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Jüdische Zeitung · 1920-02-06 · 5 (6.2.1920) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
5 (6.2.1920)
Date
1920-02-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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iSr. 5 Seite 3 noch bestimmterformuliert waren, so wurden für sie die vollsten politischen, -bürgerlichen und nationalen Rechte verfangt Leider hatte dile Losung der nationalen Mimoritätsrechte für die Juden des Ostens, selbst in ihrer beschränkten Formulierung, die großen jüdischen Organisationen von England und Frankreich zurückgeschreckt Eintvöllige Einigung konnte deswegen trotz mehrwöchiger Unterhandlungen und trotz großer Nachgiebigkeit seitens des Komitees <L J. D. in Paris nicht zustande kommen. Auf diese Weise war im Komitee <L J. D. nacht das gesamte Judentum vertreten, sondern durch die Delegationen der National-Kongnesse, National-Ver* Sammlungen, National-Räte nur das Judentum folgender Länder: Vereinigte Staaten, Kanada, Polen, Rußland, Ukraine, Ostgalszien, Rumänien, Tschecho-Siowakei, Italien, Palästina, Bukowina, Transsylvanien* Griechenland (letzteres durch schriftliches Mandat). Dazu kamen noch die Vertreter der Zionistischen Organisation der Bneü- Brith und des American Jewish Comitee (für das Memorandum). An dilese Zusammensetzung des Komitees muß erinnert werden, um zu begreifen, welche Fülle von Aufgaben dem Komitee d. J. D. erwachsen war. Glücklicherweise hat sichzwischen dem Komitee d. J. D. und dien anderwärts wirkenden Faktoren der englischen und französischen Organisationein ein Konflikt in der Arbeit nicht herausgestellt Wer nun nach der Erfüllung der Aufgaben des Komitees d. J. D. fragt, hat zwischen den Zielen zu unterscheiden, welche. cs sich gestellt hat und den Aktionen, welche es vollbracht hat Die Frage, ob das Komitee d. J. D. die Aufgaben, wieäche es sich für seine Aktionen selbst gestellt hat erfüllt hat kann schon heute bis zu einem gewissen Grade bejahend beantwortet sein. Bei den Zielen kamen allerdings Momente in Betracht welche außerhalb des Bereichs der Machtverhältnisse des Komitees stehen. Zwischen den Aufgaben* welche das Komitee zu erfüllen hatte und den Zielen, welche das Komitee erreichen konnte* ist nämlich genau so scharf zu unterscheiden, wie zwischen dem Memorandum, -'weiches das Komitee der Friedenskonferenz überreicht hat und dem Traktat den die Polen haben unterzeichnen müssen. Diejenigen, welche seit Jahren im Kampfe für die jüdischen Rechte stehen und insbesondere im Osten Europas die politischen Bestrebungen dürchgemaeht haben, hatten von vornherein, ein. sehr weitgehendes nationales Programm* Es ist aber interessant daß gerade die jüdischen Vertreter, diie aus dem Osten nach Paris gekommen waren, sich keinen- Illusionen hingab en und von vornherein wußten* daß che Verwirklichung dieser Forderungen während der Friedenskonferenz kaum denkbar sei* Es war ihnen zunächst am wesentlichsten daran gelegen, die jüdischen Forderungen vor aller Welt zum ersten Mal klar zu formulieren: und sie der Friedenskonferenz vorzubringen* Daß der Gegenstand selbst der großen nichtjüdischen Oeffentlichkett, namentlich der von Westeuropa und Amerika völlig fremd sei, wußten die meisten Delegationen. Wer den ersten internen Sitzungen der jüdischen Vertreter beigewohnt hat der weiß es, welcher Skeptizismus in dieser Beziehung unter ihnen herrschte. Unter Berück sichtigung dieser Umstände ist das, was mit Bezug auf Polen und selbst mit Bezug auf die andenen Länder erreicht worden ist von historischer Bedeutung. Gewisse nationale Forderungen sind* ohne daß dieses Wort ge* braucht wird, von der Friedenskonferenz tatsächlich anerkannt worden. Auch die offizielle Bestimmung des Judentums hält sich nicht mehr i-m Rahmen der früheren üblichen assimilatorischen Definition des Judentums einzig und allein als einer Glaubensgemeinschaft Man stelle sich vor, wie handen; es fehlt an Zucht Vielleicht