)
- Date
- 1920-02-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*?lte * M» Ö JCJDJSCHe Z£IT( »N® stände zu verbessern, wurde beschlossen, innerhalb der Zionistischen Föderation ein E riz teil ungskomitee einzusetzea, dessen Mitglieder bereits provisorisch nominiert wurdfen. Die Aufgabe dieses Komitees wind sein, ein Programm aufzustellen, alle bestehenden, hebräischen Schulen zu inspizieren, neue „Ibrith bT b r i t h - Schulen zu gründen und jene, die es verlangen, zu unterstützen. Das Komitee wird unter der Leitung des Erzseäiüngsdiepartements des. Londoner Bureaus stehen. Es besitzt bereits die iiir seine Arbeit erforderlichen MittieL Zur Vorgeschichte der Balfourdeklaratlon. Der ..Manchester Guardian“ hat mit der Veröffentlichung wichtiger Dokumente, über die zurzeit des Krieses zwischen England und Frankreich abgeschlossenen geheimen Abmaciumgerurbegonnen. Unter diesen veröffentlichten Dokumenten befindet sich auch die von der französischen Regierung am 2. April 1917. also 7 Monate vcr der Balfourdeklaratlon. an Georges Pico t erlassene Instr uktion, in der es u. a heißt: „Wenn Sie nach Palästina kommen, werden Sie mit vielen jüdischen Kolonien in Kontakt kommen. Es ist wünschenswert, ihnen gleich vom Anfang an ein großes Maß von Schutz angedeihen zu lassen und die neue Lage dadurch zu charakterisieren, daß Sie sie mit der Administration ihrer Gemeinden betrauen und zur Verwaltung des Landes - heranziehen. Es ist Ihnen sicherlich bekannt, daß die dieszbezüriiehe Politik den Zweck hat. Eindruck zu machen nicht nur aut ihre Glaut-ensbrüder in den alliierten und neutralen Staaten, sondern auch in denfeindlichen Ländern. Es liegt deshalb in. unserem Interesse, sie mit den größten Erwartungen zu inspirieren in bezug auf die Absichten, die die Alliierten für sie auf ihrem Beden hegen, weichem sie durch die tausendjährige Vergangenheit zugetan sind und auf den sie jetzt zurückkehren wollen zwecks Errichtung neuer Siedelnngeru“ Litauen. Dr. Söloweitschik, der Minister für die jüdischen Angelegenheiten, hat telegraphisch das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris ersucht, bei den Wiederaufbauarbeiten' in Frankreich und Belgien den litauischen Juden Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. Sie können als' Holz- und Möbelarbeiter, in welchem Fach sie viel Uebirng haben, sich sehr nützlich machen. Die jüdische Zentralbank in Kowno. Auf einer gemeinsamen Sitzung des Kopenhagener Hilfskomitees und des skandinavischen Zentralhiifskomitees berichtete Oberrabbiner S c ha p i r a aus Kowno über die Lage der Juden in dem (nicht okkupierten) Gebiet Litauens. Sie ist politisch günstig: Die Juden haben volle nationale Autonomie mit eigenem Ministerium. Gegenwärtig wird der jüdische Nationalrat konstituiert, weicher als die Jiöchstejü dische Instanz des Landes - anerkannt ist Die ökonomische Lage der Eitauischen Juden ist dagegen eine sehr traurige Die alten Wirtschaftsformen sind unrettbar zerstört. Die Juden Litauens gehen daher energisch daran, neue Wirtschaftsformen aufzubauen, welche als Grundlage aen Gedanken des Genossenschaftswesens haben. Dazu sind Banken für die Kreditgewährung notwendig. Als zentrales Fmanzinstitut ist nun eiine jüdische Zentralbank in Kowno mit einem Aktienkapital von 3 Millionen Mark, zerteilt in Aktien ä 1000 Mark, begründet worden. Ihre Statuten sollen jetzt von der Regierung 'legalisiert werden. Polen. Auf der am 10. Jänner stattgefundenen Sitzung der O rganisati onskommission für die Einberufung einer allgemeinen Hilfskonferenz in Polen wurde beschlossen, diese Konferenz für den 23. Februar einzuberufen. An der Konferenz sollen sich Vertretei aus ganz Polen beteiligen. Die Vertreter der jüdischen Hilfskommisstonen in Weißrußland, Litauen und Ostgalizien, sollen angefragt werden, ob uird unter welchen Bedingungen sie sich an der Konferenz beteiligen wollen. Weißrußland. Am 4 Jänner ist in Minsk die Kon, ferenz der Delegierten der jüdischen Kehilloth Weißrußlands zusammengetreten. Es waren 78 Delegierte anwesend, die 38 Kehilloth vertraten, darunter 45 Zionisten und 12 Orthodoxe. Nach einem Vortrag von Adv. Stutschinsky über das Thema „Unsere Beziehungen zu den jüdischen Ansprüchen auf Palästina und die M inoritätsrechte im Galath“ ist einstim mig folgende Resolution angenommen worden: „Die Konferenz der Delegierten der jüdischer. Kehilloth Weißrußlands begrüßt die Vertreter der Jüdischen Delegationen an der Friedenskonferenz in ihrem Kampfe für die nationale Autonomie der jüdischen Minoritäten und ihren Forderungen, einen jüdischen Heimatsstaat für das jüdische Volk in Palästina zu gründen. Im Namen der jüdischen Einwohner Weißrußlands spricht die Konferenz die Versicherung aus, mit allen Kräften die Verwirklichung dieser gerechten Forderungen der Juden zu unterstützen.“ Auch eine Konferenz der Zionisten Weißrußlands tagte während drei Tagen unter Vorsitz von LBerser in Minsk. — In Minsk hat sich ein provisorischer J üdischer National rat für Weißrußland gebildet, m dem, bis auf die Linke, alle Parteien vertreten and. Vorsitzender ist J. Berger (Zionist), Vizepräsidenten Rogow (Unparteiischer), Raab. Zimb allst (Agudah), Rabb. Schapira ans Bobruisk (Misrachist) und Es tri n aus Bobruisk (Zionist). Vom jüdischen Leben in Japan. Ein jüdischer Kaufmann aus Japan, der Yokohama Ende Oktober v. J. verlassen hait und kürzlich in Paris eingetroffen ist gab dem Herausgeber der „Jüdischen Pr.eßzentrale Zürich“ unter anderem folgende Einzelheiten über das Leben der Juden in Japan: Vor meimeren. Monaten hat sich zur Regelung des großen jüdischen Einigrationsstromes, der seit Beginn des Bolschewistenregimes ununterbrochen aus Rußland via Japan nach Amerika flutet in T o k i o das ..A m e r i c a n Emigration Jewish Relief Committee" gebildet das sich aus amerikanischen und einheimischen japanischen Juden zusammensetzt Zweimal wöchentlich passieren einige hundert jüdische Emigranten, aus Wladiwostok kommend, die Hauptstadt Japans, wo sie von dem genannten Komitee koscher verpflegt und mit idem Nötigsten versehen werden. Bis zu ihrer Weiterreise nimmt rieh das Komitee dieser Emigranten in jeder Hinsicht an. Unter den Durchreisenden befinden sich nicht nur Angehörige des russischen Staates, sondern auch jüdische Kaufleute ans Amerika, deren Existenz durch die Bolschewiki-Herrschaft vollkommen zerstört wurde und die jetzt mittellos nach Amerika zurückkehnen. Die japanischen Juden gewähren ihren bedrängten Brüdern reichliche materielle Hille und stehen ihnen, falls sie eine neue Existenz in Japan gründen wollen, mit Rat und Tat zur Seite. Allerdings sind die guten- Zeiten für die russisch-jüdische Geschäftswelt in Japan, seitdem der Handel in Rußland lahmgelegt ist. vorbei Die während des Krieges eingewanderten russischen Juden, die den Handel Japans mit ihrem Heimatlanide lebhaft gefördert und ausgebaut haben, sind alle zu großem Wohlstand gelangt. Viele aber wandern jetzt da sie keine HandeJsmöglichkeiteii mehr mit Rußland haben, nach Amerika aus, um sich dort dem japanisch-amerikanischen Handel zu widmen. So bringt der jüdische Geschäftsgeist die Handelbeziehungen zwischen Rußland. Japan und Amerika zu neuer Erstarkung. Als die ersten Pioniere jüdischer Niederlassung in Japan können neben dem bekannten Port Arthurer Philanthropen Ginsburg die Herren Kirsch bäum aus Riga und Mn R u ss e 11 genannt werden, die den Grundstein zu einer jüdischer Gemeinschaft legten. Heute besitzt die Geminde bereits einen Schochet und rm Hause des Emigrations-Komitees an der Mainstreet besteht ein