auch ein wenig an literarischem Verstand* Hier müßte der Verein „Freie jüdische Volksbühne“ vor allem bfidend, erklärend auf dlas Ensemble einwirken. Herr Deutsch ersetzt, was ihm die Natur für die Gestaltung des ostjüdiischen Intelligenzmcr.schen Alexander versagt hat durch einige Oskar Sauer-Töne der Menschlichkeit zu denen sich schauspielerische Routine gesellt Für Frau W e in t r a ub - Gr a f f ist die Rolle dter Asjazu geklügelt. Den Freund* jenen resign tionsverh federten Rufer in der Wüste* gab ein Gast Herr Dr. Emmisch, so litera-risch-lebensarm. wie es ihm zukommt vielleicht zu literarisch mit Augenspiel dozierend. Auf der Tr aditionsiuden Seite, welche dem Ensemble besser gelang, gestaltete Frau Deutsch eine prächtig-lebensvolle jüdische Mustertype, Herr Reiß mann eine seiner Spezialitäten, den überbeweglichen Juden, von dem er leider nie loskommt. Eine schauspielerische Leistung ersten Ranges sei verzeichnet: Herr Strisowes, welcher die für den Helden vorbestimmende Figur eines schon lange Verstummten verkörperte. Er schuf aus diesem literaturgeborenen Schattenbild durch eindrucksvoll-schönes Spiel seiner Hände und sprechender Augen, verbunden mit einer 'echt jüdischen Leidiinte eine Gestalt Dafür sei ihm Dank. s. s. Eine jüdische Theatergesellschaft in Wilna. Am S. Jänner konstituierte -sich im W i Inaeir Stadttheater eine jüdische Theatergesellschaft. welche es sich zur Aufgabe gestellt hat, die rein national] ü dis che Kunst zu fördern, eine Reihe von guten jüdischen Provinzbühnen zu gründen, welche mit dem jüdischen Theater, in Wilna in Verbindung stehen, ferner eine Schule für die Ausbildung künstlerischer Talente zu schaffen. -- .- der Text der M inder h ei-.tsr echte mit Bezug auf die Juden gelautet hätte, wenn die Friedenskonferenz vor dem Aufkommen der nationalen jüdischen Bewegung diese Rechte hätte formulieren salien. Dazu sehe man sich z. B. die Texte der früheren Verträge aus den Siebziger» j-ahren mit Bezug auf Serbien und Rumänien an. Schon die Tatsache, daß plötzlich von ethnischen und Rasseminderheiten neben der religiösen die Rede ist ist kennzeichnend genug. Es ist nur ein Anfang, aber dieser Anfang ist ein außerordentlicher Fortschritt, ist die erste Etappe* der wettere nachfolgen werden. Das Komitee hat momentan fünf Arbeitsgebiete: 1. Kampf um Aufnahme gewisser Klauseln in die verschiedenen Verträge mit kleineren Ländern, welche noch nicht erledigt sind (Ungarn, Türkei etc.); 2. Das Streben nach voller bürgerlicher und nationaler Emanzipation der Juden in Rußland; 3. Abwehr der furchtbaren Katastrophen. Organisierung des Kampfes gegen die lawinenartigen Pogrome; 4. Organisierung und Verwirklichung dter jüdischen W e 11 h; 1 f skonferenz; 5. Vorbereitung der künftigen Organisierung des Judentums (Waad Haarazoth) zum Schutz der erreichten Nationalrechte und zur Erweiterung dieser Rechte, sowie anderer permanenter Zilele. Das Komitee dürfte voraussichtlich so lange bestehen, als die Friedenskonferenz in Paris bestehen wird. Insbesondere ist die Erledigung des immer aktueller werdenden russischjüdischen Problems bis zur Gründung des Rates der Jüdischen Delegationen entscheidend für die Notwendigkeit des Weiterbestehens des Komitees in Paris. Ich glaube indes, daß, abgts sehen von russisch-jüdischen Angelegenheiten auch die anderen Objekte und Ziele des Komitees vorläufig nur in Paris zur Behandlung kommen können. Man denke nur daran, welche Aktionen allein die Lage der Juden in Polen verursacht Oder glaubt man etwa* daß die rumänische Emanzipation ohne die geringsten Schwierigkeiten verwirklicht werden wird? Bei dei Gelegenheit läßt sich unsere Beziehung zum rumänischen Vertrag also formulieren. Der rumänische Vertrag ist weit entfernt von den Zielen, welche wir uns gestellt haben* Allein che auch bis jetzt durch den Vertrag gewährleistete Emanzipation der rumänischen Juden nebst Einschluß gewisser Minderheitsrechte ist ein so gewaltiger Fortschritt, bedeutet eine solche