Betsaal, der als Synagoge eingerichtet ist Der Bau einer Synagoge ist geplant. ln Ermangelung anderer Schulen mußten die jüdischen Kinder bisher in die Missions- schulen geschickt werden:’ hierin wurde nun Wandel geschaffen, indem man jüdische Schulen errichtete, die gut besucht sind. Von den Juden, die während des Krieges «ach Japan kamen, sind die meisten Zionisten. Während der Chanukahtage vorigen Jahres wunde eia jüdischer Ball veranstaltet und die häufig stattfindenden Wohltätigkeits-Konzerte und jüdisch-literarischen Kurse zeugen vom jüdischen Kulturleben in Tokio. Die ersten Spuren jüdischer Ansiedelung in Japan lassen sich auf fünf Jahrzehnte verfolgen, wovon ein 57 Jahne alter Grabstein einer jüdischen Frau in Tokio zeugt. Vom jüdischen Kongreß in Amerika. Auf dem am 24 Dezember in Philadelphia statt gefun d cnen Meeting des J üdischer Kongreß-Komitees wurde folgende Resolution angenommen: In Anbetracht dessen, daß bereits mehr als 'ein Jahr seit dier ersteh Sitzung des jüdisch-amerikanischen Kongresses verflossen ist und daß damals beschlossen wurde, eine weitere Tagung nicht päter als nach einem Jahre einzuberufen und unter Berücksichtigung des Umstandes. daß die überaus traurige jüdische Lage im jetzigen Moment ein brennendes Problem darsteilt dessen Lösung nur ein Jüdischer Kongreß auf sich nehmen " kann, wird beschlossen, das Exekutivkomitee des ersten amerikanisch-jüdischen Kongresses aulzufordern, den Kongreß ehestens weder, e i n z ube r u f er. welche Forderung auch der Ausdruck der gesamten bewußten jüdischen Bevölkerung ist. Zionistische Bewegung Von der Misrächi-Weltkonferenz in Amsterdam Das M'israchistiischie Korrespondenz-Komitee verlautbart: Mittwoch vormittags 11 Uhr haben die Sitzungen der Konferenz begonnen. Anwesend waren 38 Delegierte, folgende Länder vertretend: Amerika. Belgien. England, Frankreich. Deutschland. Holland. Palästina, Polen, Schweiz und' Süd- Hemmaim Struck eröffnet die Sitzung und gibt seiner Freude Ausdruck, daß unter den schwierigen jetzigen Verhältnissen so viele Delegierte aus allen Weltteilen sich zusammengetan haben. Er wünscht der Konferenz bei ihnen Beratungen besten Erfolg. Willy David (Berlin) beantragt als Ehrenpräsidenten: Obenrabbiner Landau, Zabrzce (Polen), und Chaoham-Baschi Benzion Uriel, Jaffa; als ersten Vorsitzenden: Rabbi Maler, Berlin. New York; als Beisitzer: Hermann Struck. Berlin, Dr. V. Schönfeld, London, und! Rabbiner de Vries, Haarlem; als Sekretäre Privatdozent Dr. Adolf Frankel, Marburg (Deutschland). Rab- . bin er Brod. Lipno (Hebräisch). Der' Antrag wird einstimmig .angenommen. Es werden weiter ernannt: Ausschüsse für allgemeine Palästina-Probleme für kulturelle Probleme und für 0 rganisationsf ragen» Das MLsrachistlsche Korrespondenz-Komitee verlautbart: Rabbi Meder Berlin, das Präsidium übernehmend, betont daß das Ziel der Konferenz sein soll, düe Schaffung einer kräftigen Orgamisationszentrale. Bis jetzt hat ein solcher Mittelpunkt gefehlt Die Eh ren-V o rsi tz en d en begrüßen die Konferenz. Rabbi Benzion Usiel übermittelt dabei die Grüße der organisierten palästinensischen Rabbiner, sowie des J a f f a e r Rabbinates. Dann sind die Referate an der Reihe. Rabbiner Fischmann fängt an mit einer ausführlichen Auseinandersetzung über Palästina» Ungeachtet der Tatsache, diaß Palästina' während1 des Krieges schwer gelitten hat ist es doch in vielen Hinsichten in besserer Lage als andere Länder. Die Position der Juden ist stark nicht nur infolge der Balfour-Erklänung, sondern durch ihre Leistungsfähigkeit Dies geht am deutlichsten hervor aus der Tatsache, daß die Araber Schulen gegründet haben» wo Hebräisch unterrichtet wird. In kultureller Hinsicht sind seit den Krlegsjahren, da Redner 'abwesend1 war, leidfer keine Fortschritte zu verzeichnen. Der Krieg verursachte diesbezüglich einen erheblichen Schaden. Die Türken versuchten längere Zeit jeden jüdischen Untenricht unmöglich zu machen. Doch auch nach der Okkupation hat sich die Lage nicht dermaßen gebessert, als Redner es gewünscht hätte. Dte orthodoxen Lehranstalten sind im Niedergang begriffen: In Jerusalem gibt es 6400 Kinder, welche Unterricht empfangen, von denen 4000 nichtreügiöse Schulen besuchen. Die Orthodoxie selber verschuldet hier nicht am wenigsten. Wir sind in der Lage» hier viel zu verbessern» wenn wir nur alle Hebel in Bewegung setzen. Die Lage der Misrachi ist befriedigend. Es darf festgestellt werden, daß die Misrachi auf einen großen Einfluß auf die ganze palästinensische Orthodoxie hinzuweisen hat In Jerusalem zählt die Misrachi mehr als 1000 organisierte Anhänger. Das Zentrum der Misrachi befindet sich in J affa. Kurze Zeit vorher wurde auch in Tef- Awiw eine Ortsgruppe gegründet die schon mehr als 150 Mitglieder zählt Die Jaftaer Tachkerronl-Schule ist die größte Unterrichtsanstalt in Palästina. Ueberdies besitzt die Misrachi verschiedene andere Schulen. Im ganzen ressortieren dreizehn Schulen direkt unter der Misrachi T i b e r i a s und die Kolonie Potac-h- Ti k wah sind fast völlig mäs rachistisch. Fortwährend gehen bei der Misrachi1 Bitten ein zur Gründung gesetzestreuer Schulen, im besonderen aus Galiläa» Die Agudäs-JIsrael hat bis jetzt in Jerusalem noch keinen festen Boden bekommen können» obgleich die Misrachi sich bisher wenig, eigentlich viel zu wenig, an Jerusalem hat angelegen sein lassen. Palästina soll das Zentrum des Thorastudiums werden, aber dieses Ziel kann nicht erreicht werden ohne gute Lehrer. Und1 diese fehlen fast völlig. Deshalb ist in erster Linie ein Lehrerseminar notwendig. Voraussichtlich wird,1 letzteres mit Hilfe von Amerika zustande kommen. Die Misrachi verfügt über einen großen Jugend verein, „Hazair-arzi-Jisroel“, welcher 300 Mitglieder zählt, die sich hauptsächlich rekrutieren aus dem alten Jlschoeb. Sie verlangen eine Handarbeit zu erlernen, begegnen jedoch bei ihrem Bestreben, als Schüler untergebracht zu werden, erheblichen Beschwerlichkeiten. Die Indolenz vieler führender Persönlichkeiten steht der palästinensischen Misrachairbeit hindernd1 im Wege In der Waad-Hiasmani (provisorische Verwaltungsbehörde in Jaffa) befindet sich nur ein orthodoxes Mitglied» .so däß die Orthodoxie sich an deren Gründung nicht beteiligen wollte. Demzufolge trägt diese Behörde der Orthodoxie, ebensowenig wie der Misrachi, nicht genügend Rechnung. Die Vorausrichten der palästinensischen Misrachi stellen sich günstig dar; sie bedarf jedoch der Stütze der ganzen misnachistischen Welt. Rabbiner Dr. V: Schönfeld! erstattet in geheimer Sitzung einen Bericht über dlile politische Konstellation» Inzwischen war Dr. Arthur H a n t k e. Berlin (Mitglied dies engeren Aktionskomitees der zionistischen Weltorganisation) eingetroffen und mit herzlichem Beifalle empfangen. Dr» Arthur Han tke erhält sofort jdas Wort. Aus seinen überaus bedeutenden Ausführungen sei folgendes hervorgehoben: Redner weist darauf hin» daß, nachdem das Baseler Programm der Balfourerklärung zufolge» zum größten Teile im Begriffe ist. verwirklicht zu werden, die Zeit vorüber sein soll des farbenlosen» sich nicht nach den verschiedenen Lebensanschäuungen sich dafferen- zierenden Zionismus. Schließlich wird jede Privatperson sich künftig vor die Wahl gestellt sehen, sich einer bestimmten imtern-poffitischen Richtung anzuscMleßen und sich demgemäß zu organisieren» Redner ist überzeugt, daß düe Misrachi ihren Eitniluß nicht verfehlen wind, denn si'e birgt Tendenzen iin sich, die an die besten Traditionen des jüdischen Volkes appellieren» Hermann Struck erstattet Bericht im Namen der deutschen Landsmannschaft