Revolution im Leben dieser Juden, daß es jetzt gilt, die Emingenschtit festzuhalten und weiter aiiszubauen._ Eine internationale Emigrationskonferenz Unter diesem Titel, veröffentlicht. in der Berliner. „Jüdischen Rundschau“ vom 9. Jänneae Hans Goslar eine Anregung, die auf den Umstand hünweist, daß wir „vor einem ungeheuren Ansturm jüdischer Massenaus wand e r um g aus dler Ukraine, aus Polen, Sowjet-Rußland und anderen Gebieten des Ostens stehen“, und daß wir auf absehbare Zeit nicht m der Lage sein werden, diese Auswanderungsflut nach Palästina zu lenken. Goslar stellt fest daß nur eine vereinte Kraftanstrengung des ganzen jüdischen Volkes und all seiner Hilfsorganisationen der Auigabe der Regulierung der Auswanderung gewachsen sein kann und fährt fort: Die Frage der Emigration aus dem Osten kann nur im Zusammenhang mit der Immigration in neue Landstriche behandelt werden. Die Immigration ist beute für jedes Land eine Frage von größter iinne rpol i tisch e r Wichtigkeit. Der politische Charakter der Immigration schließt zersplitterte und getrennte Teilverhandlungen von einzelnen jüdischen Organisationen mit den' für die Einwanderung in Betracht kommenden Länder aus. Nur eine vom ganzen jüdischen Volk aktiv legitimierte politische Körperschaft kann deshalb vom politischem Faktor zu politischem Faktor bindend verhandeln. Aus diesen Feststellungen folgert für mich zunächst: Sämtliche großen jüdischen Organisationen der Welt, die sich mit jüdisch-philanthropischen Angelegenheiten und mit jüdischer Politik, sowie mit der jüdisdhen Emigration befassen, nult anderen Worten also, die Institutionen, die — möglichst noch ergänzt durch die großen jüdischen Gemeinden — in der Tat die Masse des jüdischen Volkes organisatorisch umfassen, müssen mit größter Beschleunigung in efeum neutralen Lande zu einer interna: Zonalen jüdischen Emigratiionsk r> i> f e r e n z zusammentreten. Die Anregung müßte von der zionistischen Weltorganisation ausgehen, die. von der Entente bereits als Vertretung des jüdischen Volkes anerkannt und schon durch ihre internationale Struktur hiezu vor allen großen lokalen oder auf Länder und Kontinente beschränkten Organisationen qualifiziert ist. Die Konferenz muß zunächst teststellen, daß sie die legitimierte Vertretung des gesamten jüdischen Volkes darstellti Sie muß aus sich heraus Ausschüsse wählen, die bevollmächtigt sind; mit allen (insbesondere südamerikanischen) für eine größere Einwanderung in Betracht kommenden Staaten Verhandlungen anzuknüpfen. Das Wichtigste ist, daß diie Konferenz diesen Kommissionen auch die Vollmacht geben kann; folgendes znt erklären: „Wir wissen, daß keinem Staate beute damit gedient ist, daß jüdische Massen 'hereinströmen und sich sofort als Händler. Arbeiter und Handwerker nur auf die großen Städte verteilen'. Wir verpflichten uns deshalb, die cmwanderermengen. di'e ihr uns erlaubt hereinzubringen, organisatorisch zu feiten. Nur insoweit der Arbsltsmarkt in euren Städten jüdische Arbeiter und Handwerker erfordert, werden wir diese dorthin dirigieren.- Die übrigen werden wir. iim ständigen Zusammenarbeiten mit euren lamakvirtschaitlichen, gewerblichen, forstwirtschaftlichen und' sonstigen: wirtschaftlichen Aufsichtsbehörden in geschlossenen Massen da ansiödeln. wo sie für euer Wirtschaftsleben produktiv eingesetzt werden können. Wir stellen das finanzielle Existteruzminünum für die Einwanderer bis zu dem Zeitpunkt, wo sie sich selbst erhalten können und1 steuern mit zrn den dem Lande erwachsenden kulturellen und hygienischen Mehrausgaben1 hei. Wir vertagen nur. daß der jüdische Charakter dieser Siedlungen in jeder Hinsicht gewährleiste t wi rd.“ Goslar schlägt weiter die Schaffung einer großen Emigrationsbank vor, die Filialen in den Auswande ru:igsländern, insbesondere als Liquid aiiionsstellen für dlas immobile Vermögen der Abwanderer errichten soll. * „Ich sehe keime andere Möglichkeit!, das jüdische Volk vor ungeheurem und grauenhaftem Unglück zu bewahren, und ich sehe keinen Grund1, der als ausschlaggebend heute dem dringenden Verlangen .nach sofortigem Zusammentreten der Vertreter der ganzen jüdischen Welt in der Stunde höchster Not entgegengehalten werden kann. Zumal das Eine als selbstverständlich für ums alle ieststeht, daß das Werk des Aufbaues des jüdischen Palästina unter diesen Arbeiten nicht leiden dari. Denn über allem, was wir tun und. gezwungen werden zu tun, steht als höchstes und unverlierbares Ideal Palästina. Und wir hoifen und glauben, daß auch für sehr viele von denen, diie wir heute in andere Länder leiten müssen, oder doch für ihre Kinder und RirrdeskindteT dlas letzte Wamderziei dias Land der Väter sein wird.“ RUNOSt HAU Die jüdischen Studentenvereinigungen ln England. Am 7. Jänner iand in Leeds die Jahresversammlung der Föderation der jüdischen Scuderatenkorporationen Großbritanniens und Irlands statt. Den Vorsitz führte der Präsident der Föderation, Herr Dagutski aus Manchester. Es waren zwanzig Delegierte aus London, Cambridge, Edinburgh, Manchester. Birmingham und' Oxiord anwesend. Zu Beginn der Tagung wurden die von Oberrabbiner Dr. Gaster, Dayan Fei'dmann und Israel Zangwill eingetroüenen Begrüßungsschreiben verlesen. In seiner Ansprache sagte der Vorsitzende, daß es eine große Unterlassung wäre, wenn sich die Studentenschaft, eine der wichtigsten Gruppen im jüdischen Volke, nicht zu einer Organisation Zusammenschlüße. die ihre ganze Energie und Begeisterung der Befruchtung jed'es_ Tätigkeitsgebietes in der jüdischen Gemeinschaft widme. Es wäre ihre wichtigste Pflicht, die Gegenstäruiie des „Jewish War Memorials“ (Eine zu errichtende Anstalt zur Pflege der Wissenschaften des Judentums. Anm. d. Red.) zu studieren, welche den bedeutendsten Versuch, der englischen Judenheit zur Wiederbelebung des Judentums bedeutet und dessen Einfluß über das ganze britische Herrschaftsgebiet ergehen wird. Die Basis für d:eses Projekt sei eine jüdische Erziehung, die dessen Förderer durch Ueberprüfung der Methoden, Erweiterung der Erziehungsinsritutionen und Verbesserung in der Heranbildung und Lage der jüdischen Lehrer wirksamer und iruchtbrwigenüer machen wollen. Es wurden folgende Arbeitisziele beschlossen^ a) Die Vereinigung der jüdischen Universitätskörperschaften Großbritanniens und Irlands; b) die jüdischen Hörer der Universitäten Großbritanniens und Iriands zur Vereinigung ihrer gemeinsamen jüdischen Arbeit und! Energien zusammenzufassen und Verbindungen mit ähnlichen Organisationen außerhalb des vereinigten Königreiches iherzustellen; c) das Studium und die Kenntnis des Hebräischen, der jüdischen und hebräischen Literatur und der jüdischen Kultur überhaupt zu fördern; d) an der Förderung aller Arten jüdischer Erziehung miizuarbetten; e) eine jüdische Bibliothek zu errichten und instand zu halten; i) Arbeiten. Artikel oder Zeitschriften über jüdische oder andere Dinge zu drucken und zu veröffentlichen. fiilfstätigkeit_ für die Juden in der Ukraine. Für den 25. Jänner hat der Verband der ukrainischen Juden eine Konferenz rach Philadelphia einberuren. um über Mittel und Wege zu beraten, wie den ukrainischen Juden am besten zu helfen sei Ueber die derzeitige Lage der Juden in der Ukraine werden Dr. Coralnik und M. Großmann reierieren. Die Beschlüsse der argentinischen Zionistenkonierenz. Bei der fünften, in Buenos-Ayres vom 1. bis 6. November abgehobenen, Zionistenkonferenz wurde beschlossen, ein Inionnationsbureau für jene, die mach Palästina auswandern wollen, zu errichten; ferner, die argentinische Regierung zu ersuchen, jenen jüdischen Familien, für deren Charakter die Zionistische Vereinigung bürgt, die Einwanderung mach Argentinien zu erleichtern und die Unterbringung europäischer Waisen ohne irgendwelche Formalitäten zu gestatten. Die Konferenz schenkte der jikßscheiv!<E ä. V\ zlehungsfrage in Argentinien großerAlifev?fn merksamkeit. Um die jetzigen ungenügendere-xEj&'Ä

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